Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 44 (16.11.1906)
- Date
- 1906-11-16
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Frankfurter JsraeWscheZ F'äinklienblatk, Nr. 44. geschlagen, wie ja_auch die, Mehrheit i>es 7. Kongresses und der chm folgenden Jahreskonferenz chnen keine Beachtung geschenkt hat. Und trotzdem sich in der politischen. Lage der Türkei, in ihren inneren Rechtsverhältnissen, in den Zuständen von Beamtenwillkür, Bakschischnnwesen, Steuerdruck, in dem Mißtrauen aller regierenden und regierten Türken nicht das mindeste geändert hat, — trotzdeur ist „die Propaganda für eine solche aussichtslose Kolonisation" nicht zum Schweigen - gebracht; im Gegenteil, die „güten Patrioten und schlechten Musikanten, die mit großem Eifer, aber leider mit ebenso geringer Sachkenntnisfür die Kolonisationsideen eintreten", führen das große Wort, ohne daran zu denken, „wie schwer sie gerade, dadurch die jüdischen Interessen in der Türkei schädigen". Und alle diejenigen, die „eine Einkehr und Umkehr unserer kolonialen Kreise" predigen, finden' nicht „d-eu Dank aller derer, diewirölich zionistische Interessen in der Türkei vertreten", sondern werden als „s ch w e r e S ch a d l i n g e" (Oppenheimer, „Well'' 1905, Nr. 25) unserer Sache gebrandmarkt. Wer es wagt, unter den gegenwärtigen Verhält^ nissen mit Bezug aus Palästina von „unmöglich" und „Utopie" zu sprechen und unverwandt auf öffentlich-rechtlichen Sicherungen . als allererster ^Vorbedingung zu bestehen, wird zu den Palästinagegnern geworfen! ' : Aus aller Wett, l Deutsches Reich. Frankfurt a. M. Der Rosin'sche Gesetzesentwurf gefallen! Den vereinten Uystürmen von rechts und von links, dem Unwillen ans allen Lagern hat der Rosin'sche Entwurf weichen müssen. Das Bureau des Teutsch-Jsr. Gemeindebundes in Berlin teilt uns mit: ,/Die vom Teutsch-Jsraelitischen Geineindebunde und. vom Verbände der. deutschen Juden zur Vorbereitung eines Gesetzentwurfes betreffend die Organisation der jüdischen Gemeinden Preußens gebildete gemischte Kommission hat ihre Arbeiten begonnen. Die von den größeren Gemeinden und Verbänden eingezogenen Gutachten haben die Kommission überzeugt, daß der durch Herrn Geheimrat Rosin gefertigte Entlvurf trotz seiner hohen technischen Vorzüge und seines bewunderswerten inneren Aufbaus den besonderen Uebcrlieserungen und Anschauungen der preußischen Israeliten nicht entspricht. Sie hat deshalb ihren Beratungen einen anderen Entwurf zugrunde gelegt, der auf die bisherigen. Einrichtungen der preußischen Gemeinden basiert ist, deren religiöse Selbständigkit unberührt läßt und sie nur zu Zwecken gemeinsamer Wohlfayrtsanstalten und gegenseitiger Unterstützung zu höheren Einhellen zusammenschlicßt." Hirschberg<schlej.) Ein hiesigesKonfektionsgeschäft hatte einen „christliichen Verkäufer" gesucht. Aus ein entsprechendes Inserat.meldete sich, auch der Handlungsgehilfe W., der zum 1. November engagiert wurde. Als sich herausstellte, daß W. mosaisch war, würde er mit Rücksicht auf die bisherige Gepflogenheit, wonach nur christliche Angestellte in dem Geschäft tätig sind, sofort entlassen. Der Entlassene ging aufs Kaufmannsgericht und machte wegen der angeblich Unberechtigten Entlassung gegen seinen früheren Chef einen Gehaltsanspruch für 2 Monatein Höhe von 290 Ji£ geltend. , Dem Gericht lag nun die Frage zur Beurteilung vor, ob die Entlassung des Klägers eine berechtigte war. Das Gericht bejähre die Frage, da der Benagte ausdrücklich einen christlichen Verkäufer gesucht habe. W. wurde mit seiner Klage abgewiesen und ihm die Kosten des Rechtsstreites "auferlegt.' Tiersburg (Baden). Herr G u st a v K a h n - Straßhurg, ein Sohn uüserer Stadt-Halle, der hiesigen jüdischen Gemeinde eine Th oraro lle g estiftet, deren feierliche Weihe unter Teilnahme fast der gesamten Bevölkerung erfolgte; u. a. wohnten die Herren Oberst v. Roeder, Freiherr v. Reischach mit ihren Gattinnen, Bürgermeister und Gemeinderäte dem Festzuge und Festgottesdienste bei. Die Festpredigt hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Rawicz aus Offenbürg.; Rußland. Petersburg, 10. Nov Das Sinken 'der Kurse. Das Steigen unserer Rente war zn ungestüm, um von Dauer sein zu können. Es trug sicher einen spekulativen Charakter und mußte daher schnell einer.entgegengesetzten Tendenz weichen. Und wirklich, während noch am vorigen Sonnabend, den 3. November, die Rente zu 77% notiert wurde, stand sie schon . gestern, . den 9. d. M., auf 73. So mißlang wiederum ein Versuch, die angebliche Beruhigung des Landes zu demonstrieren und das Vertrauen zu der gegenwärtigen Regierung bei den Kapitalisten zu stärken. Doch scheint die "Negierung selbst "an die Dauerhaftigkell der Kurssteigerung nicht recht geglaubt zu habe». Man meldet nämlich aus der Provinz, daß, als die Nentenbesitzer den günstigen Augenblick ausnützcn wollten und ihre Papiere an die Rcichsbank zu verkaufen, suchten, sich, augenscheinlich auf Petersburger Anweisung, die Reichsbankfilialcn weigerten, die Rente und andere Staatspapiere in größeren Summen (und zlvar über 500 Rub.j anzukaufen. Wahrscheinlich geht nun das. natürliche Sinken ebenso crescendo, wie es noch vor kurzem mit dem künstlichen Steigen war. Rufs. Korresp. - Personalien. Frankfurt a. M. Das Fest der goldenen Hochzeit konnten Herr Israel Strauß und Frau in Rüstigkeit begehen. Frankfurt a. M.» 14. November.. Am vergangenen Freitag wurde Frau Sara Grüne bäum gcb. C a h n, die wohl die Nestorin der Frankfurter Judcnhcit gewesen sein dürfte, im Alter von 9p Jahren zu Grabe getragen. Ein ganzes Menschenalter hindurch lebte und wirkte sie in ihrer stillen Häuslichkeit in den: nahen Bergen, bis sie vor wenigen Jahren" ihren Wohnsitz hierher verlegte, wo ihr im Kreise Ihrer Familie noch ein schöner Lebensabend beschieden war. Zwei ihrer Kinder, ebenso wie ihr Gatte, der ein Muster an Frömmigkeit war, sind ihr im Tode lange vorausgegangen, während 2 Töchter und eine große Anzahl von Enkeln und Urenkeln ihrer Bahre trauernd folgten. Wer die bescheidene, einfache Frau kannte, betrauert in der Dahingeschicdenen ein Vorbild an Fleiß, Häuslichkeit, Frömmigkeit und Wohltätigkeit. Sic hat das Glück gehabt, im Zeitraum von fast einem Jahrhundert ihre Familie sich die Stellung einer, angesehenen und wohlhabenden erringen zu sehen und nicht der geringste Anteil au dem Vorwärtskommen ihrer Familie ist ihrem ermunternden und anseuernden Beispiel zuzüschreibeii. Ihre irdische Hülle wurde auf dem Friedhos'in Bergeii an der Seite ihres Gatten beigesetzt. ' 6r. j Berlin. Der Rote Adlerorden 4. Klassse wurde dem ftüheren Chefredakteur Dr. Ludwig S a l o m o n zu Jena, bisher in Elberfeld, u. dem Stadtrat Julius Rose »bau m zu Breslau verliehen. ' Dem außerordentlichen Professor an der hiesigen Universität Dr. Oskar Israel ist der Charakter eines Geh. Medizinalratcs und dem Bankier Alfred Simon so n der Titel Kommerzienrat verliehen worden. Berlin. Dem Geh Kommerzienrat I. L o e w e wurde der Kronenorden 3. Klasse, dem wissenschaftlichen Sachverstäitdigen beim General-Konsulat zu Kairo, Regierungsbaumeister Dr. Ludwig Borchardt der P'rosessortitel verliehen. Rothenburg a. Tauber. Da Herr MosesJoieph M a n n, der während 21 Jahre das. Amt eines 1. Vorstehers verwaltete, eine Neuwahl ablehnte, so wurde Herr Karl Wim Pf he im er an seiner Statt gewählt. Stratzburg. Herr A. Schram eck. ein Enkel des Herrn Benjamin Levy, hier, ist zum Präfekten des Departements de l'Aisne in Frankreich ernannt worden. Fürth. Am Alter Von 8l Jahren starb der der frühere liberale Landtagsabgcordnete Justizrat Gunzeahäuser, ein hervorragender Jurist. Der Verstorbene war Mitglied des Vorstandes der hiesigen israelit. Kültusgemeiude. Stettin. Der Kaufmann Emil Aron, der Führer der Freisinnigen Volkspartei in Stettin, von 1868—98 Stadtverordneter, feierte seinen 75. Geburtstag. Wien. Der Kaiser hat die Einreibung des mit dem Titel und Charakter eines Regierungsrates bekleideten Archivdirektors 1. Kl. im Eisenbahnministerium Dr. Julius Schlag in die'6. Rangklasse genehmigt.; Wien. Der 60. Geburtstag des Komvonisten Ignaz Brüll gab den Anlaß, dem Meister die Liebe und Wertschätzung zu zeigen, deren er. sich 'in wellen Kreisen erfreut. Das Kuratorium der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums entsandte eine Deputation. Neben zahlreichen persönlichen Gratulationen liefen zahllose Glückwunschschreiben und Geschenke ein. Wien. Hier starb ein Mann, dessen Andenken in dem Gedächtnisse vieler noch lange fortlebeü wird.' Herr Friedrich Freund, den wir zu Grabe trugen, hat nämlich für den von seinem verstorbenen Sohne gegründeten „Unterstützungsverein der mittellosen Hochschüler,-Prag" in einem Zellraume von ungefähr 10 Jahren 63000 Kr. — zumeist in Beträgen von 2—i Kronen — persönlich gesammelt. Trotz seines Alters, er starb im 78. Jahre, scheute er nie bas schlechteste Wetter und die höchsten Stockwerke, um sein edles Werk zu fördern. Friedrich Freund war ein hochgebildeter Mann — er beherrschte acht Sprachen — und im Talmud sehr bewandert. Prag, 10 Nov. Heute früh starb hier Frau Therese Ha uro Witz,-Gemahlin des kaiserlichen Rates Sigmund Haurowitz nach langem Leiben iin 71. Lebensjahre. Die Verstorbene war eine durch aufopfernden Wohltäügkeitssinn und seltene Liebenswürdigkeit ausgezeichnete Dame,- die mit Liebe und Freudigkeit die Pflichten erfüllte, die die Zugehörigkeit zu einer der angesehensten Familien des deutschen Prag ihr auferlegten. Brünn. Durch den Tod des Kaiser!. Rat David M a n d l hat die. hiesige Küttusgemeinde einen Mann verloren, der seit tnehr als 40 Jahren die Seele ihres Körpers, gewesen war. In allen ihren Interessen, ob groß oder klellr, ob das Gesamte oder das Einzelne betreffend, war er Leiter und treibende Kraft.; Drohobyrz. Hier starb im 88. Lebensjahre der Literat Bibliograph S. H. Lauterb ach, einer der wenigen noch lebenden Vertreter der Haskalah- Literatur. Er hat eine Unzahl hebräischer - Werke verfaßt: Minch'as Catchen, Minchas Erew, Mincho Chadoschoh/Minchas Askoroh und Mincho Belulvh, bereit Ertrag er wohltätigen Zwecken widmete. Auch ließ er auf seine Kosten ein großes Beth-Hamidrasch bauen, und überwies demselben einengroßen Teil seiner wertvollen Bibliothek. . London. Miß Lucie Cohen, eine.Nichte von Sir Moses Montefiore und Nathan Mayer Rothschild, die Schwestern ihres Vaters Jsaac Cohen geheiratet hatten, starb nach, längerem Leiden. Die Verstorbene zeichnete sich durch ihre Wohltätigkeit aus. Dem Leichenbegängnis wohnten zahlreiche Aristokraten^ bei, darunter ihre Verwandten Earl of Roseberg, Earl of Crewe, Lord Rothschild usw. New-Aork. Der Staat Colorado wird Simon Guggenheim, den Präsidenten einiger Bergwerksgesellschaften, zum Bundessenator wählen. : Jüngst wurde in Colorado ein neuer Flügel der Berggewerklichen Staatsschule eingeweiht, den Guggcnheim mit einem Kostenaufwand von 80000Doll, aus eigener Tasche hat aufführen lassen. Washington. Der stebzigste Geburtstag Simon Wolf's gestaltete sich zu einer glänzenden Ovation. Ueber den Lebenslaus dieses Mannes, der, meiner der angesehensten und hervorragendsten .Juden der Vereinigten Staaten ist, sei hier folgendes berichtet: In der Rheinpfalz geboren, kam er 1848 .mit ^seinen Großeltern nach Amerika. -Vorerst widmete er sich der geschäftlichen Laufbahn, trat aber 1859 zur Advokatenlaufbahn über. 1861 wurde er nach, glänzender Absolvierung seiner Studien Advokat. Wolf spielte bald eine Rolle im öffentlichen Leben.. 1881 ging er als Generalkonsul und diplomatischer Agent nach Egypten, kehrte 1882 wegen Krankheit, in der . Familie aber wieder nach Amerika zurück. Bekannt ist sein 600 Seiten starkes Buch. „Der amerikanische Jude als Patriot, Soldat und Bürger." Innerhalb der amerikanischen Judenheit spielt er eine führende Rolle, der Leitung der bedeutendsten jüdischen Institutionen gehört er an. — Die Chicago er Zeitungsverkäufer haben einen ibedauerlichen Verlust erlitten. Jsaac Woolf, der Ihnen während der letzten 25 Jahre alljährlich ein 'großes.Essen gab, ist 'gestorben. Sein letztes Essen war so groß, daß allein 550 Truthähne verspeist wurden. Es kostete 5000 Doll. Woolf 'war 'selber Zeitungsverkäufer gewesen. In Philadelphia starb, 76 Jahre alt, Abrahsam M. Frechie, ein gebürtiger Amsterdamer. Frechie war u. a. während vieler Jahre Direktor der Gesellschaft für jüdische Einwanderer, Schatzmeister der Alliance Jsraslite Universelle und des Grätz - Collegiums. > Aus der zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Frankfurter Zionist. Vereinigung gingen, für den Nationalsonds ein: Hotel Ullmaiin 10.99 J£ Levisohn 7.59 J!£ Jac. Steigerwald 3.32 J£ Dr. Mayer . 3.90 J£ Frl: Seligmanu 1.21 J£ Frau Gaus 2.— J£ D. Pincas 4.50 J£ Jsac Goldschmidt 8.42 J£ Zionistische Vereinigung - 10.53 J£ Steigerwald 3.50 M. Dr. Hanauer 1.40 J£ I. Neumann 0,65 J£ F. Ehrmann - 2.50 J£ Arthur Oppenheimer .6.— J£ I. Hackenbroch' 8.17 J& S. Goldmann 10.50 J£ N. N. - . , 2.26 M. Warschawskff - 1.70 J!£ Dr. Schwarzschild - ,5.15 J£ Janzon 4.63 J£ Herzberg 0.60 J£ N. N. - - 0.60 J£ M. Rapp 1.— J£ Rosenheimer 3.68 J£ N. N. 2.45 J£ Louis Kahn 5.61 Jf£ E. Michael 3.34 Jf£ Frau A. Kahn 3.02 JS£ N. N. 1.50 J£ Mannhellner 1.80 J£ Frankfurter Zionistische Vereinigung zwei Oelbäume im Herzlwald — aufden- . Namen Fritz Sondheimer und' j^caw - 1L-^- jf£