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Neue jüdische Presse · 1906-12-28 · Heft 50 (28.12.1906) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 50 (28.12.1906)
Date
1906-12-28
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 50. zu entrichten. — Die Handrungsangestellten werden voraussichtlich in Kürze diesem Beispiele folgen. Helsingsors. Zu der Konferenz der russ. Zionisten ist noch nachzutragen: In einem Referate über die zionistische Taktik machte Herr S ch a b o t k n s k y den Vorschlag, einen Verband der russischen MinderheitsvMer zu begründen. Eine sehr große und lebhafte Debatte ries die Frage hervor, ob die Zionisten unter eigener Fahne innere Politik treiben oder eine allgemein jüdische Volkspartei schaffen sollen. Me erste Ansicht gewann die Mehrheit. In dem Programm finden sich außer dem allgemeinen demokratischen und national-autonoinistischen, folgende spezifische jüdische Forderungen: Volle und unbedingte Gleichberechtigung der jüdischen Nationalität und das Recht der Selbstverwaltung in allen Gegenständen des jüdisch-nationalen Lebens. Einberufung einer allrussischen jüdischen Nationalversammlung um die Grundsätze der nationalen Organisation auszuarveiten. Das 'Recht her nationalen und der Muttersprache in Schule, Gericht und öffentlichem Leben. Das Recht, überall am Sabbat statt am Sonntag zil ruhen. Zuletzt hat sich die Konferenz mit Organisationsfragen beschäftigt. Statt des bisherigen Bureaus wird in Wilna ein mit größeren Rechten ausgestattetes Zentralkomitee gebildet. In dieses wurden wurden die Herren B. Gokdberg, Ir. I. L u r i e, Dr. Pasmanil, Rosen bäum und Herr L. I a f f e gewählt. Auch eine Palästina - Kommission in Odessa und zwar aus den Herren S u ß m a n n, S a pp ir und Ussi sch ki n bestehend, wurde eingesetzt. Am 11. Dezember wurde die Konferenz nach 7 tägiger Arbeit mit einer Rede des Vorsitzenden Dr. Tschlenow geschlossen. Jaffa. In Beiruth wurde unter Mitwirkung der Anglo Palestinc Company eine. Spar- und Leihkasse für Kleinhändler und Handwerker gegründet. _ Aus der Lehrerwelt. Berlin. Der Verein „Israelitisches Lehrerinnenheim für ganz Deutschland" hat den Zweck, würdigen, alleinstehenden, gealterten Lehrerinnen und Erzieherinnen, die nach langer privater Tätigkeit keine staatliche Versorgung erreichen konnten, ein sorgenfreies Altersheim zu schaffen. Dank der regen Teilnahme wohlwollender Gönner, konnte das erste Heimathaus in Groß-Lichter- Frankfurter Israelitisches Familienblatt. felde-Mest bei Berlin, Karlsstraße 112a, schon vor einigen Jahren seiner Bestimmung übergeben werden. Das mit der Anstalt verbundene Rekonvaleszentenheim für noch aktive, erholungsbedürftige Lehrerinnen und Erzieherinnen, zu vorübergehendem Aufenthalt bestimmt, erfreut sich des lebhaften Zuspruches. 76 Damen haben bereits in dem Altersheim Aufnahme gefunden, und fortwährend gehen neue Gesuche ans allen Teilen des Deutschen Reiches ein. Jedoch bedarf es noch sehr großer Mittel, um die Bestrebungen des Vereins zu fördern und allen Bewerberinnen die lebenslängliche Versorgung im Heim zu sichern. Hamburg. Herr D r. Nobel- Leipzig ist zum 2. Genreinderabbiner von Hamburg gewählt worden. Herr Dr. Nobel gehört bekanntlich 'zu den ersten gesetzestreuen Rabbinern in Deutschland, die sich lnit ihrer ganzen Persönlichkeit in den Dienst der zionistischen Idee gestellt haben. Er ist zurzeit Vorsitzender des Misrachi. Prehburg iüngarn). Rabbi AkiüaSckreiber wurde einstimmig als Nachfolger seines Vaters zum Oberraböiner der hiesigen Gemeinde gewählt. Der neue Oberrabbinec steht im Mer von 29 Jahren. Er ist eine männlich-schöne Erscheinung, sein feingeschnittenes Gesicht umrahmt ein tkefschwarzer Vollbart, während sein klares, durchdringendes Auge Geist und Klugheit verrät. Er besitzt gründliches talmlldisches Wissen, tiefe Gelehrsamkeit, eine entsprechende Vortragsweise und leitete seit Jahren die berühmte Prcßburger Jeschiwa. Lemberg. Der soeben ausgegebene 4. Jahresbericht des von der Kultusgemeinde erhaltenen, vom Staate und dem Lande subventionierten Religio n s l e h r e r - S e in i n a r s konstatiert die günstige Entwicklung der Anstalt. Alle mit dem Reifezeugnisse eines k. k. Lehrerseminars versehenen Abitnrkcnten der Anstalt haben Anstellungen an Volks¬ und Bürgerschulen erhalten. Um ihnen die Möglichkeit zu geben, einst das Qüalifikationsexamen abzulegen, hat die Schulbehörde ihnen auch die Erteilung in weltlichen Fächern übergeben. Linz a. Donau. Rabbiner Moritz Friedmann feierte unter allgemeiner Beteiligung seinen 79. Geburtstag. Bunte Chronik. Der Jude. In Georg Brandes „Erinnerungen" (Verlag Albert Langen, München) finden wir folgende Seite 11. Geschichte, die in die früheste Kindheit des dänischen Essayisten zurücksührt: Wenn ich dem Dienstmädchen nachtrolltr, das den jüngeren Bruder an der Hand hielt, hörte ich zuweilen hinter mir etwas reifen, und wenn ich mich umwendete, erblickte ich einen grinsenden Jungen mit verzerrtem Mund und drohenden Händen. Lange Zeit hatte ich nicht weiter darauf geachtet, aber allmählich kehrte der Ausruf öfter wieder, und ich fragte das Mädchen, was er bedeute. Sie antwortete: „Ach, nichts!" Auf mein wiederholtes Fragen sagte sie nur: „Das ist ein garstiges Wort." Wer eines Tages, als ich von neuem den Ausruf vernommen hatte, wollte ich Bescheid wissen, und als ich nach Hause kam, kragte ich meine Mutter: „Was bedeutet das?" „Jude!" sagte meine Miitter, „Juden, das sind einige Menschen." — „Garstige Menschen?" — „Ja," nntwortew die Mutter lächelnd, „zuweilen recht häßliche Menschen, aber nicht immer." — „Kann ich einen Juden zu sehen bekommen?" — „Das kannst Du wohl," antwortete die Mutter und hob mich schnell zu dem großen, ovalen Spiegel empor, der über dem Tnka hing. Ich stieß einen Schrei aus, der sie bewog, mich eiligst wieder auf den Fußboden herabzulassen, und ich zeigte mich so entsetzt, daß es ihr leid tat, mich nicht vorbereitet zu haben. Später sprach sie zuweilen davon. Vereins - Kalender. Verein Nachalatz Zwi. Mittwoch 2. Jan. 07, abends SSA Uhr im Vereinslokale Schühcnstr. 2. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Arnold Klein aus Würzburg: Das Wesen des Gegensatzes -.wischen Pharisäern und Saduzäern. Damen sind willkommen. „Montefiore"-Verem. Mittwoch, den 2. Januar 1907, abends 9 Uhr, Herr Privatdozent Dr. Julius Hülsen. 1. „Tempelban im alten Egypten" (mit Lichtbildern). Verein Tiferes Bachnrim. Sonntag, den 30. Dez., präzise SVa Uhr abends. Ordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: Erstattung des Jabresberichts. Neuwahl des Vorstandes. Anträge der Mitglieder. Ph. Beck - Reutllnger Telephon 8744. Gr. Bookeuheimerstr. 21. Telephon 8744. SäitMe Börsten Itr Hansbaltnaflszweite in auserlesener Qualität. Beste Haushaltungs-Seifen, Stearin-, Wachsu. Zierkerzen. Detailverkauf von L. Dalion & Co. Architekt jttax Seckbach Frankfurt am Main. Entwurf Bauleitung Ausführung aller Ctebänilearten. Speziell: Synagogen, Gebäude für gemeinnützige Zwecke u. s. w. Monumentale Grabdenkmäler. ßuCnllQftcfinnltOl* ans der bekannten und preisgekrönten UwOvllCtllaKlUwUvl Hannoverschen Geschäftsbücherfabrik W. Oldemeyer Nachfolger, Hannover. ff. 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