Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 41 (26.10.1906)
- Date
- 1906-10-26
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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tcxu 10 seiner 33jährigen Tätigkeit zuin Wähle der Stadt Zirke einstimmig -um „E h r e n b ü r g e r" ernannt und ihm in feierlicher Sitzung das Diplom überreicht. — Kurz vorher wurde ihm der Kroucnorden 4. Klasse Allerhöchst verliehen. Budapest. Zu n> Präsidenten der jüdischen Gemeinde ist Hofrät Dr. Philipp Wein mann gewählt worden. Der neue Vorsteher gab in seiner Antrittsrede der Hoffnung Ausdruck, daß cs der Gemeinde gelingen möge, ein eigenes Ober-Gymnasium zu errichten. Zu V o r st e h c r n wurden Josef von H a l - wany-Deutsch 'und Dr. Wilhelm Stauet gewählt. Letzterer erklärte, er wolle sich bemühen, der jüdischen Jugend die Erkenntnis beizubringen, daß die jüdische Religion keine Last, 'sondern ein Flügel ist, der sie zu Gott erhebt. In den Ausschuß wurden Ministerialrat Dr. Ludwig Bella, Ludwig Baumgarten und Julien Winterberg gewählt. IN Rosa h e g y ist der Präsident der jüdische» Gemeinde, Jakob Klein einstimmig zum Stadt- .richter gewählt worden. Warschau. In Berlin starb langem Leiden der hiesige Kaufmann Jakob Brau da, ein frommer und mit großem jüdischen Wissen ausgestatteter Mann. Der Verstorbene, der sich durch seine Wohltätigkeit auszeichnete, war Msibegründer der jüdischen Colonie „Rechauwaus" in Palästina und der Palästinawein-Jmportgesellschäft „Karmel". LonSon. Im »>2 Lebensjahre ist Herr Simeon Lazarus, Scniorches der Metall-Maklerfirma Lewis Lazarus and Sons, verschieden. Lazarus widmete sich mit sehr regem Eifer der Wohltätigkeit, er nahm in einer Reihe jüdischer Wohltätigkeits-Institutionen Londons eine führende Stelle ein, und sein Tod bedeutet für diese Institutionen einen sehr schweren Verlust. Seine Frau, die ihn überlebt, ist eine Enkelin des verstorbenen Ehief-Rabbi's. New-Äork. lSrerbeiälle). Vorige Woche starben drei angesehene hiesige jüdische Bürger: Albert Stetthcimer, geboren 1849 in Stuttgart Württemberg), Jerome Bernheimer, Seniorchef der Firma Hermann Bernheimer, Sons u. Co., und Simon Hunt 'Stern. Melbourne lAuliralien). Jsaac Alfred Jsaacs, Bundes-General-Anwalt des Australischen Staates, ist zum Richter' an dem Bundes-Oberg e r i ch t ernannt worden. Jsaacs, der 1855 in Melbourne geboren ist, ist auch Mitglied des Parlaments. Jerusalem, 14. Oktober. Am 5 Sukothtage wurde hier die' Witwe des seiner Zeit berühmten Birsker Raws, I. D is kin s. A. oder — wie sie hier schlechtweg genannt wurde — die Bris ker Rebctzen, zu Grabe getragen. Die Frau, aus reichem, sehr religiösem Hause stimmend, zeichnete sich durch ungewöhnliche Frömmigkeit aus. An der Gründung des nach ihrem Manne benannten Waisenhauses, das heute etwa 250 Kindern Obdach gewährt, hat sie wacker teilgcnommen und blieb dessen Seele auch nach dem Tode seines Begründers. Ihr Wort galt dem Gabbaim der Anstalt als Gebot. — Seit dem Tode ihres Gatten, den sie kaum zu überwinden vermochte, hatte'sie, allen Genüssen entsagend, geradezu ein asketisches Leben geführt. Sie brachte die ganze Zeit mit Beten und Fasten zu. An dem Leichenbegängnisse, dem „Dittul Melochoh" voranging, hat eine große Menschenmenge teilgenommen, während Hespedim mit Rücksicht der Feiertage unterbleiben mußten. — Ihr Andenken sei gesegnet! M. Gr. Aus der zionistische« Bewegung. Königsberg. Die Generalversammlung der hiesigen Zionistischen Vereinigung wählte folgende Herren als Vorstand: Rechtsanwalt Dr. jur. Jacoby II., M. Sambursky, Wolfssohn, Dr. med. Prusch o w e r und cand. jur. Blumenfeldt. — Die Vereinsversammlungen werden von nun ab im Kasino des Vereins jüdischer Studenten, Kl. Domplatz 15a’, abgrhalten werden. Lemberg. Auf dem 3. Parteitag der Poale Zion waren 39 Städte durch 92 Delegierte vertreten. Die russischen Poale Zion vertrat Herr Witebski, die russisch-polnischen Herr Schim an skr, das zionistische Aktionskomitee Herr Adolf .Stand. — Herr S. Herz begrüßte die Erschienenen namens der Lemberger Parteifreunde, und der Präsident des Verbandes, Herr A. L. SchUßheim eröffnete die Verhandlungen mit einer Rede, in welcher er die Aufgaben des Parteitages auseinandersetzte. — Die Bureauwahl ergab: Herz (Lemberg) und Rosen selb (Drohobycz) als Vorsitzende, Fe rer mann (Stanislau) und Fett (Rzeszow) als Beisitzende, Steinmetz (Czernowitz), F a n d (Prag), Hurwitz (Tarnopol) und Frl. Wektscher (Rzeszow) als Sekretäre. Herr Dr. Margulies erstattete den Rechenschaftsbericht über das letzte Jahr. Derselbe ergab, daß sich die Mrtgliederzahl in einem Jahre von 2000 auf 4000, die Zahl der Vereine und Ortsgruppen von 20 und 15, auf ’31 und 50 gehoben hat. An den Konditionslosenfond zahlen 1000 Mitglieder. Frankfurter JsraetürlcheS FamtUenvlarr. Es ivurdeu zwei Resolutionen angeiwmmen: 1. Der Parteitag drückt der russische n Revolution und dem kämpfenden Proletariate aller Länder seine Sympathien aus und fordert den poalezionistischen Selbstschutz aus, gegen die von der russischen Regierung inszenierten Pogrome weiter zu känipfen. 2. Der Parteitag fordert alle organisierten Poale Zion auf, für die Opfer der Pogrome und für die S e l b st w e h r zu s a m m e l n. Am Nachmittag wurde nach längerer Debatte der Leitung das Absolutorium erteilt. Hierauf wurden zwei Resolutionen angenommen: 1. Der Parteitag billigt das Vorgehen der Verbandsleitung bezüglich des Schekels und fördert sie auf Wege» desselben später mit dem Aktionskomitee zu verhandeln. 2. Der Parteitag verlangt, die Leitung möge sich mit dem Landeskomitee dahin verständigen, daß die Wahlkreise für den Kongreß so eingeteilt werden, daß die Poale Zion besondere Delegierte wählen können. Hierauf erstattet Herr Birnhak aus Krakau sein Referat über die Fachorganisation. Er beantragt aus formellen Gründen T r c n n u n g d e r g e - werkschaftlichenvon derpolitischeu Organisation. Nach längerer Diskussion wurden die Anträge Birnhaks angenommen, mit dem Zusatze, daß für jede größere Gruppe Fachorganisationcn gegründet werden sollen. lieber Organ isätionder Jugendlichen referierte Herr Kenner. Beschlossen wurde, eine Sektion im Verbände zu gründen, die sich speziell mit allen Angelegenheiten, die die Jugendlichen betreffen, befassen solle. Freitag referierte Herr Kaplan- Kaplanski über das Programm. Seine Ausführungen warenj sehr interessant. Die lange Diskussion, die sich daran schloß, endete mit der Wahl einer Programmkommis, sion. Diese nahm schließlich die Thesen des Referenten als Programmprojckt an. Einstimmig wurde als Name der Partei angenommen: „Jüdisch-sozialistische Arbeiterpartei Poale Zio n." Hierbei gaben aber 34 Delegierte folgende Erklärung ab: Im Prinzipe sind wir für den Namen: jüdisch-sozialdemokratisch. Nur der Einigkeit zuliebe stimmen wir für jüdisch-sozialistisch. lieber Taktik referierte Herr Schuß heim. Der dreitägige Parteitag schloß Sonntag, den 14. Oktober, 5 Uhr früh, mit Absingung der „Schwuoh". Prag. Die Jahresversammlung der Zionisten Böhmens, wurde mit einer Trauerkundgebung für die Opfer von Siedler eingelesiet. Der Obmann des Distriktkomitces berichtete, daß aus den zionistischen Spenden ein groeßs Waisenhaus für die Waisen der russischen Opfer in Palästina gegründet wird. Daselbst sollen die Kinder zu tüchtigen Landwirten herangebildet werden. Später soll dieses Waisenhaus auch zur Heranbildung anderer Kinder zur Landwirtschaft dienen. Bestimmend für diesen Plan war die bisherige außerordentlich günstige Entwicklung der jüdischen Bauernkolonien in Palästina, welche schon jetzt die Zahl von 35 Dörfern mit über 7000 Kolonisten erreicht haben. Im Falle die Zahl der Aufnahmebcdürftigcn sich als noch größer Herausstellen sollte, als bisher angenommen wurde, sind neue Sammlungen, sowie das Zusammenarbesien mit anderen jüdisch-humanitäre» Institutionen in Aussicht genommen, von denen bereits einige ihre Mitwirkung zugesagt haben. — Sodann wurde der Rechenschaftsbericht erstattet, aus dem ein Anwachsen der zionistischen Bewegung in Böhmen sowie in ganz Oesterreich ersichtlich ist. Nachdem die beiden Berichte genehmigt wurden, fanden Neuwahlen statt. Die vorliegenden Anträge, welche hauptsächlich die Vereinfachung der inneren Organisation betrafen, mußten wegen Zeitmangels auf einen späteren, außerordentlichen Distriktstag verschoben werden. — Die Vereine waren durch 37 Delegierte vertreten. Gegen 100 geladene Gäste nahmen außerdem teil. Als Präsidenten fungierten die Herren E. Bechert, Teplitz,- und D r. K o h n, Brüx. Warschau. Das Exekutivkomitee der russischen Zionisten hat in Wilna eine Konferenz abgehaltcn, an welcher auch Delegierte des hiesigen zionistischen Zentralbnreaus für das Königreich Polen teilgenommen haben. In der Konferenz, welche zwei Tage dauerte, wurde beschlossen, einen Kongreß der Zionisten aus ganz Rußland und Polen nach Wilna einzuberufen und demselben ein Memorandum über die Pogroms vorzulegen, das an alle europäischen Kabinette gerichtet werden soll, um deren Intervention zn erbitten. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M., 25. Oktober. Zionistische Ortsgruppe. Gestern fand die erste Vereinsversammlung des neuen Geschäftsjahres statt. Der Präsident, Herr Fritz Sondheimer, eröffnete die Sitzung mit einer Ansprache, in der er seinem Vorgänger im Amt, Herrn Goitein, im Namen des :>>i. 41. Vereins für seine neunjährige, rastlose Mühewaltung dankte. Nach einer herzlichen Begrüßung der Mitglieder und Gäste, und besonders des Herrn 'Rechtsanwalt Jacobsohn, gewesenen Duma-Abgeordneten, nimnit Herr D r. F e u ch t w a n g e r das Wort zu seinem Referat Kolonialbank und National f o n d s. Der Referent setzte in klarer, lichtvoller Art die Zwecke, Bestrebungen und die Tendenz unserer Finanzinstitutionen auseinander und gab ein vollständiges Bild von dem Wesen dieser Jnstitutionen. Das Referat wurde beifällig ausgenommen. — Aus der nun folgenden Diskussion sei folgendes hervorgehoben: Herr I a n s o n schlägt vor, eine Kommission zu ernennen, die sich mit den Nationalfondsbüchsen abgibt und darüber wacht, daß die Büchsen regelmäßig geleert werden. — Herr Leviga r d schlägt die Einberufung eines National-Fonds- Tages, der wohl-zur Popularisierung des Nationalfonds beitragen dürfte, vor. — Herr Dr. Halstern führt aus: Die Diskontierung russischer Wechsel durch die Kolonialbank war ein verfehltes Engagement seitens der Kolonialbank. Obwohl der Kolonialbank statuarisch die Gründung von Filialen außerhalb Palästinas gestattet ist, so sei es doch ihre vornehmste Aufgabe, den wirtschaftlichen Möglichkeiten in Palästina nachzugehen. Bis heute sei aus diesem Gebiete wenig getan worden. Nicht ist zu bedauern, daß die Kolonialbank Dividcndenpolitik treibt, sondern daß sie ihr Hauptziel nicht mit absoluter Zweckmäßigkeit verfolgt. — Herr Goitein nimmt die Bank wegen ihrer Diskontierung von Wechseln iu Schutz. Rußland sei das einzige Land, das mit der Kolonialbank überhaupt geschäftlichen Verkehr gepflegt. 'Wenn das Kapital der Bank in den letzten Jahren wenig gewachsen ist, so sei das darauf zurückzuführen, daß die Bank bis heute keine große Dividende hat zahlen können. — Herr Sondheimer hebt hervor, daß cs bei einer solchen groß angelegten Institution sich nicht bloß um Dividendenpolitik drehen könne. Wenn die Bank jn den ersten zehn Jahren mit kleinen Bilanzen arbeite, so will das noch nichts gegen ihre Zukunft sprechen. Das sind Geburtswehen der GründnngSjahre. — An der Diskussion beteiligten sich noch die Herren Dr. Hanauer, Levigard, Dr. Feuchtw a n g e r und Fritz S o n d h e i m e r. Es Ivird einstimmig beschlossen, die Anträge der Herren Janson und Levigard einer fünfgliedrigen Kommission zur Erwägung zu überweisen. Nach Schluß der Diskussion und der Festsetzung des Programms für die Arbeit des Winterhalbjahres erhält der gewesene Duma-Abgeordnete Herr Rechtsanwalt Jacobsohn zu einer vom Herzen kommenden, zu Herzen gehenden Rede über die gegenwärtige Lage der Juden in Rußland das Wort. Herr Jacobsohn führte etwa folgendes aus: Die Lage der russischen Juden ist traurig, wie sie nicht trauriger gedacht werden kann. Die Juden, obwohl ökonomisch und politisch grausam unterdrückt, haben noch so viel ideelles Bewußtsein, sich nicht von dem Moment und von der Lage aufzehren zu lassen; sondern die russischen Juden arbeiten mutvoll für die Zukunft, für sich selbst und für die Andern. Vor den letzten Dumawahlen entfaltete die nationalgesinnte russische Judenheit eine riesige Tätigkeit. Sie mußte den Kämpfen und den rohen Boykottanschlägen des Bund widerstehen, >und das sei nicht so leicht gewesen, denn der Bund arbeitet mit der Faust und kämpft gegen ihre Umgebung'für den Wahlerfolg eines jüdischen Kandidaten. Es war eine Riesenarbeit, aber auch ein gewaltiger Erfolg. Daß keine nationaljüdische Fraktion in der Duma zustande kam, kommt daher, weil viele der jüdischen Duma-Deputierten aktive Mitglieder anderer Parteien waren und es aus parteitechnischen Gründen unmöglich war. Jedoch ist hervorznheben, daß in allen jüdischen Fragen unter den 13 jüd. Duma-Mitgliedern volle Enigkeit herrschte. Die nicht jüdischen Deputierten haben ihren jüdischen Kollegen wegen ihres offenen jüdischen Bewußtseins Sympathie und Vertrauen entgegengebracht. Das Los der ersten Duma war noch vor ihrer Auflösung bekannt, 'was morgen geschieht, kann kein Mensch sagen. Wenn morgen das allgemeine Wahlrecht für die Dumawahlen statuiert wird, kann ein Jude nicht mehr gewählt werden, da die Juden überall, sogar im Ansiedlungsrayon, in Minorität sind. Die erste Duma hatte für die Juden einen doppelten Nutzen. Zunächst kann die Regierung nicht mehr sagen, sie verweigere den Juden ihr Recht, weil sie im Sinnedes Volkes handle. Die erste Duma als Volksvertretung hat das Gegenteil demonstriert. Dann sei durch das öffentliche Auftreten in der Duma als Juden das jüdische Bewußtsein kolossal gehoben worden. Die Lage der Juden heute ist Line unhaltbare. Es muß anders werden. Herr Jacobsohn glaubt, daß der Tag ihrer Befreiung nahe sei. Frankfurt a. M., 25. Oktober. Im Verein „M o n t e s i o r e" hielt gestern Abend Herr Rabbiner Dr. Jacob Horovitz einen, besonders für die sehr zahlreichen jungen Leute, die dem Vorträge beiwohnten, wertvollen Vortrag. Er ließ seine Zuhörer einen! Blick i n d ie Et h i k d e s Iu d e n t um s tun und. verstand es' dabei, das Besondere der jüdischen Ethik durch die Herbeiziehung des Heiden- und des Christentums kraftvoll und plastisch hervorzuhebcn. Die Antwort „Was du nicht willst, das man dir tue, das füge auch keinem anderen zu — das ist die