Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 50 (28.12.1906)
- Date
- 1906-12-28
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Leite 10. Personalien. Frankfurt a. M. Dienstag Vormittag wurde unter großer Beteiligung Herr Hermann Katz beerdigt, der Inhaber eines bekannten Export- und Importgeschäftes. K., der 66 Jahre alt wurde, stammte aus einem Städtchen bei Metzen, .ging in jungen Jahren nach Singaporc und gründete dort ein kaufmännisches Hans, das nach Und nach einen Weltruf erlangte. Während seines indischen Änsenthalts trat er viAfach in Verbindung mit dem Sultan Johore, der ihn wiederholt in Frankfurt vesuchte und iu seiner Billa in der Mendelssohnstraße wohnte. Auch der Nachfolger des vor einigen Jahren verstorbenen Sultans hat dort zu Besuch geweilt. Budapest. Im Alter von 61 Jahren verschied der hervorragende ungarische Geschichtsschreiber Dr. Ignaz Atczady (früher Adler). Die „Ungar. Akademie der Wissenschaften" hißte zum Zeichen der Trauer die schwarze Fahne, und das Mitglied der Akademie Dr. Desider Tczanky (ein Christ) sprach am Grabe. Warschau, 84. Dez. Im Alter von 65 Jahren starb hier der Physiker und Naturwissenschaftler D r. Stanislaw Kramsztyk, Mitarbeiter der angesehensten polnischen Zeitschriften und Herausgeber verschiedener Lehrbücher. Kranisztyk war 'in den letzten Jahren mit dem Schreiben eines geschichtlichen Werkes über das Judentum beschäftigt, der Tod hat jhn aber vor der Vollendung desselben ereilt. Loudou. Der jüngst verstorbene Dr. Gustave Schorstein vermachte dem „London Hospital" 500 Lstrl. und der Universität Oxford 1500 Lstrl. Kouftantinvpel. Herr Pariente, dem die Institutionen der „Jca" tu Palästina seit 1900 unterstanden, ist zum Inspektor der Alliance- Schulen im Orient, mit dem'Sitz in Konstantinopel, ernannt worden. Rew-Aork. Nach tanger Krankheit ist Jsaac S. I s a a c s, Mitbegründer der „United Hebrew Charities" und seit 1879 Sekretär dieser Organisation, Präsident der Vereinigung der jüdischen Gemeinden Newyorks usw., gestorben. Als Verfasser einer. Reihe jüdischer Erzählungen unter dem Titel „Freitag Abend" ist Jsaacs allen Freunden der jüdischen Literatur bekannt geworden. Aus Leu Vereinen. Frankfurt a. M. Die B e r g n ü g u n g s- Gesellschaft junger Leute.(gegründet 1893) verband ihr Stiftungsfest mit einer Chanukafeier. Im Saale der Alemannia hatte sich ein zahlreiches' Publikum eingefunden, denn die Veranstaltungen des Vereins haben sich längst einen großen Kreis von Freunden erworben. Ein von Herrn Kaufmann verfaßter und von Fräulein Niklas vorgetragener Prolog leitete die- Feier ein. Dann folgte die Ansprache des Herrn B. Blumenthal, des 1. Vorsitzenden. Das weitere Programm war reichhaltig und gediegen und setzte sich aus komischen Vorträgen, Soli, Duetten und einem Theaterstück zusammen. Die Vortragenden standen in ihren Leistungen durchaus auf der Höhe und ernteten den lebhaftesten Beifall. In den Dienst des Festes hatten sich gestellt die Damen Lilienfeld, Nathan und Roscnbaum, Frau Klinger und Niklas, sowie die Herren F. Michel, Marzowsky, A Vlumenthal, Fuld und B. Niklas. Den Aufführungen schloß sich ein Ball an. Frankfurt a. M. Sonntag, den 30. Dezember, 7 Uhr abends, wird in der Friedberger Anlage, Hinterhaus 28 I eine Versammlung ausländischer junger Leute stattfinden, um die Gründung eines Vereins zu besprechen. Frankfurt a.M. Das jährliche Kinderfest, mit dem der Verein Kindergarten für Israeliten die Leistungen seiner lleinen Schützlinge einem großen Publikum voxführte, hatte wie immer eine zahlreiche Zuhörerschar nach dem Saale des Kaufmännischen Vereins geführt. Herr Professor Dr. S u l z b a ch sprach die Worte der Begrüßung, dann ertönte Kindergesang und unter den Klängen des Pianos zog die kleine Schar in den Saal. In anmutigen Bewegungen und Tänzen, begleitet von ihren hellen Stimmchen, produzierten sich die Kleinen, und machten dem padägogischen Geschick ihrer Lehrerinnen alle Ehre. Dafür wurden sie auch zum Schluß mit Chokolade und Kuchen belohnt. Berlin. Die zweite Generalversammlung des jüdischen Volksvereins" begann mit einer eineinhalbstündigen Rede des Vorsitzenden, Herr Dr. Hans Mühsam, der an der Hand eines 'reichen statistischen Materials darlegte, daß der Verein trotz seines kurzen Bestehens berells auf ersprießliche Leistungen verweisen könne, da seine - kulturellen und seine wirtschaftlichen Einrichtungen sich gleich gedeihlich entwickeln. Unter den ersteren erwähnte Redner besonders die zahlreichen Vorträge, Fortbildungs¬ und Sprachkurse, welche sich, als ein wahrhafter Segen bewährt haben. In den Dienst der wirtschaftlichen Einrichtungen, deren Vielgestaltigkeit in einem kurzen Bericht nicht dargestellt werden kann, haben sich nicht weniger als hundertsieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestellt. Für den Umfang speziell dieses Zweiges der Vereins-Tätigkeit zeugt die Tat- Frankfurter Israelitischer Familienblatt. sache, daß im letzten Jahre nicht weniger als 21000 Auskünfte an heinrische und auswärtige, namentlich russische Ratsuchende ertellt worden sind. An den Kassenbericht des 'Schatzmeisters, Herrn M. Wollstein er, schloß sich eine sehr lebhafte Diskussion. Bei den sodann vollzogenen Wahlen wurde der Vorstand für das komniende Geschäftsjahr wio folgt zusammengesetzt: Dr. H. Mühsam, erster, Dr. Wilkowski zweiter Vorsitzender, Dr. N a m i o t, erster, Fräulein N. B a n c t h, zweiter Schriftführer, M. W o l l st e i n e r, erster, A. H i r s ch, zweiter Schatz-, meistcr, stud. techn. Isidor Wolfs, Vorsteher der wirtschaftlichen, cand. chcm. A. H i l d e s h e i m e r der kulturellen Abteilung, stud. Phil. W e l d l e r Beisitzer. Königsberg i.Pr. Wie alljährlich, so hat auch diesmal der Obersekretär M. Klein über die Wirksamkeit der Wohltätigkcitsvereine der Synagogengemcinde eine übersichtliche Tabelle znsammengestellt. Es gab im letzten Jahre hier 15 derartige Vereine und Institute mit zum Teil recht ansehnlichen Leistungen und einer stattlichen Mitgliederzahl, die sich beim Frauenverein zur Unterstützung israelitischer Witwen und Waisen auf 389, beim weiblichen Verein für israelitische Armenpflege auf 400, beim Frauenverein für Krankenpflege und Beerdigung auf 533 und bei der Ctzewra Kadischa auf 639 erhebt. Das rege gemeinnützige Wirken der jüdischen Frauen verdient besonders hervorgehoben zu werden. Das Vermögen aller Wohltätigkeitsvereinc und -Institute betrug beim Jahresschlüß lJ/2 Millionen Mark. Es konnten zusammen für zirka 56 000 Jk regelmäßige und für 28 000 JL außerordentliche Unterstützungen gewährt werden, außerdem 27 000 Jk an besonderen Zuwendungen, wie Medikamente, Kurkosten, Nahrungsmittel, Stipendien, Schul- und Handwerkerkassenbeiträge. Die Gesamtsumme der Unterstützungen erreichte im vorigen Jahre den Betrag von ungefähr 111000 Jk Die einzelnen Vereine.sind: Wohltätige Gesellschaft, Verein für Krankenpflege und Beerdigung (Chewra Kadischa) Frauenverein zur Unterstützung israelitischer Witwen und Waisen, Frauenverein für Krankenpflege und Beerdigung (Frauen-Chebra), Weiblicher Verein für israelitische Armenpflege, Feuerungsverein, Legatenkommission, Dr. Kosch'sche Lcgatenverwaltung. Israelitisches Waisenhaus für Stadt und Provinz, Dr. Kosch'sche Waisenerzichungsanstalt, Israelitisches Stift, Studienbeförderungs-Verein für Ost- und Westpreußen, Belleidungsverein für arme Zöglinge der Religionsschule, Hilfsverein für kranke russische Jsraelften, Pensivnskasse für israelitische Religwnslehrer und Kultusbeamte in Ostpreußen. Stratzburg. Im Anschluß an ein Referat des Herrn Julius Berger-Köln ist hier ein jüdischer Turnverein gegründet worden. Etwa 50 Herren schrieben sich sofort ein. Aus der zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Für den Nationalfonds gingen bei der Expedition des Frankfurter Israelitischen Familienblattes ein: Herr n. Frau Jakob Abraham, Windesheim, ihrem Enkellmde Harry Goitein, Frankfurt a. M. zu seiner Barmizwoh 1 Oelbaum im Herzlwalde 6,— JL Selbstbesteuerung Bernhard Jsaacsoyn 2,10 Jk Selbstbesteuerung N. Liebes 0,90 JL Selbstbesteucrung Saly Geis u. Selmar Geis L 0,60 Jk 1,20 JL N. N. 0,32 JL Dr. Grünhut u. Frau, Jerusalem, anstatt Telegramm zur Hochzeit des Herrn Fritz Sondheimer mit Frl. Selma Ettlinger 2,— Fr. 91. N. Federn, D van Gelder Marken und Federn. Frankfurt a.M. Mitteilung der Nationalfonds-Kommission. Die verehrlichcn Sammlerinnen und Sammler von Staniol, gebrauchten Federn, Briefmarken, Zigarren-Abschnitten usw., werden gebeten, diese Materialien b a l d m ö g - lichst an unsere hiesige Zentrale, Bleichstr. 2Part. (Expedition des Frankfurter Jsr. Familienblattes) abznliefern, da diese Materialien demnächst verwertet werden sollen. Desgleichen werden alle 'Interessenten, welche Nationalfonds-Sammelbüchsen zu erhalten wünschen, gebeten, sich an Herrn David Hamburger, Uhkandstr. 56 Pt., zu wenden. Nürnberg-Fürth. Am 9. ds. Mts. hielt die hiesige Ortsgruppe eine Versammlung ab, um zur bekannten Kritik des Herrn Dr. Jeremias Stellung zu nehmen. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Vorsitzende Herr Dr. Bamberger warme Worte des Dankes und der Anerkennung dem leider so früh verstorbenen Rabbiner Roth, wozu die Anwesenden durch Erheben von den Sitzen ihr Einverständnis erllärten. Dr. Bamberger empfahl das Wirken Roth's allen Zionisten und gesetzestreuen Juden zur Nachahmung. Der größte Teil der Anwesenden ssimmten .der Kritik Jeremias im Prinzip zu, weshalb eine Resolution beschlossen wurde, die bei der Generalversammlung zur Kenntnis der Mitglieder gelangt. Bezüglich des Briefes Kremenetzky's wird erst die weitere Mitteilung K.'s' abgewartet. Nr. 50. Auch Chanuka wurde nicht unbedacht gelassen, indem am letzten Abend ein Familienabend stattfand, bei welchem sich alle Anwesenden infolge sehr guter musikalischer und deklamatorischer Vorträge äuss Beste amüsierten. Die von den Damen gespendeten Leckerbissen wurden zu Gunsten des Nationalofnds verkauft und Jk 22 dafür erübrigt. Ueber den Zusammenhang der Makkabäer mit dem Zionismus gab Herr Dr. Bamberger in einer wohldurchdachten Rede Aufschluß. Königsberg i. Pr. Die Makkabäerfeier der Zionistischen V e r e i n i g n h g wurde von Herrn Rechtsanwalt Dr. Jacobi II mit einigen Worten der Begrüßung eröffnet. Dann folgte das Anzünden der Chanukah-Lichter und im Astschluß daran ein allegorisches lebendes Bild „Die Menorah". Ein Festspiel-Prolög, darstellend die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des jüdischen Volkes fand reichen Beifall. Die eigentliche Festrede hielt Herr Dr. Hopp.e. In der Pause wurde dem im Speisesaal'aufgestellten Büfett eifrig zugesprochen und auch die Lotterie fleißig benutzt. — Der zweite Teil brachte zunächst Violinvorträge des Fräulein Lisbet Caspar y und einen Gesangsvortrag des Herrn B e.h r. Dann sangen Herr Bruno D e s s a und Fräulein Martha Hofacker vom Stadttheater. Ein Trio der Herren Ma rtin Aschkanasy (Klavier), Mark Pinette (Moline) und Sakolowski (Cello) und jüdischi-deutsche Gesänge des Herrn De hr '— beides sehr schöne Leistungen — bildeten den Schluß des zweiten Teils. — Der dritte Teil brachte zwei lebende Bilder: „Zurück!", eine Szene voin Einwanderungsamt in Newyork, und „Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen", die Begrüßung einwandernder Inden in Jaffa, dem Hafen Palästinas, wobei das Nationallicd, das „Hatikwoh" von der Versammlung gesungen wurde. — Die Konzertinusik hatten die Z.8. Pioniere gestellt. Den Slbschluß des ganzen, nach jeder Richtung hin wohlgelungenen Festes bildete ein Ball. London, s Der Schekeltag-Meeting des Jeirisb Workingmen Club wurde unter riesiger Beteiligung abgehalten. Es waren zahlreiche Telegramme und Begrüßungsschreiben cingelaufen, darunter ein Schreiben Max Nordaus. Nordan läßt sich wie folgt vernehmen: „Die Verwirklichung der zionistischen Idee verlangt ' das Vorhandensein zweier Tatsachen, der Geneigtheit des Sultans und der Mächte auf der einen Seite, der Bereitschaft und der Bereitwilligkeit des jüdischen Volles andererseits. Die erste Vorbedingung zu schaffen, hängt ntzht von uns ab. Wir können zwar unsere Sache vor den Sultan und die Mächte bringen, aber wir können sie nicht zwingen, unsere Wünsche zu erfüllen, und wir müssen uns daher in Geduld fassen bis zu einem Augenblick, der uns günstig ist. Aber die zweite Bedingung kann durch unsere Bemühungen ersüllt werden und nur durch unsere. Wir können uns auf den historischen Moment vorberellen, der früher ober später kommen wird und kommen muß. Wir müssen uns vorberciten, und darum ist es unsere Pflicht, die zionistische Organisation und ihre Organe nach unseren besten Kräften zu unterstützen. Wenn der große Ruf erschallen wird: „Israel! Stehe auf!" müssen wir in der Lage sein, einer wie der andere antworten zu können: „Wohlan! Wir sind bereit!" Prag. Jüdischer Bo lksVerein. Sonntag, den 16. dss., fand im Wintergarten des Hotels Heine die Makkabäerfeier statt. Nach den Begrüßungsansprachen der Herren Dr. Kohn und Jakob Wert hei m er wurde die Menorah entzündet, worauf der jüdische Gesangverein unter Mitwirkung des Herrn Oberkantor Kornitzer unter der bewährten Leitung des Herrn R. Taussig, Mitglied der Prager Landesbühne die erste Strophe des Fest-, gesanges vortrug. Die Festrede, welche Herr Rabbiner Dr. Deutsch hielt, entfesselte stürmischen Beifall. Herr Oberkantor Kornitzer brachte schöne Lieder zum Vortrag, der jüdische Turnverein unter Führung des Herrn Saar, stellte eine stramme Turnriege. Der Clou des Abends war die Auffübrung des Hejermannschen Einakters „Ahasver", der die entsetzlichen Verhältnisse unter denep die russischen Juden zu leben, gezwungen sind, in ergreifender Weise schildert. Die künstlerischen Leistungen des Herrn Oskar Kaminski, des Trägers -er Hauptrolle sei bestens hervorgeyoben. Miava (Ungarn). Anläßlich des Chanukkafestes veranstaltete die hiesige Ortsgruppeeine Festversammlung. Die Beteiligung — auch aus der Umgebung — war eine überaus große. Es sprachen: der Obmann S. B. Rvsner, Dr. med. M. Roth und Dr. phil. N. Friedmann. Sämtliche Borträge erziellen lebhaftesten Beifall. Die Sammlung für den Nationalfond ergab 25 Kronen. Viele Neuanmeldungen. Odessa. Der Hilfsverein der deutschen Juden hat an das hiesige Palästina-Komitee 7500 Franken für das Jnformationswesen in Palästina überwiesen und je 2000 JLJüt Eröffnung von Kindergärten in Beiruth und Haifa. . „ In dem Städtchen Tarutino (Besjarabien) haben sämtliche Schneider beschlossen, für den Nationalfonds eine Selbstbesteuerung, von 3 Kopeken von jedem Paletot, 2 Kopeken 'von jedem Rock und 1 Kopeke von jeder Hose'und jeder West«