Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1906-12-14 · Heft 48 (14.12.1906) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 48 (14.12.1906)
Date
1906-12-14
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2692297-2692460-2692508--02892-2697531
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 10. § 3. Als fDlittet zur Erreichung des (iu 8 2) angegebenen Zieles dienen: ä) Die Einberufung von Konferenzen aller dem W. B. Z. K. angchörenden Korporationen, die sowohl über die Lage der jüd. Studenten, als auch über allgemeine jüdische Zeitsragcn zu beraten haben, b) Die Veröffentlichung von Broschüren und Flugschriften, c) Die Herausgabe eines die Interessen des W. B. Z. K. verfechtenden, periodisch erscheinenden Organs. § 4. Sämtlichen dem W. B. Z. K. zugehörigen Korporationen wird es zur Pflicht gemacht, sich gegenseitig mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zu unterstützen. § 5. Zur Herbeischaffnng der erforderlichen Geldmittel dienen die Korporationsbeiträge, welche je nach der Mitgliederzahl der betreffenden Korporation propvrtionell erhoben werden. § 6. Die.Leihing des W. B. Z. K. liegt in den Händen eines, für die Dauer eines Jahres gewählten Vorstandes, bestehend aus Präsidium, Seketariat und Kassaverwaltung. §7. Der Leitung steht das Einberufungsrecht der Konferenz zu. § 8. In den Machtbereich der Konferenz fällt: a) Aufstellung der Tagesordnung, bi Wahl der Leitung. e) Beschlußfassung über Aufnahme oder event. Ausschluß von -Verbindungen. § 9. Für die Beseitigung eventueller Streitigkeiten zwischen den zum W. B. Z. K. gehörenden Korporationen wird ein ausschließlich zu diesem Behuse gewählter E. R. (Ehrenrat) eingesetzt. § 10. Die Devise des W. B. Z. K. lautet: „Mit vereinter Kraft für Volk und Vaterland". Wir bestehen nicht ausdrücklich auf die Annahme dieser Statuten ohne jedwede Modifikation, sondern sind gerne bereit, jeglichen Vorschlag, es sei denn, daß derselbe die Erweiterung öder Einengung obiger Statuten bedeute, insofern er den Prinzipien unserer Bestrebungen nicht zuwiderläuft, und sich vraklisch ausführen läßt, zir prüfen, und nach Gebühr zu berücksichtigen. Wir sind der starken Zuversicht, daß es keine jüd.-nat. 5d>rporation versäumen'wird, diesen unseren Aufruf .ihren: Konvente zwecks.ernster Durchberatung vorzülegen und uns die darüber gefaßten Beschlüsse oder event< Anträge umgehend mitzutrilen. Kampfesrus jMch. -Zionsgruß! -ÜÜL _Die.. M.-nitt.. .Sttck>^Berb....,,Kadimah", ^sAÄiesivSWern! >r (Schn^^-^estäurant Schäfer, Kornhausplatz. ... Radautz (Bukowina). Hier fand die Gründung eines Vereines „D ors che Zion" statt, zu dessen Obmann Herr Dr. Vierer gewählt wurde. Der Verdrn faßte best einstimmigen Beschluß, Herrn Reichsrotsabgeordneten D r. Straucher wegen seiner hervorragenden Verdienste um das Judentum zum Ehrenmitgliede zu ernennen. Helfingfors. Die Konferenz der russischen Zionisten wurde'Dienstag Nachmittag von B. Goldberg in Vertretung des erkrankten Rosenvaum eröffnet. Dr. Tschlenow wird zum Vorsitzenden gewählt. — Der von B. Gvldberg erstattete Bericht üher die Tätigkeit des Zentral-Bureem beginnt damit, daß gelegentlich des 7. Kongresses in Basel das Finanz-Zentrum von Kiew nach Wilna verlegt worden ist. Ein'Vorteil ist daraus nicht erwachsen, denn infolge der gegenwärtig besonders gearteten Lage in Rußland ist sehr wenig Geld einge« lausen, Städte wie Kiew und Jekaterinoslaw haben dieses Jahr nicht einen Schekel geschickt. Das Zentral- Bureau versandte 10 Zirkulare an "bis Vereine, 16 Zirkulare an die Vorsteher und eine halbe Million Aufrufe im Interesse verschiedener zionistischer Institutionen. Ferner wurden die Broschüren „Die Arbeit in Palästina" und „Jediaüs wegen Erez Jisroel" herausgegeben und das Journal „Das jüdische Volk" gegründet, und es werden demnächst noch zwei hebräische Zeitschriften — eine in. Palästina und eine in Odessa —ins Leben gerufen werden. Auch wurden der Verlag „Kadimah" und verschiedene Zeitschriften subventioniert, sowie Preisausschreiben für verschiedene zionistische Broschüren .erlassen. Das Zentralbureau ^beüiühtTsich) zusammen mit der Palästina-Kommission in Berlin, das Publikum für die Gründung eines Agrarlands und einer Agrar-Bank zu interessieren. In verschiedenen großen Städten Rußlands sind Jnformationsbureaus für Auswanderer und in mehreren Orten Palästinas solche für Einwanderer gegründet'worben. Der Bericht konstatiert,-daß das Interesse der russischen Juden für reale Arbeit in Palästina und "politisch-nationale Arbeit inj Rußland sehr gewachsen ist. ' (Schluss folgt.)" Ms den Vereinen. Frankfurt a. M. Aus dem Bureau des Möntefiore-,Vereins geht uns die Mitteilung zu, daß' die-ChaUukkahseier präzise 9 Uhr abends.beginnt. Die Teilnehmer an dem Feste werden gebeten, rechtzeitig ihre Plätze einzunehmen, da die Saaltüren während der Vorträge geschlossen bleiben, iim Störungen zu vermeiden. Fra«kftrrta.M. lieber „TheodorHerzl ».seine Bedeutung für das Judentum" sprach am Frankfurter Israelitisches Familienblatt. letzten Montag Herr Dr. W. H a n a u e r ° Frankfurt in einer überaus gut besuchten Sitzung des „Verein für jüd- Gcschichtc ilnd Literatur". Einleitend führte Redner ans, daß es schwer sei, bereits heute ei» endgültiges Urteil über Theodor Herzl 'abzugeben, wo die Bewegung, die er entfacht, noch nicht zum Abschlüsse gekommen ist. — Fe von dein Ersolgc derselben, wird auch die endgültige historische Bewertung seiner Persönlichkeit abhängen, auch müßte inan abwarten, bis die Meinoiren und Bücher Herzls der Oeffentlichkeit übergeben seien. — Redner schilderte alsdann die äußeren Lebensverhältnisse des großen Mannes und seine Entwicklung vom Schriftsteller Herzl zum Juden Herzl, die sich mit der Abfassung seines Judenstaates vollzog, dann seine zweite Wandlung voin Juden Herzl zum jüdischen Staatsmann, zum Führer der Nation und gab dann eine Schilderung seiner politische», organisatorischen und agitatorischen Tätigkeit. Zum Staalsmanue war Herzl durch 'seine hervorragenden geistigen und persönlichen Eigenschaften geradezu prädestiniert. Seine Erziehung, sein Studium, der Verkehr mit hervorragenden Menschen, seine Reisen gaben ihm die nötige Vorbildung, ebenso wie seine Tätigkeit als Korrespondent und Redakteur einer hervorragenden Zeitung, es kamen weiter in Betracht seine große Begabung als Schriftsteller,, seine Rednergabe und seine schöpferische ^Einbildungskraft. Der Mensch Herzl zeichnete sich Durch zähe Energie in der Verfolgung seiner Ziele, durch einen unverwüstlichen Optimismus, durch seltene Bescheidenheit und Uneigennützigkeit aus. — Die große Bedeutung Herzl's für das Judentum wird nicht nur von seinen Freunden, sondern auch von seinen politischen Gegnern anerkannt. Er war cs, der ein gebrochenes Volk wieder aufrichtetc und ihm neue Ideale ciiiflößtc. So wird das Andenken Herzls, dieser Licht- und Jdcalgestalt, als ein yochgesegnetes fortlebcn, so lange es Juden geben wird, als eines Mannes, der nach dem Höchsten strebte, der sein Volk zu einem glücklichen machen wollte, der für diese Idee gelebt hat und dafür gestorben ist. Die Ausführungen des Vortragenden wurden sehr beifällig ausgenommen. Konstantinopel (Tü>kei) Jüdischer Turnverein. Unser Verein wurde 1895 gegründet, er hat 3 Abteilungen und zwar: eine Herren-Riege mit ca. 100 Mitgliedern, eine Jugend-Riege mit ea. 30 Mitgliedern und eine. Damen-Riege mit ca. 20 Mitgliedern. Letztere wurde im April dieses Jahres gegründet. Die Einnahmen des letzten Jahres beliefen sich auf 7925 Piaster, die Ausgaben auf 6600 Piaster. Wir bitte« unsere Leser, ihren Bedarf unter Bezugnahme ans unser Blatt bei «usereu Inserenten zu decke«. Frankfurter Israel. Famllieublatl. Das Wunderkriiglein und die Makkabäer-Waffen. Eine Chanuka-Betrachtung von Rabbiner AdolfAltmann, Reustadtl. Wenn wir in der gegenwärtigen Betrachtung das Chämikafest und seine Bedeutung würdigen wollen, müssen wir zuerst jene Stelle aus dem Talmud, die von der Ursache der rabbinischen Einsetzung dieses Halbsestes berichtet, betrachten. Fm Talmud (Sabbath 22aj heißt es: „Was ist „Chanuka", wovon die Rabbiner lehrten, daß am 25. Tage des Monates Kislew die Tage des „Chanuka" seien, an deren 8 aufeinanderfolgenden Tagen man weder Leichentrauerrede halten noch fasten darf?" — „Als die Syrer ins Heiligtum drangen, verunreinigten sie alle Oele, die 'im Tempel waren. Als mm aber nachher die Dynastie des Hasmonäerhauses die Oberhand gewann und die Syrer besiegte, suchten die Mitglieder des Mokka», bäerhauses und fanden blas ein einziges Krüglein Oel, versehenmit dem Siegel des Hohenpriesters. Darin war jedoch nur für einen Tag. zum brennen gewesen: cs geschah aber das Wunder, daß sic hiervon 8 Tage lang anzündeteii. Im anderen Jahre setzte» sie dieses Ereignis fest und bestimmten diese Tage zu Festtagen mit Lob und Dank." Da uns so im Talmud auf das Oclwunder begründet die Einsetzung des Channkafestes gelehrt wird, erscheint eine Stelle der Pesikta ausfällig, die-eine andere Ursache angibt. Die Pesikta lautet: „Weshalb zündet. man Lichter am Chanuka? Zur Zeit, als die Söhne der Hasmonäer siegten^ gingen sie ins Heiligtum und fanden daselbst acht Spieße aus Eisen, diese befestigten sie und zündeten in denselben Lichter an." Ein ganz grundverschiedener Bericht. — Während wir aber den talmudischen Bericht wohl verstehen, ist diese recht eigentümliche Mitteilung der Pesikta durchaus. unverständlich. Nr. 48. Doch auch die Talmudstelle hat ihre Auffälligkeit.^-Denu da 'wird erzählt, daß auf das Wunder, daß das Oel — für einen Tag genug — achtmal vierundzwanzig Stunden brannte, ein Jahr daraus das Cbannkafest, nämlich ein Fest zu „HaUel wehandoo", ein Lob- und Dankesfest, da nicht getrauert und gefastet werden darf, eingesetzt wurde; von der Bestimmung aber, daß Ivir auch Chanuka-Lichtlein 8 Tage lang anzuzünden haben, wird da mit keinem Worte Erwähinlirg getan, trotzdem es doch gerade an dieser Stelle so recht am Platze gewesen wäre, daß des achttägigen Lichterlvunders wegen. 8 Tage lang Lichter angezniidet werden müssen. Ist das Licht-Anzünden aber etwas selbstverständliches, dann ist es um so rätselhafter, warum die Pesikta zu einer neuen Ursache der „Lichterzündeii-Pflicht" zu greifen brauchte. Nachdem die Pesikta es aber dennoch tut, muß diese Pflicht denn doch nicht ganz so ohne weiteres der talniudischen Erzählung des Chanuka-Wunbers zu entnehmen sein. Wir sind deshalb gezwungen, unsere Frage aufrecht zu halten, nämlich: warum jene Talmudstellc in Sabbath beim Erzählen des Lichterwunders nichts von der Pflicht des Lichteranzündens am Chanuka erwäbnt, während eine Pesikta diese Pflicht auf etwas ganz Unklares und völlig Verworrenes hin begründet. Diese Frage würde allerdings — wenn wir an den beiden Stellen des Talmuds und der Pesikta sonst nichts auszusetzen hätten — eine einfache, aber glänzende Erledigung der altberühmten Frage des Beth Josef bedeuten. Der Bcth Jösef (siehe Tur Orach chajim 670) fragt bekanntlich, warum wir denn 8 Tage lang die Chamilalichter anzünden müssen, nachdem das Oelwunder doch blos für sieben Tage wirkte, indem ja für den ersten Tag Oel genug vorhanden war? — Es würde sich nun die Antwort ganz einfach ergeben, daß ja in. der Tat die-Lichter an den 8 Chanuka-Tagen nicht hes Oelwnnders Wegen angezündet werden, dader. Talmud an das Oelwunder,! nur u dtp Pflicht des 'Hallel wehandoo knüpft. Die Lichterpflicht gründet sich vielmehr, laut der Pesikta, auf » den acht Spicße-Fund der Hasmonäer im Heiligtum, nnd da ist es eben recht, gerade 8 Tage lang anzuzünden. Daß sich durch das Zitieren der von uns behandelten Pesikta diese recht dankbare Antwort auf die so vielseitig versuchte Frage des Rabbi Jozes Karo ergibt, ändert aber nichts an der Erklärnngsbednrftigkeit der zitierten Stellen des Talmud und der Pesikta. Es bleibt immer noch unerklärlich, warum im Talmud das Oelwunder als Grund für die Pflicht der Chanuka-Lichter übergangen wird und warum die Pesikta einen unbegreiflichen, neuen Grund für die achttägige Kerzenpflicht aufstellt. Eine alte Bemerkung, die seit jeher alle jüdische Welt beschäftigt, ist die Tatsache, daß die talmndischrabbinische Literatur der Bedeutung der Makkabäer als Kriegshelden nnd jener glorreichen! Zeit als kriegerisch-nationaler Tapferkeitsepoche so wenig Angedenken widmet. Man ist seit altersher gewohnt, dieser verwundernden Bemerkung die Erklärung zu geben, daß. weil Israels Beruf nicht im Kämpfen liegt, daß, weil die Mission des jüdischen Volkes nicht im Helden- und Rittertume, sondern im Erleuchten der Welt mit dem Lichte der monotheistischen jGottesöerehrung und Belehrung wurzelt, daß demgemäß den Kriegen und Siegen Juda Makkabi's und seiner tapfer» Genossen nicht einmal annähernd die Wichtigkeit beigemessen werden kann, als der Auffindung des bescheidenen Krügleins im Heiligtum, als dein Eintreten des göttlichen 'Wunders in der Kraft deswenigen Oeles. — - Dem ist jedoch nicht so. Wohl soll Israel kein kriegslustiges Volk, sein, dessen Pplitik in. nichtswei-/ terem sich kundgibt,' als Eroberrmgs- Und Bravoiirkriege zu unternehmen und der Welt mit Muster von Heldenmut und Kriegskunst aufzuwarten. Ein Volk^ aber, dessen Weisen und Gesetzesnormiererlehren / (Talmnd-Mischnah Suttoh Perek 8), daß, wenn der j Krieg der Pflicht und der Krieg des göttlichen Ge- - böte? dieses Volkes bedarf, alles ausziehen muß,' selbst der Bräutigam aus der Brautkammer nnd die Braut vom Trauhimmel hinweg; einem Volke, dessen; Gesetzesverfassung so voll von Krie'gsgeboten und An- - orbnungen für den etwaigen Kriegsfall ist, kann die -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.