Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 40 (19.10.1906)
- Date
- 1906-10-19
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40.___ monatliche Kursus für Kinder von-9—13 Jahren 1 -lli Einschreibegebühr), sowie der erwiesen sehr günstige Erfolg der Lehrmethode sollten einem jeden Juden Frankfurts'—- schon deshalb, uni unsere Gebete zu verstehen-— die Frage nahenlegen, ob es nicht-seine Pflicht sei, eine Stunde in der Woche her Erlernung 8er hebräischen Sprache "zu opfern. Berlin. Zu den Körperschaften, die schon in den früheren Jahren den Verband für Statistik der Juden durch Jahresbeiträge oder 'Ankauf einer größeren Anzahl von Publikationen subventionierten: Jewish Kolonisation Association, Zentralverein'deutscher Staatsbürger.jüdischen Glaubens, Größloge und mehrere Einzellogen des U. O. Bnei Brith, Deutsch-Israel. Gemeindebund, Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, jüdische Gemeinde von Berlin, Breslau und > Posen, traten neuerdings hinzu: Deutsche Konferenzgemeinschaft der Alliance Jsraßlite Universelle mit einem Jahresbeitrag von 200 JL und einer einmaligen Subvention von.1000 JL; Hilfsverein deutscher Juden mit einem Jahresbeitrag von 500 JL; mit Jahresbeiträgen von 200 JL die jüdischen Gemeinden in Frankfurt, Hamburg, Wien; mit-Jahresbeiträgen von 100 JL: bie jüdischen Gemeinden in Danzig, Stettin, Cassel, Köln; mit Jahresbeiträgen unter 100 JL: die jüdischen Gemeinden in Hannover, Beuthen, Aachen, Wiesbaden, Mainz, Gleiwitz, Elbcrseld, Kattowitz. Als Vertreter der Deutschen Konserenzgcmeinschast der A. I. ljt ist Geh. Kommerzienrat Goldberger in das Kuratorium des Verbandes eingctreten. Auch der Hilfsverein deutscher Juden wird durch ein Vorstandsmitglied im Kuratorium vertreten sein. Der Vorstand des Verbandes hat 'eine Kommission für wissenschaftliche Arbeiten gebildet, deren Vorsitz der bekannte Statistiker Dr. Julius Roth - holz übernommen hat, daneben eine Kommission fiir Propaganda, an deren Spitze Herr Richard Cassel steht. Ferner hat der Vorstand Herrn Dr. Bernhard Kahn, Sekretär des Hilssvereins deutscher Juden, als Mitglied kooptiert. Köln a. Rh. Kinder-Spar-Berein. Nach den Herbstferien hat auch der Kinder-Spar-Berein mit seiner Jugendgruppc seine segensreiche Tätigkeit in der israelitische» Schule wieder ausgenommen. Jeden Morgen erhalten 100 Kinder ihr Frühstück, bestehend aus Milch und Brötchen. Jede Woche 'werden die Kinder von jungen Mädchen der Jugendgruppc zum Baden geführt. Verschiedene Aerzte und Spezialisten boten dem Verein in liebenswürdigster Weise ihre Hilfe an. So ist unter anderin von Herrn Dr. Mayer orthopäd. Turnunterricht eingeführt worden. Die Mitglieder der Jugendgruppc erteilen denjenigen Kindern, welche dein Unterricht nicht zu folgen vermögen, Nachhülfenntcrricht. i Andere halten Kurse für Buchführung, Handelskorrespondenz, Literatur, Französisch ab, an ivelchen! Schüler und Schülerinnen der oberen Klassen teilnehmen können.. Agrippastraße 14 ist eine Kleiderkanrmer eingerichtet, in welcher alle Kleidungsstücke, deren die Kinder bedürfen, angefertigt werden. Auch getragene Sachen werden in Stand gesetzt und den Bedürftigen zugeteilt. Ans der zionistischen Bewegung. ' Nürnberg - Fürth. Imposant war der Erö f'fn un gs a b e nd der hiesigen zionistischen Ortsstattliche Anzahl der Gäste' bewies, daß die zionigruppe für das kommende Wintersemester und die stische Idee ani hiesigen Platze doch Boden gefaßt hat, nachdem zwei große Säle dicht gefüM waren. Nach einer'kurzen'Ansprache des zweiten Vorsitzenden, in welcher er die bisherigen Erfolge des Zionismus kundgab' und das Programm erklärte, nahm Herr Dr. Bloede das Wort zu seinem Vorträge: „Dr. Vogelstein und der Zionis - mus". In bekannt meisterhafter Weise führte Herr Dr. B. bie Nichtigkeit der Ausführungen Vogelsteins aus und bemerkte, baß die Broschüre dieses Rabbiner die beste Propaganda für den Zionismus sei. Eine hervorragende Künstlerin als Violinvirtuosin', sowie eine hiesige Dame, welche die Meisterin aufbem KlÄier^ begleitete) würzten den Abend durch ihre Müsikvorträge, die wirklich meisterhaft' waren, ebenso die Gesangsvorträge eines hiesigen Kantors, welcher „Dort, wo die Zeder" ünd „Hatikwoh" rezitierte. Herr Dr. Elia^ Auerbach verteidigte die nationale Idee und ein treuer Anhänger der Bewegung geißelte in beißender Satire „Ein SHolausch,Sudohs beim Rebben" die Anhänger Bogelsteins. Nachdem noch'eine hiesige Autorität det zionistischen- Idee seine Anerkennung gezollt hatte, nahm der Vorsitzende das Schlußwort mit dem Wunsche, daß der Zionismus dem JUdenvolke bald die ersehnte Erlösung bringen möge. ' Köln. Das Aktionskomitee hat beschlossen, in Palästina eine große Waisenanffalt zu errichten, die für Kinder bestimmt sein soll, die in den letzten russischen Pogromen ihrer Eltern beraubt worden sind. Die angestellten Erhebungen haben ergeben, daß sich noch eine beträchtliche Anzahl solcher Waisen in Rußland befinden, deren Angehörige nicht mehr in der Lage sind, die Erziehung der Sfinber zu übernehmen. Das Aktionskomitee hat die Vorarbeiten zur Ausführung seines Planes bereits begonnen und hat auch die anderen großen jüdischen Frankfurter Israelitisches Famllienblatt. Korporationen eingeladen, sich an dem Werke zn beteiligen. Köln. Der Staatssekretär der vereinigten Staaten von Nordamerika, Mr. Elhu Root, hat auf seiner jüngsten Reise nach Südamerika eine Abordnung der argentinischen Zionisten in Buenos Aires empfangen, 'die ihm eine Willkommenadresse überreichten. Mr. Root antwortete dem Führer der Deputation, dem Mitglieds des Aktionskomitees, Herrn Aron Vecht, Folgendes: „Ich danke Ihnen von Herzen für Ihre freundliche Begrüßung und schätze mich glücklich Zeuge zu sein der warmen Gefühle, die das 'jüdische Volk gegenüber den Vereinigten Staaten hegt. Das amerikanische Volk wird immer mit Freuden bereit sein, dem jüdischen Volke überall in der Welt, zu helfen. Ich bin aber überzeugt, daß die letzte Hilfe, immer nur von der jüdischen Nation selbst Herkommen kann, wenn es' ihr gelingen wird, ihre alte Heimat in P a kä - stina wieder zn erlangen." Ans der Lehrerwett. Frankfurt a. M. Auf unsere Mitteilung vom 28. v. Mts., daß als Nachfolger des pensionierten Herrn Rabbiner Dr. Selver voraussichtlich die Herren Dr. Rosenzweig-Berlin und Dr. Baron-Hoppstädten in die engere Wahl kommen, teilt uns der Vorstand der israel. Religiousgemeinde in Darmstadt mit, daß, da Meldeschluß erst-am 30. September war, der Vorstand am' 28. Sept. überhaupt noch keine Wahl getroffen haben konnte; auch habe der eine der genannten Herren sich nicht um die Stelle beworben. Hegenheim. Herr Rabbiner Dr. S. Schüler verlegt seinen Wohnsitz nach St. Ludwig hinüber, woselbst die jüdische Bevölkerung in steter Zunahme begriffen ist. Allenstein Mstpreußen). Von der Fürsorge der hiesigen jüdischen Gemeinde für ihre Beamten legt eine Tatsache Zeugnis ab, die leider noch zn den Seltenheiten gehört: vor einiger Zeit sind nänrlich Rabbiner und Kantor der Gemeinde "lebenslänglich und mit Pensionsberechtigung angestellt worden. Lobositz (Bödmen). Am 7. ds Mts. beging Herr Oberlehrer Adelhart Löbel fein 40 jähriges D i e n st j u b i l ä u m. Bei der in der Aula zn Ehren des Jubilars veranstalteten Feier waren die Schnl- und die Stadtbehörde zahlreich vertreten. Skizze von I. B. Das Sukkosfest neigte sich seinem Ende zu. Lulaf und Esrog, die Helden der letzten Tage, fühlten das Ende ihrer Herrschaft herannahen nnd waren erfüllt von dem Gedanken an die Vergänglichkeit alles Irdischen. Nur noch einmal sollten sie ihrer heiligen Bestimmung leben und die großen Ideen verkörpern, die sie uns lehren sollen. Auch der Sukkoh, der Festeswohnung, drohte das gleiche Schicksal, bald sollten ihre Räume öde und verlassen daliegen und ein langes Jahr hindurch keines Menschen Stimme in ihr gehört werden. Und schade, schade um sie!'Wie.hell und glänzend erstrahlte sie doch in ihrem herrlichen Schmuck, wie blinlten und blitzten die Lichter in den farbigen Kugeln nnd wie traulich grüßten die Bilder von den Wänden herab! ,, . •. 3toei strahlende Kinderaugen saugen begierig die Pracht nnd den Ganz in. sich' auf. und ein. frisches, lebensfrohes Menschenkind neigt sich seinem Mütterchen zu: „Sag, Mutter, bleiben wir nun immer hier in der Sukkoh? Schau doch, wie schön es hier ist, viel schöner wie im Wohnstübchen, wo die Decke so kahl nsth die Wände so steif sind. Sieh, Mutter/die große Kugel da oben, da. sind wir beide drinnen. Du unb ich, und schau dort drWen den GoU>reif und den silbernen Stern, und dort, ünd dort — —." ,,Sag, Mutter, ist' nun immer Sukkos — —?" - . Unschuldsvolles KinÜerherzl Aüch in Dir lebt schon die Sehnsucht, nach Luft und Glanz und Glück wie im Herzen der Erwachsenen. Auch Du fühlst schon halb unbewußt, daß es Licht und Schatten gibt draußen im Leben, daß der Freude die Ernüchterung, dem Feste der Alltag folgt. ' „Sag, Mutter; ist ünn immer Sukkos — —?" Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Löbliche Redaktion! Es wird darkiber gesprochen, wie es "möglich ist, daß die Milchhändler, die unter Aufsicht der Mtual-Kömmission der Gemeinde stehen, die Milch zn 22 Pfennig liefern. Der Grund ist ein setz einfacher. Es wird nämlich in unserer Gemeinde nicht mehr bezahlt, und der Milchhändler muH des- Seite 11 .halb, mit kleinerem Verdienste arbeiten als seine Kollegen, die unter. Aufsicht der Religionsgesellschaft sind. Die Milchhändler der Religionsgesellschaft behaupten wohl, sie hätten bei ihrer Aussicht mehr Spesen, auch brächten sie Milch mit mehr Fettgehalt zur Verabreichung. Was dies betrifft, so können wir Milchhändler der Gemeinde Nachweisen, daß wir dieselben Spesen haben und auch Milch von demselben Fettgehalt — wenn nicht mehr — liefern. Ein jeder kann sich davon überzeugen, denn wir haben Atteste in Händen, welche polizeilich 3,65<>/o Fettgehalt testieren. G. Milchhändler unter Aufsicht der Ritual-Kommission der Israel. Gemeindet Berehrliche Redaktion! ,/2er Buchstabe tötet": Ein Mann, der in den weitesten Kreisen der ungeschmälerten Wertschätzung sich erfreut, dem viele seiner Freunde aus sein Wort Hunderttausende anvertrauen möchten, wird zu einer entehrenden Haftstrafe verurteilt: wir sprechen von dem Falle des Arztes Dr. Josef Mayer! ' Jedem, der den Vorzug hat, Herrn Dr. Mayer zn kennen, wird es im Vorhinein klar sein, daß ihm eine bewußte nnd beabsichtigte unehrenhafte Handlungsweise nicht zugemutet werden kann. Wir glauben im Gegenteil, daß ein derartiges Unglück — und aß solches können wir es betrachten — eben Nur einem Mann von der übergroßen Herzensgüte und kindlich naiven Vertrauensseligkeit eines Dr. Mayer begegnen kann, dem, sobald er äußere Zeichen einer erlittenen Mißhandlung bemerkt, mehr kein Gedanke anfsteigt, daß alles, was ihm von den Mißhandelten vorgejammert wird, vielleicht doch nicht die lauterste Wahrheit sei und einer gründlicheren Untersuchung erst bedürfte! Er bedenkt nicht, daß die Ziemtschen Eheleute ln ihrer Erregung und Rachsucht, ob der erhaltenen (nachträglich sicherlich wohlverdienten) Schläge, zu Uebertreibungen nur zu geneigt sein werden, denn wenn er es täte, — wäre er eben nicht der Herr Dr. Mayer. Glücklicher Weise ist in dieser Sache noch nicht das letzte Wort gesprochen. Denn, wenn auch zugegeben werden muß, daß angesichts eines so ungeheuren Leichtsinns eine empfindliche Bestrafung am Platze sei, so erscheint doch eine entehrende Ahndung zu hart. Es unterliegt für Uns keinem Zweifel, daß er im guten Glauben gehandelt hat, daß er fest davon überzeugt war, in dem, woraus es bei einem derartigen Attest hauptsächlich ankommt, dem objektiven ärztlichen Tatbestand, die volle Wahrheit bezeugt zn haben. — War er ja so vorzüglich unterrichtet: — bie Eheleute Ziemt, die es doch am besten wissen mußten,- haben ja 'unter Tränen alles genau erzählt, wozu also philisteriöse Genauigkeit in' Nebendingen! . . . . Aber auch nach dem Buchstaben des Gesetzes genommen, ist uns aus den Zeitungsberichten das Urteil nicht recht klar geworden. Es 'mag wohl an unseram Ungeschickten Laienverstande liegen: Nach § 278 sollen Aerzte, die ein Zeugnis über den Gesundheitszustand eines Menschen zum Gebrauch bei einer Be- Hörde wider b e s s e r e s W i s s e n ansstellen, mit' nicht unter einem Monat Gefängnis bestraft werden. Unseres Erachtens wäre dieser Fall erst dann gegeben, wenn Dr. Mayer hie Geschlagenen gründlich untersucht, von der Unbeschädigtheit ihrer Gesundheit sich überzeugt und dann ihnen zn Gefallen ein Krankheitsattest, besserem Wissen zuwider, ausgestellt hätte! Während hier der Vorwurf, der Dr. Mayer trifft, wesentlich darin besteht, daß er nur flüchtig untersucht hat. Man darf also wohl beruhigt den weiteren Gang der Angelegenheit abwarten. B. Briefkaste«. B. W. Der Landtagsabgeordnete Kamme» gerichtsrat Dr. Schisser ist nicht mehr Jude. —- Unseres Wissens ist der Landrat von Homburg, Ritter v. Marx, jüdischer Abstammung. 1 | Die Artikel-Serie „Unsere Jahresbilanz" hatte, wie Sie richtig vermuten, zwei Autoren; Kapitel zwei und drei sind nicht von denk Antor LM ersten Kapitels. ' "; ' y Vereins - Kalender. Verein Mekor-Chajim. ' Lehrplan für das Wintersemester.'^ Talmud: Sonntag Morgen 9Uhr und Donnerstag Wend 8% Uhr, Herr Rabb.-Ass. G. Posen. Talmud: Sonntag- Nachm. 4 Uhr.und,Dienstag Wend 83h Uhr, Herr Direktor Dr. G. Lange. Mischnah: Montag Abend 8% Uhr nnd Freie tag Wend nach Schluß der Synagoge, Herr Röstor B. Falk. r Mikro: Samstag Nachm. 3% Uhr, Mitgliede» Vortrag. Schulchan Aruch: Samstag Vormittag nach Schluß der Synagoge SchÄtzenstraße, wenn weder Predigt noch Vortrag im Hörsaale stattfindet, Herr ReRor B. Falk <■