Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 40 (19.10.1906)
- Date
- 1906-10-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Frankfurter Israelitischer FannUenvlatt. Lord Rothschild-London, Oskar Straus- Newhork, James Simon-Berlin, Dr. Paul Nathan-Berlin und Professor Dr. Mandelsta mm- Kiew. Rumänien. Bukarest. Die Zabl der jüdischen Kaufleute in Rumänien hat sich von Jahr zu Jahr verringert. Während sich im Jahre 1896 unter 68 785 Kaufleuten 24601 Juden "befanden^ wurden im Jahre 1905 101779 Kaufleute gezählt, unter denen sich aber nur 22 667 Juden befanden. — Also mit zehn Jahren zurück bestand mehr ials ein Drittel aller rumänischen Kanflente ans Juden, und jetzt bilden die Juden nur noch ein Fünftel! Amerika. Rew-Pork. Eine sehr zu begrützende Gründung. In dem ,Hebrew Sheltermy Jinmigrants' Home" (229 East Brodway) ist ein Bureau eröffnet worden, das zum Zwecke hat, die liebersührung von Frauen und Kindern der bereits in Amerika lebenden Bäter zu ermfö glichen. Die einzige Forderung, die das Bureau in jedem Falle stelll, ist die Versicherung, daß die Ueberführten den öffentlichen Wohltätigkeits- Institutionen nicht zur Last fallen werden. Das Bureau verdankt seine Gründung einem hochherzigen Philanthropen, der ungenannt bleiben will. Personalien. Berlin. Am 4. ds. Mts. ist hier der Rentter Louis Sieskind, Mitglied des Repräsentantenkollegiums der israelittschen Gemeinde, im 70. Lebens jahre gestorben. Berlin. Einer der besten Männer unserer Gemeinde ist dahingegangen. Herr Rentier Josef Frankel ist — 79 Jahre alt gestorben. Ein geborener Oberschlesier kam Fränkel in den fünfziger Jahren nach Hier und brachte >es "durch rastlosen Fleiß und strenge Redlichkett so wett, baß sein Daugeschäst bald eines der ersten und angesehensten Berlins' "wurde. An den jüdischen Angelegenheiten nahm er stets das lebhafteste Interesse, er gehörte dem konservativen Flügel des Repräsentantenkollegiums der israel. Gemeinde viele Jahre an'und hat sich u. a. besonders um die Gründung und Leitung des „Lehrlingsheim Pankow" verdient gemacht. — Professor Dr. August Wassermann iffzum Dvteilungsvorsteher bei dem Institut für "Infektions-Krankheiten ernannt worden. Berlin. An Stelle von Hansemann, der die Proseüur im Rudolf BirchowÄrankenhause übernimmt, tritt der Privatdozent Dr. Ludwig Pick aus Prag als Prosektor in den «Verband des Berliner städtischen Krankenhauses am Friedrichshain ein. Berlin. Der Charakter als I u st i z r a t wurde verliehen: den Rechtsanwälten Lehserson, Dr. Paul Alexander Katz, Wolf Loewe, Dr. Franz Lipmann-Wulf, Julius Grünschild und Julius Cohn in Berlin, Brieger und Marck in! Br es lau, Dr. Freund in De Uthen, Mankiewtcz in Fran kfurt a. MI, Dr. Frankenstein in Bielefeld, Behrendt in Danzig und Placzek in Posen. Zu Handelsrichtern Leim Landgericht I -fbtb ernannt die Herren: Josef Fränkel, Paul Brodnitz, Kommerzienrat Schlesinger, zu Stellvertretern: S. Israel, George Leichtentritt, Gustav Jacoby, Salomon Seligsohn, F. Stern, Alfred SY. Berlin. Der Privatdozent an der hiesigen Universttät, Herr Dr. Joses Horovitz, ein Sohn des Herrn Rabbiner Dr. Horovitz in Frankfurt a. M., hat einen Ruf als Professor des Arabischen an die muhammedanische Universttät Wigarh (Indien) zunächst auf zwei Jahre angenommen. Solingen. Geheimrat Cappel und sein Bruder Arnold Coppel stifteten für das Wamerholungsheim und die Waldschule je 40000 M., ersterer anläßlich seiner goldenen Hochzett, letzterer aus Anlaß seines 80. Geburtstages. Mergentheim. Das seüene Fest der diamantenen Hochzeit ist Herrn Jsack nnd Frau Mina Schloß in diesen Tagen zu feiern vergönnt. Der Mamantbräutigam steht im 91. Lebensjahre, während seine Gattin eine hohe Achtzigerin ist Karlsbad. Der König von Schweden hat dem Kurarzt Dr. Leo Klemperer in Karlsbad das Ritterkreuz 1. Klasse desWasa-Ordens verliehen. < Breslau. Dem Rechtsanwalt Alfons Mark ist der Mel Justizrat verliehen worben. Ostrowo (Posen). Justizrat Boß ist zum Stitdtverordnetenvorsteher und Deputierten des Kreistages gewähll worden. Oekouonüerat Go Idstein wurde als Direktor des Vorschuß» er eines wiedergewählt. - " Wien. Der Rabbiner der Chassidim vonSadagora, Israel Friedmann ist im Alter von L3 'Jahren gestorben. Während seiner letzten Lebensstunden liefen über "6000 Telegramme aus allen Teilln der Welt in hem klett«» Polnischen Ortt ein. Ebenso zahlreich war der Zuzug der Fremden auS Rußland, Rumänien und Galizien. Di3e "Tausende umstanden wehklagend das Schloß des Rab¬ bis. Mindestens 10000 Personen folgten um 3 Uhr morgens dem Sarge. Wien. Dem Professor Dr. Paul Cohn wurde die Ehre zuteil, daß sein Bericht „Weltausstellung St. Louis 1904. Die chemische Industrie" vom Kaiser für die Familienfideikommiß - Bibliothek angenommen wurde. Prag. Der Sttasrechtslebrer an der tschechischen Universität Hofrat Professor Dr. Alois Zudfet — geboren 1842 zu Czlyn als Sohn des nachmaligen Strakonrher Fezfabrikante» Mathias Zucker — wurde aus einem Spaziergange durch einen Schlaganfall plötzlich hin gerafft. Anfangs ein hervorragender Rechtsanwalt, habilitierte er sich 1870 an der tschechischen Universttät zu Prag und erhielt 1881 an dieser Universttät die ordentliche Professur. 1885—91 gehörte er dem Reichsrate an, er nahm hier öfters Gelegeiihett, energisch gegen die Antisemiten zu Feld zu ziehen. In Horowitz (Böhmen) verstarb im Alter von 54 Jahren der Fabrikbesitzer, Vorstand der israel. Knltusgemeinde, k. k. Häuptmann a. D. Julius Bandy. Der Verstorbene hatte ein sehr großes jüdisches Interesse nnd war ein feuriger Nationaljude. Er gründete nnd gab mehrere Jahre eine jüdische Zeitung — Jüdische Revue — heraus. ' MLhrisch-Weitzkirchen. Dem iangsähriaen Bürgermeister der israelitischen Gemeinde Mähr.-Wcißlirchen, Herrn Salamon Schlesinger wurde von Sr. Majestät dem Kaiser das Goldene Verdien st - kreuz verliehen. Herr Schlesinger liefert für die hier stattonierten Landwehrsoldaten das Brot. Paris. Oberst Dennery, Kommandeur des 128. Infanterieregiments in St. Denis, wurde züm Brigadegeneral und Kommandant Bern ard, ein Bruder des unvergeßlichen Bernard Lazare, zum Oberstleutnant befördert. Petersburg. Am 18. Oktober starb der frühere jüdische Censor für Peiersburg Landau im Alter von 72 Jahren nach langer Krankhett. Landau, der bereits vor 18 Jahren Lutheraner wurde — seine einzige Tochter ist Jüdin geblieben — besaß eilt geradezu hervorragendes jüdisches Wissen und war ein Nachkomme des Chächam Zewi nnd des Rande Bejehüdo. Bis zu seinen mittleren Jahren war Landau Chassid, und settdem er-vor 19 Jahren Censor geworden ist, hat man in Rußland jegliche chassidische Literatur frei drucken können. In letzterer Zeit trug Landau sich mtt dem Gedanken, zum Judentum zurückzukehren, wurde aber in der Ausführung seines Vorhabens durch den Tod gehindert. ' Hüll (England). Herr Henry Feldmann ist znm Bürgermeister von Hnll gewählt worden. Herr Feldmann nimmt von jeher eine hervorragende Stelle in dem Leben der Hiesigen Judenhett ein. Rom. Anläßlich der Durrbiührung der Korversion der italienischen Rente verlieh der König eine Anzahl Auszeichnungen. Luzzati wurde znm Staats minister ernannt. Generalkonsul Dr. S ch w a b a ch (S. Bleichroeder n. Co.), und den Bankdirektoren Fürstenberg (Berliner Handelsgesellschaft), Mankieivitz (Deutsche Bank) und Gutmann (Dresdner Bank), sämtlich in Berlin, wurden hohe Orden verliehen. Philadelphia (Amerika). Hier starb Herr Siegmnnd Deutsch, ein Sohn des Baron von Deutsch, eines der angesehensten Juden Wiens. Aus de« Vereine«. Frankfurt a. M., 18. Oktober. Der Montesiore"-Verein hat gleich mit seiner ersten Veranstaltung überaus glücklich eingesetzt, denn das vorzügliche Programm vor überfÄltem Saale — viele mußten wieder umkehren — gewährt die Bürgschaft, daß auch für die wetteren Veranjballungen des Winters auf einen gefüllten Saal zu.rechnen ist. Nach einem Klavier-Präludium sprach der Präsident, Herr Felix M e y e r, Worte der Begrüßung und gab einen kurzen Uebervlick über das Winter-Programm, besonders die Neueinrichtungen diefeS hervorhebend. Stürmisch begrüßt, hielt dann Herr RabbinerDr. M. Horovitz, der Ehrenpräsident des Vereines, eine eindrucksvolle Ansprache an die herangewachsene Jugend, deren idealen "Interessen ja vorzüglich die Tätigkeit des ,.Montefiore"-Vereins gewidmet ist. Er führte folgendes "aus : Zehn Jahre sind nunmehr fett der Gründung des Vereins verflossen. Dies erinnere ihn an den Ausspruch unserer Weisen, daß die Welt in zehn und nicht in einem Schöpferworte geschaffen ward, damit dem Menschen zu Bewußtsein gebracht werde, wieviel Arbett auf die Schöpfung der Welt aufgewendet worden ist "und er es genau nehme mtt feiner Pflicht. Auch der „Montefiore"-Verein ward nicht auf einmal, zehn Jahre bedurfte es, um ihn aus bescheidenen. Anfängen zu seiner heutigen imponierenden Ausgestaltung zu bringen. Der Redner "ging danndazn über, daß "auch der Mensch in sich eine Welt, wenn: auch nur eine kleine, ein Mikrokosmos,' darstelle und. daß auch hier es einer Anzahl von Stufen benötige,; bis diese Welt eine Harmonische'sei.- Wie das. Licht! als drstes.geschaffen.wurde und das./Licht es war,! das den ganzen Schöpfungsall beseelte, so ist'es auch Nr. 40. das Licht der Religion, das .die Grundlage des werdenden Menschen bildet, sie scheidet zwischen Licht und Finsternis und scheidet so im Menschen zwischen dem Oben und Unten, sodaß das Göttliche in ihm.das Irdische überwölbt und dann eine Welt des Segens von ihm ansgeht. Diese Fülle göttlichen Segens möge auch weiter von dem „Montefiore"-Berein aussttahlen. Dieser Ansprache, die in sich formvollendet und geistig überaus feinsinnig war, folgte nun der unterhaltende Tell, zu dessen Gelingen die Herren Max Mohr er, Leopold Perlmutter und Sally" Rosenheimer und die Damen Mathilde Oppenheimer und Sabine P'erlm utter ihr Bestes bettrugen. Frankfurt a. M. Das soeben zur Ausgabe gelangte Winterprogramm des „Montefiore"-Vereins enthält eine Reihe ganz ausgezeichneter Vorträge, besonders aus dem Gebiete der jüdischen Literatur und Geschichte. Aber auch die Lehrgänge und Unterrichts-Kurse sind erheblich vermehrt worden. Wir erwähnen nur aus dem überreichen Inhalt des Programms die Kurse zur E r l e r nung der hebrätschen, engli schen, französischenSprache, der Stenographie, des Schachspiels usw. Selbst der körperlichen Weiterbildung ist durch Einrichtung eines Turnunterrichts unter fachmännischer Leitung Rechnung getragen worden. Besonders angenehm für die jungen Mttglieder von auswärts dürfte auch die Neueinrichtung für die Freitag - Abende sein. Durch" Veranstaltung von geselligen Zusammenkünften in den Vereinsräumen will die Bereinsleitung diesen Mitgliedern Gelegenheit bieten, die Freitag-Abende würdig zu verbringen. Ferner soll die Vereins-Bibliothek nach entsprechender Vergrößerung nunmehr auch ausgeliehen werden, Kataloge werden den Mitgliedern in einigen Wochen zngestellt. Wir wünschen dem Montefiore-Verein, welcher in diesem Jahr auf zehnjähriges Bestehen zurückblickt, daß er ständig sich weiter vergrößern möge, damit er immer mehr sich seinem hohen Ziele nähere. Frankfurt a. M. Verein „Nachlas Zwi. Mittwoch, den 17. d. Mts., fand im Vereinslokal der erste Vorttagsabcnd des Wintersemesters 1906—7 statt. Der Präsident, Herr I. Rosen heim, eröffnet die Sitzung und führt in seinen Einleitungsworten folgendes aus : Der Verein trete "mit diesem Winter in sein Sabbatjahr ein. 6 Jahre habe der Verein segensreich gewirkt und fürs siebente wünsche er ihm die Sabbatweihe im Sinne der Nschomoh jesseroh, daß der Verein noch eine - größere, segensreichere Tätigkeit entwickeln Möge. Herr Rosenheim kommt sodann auf die Ereignisse im abgelaufenen Jahre zu sprechen nnd erwähnt u. a. die blutigen Pogrome nnd das große- Unglück, von dem unsere russischen Brüder im letzten Jahre heimgesucht worden sind. Das russische Judentum hat bis jetzt den Mittelpunkt und das Zentrum des jüdischen Volkslebens gebildet, und wenn dieser Mittelpunkt jetzt verschwinden sollte, so, führt Herr Rosenheim aus, ist das Judentum verlassen. Wir müssen jetzt nach Mitteln trachten, dieser drohenden Gefahr vorzubeugen. Unsere Mittel sind bescheiden, wir verfügen auch über keine großen Kräfte. Aber auch wir wollen Unser Scherflein dazu beittagen, um das zü retten, was wir in der Lage sind zu retten. So ist dank den Bemühungen einiger Herren, der Uebersetzer der Werke des sel. Rabbiner Hirsch, Herr Aronsohn-Kowno mit den Mitteln versehen worden, die hebräische Uebersetzung des .Pentateuch-Kommentars zu veröffentlichen. Alsdann ergreift Herr stud. med. Hoffmann das Wort zu seinem Vorttag über die Morgengebete. Der Vorttag — halb Erläuterung der Gebete, halb Uebersetzung der Gebete nnd halb Predigt — hätte mit gut bezeichnet werden können,. wenn der Referent noch das "gesagt hätte, was die Herren Dr. Bondi ünb Herr Rosenheim spater in der Diskussion ausführten. Wenn der Abend trotzdem befriedigend verlaufen ist) so ist dies "den geistreichen Ausführungen der Herren D r. D o n d i und I. Rosenheim zu danken. Herr Dr. Bondi wies auf die logische Gliederung der Gebete und auf das 'Subjektive und Objekive in den Gebeten hin, während Herr Rosenheim auf den aufsteigenden Charakter in der Gliederung der Mirrgengebete aufmerksam machte. An der Diskussion beteiligten sich noch die Herrn Josef Bamberger, M." A. Schwarzschild, Max Michel und "der Referent des Mends. Frankfurt a. M- Die jüdische Bibliothek und Lesehalle ist "in diesem Winterhalbjahre wie folgt geöffnet:. r . . Montag bis Donnerstag: 1—3 Uhr mittags und 8—10 Uhr abends. Frettag: abends vom beendeten Gottesdienste bis 9 Uhr. . Samstag und Sonntag: 11—1 Uhr vormittags und 3—7 Uhr nachmittags. Ausleihestunden: Montag bis Donnerstag: 1—2 Uhr mittags. . Frankfnrt a. M Der hebräische Sprachverein fordert, in unserem Inseratenteil zur Anmeldung auf. Die neuen Kurse beginnen bereits nächsten Sonutäss im Lokale der jüdischen Bibliothek and Lesehalle^ (Bleichstraße 2). Der außerordentlich geringe Beitrag (Kursus für Erwachsene 60 Pfg.