Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 43 (9.11.1906)
- Date
- 1906-11-09
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. wiß nicht alle mit dem Charakter der Konferenz als einer vertraulichen Beramng der Führer zu entschuldigen sind. Um es kurz zu sagen: man vermißt jede Beschäftigung mit sozialen, wirtschaftlichen, politischen Fragen der Judenheit in der Gegenwart. Aus cUUr WeU. Demflyes Melch. Hamburg. Du» vc^pta,encnnlen-Kollegium der Deur,cy-^)icneticisn-en Gemeinoe Hirn am »c..|lO|jenen (bouueuu suiu er,Ea üiui im neuen ^tmeLiioe=^jiucau, teaiicc aanycuniita^c, eine Sitzmcg av. Einziger Ce^eaftaiw oer Lugesoroimng war die Bejchlnp,a>- sung aver den feil einer yicilje von Jahren von einer gemilchten Kommiision bearveitereil liutiü u r j eines neuen <ä> e m c i n ö e ft a t u t S, der nunmehr öie Genehmig u n g des Gemeinoeoorstaiwes gefunden hat und von diesem satzungsgemüß dem Repräsentanten-Kollegium zur Acttgenehmigung uutervrellet wuroe. yfeu und von prinzipieller Bedeutung in diesem Verfassungsentwnrse ist die Letellignng der Frauen au der Armen- und Wohlfahrrsverwaltung, sowie der Umstand, daß diese beiden Institutionen auf eine breitere Grundlage gestellt weroen, insofern, als in Zukunft diese Kommissionen aus je 40 Mitgliedern bestehen werden. Auch eine Reihe wellerer Bestimmungen des alten Statuts haben eine Abänderung erfahren, durch welche eiire freiheitlichere Entwicklung der Gemeinde gewährleistet erscheint. rSeulheim. Ein Beleidigungsprozeß des hiesigen jüdischen ArzteS D r. H a u ß m a n u gegen einen antisemitischen Kollegen ist jetzt nach mehreren Verhandlungen zugunsten des Klägers eutschiedeil worden. Demselben lag folgendes zugrunde: DaS Dienstmädchen des Kaufmanns O. in Hemsbach bei Weinheim ertränkte an Diphterllis, und der Hausherr ersuchte Pen behandelnden Arzt, Dr. Ebner, öfter nach demselben zu sehen, wenn er auch außer der Ortskrankenkasse es aus seiner Tasche bezahlen müsse. Dieses Angebot aber schlug Dr. Ebner aus und im Lause der Unterhaltung und Auseinandersetzung ließ er die Worte fallen: „Sie haben mich bestechen wollen, da'müssen Sie zum Juden Haußmann gehen, der nimmt Geld an/" Diese Aeußerung bildete 'nun den Gegenstand der Klage seitens des Herrn Dr. Haußiiiaun, der in dem vorliegenden Krankheitsfälle überhaupt nicht zugezogen war und daher von Dr. Ebner willkürlich beleidigt wurde. Der antisemitische Jünger Aeskulaps wurde vom Gericht zu JL 75 Geldstrafe und sämtlichen Kosten verurteilt. ' i Burghaun. Aus einer kleinen Gemeinde. Die Art und Weise, wie der Parnes der hiesigen Gemeinde, Herr Jsae Goldschmidt, sein Amt verwaltet, ist zu eigenartig, als daß sie der Oeffentlichkeit vorenthalten bleiben dürfte. Herr Goldschmidt erließ jüngst einen Ulas, wonach Mädchen der Besuch des Gottesdienstes am Sabbat verboten ist. Motivierung: die Synagoge sei zu klein. Als trotz dieses Verbotes eine jmige Dame den Gottesdienst besuchte, legte er ihr eine Geldstrafe von JL 3 aus, deren Bezahlung natürlich prompt — verweigert wurde. Dagegen ging von Seiten der jungen Dame eine Beschwerde an das Kreis-Vorsteheramt ab. Nun kommt das Beste: Herr Goldschmidt untersagte es, Privatminjouim zu veranstalten. Da aber unglücklicherweise die Erlasse des Herrn Goldschmidt nur problematischen Wert haben und — wie oben ersichtlich — nicht sonderlich respektiert werden, fand auch dies Minjanverbot keine Beachtung, und ein Gemeindemitglied veranstaltete dieser Tage Minjan in seinem Hause, da es Jahrzeit hatte. Was tut Herr Goldschmidt? Er dringt in das betreffende Minjan ein und ruft: „Im Namen des Gesetzes, ich werde Euch bestrafen, weil Ihr mein Verbot übertreten habt." In Durghaim herrscht seitdem Heulen und Zähneklappern ob der in Aussicht gestellten Strafe. Personalien. Frankfurt a. M. Im jugendlichen Alter von 31 Jahren verschied vorige Woche Frau B a b e t t e - Bamberger geb. Ettlinger, Gemahlin des Herrn Rabbiner Dr. Bamberger in Schönlanke. Eine Frau von großer Frömmigkeit, eine wahrhafte Esches chajll, eine echt jüdische Mutter ist 'in ihr dahingegangen. Der imposante Trauerzug bei'der Beerdigung, die in Karlsruhe, dem Heimatsorte der Verblichenen, stattfand, legte beredtes Zeugnis davon ab, welcher Beliebtheit die so ftsUj aus dem Leben Geschiedene sich bei allen ihren Bekannten erstellte. —n. Frankfurt a. M.» 6. Nov. Der im Kolonialwarenhause Bodenheimer u. Co., Breitegasse 24, beschäftigte Lehrling Hugo Strauß aus Mönderoth' in Mittelstanken, glitt heute früh, dls er mit dem Aufzug Waren beförderte, ans: und stürzte aus der Höhe des vierten Stocks ungefähr 15 Meter tief in den Aufzugsschacht. Er schlug bei dem Sturz mehrmals: Frankfurter JsraeMWeS Familienblatt. Nr. 43. j mit dem Kopf aus und blieb mit zerschmetterter Schädeldecke bewußUos liegen. Arzt uno Rettungswache waren rasch, zur Stelle, konnten aber nur noch den bereits eingelreteuen Tod feststellen. Fraiiriurr a. M. Cs war lym Nicht beschieden, die SSoueuöung jenes Werkes zu erleben, au dessen Werdeir er vom ersten Augeuvlick an so lebhaften Anteil genommen. Jacob S. Heß ist gestorbenbevor die prächtige Synagoge der Israel. Religionsgesellschast, der in den letzten Jahren sein lebhaftes Jntere,se und seine Täkigreit galt, ihrer Bestimmung übergeveu worden ist. Jacob S. Heß, der ein Alter von 67 Ihren erreichte, hat es verstanden, seine Firma aus den bescheweusten Ailfängen heraus zu einer der angesehensten der Jmmobilienbranche iverden zu lassen. Er führte ein streng religiöses Leben und erfreute sich in weiten Kreisen hohen Ansehens. Berlin. Herr rtrsred Slmonsohn,, der In- Haber oer Baucsirma S. Simoilsohu, hat den Titel Kommerzienrat erhalten. Dem Rechtsanwalt und Notar, Justizrat Alfons Kemp »er, ist der Charakter als Geheimer Justiz rat und dem bekannten Psychiater Professor Dr. Mendel der Charakter als Geheimer Medizinalrat verliehen worden. Anläßlich der Eröffnung der Handelshochschule wurden auch folgende Juden mit Aiiszeichnungeu bedacht: Stadtrat Dr. Maximilian Weigert, Kronenorden 3. Klasse; Geh. Kommerzienrat Edmund Hefft, Rorer Adlerorden 3. Klasse und Architekt R i ch a r d W o l f s e n ft c i n, Roter Adlerorden 4. Klasse. München. Zum H a u p t m a n n ist der Oberleutnant der Reserve Artur Dessauer im 1. Jägerbataillon, zum Rittmeister der Oberleutnant Wilhelm O e f f n e r im Landwehrtrain 1. Aufgebots und zum Oberleutnant der Leutnant der Reserve Ludwig Rose im 6. Chevauxl.- Regiment befördert worden. — Zum diensttuenden Sanitätsoffizier beim Bezirkskommandv Nürnberg wurde ernannt: Der kgl. Oberstabsarzt z. D. Dr. R o tz b a ch. Der Abschied mit der gesetzt. Pension und der Erlaubnis zum Forttragen der Uniform wurde bewilligt: Dem königl: Oberstabsarzt und Rogimentsarzt im 15. bayerischen Infanterie-Regiment Dr. Jauby und dem königl. Stabsarzt und Bataillonsarzt im 17. bayr. Infanterie-Regiment Dr. Julius Roßuitz. Innerhalb der Zivilverwaltung sind folgende Personalien' jüdischer Personen zu melden: Es wurden ernannt: Universitätsprofessor Dr. Wilhelm Wien-Würzburg zum Geh. Hofrat und Landgerichtsrat Albert Singer - München zum Qberamtsrichter. — Aus eigenes Ersuchen wurde in den Ruhestand v ersetzt: Der königl. Landgerichtsrat Medizinalrat Dr. Friedrich Ullmanu in Zweibrücken. — Die Ludwigsmedaille für Wissenschaft und Kunst wurde verliehen: Dem Bauamtsassessor Ludwig U l l m a n n - Nürnberg. Der bayerische Militärverdienstorden 4. Klasse mit der Krone wurde verliehen: Dem Oberstabs- und Regimentsarzt Dr. Jaeoby im 15. Infanterie-Regiment. — Zum Postadjunkten wurden befördert: Die Aspiranten Markus Veit-Miltenberg und Franz Joseph Strauß-Nürnberg. München, 5. November. Der Maler Professor Harburger, ein bekannter Mitarbeiter der „Fliegenden Blätter'", ist 61 Jahre alt, nach schwerem Leiden gestorben. { Edmund Harburger stammte aus Eichstätt. Er war ein Schüler von Lindenschmitt in München und ist dieser Stadt treugeblieben. Seit Jahrzehnten war er einer der beliebtesten und originellsten Illustratoren der „Fliegenden Blätter", in denen er ungezähüe, scharf beobachtete Szenen aus dem Leben der oberbayerischen Bauern und der kleinbürgerlichen Bevölkerung Münchens in derbhumoristischer Weise, breit und behaglich wiedergab. Auch als Maler fand Harburger viel Anerkennung. Breslau. Die Rote Kreuzmedaille Z.Klasse wurde verliehen: Frau Stadtrat Herzfeld-Graudenz, Frau Kommerzienrat A r o n s o h n - Bromberg, verw. Frau'Geh. Kommerzienrat Heim ann-Breslau, Frau Hotelbesitzer S a ch s - Patschkan und Dr. med. Königsfeld -Gleiwitz. Rothenburg a. d. Lbra. Mit dem Wegzuge der Frau Rosalie Charles nach Breslau hat' Rothenburg eine über 100 Jahre angesessene Familie verloren, die einzige jüdische am Orte. Frau Charles erfreute sich allgemein der größte» Hochachtung und Wertschätzung. Wreschen. In Breslau, wohin er vor Jahresfrist verzogen war, starb am 2. ds. Herr Hugo Ehrensried, lcuigjähriger Vorsteher der hiesigen Synagogengemeinde und während 40 Jahre Mitglied der Stadtvertretung, zuerst als Stadtverordneter und dann als Ratsherr. Der Verstorbene war auch Kreistagsabgeordneter. Wresche». Am 10. ds. Mtsfeiert das Aron Gersohn'sche Ehepaar das Fest der goldenen Hochzeit.! Budapest. Unter großem Gefolge wurde der Direktor der Ungar. Escompt und Wechslerbank, Hofrat Friedrich Neu mann de Gardony, einer der angesehensten Juden Budapests, zu Grabe getragen. Der Sohn des Verstorbenen ist- Sektionsrat im Handelsministerium. Par»S. Major Dreyfus wurde durch Minisierialbefchluß zum Artilleriekommandanten des Bezirks S t. D e n i s ernannt. Tokio jJapan), Der jüngst hier verstorbene amerikanische Erzbischof Schereschewsky war ein getwüster Jude. Er kam als Kind von Rußland nach Amerika. Er hat die Bibel ins Mandarinische übertragen und in chinesischer Sprache viele theologische Abhandlungen geschrieben. ■ Aus der ziouistijchen Vewegrmg. Frankfurt a. Wt. Dce zunycycyc Verecmgnng wird im Laufe des Winters emen zusammeuhäugenoen Zyklus von Palästinavorträgen veranstucren, in denen die Zuschnoe des heiligen Landes in Vergangenheit und Gegenwart und seine Aussichten fnr oie Zukunft gemeinverständlich, üargeslpllt wcrven sollen. Der erste Vortragsnveird, die Geograph i e P a l ä st i Näs beyanoelnd, wird am nächpen Dienstag, den 13. Nov., shattsinden. Vielfach geäußerte Wunsche nach einer zentraleren. Läge des Versainmlungslorals haben den Vorstand veranlaßt, für die Bersammluilgen, zunächst versuchsweise, den Hinteren Saal des B ö r s e'n r e st a u r a n t s, Schillerstraße 13, Eingang durch den Oarten, zu mieten. Gäste sind jederzeit willkommen. "l: 6,— JL 6,— JL 6,— JL 0,50 0,90 JL 0,30 JL 0,50 JL 0, 50 JL 0,50 JL 0,50 JL 0, 30 JL Frankfurt a. M. Bei der Expedition des „Fr. Jsr. Fbttt." gingen für den Nationalsonds ein: Frl. Johanna Frenkel u. Irl. Flora Goldschmidt aus den Namen von Frl. Adele Strauß und Herrn Dr. Aron Saicdler 1 Baum * Herr und Frau Rechtsanwalt Dr. Leszynsky auf den Namen des jüngsten Klee 1 Baum Herr und Frau Dr. Leszynsky aus den Namen von Frl. Adele Strauß und Herrn Dr. Sandler 1 Baum Familie Isidor Hirsch gratuliert zur Verlobung von Frl. Adele Strauß mit Herrn Dr. A. Smidler Selbstbesteuerung Leöp.:Oppenheimer Selbstbesteuerung Max Markus Saly Geis statt Depesche zur Hochzeit Sessy Bergen mit Siegfried Strauß, Gelnhausen I. L. Goitein gratuliert zur Verlobung von'Frl. Adele Strauß mit Herrn Dr. A. Sandler Leop. Oppenheimer anstatt Telegramm zur Hochzeit Hermann Schwab, Halberstadt mit Dina Berlin, Hamburg; Leopold Oppenheimer anstatt Telegramm zur Hochzeit Moses Deutsch, Hagymäsläpos mit Eva Fried, Hajiduböszörmsny Selbstbesteuerung S. N. Frankfurt a. M. Herr G u st ad S ch w a b e in Varel, in der zionistischen Bewegung Deutschlands als einer der eifrigsten Gesinnungsgenossen geschätzt und durch seine persönlichen Charaktereigenschaften allgemein verehrt, wurde von einem herben Schicksalsschlage betroffen. Sein Sohn Arthur, Primaner der Realschule Philanthropi», ein blühender Jüngling, ist von einer Blinddarmentzündung rasch hingerasst worden. Der Fall ist umso trauriger, da Herr Schwabe beretts zwei Kinder verloren hat. Mögen er und seine Gattin in dem einen Sohn, der ihnen geblieben ist, Trost finden! — Bor der Ueberführnng des Verblichenen nach Varel hatte sich heute die Prima des Philmtthropin auf dem Friedhofe eingefunden, um dem lieben Mitschüler die letzte Ehre zw erweisen, Herr Direktor D r. A d l e r und Herr Professor D r. Michel hielten den Nachruf. ' ' Leipzig. Die vor einigen Monaten wegen Mangel eines geeigneten Lokales, ausgelassene zionistische Lesehalle ist seit Anfang dieses Monats wieder eröffnet und befindet sich Peterskirchhof 5 im 1. Stock. Marienbad, im Oktober. Nunmehr sind, auch die letzten Saisonklänge verrauscht und so dürfte ein» Rückblick auf die. „F a m i l i e n - Ab e n 5 6" , welche von zionistischer Seite angeregt, unter' dem Vorsitze unseres verehrten Rabbiners Dr. PH, Goldberger stattgefunden haben, am Platze sein. Die Familienabende, an welchen ungezwungene Aussprachen über alle mit dem Zionismus zusammenhängenden Fragen — und welche hingen nicht mit ihm zusammen? — mit einzelnen größeren Vorträgen und anschließender Diskussion wechsellen, brachten interessante Ausführungen der verschiedensten Standpunkte und Ansichten, aber auch dank der objektiven und zugleich taktvoll-energischen LeUung des Vorsitzenden manche Klärung und Belehrung. Von den Vortragenden seien genannt: Bernstern- Petersburg, S. B. M i n tz - Warschau, Redakteur und Herausgeber des „Egyenlöseg" Szabolesr-Budapest (Palästina-Reise), Dr. Weisengrün -Wien, Brainin - Berlin, Dr. Niemirower-Jassy, Ni s s e n b a.u m s Warschau. Auch für den Landerwerb,in Palästina wurde dürch.die Bemühungen der