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Neue jüdische Presse · 1906-11-16 · Heft 44 (16.11.1906) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 44 (16.11.1906)
Date
1906-11-16
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 4L Bei der Expedition des Frankfurter Israelitischen Familienblattes gingen für den Nationalfond's ein: Oberkantor Julius Friesländer anstatt Telegramm zur 'Hochzeit Fritz Sondheimer und Selmä Ettlinger 0.50 Jk . Hermann ' Friesläiider anstatt Tele-- gramm zur Hochzeit Fritz Sondheimer und Selmä Ettlinger ' 0.60 Jk Erlös der Versteigerung des Benschens bei Familie S. N. Goldmann, anläßlich des Besuches des Herrn Barsach, Rosyschtsche auf dessen Namen einen Oelbaum 6.— Jk Anstatt einer Depesche zur Vermal)--, lüng des Herrn Fritz Sondheimer mit Frl. Selmä Ettlinger von kand. Phil.' Mar-: kus Stieglitz u. Salomon Gewürz, Bern 1.— Jk Dr. Jsserlin, Soden a: T., gratuliert zur Verlobung von Herrn Dr. Sandler, Breslau, mit Frl. Adele Strauß' 0.50 Jk Familie Beith, Sodengratuliert zur Verlobung von Herrn Dr. Sandler mit Fräulein Adele Strauß 0.50 Jk ,S. H. Goldmann gratuliert zur Ver-' lobung Adele Strauß mit Dr. Sandler 1.— Jk S. H. Goldmann gratuliert Herrn S. Jacobsohn und Frau geb. Grünblatt, Ottoshop, zur Geburt eines Sohnes 0.50 Jk Selbstbesteuerung Dr. E. 0.90 Jk Selbstbesteuerung Jos. Oppenheimer I 0.90 Jk : Selbstbesteuerung Brno Lamm 0.60 Jk Frankfurt a. M:, iS. Nop. Gestern fand die Generalversammlung des' Misrachi-Vereins statt. Der Vorsitzende, Herr Louis Kahn, erstattete den Bericht, nach dem der Verein 80 Mitglieder zählt. Die Vorstand'swahl ergab folgende Herren: Dr. nied. JacobFeuchtwanger,Isidor Hirsch, Benzion Bamberger, Leo- Po l d O p. p e n h e i m e r und Saly Geis. Frankfurt ä. M., 14. Nov. Z i o n i st i s ch e Vereinigung. Der erste Bortrag des Palästinazh'klus war überaus gut besucht. Herr Lehrer B. Stern sprach über die Geographie Paläjstin as. In der dem Vortrage folgenden Disküssii)», interessierten hauptsächlich die Ausführungeü - des Herrn Referendar Dr. Schwarzschild, der ssenie Persönlichen Eindrücke' von Palästina wiedcrgab. Berlin. Auch die zweite jüdische Volksv e r-s a m m l u n g, die die „Berliner Zionistische Vereinigung" in'diesem Winter einberusen hat, war ein - Erfolg. 1200 Personen füllten den Saal. Dr. Sandler-Breslau sprach über eine Stunde unter allgemeinem Beifall.über „Die Zukunft der Jud e n". Seine Ausführungen gipfelten in dem Nachweis, daß eine 'dauernde Hilfe gegen die judenfeinblichen Tendenzen nur in der' Schaffung eines jüdischen 'Gemeinwesens tit Palästina zu erblicken sei. In der 'Diskussion sprach Professor Otto Marburg über die Eignung Palästinas als Kolonisationsgebict. Rabbiner Dr. L e v h schloß die Versammlung mit einer zündenden Aufforderung zur Zahlung des Schekels. Berlin. Die jüdische Volksbewegung. Unter diesem Titel versendet die Zionistische Vereinigung ein Schriftchen (16 Oktavseiten), das in ruhiger und sachlicher Weise einen Ueberblick über die moderne jüdische Volksbewegung, die in der. Gründung der Alliance Jsraslite Universelle ihren Anfang nahmünd mit: .de.m Zionismus in die richtigen Bahnen gelangte. Möge ein jeder Zionist dieses Schriftchen lesen. (Ein Sah auf der ersten Seite der Schrift seht sich in Widerspruch 'zu der orthodoxen Anschauung.) Köln a. Rh: Herr N. Sokolow hat auf Grund eines vom E. A. - K. gefaßten Beschlusses die Führung des Generalsckretariäts der zionistischen Organisation im Zcntralbureau in Köln übernommen undwird nunmehr in dieser Eigenschaft die vom - Zentralbureau ausgehenden Schriftstücke unterzeichnen.. — Präsident David Wolffsohn hat eine größere Seereise angetreten. Eine Reizung, der Stimmbänder — eine ungefährliche, aber störende Indisposition — geben ihm die Veranlassung hierzu. Wien. Palästinareise. Zu Ehren der in Wien w eilen d en Teilneh mer an der vom Z. Z.-V. veranstalteten Palästinareise fand am 29. Oktober im Saale des Hotel Guth ein Palästinaäb e n d statt, welcher in großartiger Weise verlief. — Aus Konstantinopel trifft die Nachricht ein, daß die Teilnehmer der ersten zionistischen Palästinareise an Bord des Jmperatul Trajan wohlbehalten in Konstantinopel eingetroffen sind, von wo die Reise direkt, nach Alexandria fortgesetzt wird. Der Empfang der ReisegeseUschaft seitens der rumänischen zionistischen Federation war über alle Maßen herzlich: von der Grenze an wurde die Gesellschaft von rumänischen Gesinnungsgenossen begleitet, fast auf'allen Stationen wurde sie von zionistischen Deputationen begrüßt, besonders schön war. der Empfang in Pitesci und Bukarest, woselbst auch' eine herzliche Begrüßungsdepesche der rumänischen Mitglieder des A. K Rosenbaum und Dr. Moskowitz aus Braila eintraf. Ergreifend gestaltete sich der Abschied - unserer rumänischen Gesinnungsgenossen in Konstanza: beinahe der ganze Verein Konstanza einschließlich der Damen hatte sich unter Führung des .Obmannes, M. Bujes, und des Rabbiners eingesunken, um der Gesellschaft in wahrhaft rühren- Frankfurter Israelitisches Familienblatt. . Seite 11. Herr Weise ihre Abschiedsgrüße — und ' Wünsche mit auf den. Weg zu geben. Die Liebenswürdigkeit unserer rumänischen Gesinnungsgenossen wird allen Teilnehmern.unvergeßlich bleiben. Es sei ihnen auch an dieser Stelle der herzlichste Dank ausgesprochen. — ' Die Fahrt durch das schwarze Meer geschah bei günstigem Wetter, die Einfährt in den Bosporus bei herrlichem Sonnenschein. Hoffen wir, daß sich der weitere Verlauf der Reise ebenso erhebend gestaltet. : Aus Alexandria wird' telegraphiert, daß die Reisegesellschaft glücklich daselbst eingetrofsen ist. Cardiff (England). Der Cdief-Raübi der Sefordini Chacham Dr. G a st e r ans London hielt hier dieses: Tage im Verein „Dorsche'Zion" eine Rede. : Dr. Gaster sagte ungefähr: ./ - . ..„Vieles ist in den letzten. Jahren vorgefallen, und vieles muß über den politischen Zionismus gesagt werden. Mein Freund Herr Jacobs zauderte, die Gründe der in, den jüngsten Jahren vorgefallenen Streitigkeiten' zu behandeln. Ich bin zwar nicht so furchtsam; allein ich will mich hier in keine Streitfragen einlassen. Ich habe niemals Anstand genommen, mich in Kontroversen eiuzulassen. wenn es deren Interesse galt; nicht etwa, weil ich gerne diskutiere,^ sondern einzig und allein zur Ausrechterhahtung unserer unverfälschten Prinzipien und zur Bewahrung unseres Volkes, damit es nicht von streitenden Parteien verleitet werde. Das war, das ist heute, und das bleibt auch für die Zukunft die Msicht meiner Diskussionen. Seien Sie sicher, daß ich an Andersdenkenden nichts auszusetzen habe; mögen sich diese Territorialisten, über sonstwie nennen; ich gebe gern zu, daß sie von den. erhabensten Motiven für die Wohlfahrt unseres Volkes geleitet werden. Wenn wir mit einander kämpfen, so kämpfen wir als B r ü - der und nicht als Feinde; nicht um einander zu bekämpfen und zu besiegen, sondern, um . einander zu überzeugen, welche unserer Bestrebungen am schnellsten, am sichersten und für unser Volk am heilvollsten realisierbar seien. .. Der Zionismus erstrebt nicht eine Heimstätte für dä^'jüdische Volk, sondern die Heimstätte, d. h. i nur Palästina; der Zionismus stellt nicht eine philanthropische Vereinigung dar. Seine Ziele sind von viel größeren, höheren und erhabenern Gesichtspunkten geleitet. Er . appelliert nicht allein an die Niedergetretenen, sondern umfaßt alle Juden in gleichem: Maße, die freien wie die verfolgten. Unsere Bewegung will nicht, daß die Reichen die Hände in die Tasche stecken und ihre armen Brüder wegschicken, um sie los zu werden, sondern daß wir für die innere Neorga-. nisation des ganzen Volkes arbeiten. (Anhaltender. Beifall.) Der Zionismus soll für uns alle ein neues Leben darstellen; er soll uns belehren über unsere Stellung, die wir in der Welt einzunehmen haben, über unsere Pflichten zu einander, zu Gott, zu uns selbst mid zu unserem Volke. Der Territorialismus ist eine rein philanthropische. Bewegung, eine Nation kann aber mit Wohltätigkeit nicht gerettet werden. Mit der Zuweisung einer kleinen Kolonie wird noch lein jüdisches Ideal erfüllt. Der Territorialismus kann nicht warten; er will gleich Hilfe bringen den in Rußland notleidenden Juden. Könnte er warten, so würde er sich mit den Zionisten gedulden. Unsere Arbeit muß Zeit nehmen, wenn wir auch immerfort arbeiten. Allerdings dürfen wir nicht müßig gehen oder etwa uns' mit Abhalten von Meetings zufrieden geben. Um nichts zu tun, braucht man nicht Zionist zu sein — dazu kann man Mitglied der englisch - jüdischen Gemeinde sein. (Lautes Lachen und Beifallklatschen.) Die Arbeit, die wir in Palästina machen — sek esauch nur das Pflanzen eines Bäumchens — wird immer dem jüdischen Volke gehören; anders aber die an eine Kolonie verwendete Arbeit. Wie viele Völker haben wir nicht mit unserem Fleiße, mit unserer Sparsamkeit und treuen Pflichterfüllung bereichert; wie oft haben wir nicht unser Blut auf ihren Schlachtfeldern gelassen, um für sie zu kämpfen? Wir waren immer im Vordergrund, wenn es galt, ihnen zu helfen; wo waren wir aber, wenn wir unsere Pflicht erfüllt hatten? An der Tür! Was habe» wir in den letzten 2000 Jahren der Zivilisation, die wir der Welt gebracht haben, gewonnen? Nur unaussprechliches Martyrium!" Zusammenfassend. seine Rede, schloß Dr. Gaster mit folgenden Worten: Es führen viele Wege nach Palästina, ich aber arbeite an dem uralten Prinzip, daß, wenn es nicht über Edom und Moab geht, so muß es einen anderen Weg gehen, aber vorwärts müssen wir. Wir müssen weiter, und wer nicht Mitarbeiten will, der wird zurückbleiben und ein anderer wird seinen Platz nehmen." Langanhaltendes Beifallklatschen und Tücherschwingen von der ca. 700köpsigen Versammlung folgte der glänzenden Rede, worauf der Präsident folgende Resolutton beantragte, die einstimmig angenommen wurde: „Die heuttge Versammlung des Vereins D'orsW Zion zu Cardiff hält die zionistische Bewegung, die Erstrebung einer öffentlich - rechtlichen Heimstätte der Juden in Palästina, Und n u r in Palästina, als die einzige Lösung der Judenfrage." Ben Lewi. - Aus der Lehrerwelt. Berlin. Die städtische Schuldeputation plant den jüdischen Religionsunterricht zu reformieren und zwar nach der Richtung hin, daß der bisherige gemeinsame Unterricht in allen Stufen wegfällt und dafür Religionsunterricht in der unteren, mittleren und höheren Stufe getrennt erteilt wird. Reu-Strelitz. Herr Dr. Hamburger. Ober¬ und Landcsrabhkncr des Großherzogtums Äecklcnbnrg-Strelitz, feierte am-11. November seinen 80. Geburtstag in. Neu-Strelitz. Dem. greisen Gelehrten sind an dem Tage große Ovationen zuteil geworden. Auch "von dem Großherzog traf eine Glückwunschdepesche ein. Wien. Der Vorstand der hieliaen Kultusgemeinde hat zu Lehrern der nenerrichteten Bkldüygsanstalt für jüö. Religionslehrer ernannt: Rabbiner Dr. D'. Feuchtwang für Religionslehre, Propheten und Hageographeu, Rabbiner Dr. S. Gekbhous für Pentateuch, Rabbiner Dr. M. Grünwald für biblische und jüdische Geschichte, Rabbiner Dr. A. Kaminka für Gebetbuch und hebräische Grammatik, Professor Dr. L. Singer für Deutsch, Professor Josef Baß für Geographie und Geschichte, Supplent I. Bodansky für Naturgeschichte, Naturlehrc, Mathematik, Supplent K. Ehrenfest für Turnen, Lehrer R. Kohn für Kalligraphie und G. Friedländer für Gesang und Musik. Prag. Der dieser Tage noch vierzigjähriger Dienstzeit verstorbene Custos der israelitischen Gemeinde in S'aaz, Herr E. Rößler, hat sein Vermögen von 6000 St r. der Gemeinde zu Gunsten ihres Beämten-Pensionsfonds hinterlasfen.— Freitag wurde der Oberkantor und, Chordirigent der Weiselsynagoge Herr Moritz Waller st ein, der "als Gesangsmeister und Leiter seiner Opernschule eine der bekanntesten Persönlichkeiten Prags gewesen ist, zu Grabe getragen: Viele Künstler und Künstlerinnen verdanken Wallerstein die Entwickelung ihres Talents. Die hckanntesten seiner Schüler sind: Karl Burrian von der Dresdner Hofoper, -Karl Wildbrünn (Bayreuth), Siegfried Adler (Berlin), Frau Therese Lederer-Schiestl und Herr F.. Pollert (Prag). °~ Im „Prager Tagebl." vom 8. dss. Mts. war das folgende Inserat zu lesen: „Nach dreijähriger Dienstzeit wurde ich hierorts meines Amtes gekündigt und mir der Antrag gestellt für 59 Kr. weiter zu dienen, welchen Gnadengehält-ich aus-Stande serniebrigun g nicht annahnr. Darauf wurde neuerlich von der hiesigen Gemeinde Konkurs ausgeschrieben. llm nicht mit Frau und Kind auf der Gasse zu sein, mußte ich mir eine Privatwohnung aufnehmen und bitte daher edle Wohltäter um Unterstützungen; bevor ich wieder in einer Kultusgemeinde Anstellung finde. Me jenen Spendern rufe ich im Vorhinein ein Vergelt's Gott! Den Herrn Petenten auf den hierortigen Posten den Bibelvers: „Orur massig gewul“. Julius Eisner, Rabbiner, Kamenitz a. L." Ob dieser Aufruf nicht eine größere Stanöeserniedrigung ist, als die Herabsetzung des Gehalts? Aus Leu Vereine«. Frankfurt a. M., 15. Nov. Jm Montesiore-Verein hatte sich am Mittwoch 'Abend Herr Salomon Epstein das Thema: ),Einig.es aus der Geschichte der Frankfurter Ju- . d e n" zum Vortrage gewählt. Der Redner verstand es, durch, seine wirklich interessänten Ausführungen/die zahlreich erschienenen Zuhörer zu fesseln und zeigte der starke Beifall den Wunsch, an einem zweiten Abend noch Einiges, aus der. Geschichte der Frankftrrker Juden von' dem Redner zu hören. Mittwoch, den 21. November, veränstaltet .der Montefiore - Verein einen musikalisch-deklamatorischen Vortragsabend. Wir wollen nicht verfehlen, - den Besuch desselben zu empfehlen, da der Mend ein genußreicher zu werden verspricht. - Köln a. Rh. Der Agitationsausichuß dies Zentralvereins deutscher .Staatsbürger jüdischen Glaubens für Rheinland Und Westfalen hielt hier eine Delegierten-Bersammlung ab, zu der sich etwa 50 Herren aus .den Hauptorten der beiden Provinzen eingefunden hatten. Die vertraulichen Beratungen erstreckten sich insbesondere auf die Vorbereitung der großen politischen Wahlen und die wertere Aopaganda. Nebenher wurde noch eine Reihe von Einzelfragen behandelt, deren Besprechung ergab, daß die berufenen Vertreter des Zentralvereins in den westlichen Provinzen nach wie vor auf dem Boden des deutschen Staatsbürgertums energisch für die Beseitigung der letzten verfassungswidrigen Reste von, Judenfeindschaft eintteten werden. Der Berliner Vorstand hatte Herrn Dr. med. Levy als Delegierten entsandt. Mel Leitung der Verhandlungen lag in den Händen des Herrn He r m. Jonas-Köln. -

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