Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 43 (9.11.1906)
- Date
- 1906-11-09
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 11. Nr. 43. Frauleins Charlotte Mi t tl i n und Salomea Bo m - Dach aus Lemberg ein namhafter Betrag dem Nätivnalfonds zugeführt. Wien. Die Leitung des im vergangenen Sommer gegründeten I ü d. - N a t i o n a l e n Verbandes in Oe st erreich hielt unter dem Vorsitz des Reichsratsabgeordneten Dr. Strauch er in Krakau eine Sitzung, ab. Es wurde beschlossen, in jenen "Wahlkreisen, die für die Juden bestimmt sind, eine energische Agitation einzuleiten; es wurde ferner beschlossen, Verbindungen mit anderen Parteien nur von Fall zu Fall' ecnzngehen, natürlich unter Der Hmiptbedingung,. haß.diese Verbindungen 'nicht das freiheitlich-demokratische Prinzip der Partei verbergen. ■ Die Konstituierung des 'Parteivorstandes ergab: Dr. Strauch er, als Obmann, Dr. Schalit und Adolf Stand als Stellvertreter. Dr. Brande und Dr. Zip er. Der Vorstand"hat ein Bureau in Wien, das die politisch-organisatorische Arbeit leitet, und ein Bureau in Lemberg, dem besonders die, Durchführung der Wahlaktion in Galizien unterstellt ist. Czernolvitz (Bukowina). Hier hat sich ein Komitee konstituiert, das einen Aufruf zugunsten der'Errichtung eines Theodor Herzl-Denk- Males auf dem Theodor Hcrzl-Plätz veröffentlicht. (Wir hoffen, hast dieser Beschlust nicht zur Ausführung kommt, denn die Errichtung von Denkmälern ist 'nicht im Geiste des Judentums, liebrigens lebt H'erzl in seinem Volke fort — und das ist das beste Denkmal.) Czernowitz (Bukowina). Die jüdischen Studenten haben gesiegt: Der ll n i v c r s i t ä t § s e n a t hat beschlossen, die jüdische Nationalität in der Statistik auszuweisen. r Aus der Lehrerwelt. Ca siel. Das Kammergericht erklärte in einein Revisionsverfahren den 8 6 der Polizeiverordnung des Regierungspräsidenten von Cassel de dato 2. Februar 1203 für ungültig, da dieser Paragraph nicht durch die Verordnung vom 20. Se'pt, 67 gestützt ist. Der fragliche Paragraph lautet: „Das Schächten darf nur-purch erprobte Schächter. deren Befähigung von dein zuständigen Rabbiner festgeflellt ist ausgeführt werden." Beutven. Der seit 2 Jahren an der hiesigen ' jüdischen Gemeinde «»gestellte Kantor und Lehrer Hugo Golinski erhielt eine Gehaltszulage von 600 X/h Der Vorstand hätte nämlich erfahren, daß Herr Golinsli sich um die Kantorstelle in Grost- Glogan beworben und in engere Wahl komme, und hofft nun durch die Gehaltserhöhung, seine» beliebten Beamten dauernd an der hiesigen Stelle zu fesseln. Hammelburg lBahern) Zum Lebrer der bjestgen jüdischen Gemeinde wurde Herr LeopolbFreubenberger aus Beitshöchheim, zurzeit in Geroda, gewählt. lik.s Hannover. -Am 3 ds. Mts. starb vlötzltch in Folge eines Herzschlags der Stifts gelehrte'und Lehrer Aken ko Katzen stein im Alter von 58 Jahren. Der Verewigte stand 33 Jahre im Dienste als Reliaionslehrer der hiesigen Svnagogen-Gemeinde und bat während dieser ganzen Zeit in hingebungsvollster Aufopferung und hervorragender Pflichttreue seines Amtes gewaltet. Mit ihm ist eine für die Hcranbilduna unserer. Jugend segenbringende, verdienstvolle Kraft zur ewigen Ruhe eingegangen. Von seinem Ansehen zeugte ein ungemeln zahlreiches Leiibenbegänanis von Nah und Fern. In der Leichenbälle sprachen nach "einem Oiesange vom Shnaaogciichor an der Bahre Herr Landrahhiner Dr. S. G r o n e m a n n . Herr Seminardirektor Dr. L. Kn oller, Herr Senator Leopold Fischer und Lehrer D l a ch ans Holberstadt, sehr ergreifende und zu Herzen stehende Worte, wobei lein Auge ohne Tränen blieb. btradno lRublandl Baron ßt ü n1 fnt t n in Petersburg bat die Erlaubnis erhalten, hier pädago.aiscbe Kurse für jüdische Lehrer zu veranstalten. Frankfurter JsraelikisUeI Famtlienblatt. Ans de« Vereinen. Frankfurt a. M. Der Freisinnige Verein für j ü d. G e m c i n de le b c n hielt vorige Woche im Kaiserhof eine Versammlung ab. Herr Rabbiner Dr. Lazarus referierte über das Thema: Moderne Jugenderziehung und Judentum. Redner Meint, daß die modernen Eltern ihrer Verpflichtung dem Judentum gegenüber nicht gegenügen. Ihre einzige Sorge ist nur dahin gerichtet, den Kindern ein beancmcs Dasein zu ermöglichen. Die Folge einer solchen Erziehung ist die Zerreißung des Bandes zwischen Eltern und Kindern, der Mfall vom Judentum. Jude sein, heißt leiden — und wenn man nicht weiß: Wofür? wozu dann das Leiden?! — Man überläßt alles der Schule: allein die Schule bedarf der Unterstützung des elterlichen Hanfes, und Erziehung ist in erster Linie Sache der Eltern. Da trifft man nun Meinungsverschiedenheiten zwischen Vätern und Müttern, während Uebereinstimmilirg für die religiöse Erziehung des Kindes Voraussetzung ist. — In erster Reihe müßten die Mütter für fyxB religiöse Moment in den ersten Entwicklunasiahren des Kindes Sorge tragen. Sind es doch diü Mütter, die am meisten Einfluß ans unsere Kleinen haben! — Mer. wie anfangcn? — Redner meint, es müßte schon am Bettchcn des Kindes das jüdische Zcinbcrwort „Schma Jisroel" eingeschärft werden: er weist auf seine Kinderiahre hin, daß das „Schma". das ihn, an seiner Wieac hergebracht worden» stets einen mächtigen Eindruck auf ihn hinterlassen hat. Auch die Erzählungen der Bibel sind wichtig, und die Kunst zu erzählen, verstehen Mütter vortrefflich. Auch muß die Poesie der einstigen Freitag Wende, die leider verstummt ist. wieder einsetzen. — Es muß etwas geschehen, damit , unsere Jugend zu bewußten Juden herangevildet werbe. ' Redner schließt mit der Versicherung, baß er nicht ’is de» Schwarzsehern gehört: er blickt froh in die Knkunft: er glaubt" anscheinend, daß die von ihn, verschriebene» Heilmittel wohl genügen, unsere Jugend zu gnten Juden zu machen. ‘ Als erster in der Diskussion spricht Herr Isidor D r c v f u ß. Redner sieht bas Streben der Eltern. ihren Kindern ein beanemes Dasein zu schaffe», in dem Bestreben begründet, ihnen die Unabhängiqkcit zu ermöglichen. Herzensbildung, meint Redner, ist ein Grundpfeiler der Erziehung. Das schließt aber nicht ans. auf die Gegensätze der Konfessionen noch im Kindesalter hinznweiscu und das Kind für die Anfeindunaen der christlichen llmaehung vorziibereiten. Das Kind milk, wissen, daü wir eine besondere Konfession und Nation innerhalb der Völker äusmachen. Die.letzten Worte des Redners rufen sichtliches Unbehagen bei vielen Zuhörern hervor. Man ist offenbar ob der Aeußcrnng. „daß wir Juden eine besondere Nation bilden", erschrocken, und daher siebt sich Redner veranlaßt, zum zweiten Male das Wort zu erareifen. Er erklärt, seine bedenkliche Aeimernng dabin verstanden wissen zu wollen, daß wir Juden eine besondere Nation innerhalb der Nationen ausmachen und keine Hoffnungen und Pläne für ein separates Leben außerhalb der Nationen, wie die Zionisten, hegen. Herr Direktor Dr. Adler, der nächste Redner, weist daraus hin. wie schwer es der Schule fällt, das religiöse Gefühl im Kinde zu entwickeln ohne jegliche Unterstützung seitens der Eltern. Hans und Schule müssen Hand in Hand aehen: doch leider werden die Bemühungen der Schule sehr häusia von den Eltern zum Schaden ' der Kinder durchkreuzt. P' Herr Rechtsanwalt Dr. A u e r b a ch verwahrt sich aeaen eine solche Forderung seitens der Schule. Den Eltern müsse es überlassen bleiben, ihre eigenen Anschauungen zur Geltnna z>, brinaen. Es svrache» noch, am Schluß die Herren Rabbiner Dr. Seliamann und d-r R-ierent Soweit Restrat und Disluss,'on. — Was h>er noch zu bemerien ist. ist die Tatsache, daß die meisten Redner des Abends tzsx Fördernna der Reliaion iw Anne hatten. Wir erkennen das an. obgleich. wir auf einem ganz anderen Boden stehen. Wir meinen aber, daß der Weg zur Erlangung des Zieles auch vom Standpunkt des Liberalismus bei 'allen Schwierigkeiten ein entschiedenerer sein muß. Frankfart a. M. Verein ..Montefiore." Ich weiß nicht, war cs das Thema oder die Person des Redners — jedenfalls hatte sich ein solch' zahlreiches Publikum, mindestens 200 Personen. eingcfunden, wie wir es hier bei Vorträgen jüdischen Inhalts nicht gewohnt sind. „Geschichte der Juden im Zeitalter des Humanismus" lautete das Thema, das sich Herr Rabbiner Dr. Lazarus gewählt hatte und dem er in seinem einstündigen Vortrage nach der Seite hin gerecht zu werden sich bemühte, zu zeigen, welchen Einfluß das Zeitalter des Humanismus auf das geistige Leben der Juden und welchen Einfluß die Inden aus dieses Zeitalter gehabt haben. Redner verweilt besonders aus italienischem Boden, wo der Humanismus in, Zeitalter der Renaissance seine Auferstebnng feierte und sich am üppigsten entwickelte. Als Aerrte, Dichter. Ucbersctzer der arabischen Philosophie nehmen hier die Jäden lebhaften Anteil an der llmaestciltnng des Denkens (Elia Delmcdigo. Messer Leon, Obadja Storno, der dem bedeutendsten deutschen Humanisten Rcnchlin Unterricht erteilte. Elia Levita, der 8er Lebrer des Kardinals Egidio de Viterbo und des Bischofs Georgi de Selve war. der Staatsmann und Gelehrte Isaak Abrabcmel und viele ändere). In Deutschland verweilte Redner besonders bei dem berüchtiaten getauften Juden Pfefferkorn, bei Reuchtin und hei Luther, der sich in seiner Bibelübersetzung auf Raschi und ans Kimchi stützt. Redner erwähnte bei Lutber die bekannte Stelle in seiner Schrick ..Daß Jesus ein geborener Jude gewesen" (15231. in welcher es heißt, daß „die Christen bisher derart mit den Inden versahrcn habe», baß. wer ein guter Christ 'gewesen, hätte wohl mögen ein Jude werden" und erwähnt ferner — wie er sagt ..für Freunde des Soinitags-Gotte-dienstes" — eine Stelle, in der Lutster sagt, der eigentliche Sabbat sek der Inden Sabhnt. Mit dem Wunsche, daß der Humanismus auf seinem Weae zum Siege immer weiter cortschreiten und zuletzt die gesamte Menschheit beherrschen möge, schlost der Redner seine Ausnibrungen. Köln n. Rh. Im Juaendvere'N Gabriel Ricßer svrach Rabbiner Dr. Rosenthal nster den bekannten R o s i n' s ch e n Entwurf. Er mk-te seine Meinung dabin zusammen, daß' eine Gesamtoraanisation des vrenßkschen J'ubentumS unter Ausschaltirng des Verfüg nngsreStsinreligiösenDingen zu erstreben und zu ermöglichen fei. Baien. Die Jüd. Lesehalle versendet istren 2. Jahresbericht Der Jahresbericht konstatiert, daß die Institution einecn imnrer mehr wachsenden Bedürfnis breiter iüd>>chcr Volksschichten entivriiht. Die irreauenz der Lesehalle betrua an 226 Dgaen des JastreK jm ganzen 27tz8 (j!tt Boriastr 226-iV Bäcker vn,eben von 1-181 Besuchern (im Bnriastr 75?s entliehen. Die Herausgabe eines übersichtlichen, gedruckten Kataloas läßt eine beträchtliche weitere Hebung der Benutzung erwarten. Lemberrr. Die neueste nnd nenartigste Bereicherung des iüdiscben Vcreinslebens bat hier bas Licht d-s Dcneius erblickt: es ist Nämlich ein — Jüdischer Veaetarier- Verein für Galirien und für die Bukowina gegründet worden. H. L. Wenn wir Ihren Brief richtig verständen haben, wünschen Sie. daß der Rabbiner, da er heute als Instanz für Gesetzesentscheidiingen meistens nur noch für soaenannte rituelle Fragen — nnd auch da leider nicht häufig — in Anspruch genommen wird, sich mit desto größerem Eifer den wirtschaftlichen nnd sozialen Angelegenheiten widmen möge. F. L. Berainger Grosse Auswahl in Gegründet 1845. LnLRSind l&msteegsastagdas Kaiserstrasse 42. TafalsspTicQü Cp^stal!ga?ait«?83 ifafaa- «ad faasePTieas Nur erstklassige Fabrikate. Specialität: Brantansstathragen. Sämtliche Sorten — - Ia. Speisekartoffelii u. Tafelobst - — liefert znm billigsten Preis franko Hans. 9E.HlIJf AS§E, Sandweg 33. Telephon 4264. 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