Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 48 (14.12.1906)
- Date
- 1906-12-14
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48. Seite 11. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Bedeutung auch als KriegSvolk nicht so ohne weiteres abgesprochen werden. Jawohl, die Bedeutung Israels auch als Kriegs- Volk ist unleugbar, aber nur in dem Sinne, wie es der Psalter sagt: „Der Ewige als mein Fels und Hort — der mich beseelt — ist's, der meine Hände in: Kämpfen übt, meine Finger zum Kriege." * Nicht Grenzerweiternngs-Kriege, nicht Beutelnst und Gelüste nach ökonomisch-materieller Bermögdnscrwekterung darf bei Israel für das Votum der Kriegsaufnahme maßgebend sein, sondern einzig und allein die Milchomoh Mizwoh, der nach dem Gottesgesetze gebotene Krieg, darf Israels Massen in die Trnppenreihen fordern. Wer wird nun aber leugnen wollen, daß das Kriegsunternehmen Matisjahu's, des Hasmonäer- Greisen und seiner fünf Veteranen-Söhuc, nicht im Boden des Pflicht- und Gesetzeseisers seine Wurzel hatte? Und wem: sie alsdann siegten und das die israelitische Mission hemmende und störende Gciechennnd Syrer-Joch mit einer in der Kriegsgeschichte einzig dastehenden Tapferkeit abschüttelten — wer wird da leugnen wollen, daß den Makkabäern, den großen Streitern des „Pflicht- und Gesetzeskainpfes" mrd ihren glorreichen Zeitgenossen die Palme der Anerkennung, der Lorbeer des Dankes gebührt? Noch ist Israel nicht so tindankbar, und Israels Weisen sind es umso 'weniger, der Makkabäer geflissentlich nicht zu gedenken, ihren Siegen, ihrem Mute und ihren Waffen die Glorie nehmen zu wollen. Warunl sie aber dennoch, die Weisen, uns über Chanuka, von Krieg und Sieg wenig sagen und dieses schöne Fest nur auf's Wunderkrüglein stütztni. darauf ist die Antwort zu erteilen: sie erzählen unsja' genügend, sie gedenken der Makkabäer-Waffen gerade trefflich und recht. Nicht sagt uns der Talmud, daß die Hasmonäer ans das Wunder des achttägigen Brennens des Oelcs ans dem Krüglein die Lichterpflicht des Chaunkafestes einsetzten.' O nein) daraufhin wollten sie die Licbterpslicht nicht begründen, denn cs könnte solcherart das jüdische Volk zu der Meinung gelangen, nur das übernatürliche, direkte Gotteswunder, welches ihm ohne Mühe und Plage, ohne Kampf und ohne Einsetzung des Lebens in den Schoß fällt, könne Israels Leuchter- und Lichterausgabe retten, nur ein solches sek Israels wirkliche Rettung gewesen, nur dieses mache das Chanukafest ans, nicht aber auchdie hingebungsvolle, unvergleichliche Einsetzung der Makkabäer mit dem Schwerte. Nicht wollten deshalb unsere väterlich sorgenden, vorsichtigen Weisen — die wohl zu berechnen und zu erwägen wußten, daß, wenn Israel in diese Halbheit verfällt, die dem Volke die träge Schlaffheit diktiert, mit faulen, verschränkten Armen zu sitzen und auf das himmlische Wunder zu warten, während die Stürme selbst es bedrohen, daß mit dem Verfallen in diese Halbheit auch Israel selbst verfällt — nicht wollten sie deshalb uumittelbar an das Oelwunder die Lichter des Chanuka knüpfen. Nicht wollten sie es,! wie sie eben auch andererseits nicht wollten, daß sich an die erfochtenen Siege, an die gewonnenen Kämpfe der Makkabäer allein das Chanukafest anlehnen solle. Auch eine solche Gesetzesaufstellung von der Seite der Weisen köirnte Israel als gefährliche Halbheit verhängnisvoll werden und zwar in der Weise, daß das Volk zur falschen Meinungsbildung gelangen kann, daß es nur des Kampfes, der menschlich natürlichen Mittel und des unverdrossenen Heldenmutes bedarf, nicht aber auch der übernatürlichen direkten Gotteswunder, wenn Israel als das, was es sein soll, bestehen soll können. Um also diesen beiden gefährlicheil Halbheitsschlinaen geschickt aus dem Wege zu gehen und doch »ach beiden Seiten Hill gerecht zu werden, gaben sich unsere Altvordern einen schätzbar wertvollen Rat. An das überirdische, direkte Gotteswunder mit dem Oelkrüglein knüpften sie blos die Pflicht des Hallel wehaudoo, des Lobes und Dankes für Gott, nicht aber jene Pflicht des Lichter-Anzündens, die doch auf dieses Wunder hin geradezu passen würde. An das Wunder des Heldensieges aber, an das indirekte Gotteswunder, das nicht so deutlich, und doch nicht minder sich in den Makkabäer-Waffen kundgab, an den Lorbeer von Pfeil und Bogen, an die Spieße der glorreichen Hasmonäer, wußte die, Mechilta wieder so trefflich die Pflicht der Channka- Lichter zu knüpfen, hiermit sagen und lehren wollend, daß durch den ffür Gott und Volk begeisterten Spießen jener Köwenhelden nicht minder der Beth Hamidrasch- Leuchter, die jüdische Erleuchtungsmission aufgerichret und entzündet würde, als durch jene deutliche Offenbarung Gottes in der acht Tage lang brennenden Kraft des wenigen Oeles. „Wißt Ihr, wozu und weshalb man die Lichtlein am Chanuka zündet?", ist nun die. Bedeutung der eingangs erwähnten Mechilta: „Als die Hasmonäer-Söhue so glorreich siegten, trugen sie diese Slege nicht draußen vor aller Welt als stolze, selbstsüchtige Ehrentrophäen umher. Sie gingen vielmehr und trugen dieselben in's Heiligtum. Dorthin legten sie ihre Fahnen und ihre Ehren wiederum nieder, woher sie sie genommen hatten, und siehe da, ihre Spieße von draußen, vom Schlachtfelbe, derer sie sich dieses Heiligtumes wegen bedienten, sie fanden sie hier in lallen Ehren aufgepflanzt. Hier ward ihnen die großartige Genugtuung, ihre Spieße im Einklang mit den acht Lichtern des Oelwunders vor Gott und Volk aufgestellt zu finden, und ihre Spieße setzten sie zu Leuchtern fest 'und feierten Las Lichtweihfest. Darum zünden wir die Ehanuka-Lichtlein. Briefkasten. v. Maarsen, Zürich. Bestätigen dankend' den Empfang der Jk 5. Besten Gruß, Vereins - Kalender. „Mon1efiore"-Bereiu. Sanrstag den 15. Dezember, abends 9 Uhr in der „Frankfurt-Loge" Chanukkah-Feier. . Zionistische Bereinigung Frankfurt a.M. Sonntag den 16. Dezember, abends 8% llhr in der „Frankfurt-Loge" Chanukkah-Feier. Vergnügungs-Gesellschaft junger Leute. Samstag den 15. er., abends 9 Uhr: 13. Stiftungsfest verbunden mit Chanukkahseier im großen Saale der Alemannia. Verein Nachalatz Zwi. Montag, den 17. i Dezember: Festvortrag des Herrn Prof. A. Wehl: „Die Freude im Judentum". Boru. nach dem Bortrage ^Sologesänge der Herren Oberkantor Peffachowitsch j.und Kantor Schwarz. Damen sind willkommen. Dienstag, den 13. Dezember, abends 8 Uhr im Hörsaale Schützenstraße 12: Quellenstudien-Abende lll. V. B. M, Kap. VI. 7 u. ff. Fortsetzung. Israelitischer Mädchenklub Fakrcasse M6. Jeden Abend von 7^—10 IJhr geöffnet. Verein Moniefrote, SeUerstrasse-22 ptt. Verelns*Loealltäten ‘ geöffnet täglich von 12—3 and 6—11 Uhr. Samstag und Sonntag den ganzen Tag. Wir bitten unsere Leser, ihren Bedarf unter Bezugnahme anf unser Blatt bei unseren Inserenten zu decken. Frankfurter Israel. Familienblatt. I*h. Beck-Reutlmger Telephon 8744. Gr. Boekeulieinierstr. 31. Telephon 8744. Kammwaren. Toiletteartikel. Spezialität feine Toilettschwämme u. russ. Gummischwämme in jeder Preislage. 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