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Neue jüdische Presse · 1906-11-09 · Heft 43 (9.11.1906) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 43 (9.11.1906)
Date
1906-11-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. FvanMriep MmeMsche? Familienblatt. Nr. 43. litischen Konfession ins Magnaten« Hans. Bei Durchführung der Reform des Magnatenhauses im Jahre 1885 konnte ein offizieller Vertreter des Judentums in die Pairskammcr nicht delegiert werden, weil die Rezeption der israelitischen Konfession noch nicht durchgeführt war. Allein durch die Schaffung des G.-A. XLU: 1895 erfolgte die Rezeption der Juden ohne, daß die Gleichberechtigung dieser Konfession auch durch ihre offizielle Vertretung im Magnatcnhause zum Ausdruck gebracht worden wäre. Nun wird diese Frage im Parlament aufs Tapet gelangen. Präsident Julius Justh unterbreitet nämlich eine diesbezügliche Petition des Tvlnaer Munizipiums, und schon in den nächsten Tagen wird der Pctitionsausschuß die Frage der Entsendung eines offiziellen Vertreters der israelitischen Konfession ins Magnatcnhaus erörtern, uin diesbezüglich dem Mgeordnetenhause einen konkreten Antrag zu unterbreiten. Da die „autonom - orthod. - Israel. Konfession" einen Vertreter der „autonom - ucolog - israel. Konfession" nicht als ihren Vertreter anerkennen Ivird, so müßte schon von jeder der beiden Konfessionen ein Vertreter ins Magnatcnhaus entsendet werden. Dem Schicksal der Petition schon jetzt ein Prognostition zu stellen, dürfte verfrüht sein. Erwähnenswert ist, datz von den 23 jüdischen Mgrordneten wahrscheinlich Nicht einer die Interessen der „autonom. - orth. - israel. Konfession" vertreten wird. Budapest. Ein interessanter Prozeß spielte sich hier ab.. Ein Bankbeamter hatte in einer Budapester Zeitung inseriert: „Adliger Banksckretär aus der Provinz sucht in vornehmem christlichen Hause Kost und Quartier gegen gute Bezahlung" und erhielt darauf folgende gedruckte Offerte: „Frau Abraham Goldstein empfiehlt ihre nach ausländischem Muster eingerichtete wunderbare Pension usw." Der Bankbeamte nahm die Pension bei Frau Goldstcin für 120 Kronen monatlich, zog jedoch schon nach 18 Stunden wieder aus mit der Motivierung, datz er geglaubt .habe, bei Christen zu wohnen, und daß er' die rituelle Kost nicht vertragen könne. Er verklagte die Frau wegen Rückzahlung von 100 Kr. Das Bezirksgericht, vor dem er schilderte, wie Lr am Samstag zu seinem Schrecken „Schalent" bekommen habe, gab der Klage statt und verurteilte die Verklagte zur Rückzahlung. In dem Appelationsgericht aber wurde die Verklagte frcigcsprochen niit der Begründung, daß der Kläger hinsichtlich der Religion der Verklagten von vornherein nicht im Irrtum sein konnte. Budweis. 6. Nov. Die morgen beginnenden Gemeindewahlcn haben bereits ihr Vorspiel. Die Erregung der hiesigen Bevölkerung ist aufs Höchste gestiegen, insbesondere durch die unerhörte Agitation der Tschechen. Die tschechische Agitation richtet sich vornehmlich gegen die Juden; man hofft, sie durch Aus- . Übung eines Druckes von der Wahl fernhaltcn zu können. So langten von zahlreichen tschechischen Orten in Böhmen Briefe an Kaufleute ein, in welchen mit Entziehung der Kundschaft gedroht Ivird, falls sie Deutsche wählen oder sich überhaupt an der Wähl beteiligen. Von Verwandten hiesiger Geschäftsleute aus tschechischen Orten in Böhmen langen Briefe ein, worin diese gebeten werden, sich nicht an der Wahl zu beteiligen, da nian ihnen in dem tschechischen Heimatsorte mit Boykott und Gewaltmitteln droht. Der tschechisch-jüdische B e rein aus Prag hat an alle jüdischen Geschäftsleute ciu Zirkular gesendet, worin sic aufgefordert werden, die T sch c ch e n i n i h r e m Kampfe um die Eroberung von Budweis zu unter st ü tz e n. — Infolge der Erregung der Bevölkerung wurde der auf den 12. ds. fallende Jahrmarkt um eine Woche verlegt. Agram. Auf dem Land werden Proklamationen an das Volk in Tausenden von Exemplaren verteilt, in welchen zu Iude nm a ssakr es aufgefordert wird. Einige Stellen aus diesen Aufrufen seien hier wiedergegeben: „Liebe Brüder in Christo! Es hätte schon längst sein sollen, aber es ist dennoch erst jetzt der Moment cingetreten, daß sich der Geist der Aufklärung allmählig zu verbreiten beginne, das; wir uns gegen unsere Feinde erheben, die 'bereits einen großen Teil Kroatiens in Händen haben und Herren unseres Landes und Vermögens sind — nämlich gegen die Juden, die der Hauptgrund aller unserer und überhaupt der staatlichen Uneinigkeit, der Unzufriedenheit und des .Unglücks sind. .Wir fordern hiermit alle christlichen Brüder auf, resolut und einig zuzu- .greifen, auf daß wir uns gegen diese Verbrecher erheben, auf dem Dorfe und noch mehr in den Städten, alle Kräfte müssen wir anspannen, um uns aus dem jüdischen Joche zu befreien. Nur einig und mutig, sei es daß auch einzelne von uns das Leben einbüßen und unser Blut in Strömen fließt, seid nur keine Feiglinge, fürchtet Euch vor nichts ans der Welt, laßt euch von Niemandem cinschüchtcrn .... und sollte sich jemand finden, sei es wer immer, der die Juden verteidigen wollte) so sott man ihn zuerst auf schöne Art, und, wenn das nicht hilft, auf gewalttätige Weise beseitigen." Um das Volk leichter für Jubenmassakrcs zu gewinnen, beruft sich die auf den Proklamationen anonym unterfertigte „Gesellschaft" auf die Beamten, Advokaten, Gutsbesitzer, Geistlichen und Lehrer, die mit Freuden eine solche Bewegung gegen die Juden erwarten und welche sie auch unterstützen werden, anfangs zwar „geheim" — so datz diese Unterstützung für die Massen nicht bemerkbar sein werde. Und um alle Bedenken des Volkes zu zerstreuen, wird in den Aufrufen noch gesagt: „Auch die militärischen (!) Behörden sind für Jndenmetzcleien, denn auch im Militär gibt cs bereits gewissenhafte Männer, d. h.: Männer, die bereit sind, mit uns gemeinsam gegen die Juden zu kämpfen." Wie eine Ironie ohne gleichen klingt der Satz, daß mau keine Inden erschlagen solle, nur wenn cs not tue. Mit den Worten: „Kroaten heldenmütig und klug im Namen Christi!" schließen die Aufrufe. Den Behörden wurden bereits einige Personen namhaft gemacht, die .diese.Proklamationen bei Hellem Tage unter das Volk verteilt haben, so daß man hofft, den Verfassern und Verbreitern derselben auf die Spur zu kommen. Ezernowitz. Eine unerhörte Handlung die das Prophetcnwort „Deine Zerstörer gehen aus deiner Mitte hervor" bewahrheitet, haben sich 80 jüdische Handlungsgehilfen geleistet. Diese Wackeren haben nämlich eine Versammlung abgchalten, in der sie eine Resolution annahme», die die gesetzliche Sonntagsruhe ohne Ailsnahinebestimmnngen für die Juden verlangt. Die Resolution tritt gegen die „alten Traditionen und Minhagim" auf und erklärt: „Wir wollen keine Besonderheit, die auf eine dogmatische ticberzeugung oder auf ein religiöses Gefühl Rücksicht nimmt, wir wollen nur unser „gesetzlich" bewilligtes Recht ans einen Ruhetag, als diesen Ruhetag hat man in allen österreichischen Kuricnländcrn den Sonntag bestimmt." Wie bereits berichtet, hat die Landesregierung der Bukowina kürzlich eine Verordnung erlassen, die die Erlaubnis der Sonntagsarbcit von 4 auf 2 Stunden beschränkt und da mehr als -t/s aller Geschäftsleute Juden sind, die zum größten Teil bereits den Samstag über geschlossen halten — den jüdischen Geschäftsleuten eine schwere Schädigung znsügt. Man gibt sich selbstverständlich alle Mühe, diese Verordnung rückgängig zu machen — und da kommen nun Juden — Sozialisten jüdischer Konfession oder richtiger Konfessionslosigkeit — und verlangen die Aufrechterhaltnng einer Verordnung, die auf die jüdische Sabbatruhc geradezu verheerend einwirkcn würde! Schweiz. Zürich. Die „freie" Schweiz macht ihrem Namen immer weniger Ehre, lieber die Schwierigkeiten, die russischen Hausierern gemacht werden, haben wir bereits öfters berichtet. Jetzt hat die Universität Zürich in aller Stille für Ausländer die Kanzleigebtthr von 5 auf 50 Francs, desgleichen den Beitrag zur Krankenkasse von 5 auf 15 Francs erhöht. untertänigstes Gesuch des Verbandes Bezug, an Judenpogromen Beteiligte zu amnestieren. Es erhellt ans diesem Schreiben folgende Ansicht hochgestellter Kreise: Da an den Pogronien außer Patrioten auch einfache Hooligans teilgenommen haben, wäre cs besser, bei dem Gnadengesuch diese auszuscheiden. Ans eine Vorstellung mehrerer Mitglieder, der Verband müsse energischer arbeiten, findet sich der Vermerk: „die Kampfesgruppe ist bereits organisiert und arbeitet erfolgreich unter Führung des Herrn Juskewitsch Krassowskij." Im Verwaltungsrat des Verbandes saßen neben Diibrowin und mehreren Halbalphabeten vornehme Herren wie Graf S i e v e r s, ein Beamter der Trepowschen Kanzlei. Im Verbände herrscht oft großer Unwille wegen cigenniächtigen Handelns Dubrvwins, der über Gcldausgabcn keine Rechenschaft ablcgt. Ich habe Unterschriften des Berwaltnngsrates photographiert. „Rnss. Korresp," Odessa. Die russischen Eisenbahnen nehmen jetzt Sendungen nach Palästina an. Die Rufs. H and elsschiffahr ts g eselisch a f t hat die Preise der P a s s a g i e r - Br l l e t c n a ch P a l ä st i n a infolge der starken Auswanderung um 40°/o c r m ästig t. Ein Bittet 3. Klasse Odessa bis Jaffa kostet jetzt 12(4 Rubel. — Die E m igr a ti o n tt b e r Finnland ist verboten worden. Nur Personen, die im Besitze eines Auslandspasses sind, bleibt sie gestattet: Von Samtrowa bei Lomza sind 62 j ü d i s ch e Familien nach C y p e r n ausgcwandcrt. Lebedowo lWilnaer Gouv.; Ein schrecklicher Vorfall hat sich hier zugetragen. Abends 10 Uhr erschienen bei dem angesehenen Herrn Zuckerm a n n, dem Schwiegervater des hiesigen Rabbiners, 4 bewaffnete jüdische junge Leute und forderten 1000 Rubel. Da sie das Geld nicht erhielten, erschossen sie den anwesenden Rabbiner und verwundeten dessen Sohn. Die Mörder hat man noch nicht verhaftet. Getrennt und Vereint. Ansdem Englischen übersetzt von M. Pulvermann. (Schluß). Zemach's Gedanken flogen schnell und wild, wie die Schläge seines Herzens. Seine Erregung war zu groß und tief, uni durch Worte ausgedrückt werden zu können. Trauer und Freude machten ihn gleich stumm; er lachte und weinte in einem Atem. Ezra machte keinen Versuch, ihn zu beruhigen; er weinte mit dem Freunde, dessen Mutter tot, dessen Vater verkrüppelt, und dessen Schwester im Gefängnis, schmachtete-. Endlich sprach er: Rußland. Petersburg. Das Zerwürfnis zwischen dem P r e m i e r m i n i st e rStolypin und dem „Verbände des russischen Volkes" ist'jetzt eine öffentliche Tatsache. Die Stärke des Verbandes liegt aber offenbar nicht in der Hilfe, die er seitens der Minister bekam, sondern in Verbindnngcn, die viel höher reichen. Das Organ des Verbandes fährt fort, in dem früheren Tone die Minister zur Verantwortung zu ziehen. In der letzten Nummer des Verbandsorgans behauptet übrigens der Redakteur selbst, der Verband brauche nicht die llnicrstütznng der Herren Minister, „er habe eine viel stärkere", und cs werbe „bald eine Zeit kommen, wo dieses allen einleuchten werde." Diese Aenßerungen in Verbindung mit der besonders intensiven Tätigkeit des Verbandes hier und auch in der Provinz "verstärkt überall die erregte Stimmung. Petersburg, 5. November. Wie die Blätter melden, arbeitet das Ministerium d e s ' I n - nctit einen Gesetzentwurf aus, nach deni jüdische Freiwillige, statt die Wehrpflicht zu erfüllen, eine bestimmte Abgabe entrichten. Der Petersburger S t a d t h a np t m a n n hob das Wohnrecht für jüdische freie Hörer der U n i v c r s i t ä t auf; sie müssen die Residenz verlassen. Die entrichteten Kollegiengelder werden ihnen zurückerstattct. Petersburg. Es gelang mir. Oiiginalp otokolle des Verbandes der Russischen Leute cinzusehen. Es ergibt sich daraus unter anderem, baß Goremykin v.or der Dumaeröffnung regen Anteil an der -Tätigkeit des- Verbandes nahm.. Er bestritt aus eigenen Mitteln die Gründung, einer Filiale des Verbandes in der Kreisstadt Borowitschi, wo seine Güter liegen. Es ist daher kein Wunder, daß, als Gvremykin konstitutioneller Ministerpräsident wurde, der „Regierungsanzeigcr" überfüllt war von Depeschen der Vcrbandsfilialcn, in denen die Duma in schärfsten Ausdrücken geschmäht nnd die Wiederherstellungdes Selbstherrschertums gefordert wurde. Ein Briefwechsel mit hochgestellten Persönlichkeiten, deren Namen noch unbekannt sind) nimmt auf ein „War ich nicht ein .guter Daniel, der Dir die rätselhafte Hand richtig gedeutet? Und hatte ich nicht recht mit der Achnlichkeit? Es war ja Hulda, die ich in Dir sah'und' in Dir liebte--! Uebrigens," fuhr er dann gesammelt 'fort, „cs ist ein Glück, datz der alte, gebrochene Mann nicht hier ist — — dieser Schreck wäre für ihn zu viel gewesen — —! Auch die Freude kann ja töten-! Sage, Zeiiiach, ist hier nicht die Hand der. Vorsehung deutlich erkennbar?" „Möge der ewige Väter uns weiter beistehen, und auch das Kind aus dem Kerker bald befreien!" erwiderte der Bote aus Zion. „Nach der Gnadenfülle, die er uns bisher gewährt, zweifle ich nicht länger, daß er uns auch weiter helfen wird!" Ungeachtet der großen Freude und Aufregung wurde der Zweck ihres Hierseins keinen Augenblick vergessen, und bald fuhren, beide fort, sich noch weiter in ihre Gendarm-Rolle einzuarbcitcn. Jäblowsky war voller Zuversicht; die Beamten hatte» ihr Geld, und bet Vorzeigung der Papiere wird die Gefangene ihnen ohne weUeres ausgeliefert werden. Dennoch schien er voller Unruhe zu sein, und sah bleich und abgehärmt aus. Ezra teilte ihm ihre Entdeckung mit, daß es keinem Zweifel unterliege, Zemach ben David sei der verlorene Sohn Rüben Pakarow's. Jäblowsky fuhr erschreckt zusammen; er bekreuzigte sich wieder nnd wieder, und den Wiedergefundenen stürmisch umarmend, schluchzte er laut auf. „Jetzt erst," rief er, „werde ich meines Lebens froh werden! Ich versprach Rüben, ihm den Sohn wieder zu geben — — doch alle, meine Versuche, die-verlorene Spur wieder zu finden, waren vergeblich! Nun aber sehe ich wieder, der Gott Israels

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