Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 44 (16.11.1906)
- Date
- 1906-11-16
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Ente 12. Frankfurter Israelitische- Famüienblatt Nr. 44 Bunte Chronik. DieJuden in Sibirien. In Sibirien leben etwa 4V OVO Juden, meist wegen politischer Vergehen Deportierte, die unter polizeilicher Aufsicht stehen, oder ehemalige Gefangene, die nach Beendigung ihrer Kerkerhaft die Erlaubnis erhielten, im Laude zu bleiben und sich in den Städten niederzulassen. Die stärksten Gemeinden sind die in Chita und Omsk mit etwa 200 Familien, in Charbin mit 4000 Seelen, und in Kaiyensk, Pakutsr mit 1500 Familien. Die Mehrzahl der auf freiem Fuß befindlichen Juden erfreut sich guter materieller Verhältnisse. Sie betreiben alle Arten von Geschäften, befassen sich mit Regierungslieserungen, mit dein Export von Butter, Pelzen usw. Sie würdeie in bicseni reichen Land über nichts zu klagen haben, wenn die Regierung ihnen nicht auf Schritt und Tritt Beschränkungen auferlegte. Für hie Entwickelung des Butterhandels haben sie besondere Anstrengungen gemacht. Die Koscherbutter wird unter Aufsicht des Rabbiners Lcvine in Charbin hergestellt und, mit seinem Zeugnis versehen, nach dem Ausland ausgeführt. Große Mengen dieser Ware werden alljährlich »ach dem Westen versandt. Dieselbe stellt sich viel billiger als in Deutschland produzierte Butter. Jntellekucll stehen die sibirischen Juden hinter ihren westlichen russischen Brüdern zurück. Es ist ihnen nämlich verboten, Lehrer anzustellcn und so wächst denn die Jugend in ties bedauerlicher Unkenntnis der jüdischen Lehre auf. Groß jedoch ist die Anhänglichkeit der sibirischen Juden an das heilige Land, und viele von ihnen beabsichtigen, dorthin auszuwandern. Rabbiner Levine wurde von 65 wohlhabenden jüdischen Familien beauftragt, einen geeigneten Landstrich zur Ansiedlung' für sie zu erwerben. Die Leute besitzen zusammen 160000 Rbl., sind also auf fremde Hilfe bei ihrem Unternehinen nicht angewiesen. Wenn dieses Unternehmen sich als' erfolgreich erweist, so wird es seitens vieler anderer Juden Sibiriens baldige Nachfolge finden. Kunst «uv Literatur. Oscar Levertien: Aus dem Tagebuch eines Herzens und andere RokoLo- Novellen. Autorisierte Uebertragung von Francis Maro, Jnselverlag, Leipzig, 1904. Der erste schwedische Literaturhistoriker hat einen Band Novellen veröffentlicht, an dem alle Sinuc eines Künstlers verfeinert durch das empfindlichste kritisch-ästhetische Gewissen gearbeitet haben. Es sind köstliche kleine Raritäten, voll von dem welken Parfüm und dem nun ein wenig verblichenen Schimmer ihrer Zeit. Filigranarbeit der Seelen, kokette Musik der Sprache, und dabei die Fähigkeit, mit ein paar leicht hingetuschten Farbenflecken Menschen gegen einander in ihrer Körperlichkeit und Geistesart abzusctzen, Luft und Kolorit zwischen sie zu bringen. Mit der leisen Ironie des überlegenen Connaisseurs sind diese Geschichtchen erzählt, und nur im Kalonymos mit dem getragenen Rhythmus, der alle Not, alle Größe und allen verstehen Glanz des Judentums wiedergibt, ohne dem Bild seine Schatten, zu nehmen, wird Levertien tiefernst. Es gibt keine Zartheit und keine Leidenschaftlichkeit, kein sehnen und kein Verzichte», das seiner Suggestivkraft verchlossen bliebe, und was seinen Novellen den beonderen Kunstwert gibt, ist ihre entzückende, feinglicdrige Harmonie. Die Uebertragung ist ebenbürtig. Gottfried Herder: Ideen. — Erzieher zu deutscher Bildung. Zusaniincngestellt von Friedrich von der Lehen. Eugen Diederichs, Leipzig und Jena. 1904. Wenn diese Sammlung von Auszügen ans Herders Werken mit strengerer Liebe vorgenommen worden wäre, so wäre sie ihren Zweck fördernder gewesen. Der Herausgeber bekennt sich auch dazu, rein subjektiv vorgegangcn zu sein, aber er wird manche ehrliche Pietät abgeschreckt haben mit „Der Redner Gottes", „Denkmal Johann Winkelmanns" und „Lcssing", die unserer Zeit nichts mehr zn. sagen wissen. Aber gleich in dem „Journal meiner Reise" und später in den „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit" findet man neben der Größe eines allumfassenden Geistes Schmerzen, die unseren Tagen gehören, Gedankenwelten, um die wir kämpfen, Ideen, die uns heute überragend neu erscheinen. Nein, Herder braucht noch nicht die Pietät, die ein Gemisch von Mitleid'und anerzogenem Respekt ist. Vieles, was er zu seines Zeit gefordert hat, habe» wir heute noch nicht erreicht, vieles ist noch heute so kühn, daß es sich mit unserem Jdeenkreis noch nicht amalgamiert hat. Und seine Erkenntnisse, deren unverrückbarer Schwerpunkt die Humanität ist, umfangen einen so weiten Plan, daß sic in unserem unveräußerlichen geistigen Besitz nicht den Platz von Raritäten eiunehmeii sollte», deren sich das Leben und die neue Zeit nicht bedienen. Spiel und Arbeit. Allerhand anziehende Beschäftigungen für die Jugend. Band 18. Telephon. Modellbogen und Anleitung zur selbst-. Verfertigung von zwei vollständigen Fernsprechstationcn von Ernst Honold. Mit 6 Modellbogen: (Breis Jk 1,50.) Ravensburg. Verlag von Otto Maier. ■ Allgemeine Einleitung „in bas Alte Tcstament der Kanon von William Henry Green. Aus dem Englischen übersetzt von Dr. Phil. Otto Becher. (Preis Jk 5, geb. Jk 6.) 260 S. 1906. Verlag: Max Kielmann, Stuttgart. Kalender für Israeliten 5667. Zugleich Führer durch die isracl. Kultusgemcinden der österr.- ungar. Monarchie. Herausgegeben vom Vereine „Ocsterreichisch-Jsraelitische-Univn" in Wien. (Preis Kr. 1,60.) Briefkasten. Frankfurt. Es steht keine Geslügelyändlung unter Aufsicht der Ritualkommission der Israelit. Gemeinde. - Barmiztvohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gefl. Mitteilung der Bormizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos). Sally Simon. Sohn des Herrn Willy Silbertein, Ostendstraße 13 und Benno Sohn des Herrn Jacob Bendix, Schützenstraße 2 in der Synagoge Schützenstraße. Vereins -Kaleuver. „Montefiore"-Vereur. Mittwoch, 21. Nov., abends 9 Uhr, Setlerstr. 22: Musikalisch - deklamatorische Vorträge. Verein MekorChajnn. Sonntag, 18. Nov.,.abends 6 Uhr (Schützenstr. 2): Vortrag des Herrn Direktor Dr. G. Lange: „Kohclcth." Verein Tiseres Bachnrim. Sonntag, 18. Nob. Vortrag des Herrn Hermann Goldschmidt: „Die Schice Häjichud". 7 Verein Rachalatz Zwi. Mittwoch, 21. Nov., abends 8% Uhr im Vereinslokale (Schützenstraße 2). Tagesordnung: Quellenstudien-Abende HL 5. B. M., Kap. 6, 7 u. ff. . Vorlesungen für Damen. Sonntag, 18. Nov., abends 6 Uhr, Am Tiergarten 8. „lieber Kindererziehung". I. Herr Heinrich Einstädter. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Montag, 19. Nov., abends &h Uhr, im Saale des Kaufmännischen Vereins, Langestraste 26, Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal'aus Cöln über: „Maimonides' Bedeutung für Judentum und Christentum". ' Die Hambur g-Amer i ka-Linie meldet: Nordamerika: D. Blücher, von Newyork kommend, 11. November 4.10 Uhr nachm, auf der Elbe; D. Bosnia, nach Boston und Baltimore, 11. November 1.10 Uhr nachm. St. Catyerines Point passiert; D. Pallanza, von Philadelphia kommend, 10. November 11 Uhr morgens in Hamburg; D. Patricia, nach Newyork, 11. November 3.30 Uhr nachm, von Baulognc. Grosse Detektiv - Zentrale § TeL 4859. und Privat-Auskonftei Tel. 4359. W Salzhaus 8j I» (Ecke Rossmarkt) d - ndoif 7 Kaiserstrasse 7 IVCQd franhfurt a. m. Uhren — Ketten. Ph. Beck-Bentlinger Telephon 8744. Gr. Bockenlielinerstr. 21. Telephon 8744. B&rsten, goren, Pinsel in jeder Art und für jeden Gebrauch in bester QoalitSt, preiswert. 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