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Neue jüdische Presse · 1906-09-28 · Heft 38 (28.9.1906) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 38 (28.9.1906)
Date
1906-09-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 38. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. zu begründen als Fortsetzung der Lemelschnle. Me unterste Klasse dieser, insbesondere auch die höheren praktischen Berufe vorbereitenden Schule wird zugleich die Bermittlnngsflassc zwischen Lemelschnle und dem Lehrerseminar bilden. Damit wird einem lebhaft empfundenen Bedürfnis abgeholfen. Das Lehrerseminar, das 'ans drei Klassen und einer Präparandenklasse für solche Schüler, die ohne entsprechende Vorbereitung von auswärts kommen, besteht, erhält damit ein Parallelinstitut zur Seite. Auf gemeinsamen Unterbau bereitet das Lehrerseminar die künftigen Erzieher und die Mittelschule die Knaben für die höheren Berufe des gebildeten Mittelstandes vor, inbegriffen eine Anzahl türkischer Staatesstellungen. Da die Lehrer, die ain Seminar änsgebildct worden sind, zum erheblicheil Teil in die jüdischen Kolonien gehen werden, so sollen auch ferner in kürzester Zeit theoretische lind praktische landwirtschaftliche Kurse in ausgedehnterem Maße am Seminar eingeführt iverden. Diese landwirtschaftlichen Kenntnisse werden namentlich, was die Ackerbaukolonien in Palästina anbctrifft, für die Lehrer außerordentlich wichtig sein. Die Lehrer finden alsdann zugleich 'als vraktisch vorgebildete Leute einen ganz anderen Rückhalt bei der Bevölkerung. Sie können ihre» Schülern, wie auch der erwachsenen Bevölkerung wertvolle Kenntnisse vermitteln und evtl, mit gutem Erfolge selbst landwirtschaftlich tätig sein. Ms Lehrfächer der Mittelschule mit komntrrziellen Kursen sind in Aussicht genommen Hebräisch, Religionsunterricht, Deutsch und zwar Deutsch und Hebräisch als Unterrichtssprache, im Uebrigen soll der Lehrplan dem der modernen deutschen Real- und Handelsschule entsprechen. Auch der Lehrplan der Knabenschule in Jaffa Ivird nach 'Einrichtung der kommerziellen Kurse in Jerusalem zur gegebenen Zeit eine Erweiterung erfahren, damit die ülbsolventen der Schule in Jaffa möglichst 'zweckentsprechend für diese kommerziellen Fortbildungskurse vorbereitet sind. Hoffentlich gelingt es, die landwirtschaftlichen Kurse in Verbindung mit dem Kolonisationsfonds des für Palästina so aufopfernden Rabbiners Dr. Salvendi 'zur Verwirklichung zu bringen. Ein ausführlicher Lehrplan ist 'in Bearbeitung. Nachstehend einige nähere Angaben, wie der Unterricht gedacht ist. Es wird beabsichtigt, eine Farm init Milchwirtschaft und Viehzucht in her Nähe Jerusalems änznlegen. Auf dieser Farm soll den Seminaristen Gelegenheit geboten iverden, sich praktisch in der Landwirtschaft anszubilden, während sie int Seminar selbst zugleich theoretischen Unterricht in der Landwirtschaft von einem erfahrenen Agronomen erhalten sollen. Ferner wurden bewilligt: Für die Zentral- B i b l i o t h e k ' i n Jerusalem 2000 Fr. Das Institut steht unter der Verwaltung der Bne-Brith- Loge. Die Bibliothek, begründet und tätig gefördert von Dr. I. Chasanowitsch in Bialystok, besitzt bereits 18 000 Bände. I Für die Talmud-THora-Schule der S e p h a r d i m i n Jerusalem, die damit umgeht, unter Wahrung ihres spezifisch religiösen Charakters den Unterricht den Erfordernissen der Zeit anzupassen, hat der Hilfsvcrein für das bis zum" April 1807 laufende Schuljahr 530 Fr. gewährt. ' - Der Galil-Loge in S a f e d, die ein eigenes Heim für den dortigen Kindergarten errichtet, ist gemäß ■ dem vorliegenden Antrag ein Darlehen von 500 Fr. vorgestreckt worden. Der Or-Thora-Schnle für religiösen und gewerblichen Unterricht in Safed — einer Gründung der Misrachi-Zionisten — wurden bis zum April 1907 400 Fr. bewilligt. Es wird angestrebt, das Schulwesen der Stadt zu vereinheitlichen und alsdann allmählich, auszugestältcn. Auf Antrag der Jernschalaim-Logc und des Jerusalemer Frauen - Vereins Esrath - Nascknm sind für 7 russische Waisen und Emigrantenkinder 2000 Fr. zur Verfügung gestellt worden. Ebenso wurden 100 Fr. für Stipendien zwecke für Emigranten schulen des Lehrerseminars resp. der Präparandie bewilligt. Dem Schaar Zion-Hospital in Jaffa, das durch den Zuzug von Emigranten gleichfalls in außergewöhnlicher Weise belastet ist, ist eine Zuwendung von 500 Fr. gemacht worden. Es sei noch bemerkt, daß die Schöpfungen des Hilfsbereins in Palästina durch Herrn Direktor Ephraim Eohn, Direktor der Lemelschnle, in unisichtiger und energischer Weise geleitet und beaufsichtigt resp. organisiert werden. Von den ferneren Bewilligungen in den Sitzungen seien noch erwähnt: Für die Or-Thora-Schule in Konstant i n o p e l eine Extrasubvention von 3000 JL für das Jahr 1907. Für einen Lehrer und Schachet in Eschki s ch e h e r an der anatolischen Bahn 960 Fr. Für die H a u s h ä l t u n g s s ch n l e Lumina in G a - 5atz (Rumänien) 1700 Fr. zur Angliederung einer fünften Klasse. Die 'Schülerinnen werden nunmehr im Kochen, Waschen, Plätten, Nähen, Schneidern, Flicken, sowie auch theoretisch im Haushaltungswesen unterwiesen. Für die Dotierung eines zweiten deutschen Lehrers an der Schule der deutsch-israelitischen Gemeinde in Philipopel — den ersten hat der Hilfsverein gleichfalls gestellt — werden die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt. Die Subvention von 3000 JL für dieHandelösch u l e Cut turn, an der ein gleichfalls vom Hilfsvercin gestellter Lehrer als Direktor tätig ist, wurde erneuert. Auf Antrag des Herrn Siegmund Berget wurde beschlossen, die gali zische S u b ko m m i fsi o n des H i l f s v e r e i n s durch Kooptation von Wiener und galizischen Delegierten zu vergrößern, die sich in umfassender Weise mit der Aktion für Galizien beschäftigen sollen. Aus clü'er Wett. Deutsches Reich. Frankfurt a. M. Die erste Sitzung des Ausschusses der israelitischen Gemeinde, welche am 18. Sept. siattfand, war nur von kurzer Dauer, da wichtige Gegenstände nicht ans der Tagesordnung standen. Der Vorstand hatte in der letzten Ansschußsitznng initgeteilt, daß er, einer Eingabe des Freisinnigen Vereins Folge leistend, beschlossen habe, um den bei der letzten Ausschnßwahl zu Tage getretenen Mißständen zu begegnen, die Wahl getrennt in 3 Lokalen, und zwar im Ostend, Westcnd und Nordend vornehmen zu lassen, außerdem sollten die Listen straßenweise hergestcllt werden und die Wähler durch Karten eingeladen werden. Der Ausschuß hatte sich dahin ausgesprochen, daß er die Wahl in 2 Lokalen für ausreichend halte. Der Vorstand erklärte sich mit diesem Beschlüsse einverstanden. — Dem Gesamtarchiv der deutschen Inden, einer Abteilung des dentsch-isr. Geineindebnndes, wurden 500 ,/l. bewilligt. Dabei erinnerte Dr. Hanauer an die Tendenz des Kemeindebundcs, die Archivalien aller jüdischen Gemeinden in Berlin zu zentralisieren, das kostbare Archiv der jüdischen Gemeinde in Frankfurt dürfe unter keinen Umständen nach Berlin gesandt werden, vielmehr sollten Mittel und Wege gefunden Iverden, -um die archivalischen Schätze zu bearbeiten und historische Forschungen über die Geschichte der jüdischen Gemeinde anznstellen. Die Herren Worms und J.-R. Dr. Bür erklären, daß man nicht daran denke, das Archiv wegzngeben, es seien vielmehr nur die Inhaltsverzeichnisse der vorhandenen Archivalicn nach Berlin gesandt worden. — Die G e in c i n d e r e ch - u u n g ist um 3900 . U. überschritten worden, z. T. hervorgcrnfen durch die Unfallversicherung der Schächter, die nach obergerichtlichem Urteil stattsinden mußte. — Als 2. polnllinik'scher Arzt wurde Dr. Löffler, der bisherige Assistenzarzt am Königswarterhospital gewählt. — Eine Anfrage des Herrn R.Ettl i n g c r über die Antwort des Philanthropins betreffend den R c l i g i o ii s n n t e r r i ch t mit Kopfbedeckung wurde ans die nächste Sitzung verschoben. Frankfurt a. M. Stiftungen. Anläßlich seines 70. Geburtstages stiftete Herr Konnnerzienrat I. L. Beer, der Seniorchef der Firma Beer, Sondheimer n. Eo., eines der bedeutendsten aller bestehenden Samstags geschlossenen Geschäfte, 50000 JL für einen Pensionsfonds zu Gunsten der Angestellten der Firma. Zn gleichem Zwecke stifteten die Firma selbst 25 000 JL und die Herren Gebrüder Sondh e i m e r 25 000 JL Herr Kommerzienrat Beer hat außerdem die hiesigen Wohltätigkeitsiiistitute und Vereine reichlich bedacht. Die Summe dieser Schenkungen beträgt noch einmal ca. 50000 JL. (t.) Mainz. Der. Neubau der Synagoge wurde in einer vertraulichen Sitzung der Höchstbesteuerten der israel. Gemeinde beraten. Ms Platz für die Synagoge dürfte der Platz, auf dem die Gendarmeriekaserne steht, in Frage kommen, welcher Platz von der Regierung der Stadt zum Käufe angeboten ist. Gelegentlich des Roschhäschonoh-Fcstes sollte die bisherige Synagoge polizeilich gesperrt werden, da bei der an den hohen Feiertagen herrschenden Ueberfüllung die Eingänge in Rücksicht auf Feuersgefahr unzulänglich sind: nur der Intervention des Herrn Stadtbaumeister Rühl ist cs zu verdanken, daß die Polizei ihr Verbot wieder zurückzog. Berlin. 21. Sept. Eine Störung des R o s ch h a s ch o n o h - G o t t e s d i e n st e s, der heule Mittag in Keller's Fcstsälen stattfand, wurde durch den groben Unfug einiger Knaben verursacht. Die Jungen waren in Begleitung ihrer Eltern zu dem Gottesdienst gekommen, konnten aber, da sie keine Eintrittskarten hatten, in den Saal nicht eingelassen werden. Sie verschafften sich Zugang zu den über dem Saal befindlichen Bodenräumen, wo sie an den Gewichten der nuten hängenden elektrischen Bogenkamven spielten. Endlich gelang es ihnen, eine Lampe in Bewegung zu setzen. Die Andächtigen bemerkten plötzlich, wie die Lampe erst einiae Male auf und nieder wipvte und dann mit großer Schnelligkeit heruntergelasse» wurde. Sie traf 'glücklicherweise nur einen Stuhl, dessen Inhaber wenige Augenblicke vorher fortgegangen war. Die Lanrpe z e r sch e l l t e in viele Splitter, durch die einige Personen leichtverletzt wurden. Die Unsugstifter flüchteten. Berlin. Die jüdische Arbeiter-Kolonie in Weißen sec erfreut sich einer glücklichen Entwickelung. Zur Zeit beherbergt sie 86 Kolonisten, die in 4 verschiedenen Betrieben beschäftigt werben. In Seite 8. der Zeit vom 1. Januar bis 15. September wurden 375 Kolonisten neu ausgenommen, davon ist es 205 gelungen, sich durch eigenes Bemühen freie Beschäftigung zu verschaffen; andere sind durch die Leitung der Kolonie untergebracht worden. Das Unternehmen, das seit seiner Begründung 1762 Unglücklichen zu Gute gekommen ist, verdient die Unterstützung menschenfreundlicher Gönner. (Geldsendungen an: Deutsch-Israelitischer Gemeindebnnd, Berlin IV., Steglitzerstraße 85.) Köln a. Rh. Auf eine Einsendung, die — veranlaßt durch die Bemerkungen der „Kreuzzeitung" auf die Berufung des Bankdirektors Dernburg zum Leiter des Kolvnialamtcs — sich darüber beschwert, daß der Konvertit Staatsanwalt, Landgerichtsdirektor, Regierungsassessor, Universitätsprofessor, Reserveoffizier, der noch so glaubenstrene jüdische Anwärter dieses aber nicht werden kann, bemerkt die „Köln. Bolkszeitung": „Wir erklären uns mit deni Herrn - Einsender ganz einverstanden in seiner Auffassung,'daß die differentielle Behandlung jüdischer und ehemals jüdischer Bewerber ein U n r e ch t, und zwar nicht blos gegen die preußische Verfassung ist." Köln a. Rh. Wie das hiesige .Israelit. Gemeindeblatt" berichtet, haben 'in Verfolg der neuerlichen offiziellen A u s t r i t t s o e w e g n n g 37 Personen (21 Männer und 16 Frauen) ihren Austritt aus der hiesigen >Lynagogengemeinde erklärt. München, 26. September. Der kürzlich wegen Meineids zu drei Jahren Zuchthaus verurteilte ehemalige Hoflieferant Zeller, bisher ei neLe uchte der A n t i s e m i t e n, wurde neuerdings vom Landgericht München I wegen Betrugs zu 1 Jahr 3 Monaten G e f ä n g n i s,, JL 150 Geldstrafe und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt. f Karlsruhe. Zum AndenkenandieJubelfeier des Groß Herzogpaares haben Oberrat und Synodalausschuß der badischen Israeliten den Entschluß gefaßt, in dem Soolbade Dürrheim ein Hospiz für israel. Kinder und minderbemittelte E r >v a ch s e n e zu errichten. Könitz. Ein ge st oh lenes Fahrrad bringt durch die Person des Entwenders den noch immer nngesühnten K v n i tz e r Mord in Erinnerung. I» der „Ostdeutschen Tagesztg." lesen wir: Das Fahrrad, das dem Herrn Spezialkommissar Bluhm in Könitz bei Buschmühl entwendet worden war, hat sich in Tuchel wicdergefnnden. Der letzte Inhaber hatte cs sür 40 Mark von dem Lehrer Plath in Neu-Su mmin gekauft und war eben im Begriff es' nach auswärts an seinen Sohn weiterznverschicken, als ein Gendarm kam, Marke und Nummer besichtigte und das Rad beschlagnahmte. (Durch Zeitungsanfrnse waren Marke und Nummer des Rades im Umkreise verbreitet, und die Polizei-Beamten waren bereits ans eine bestimmte Spur gelenkt worden.) Als Verkäufer des Rades wurde alsbald Herr Lehrer P. erniittelt, der Herrn Dluhm auch offen und reumütig die Tat eingestand. Zu seiner Entschuldigung konnte er nichts weiter Vorbringen, als daß er in einem unbegreiflichen Zustande der Willensnnfrciheit gehandelt haben müsse. Er bat Herrn B. um Verzeihung und drückte den Wunsch aus, daß ihm mit Rücksicht auf seine alte Mutter Unannehmlichkeiten erspart bleiben möchten. Diesem Wunsche kann nun leider, da sich die Staatsanwaltschaft schon seit Wochen mit der Sache befaßt, nicht mehr Rechnung getragen werden. 7 Wochen lang war Herr P. im Besitz des Rades und in den ganzen 7 Wochen sollte ihm nicht die Unrechtmäßigkeit seines Handels zum Bewußtsein gekommen sein, ihm. der doch täglich die Beachtung des 7. Gebots seinen Schülern einzuschärfen hat! — Und nun gar noch der Weiterverkauf eines fast neuen Rades für nur 40 'JL! —■ Man kann die Mutter des jungen Mannes nur miss lebhafteste bedauern. Der Name des Täters ruft übrigens eine Erinnerung an das Konitzer Unglttckssahr 1900 wach: Derselbe Lehrer P. hat damals als Seminarist steif und fest behauptet, er habe den Gymnasiasten Winter am Nachmittag in der Danziger Straße mit zwei Herren gehen sehen! Trotz aller Aufrufe haben sich die beiden Männer aber niemals gemeldet. Ob vielleicht die beiden Männer nur von P. erfunden waren'? P. ist übrigens ein Bruder des Schneiders P., von dem die vielbesprochene Packleinwand stammte. — Wird die Kgl. Staatsanwaltschaft die Aussage des danraligen Seminaristen noch einmal nachprüfen? Wird sie vielleicht die Frage anfwerfen: Hat der Seminarist Iß. auch damals willensunfrei gehandelt? — Es wäre wünschenswert, wenn der „Fall Plath" einer recht sorgsamen Prüfung unterzogen würde, vielleicht gelingt es doch noch, die verschlungenen Fäden des Rätsels von Könitz zu entwirren. Wir erinnern nicht gern an die dunkle Seite in der Ehronik unserer Stadt, aber wir dürfen in diesem Falle nicht verschweigen, was viele denken." Oesterreich-Ungarn. Wien. Antisemitische Strömung in österreichischen Ri ch te r kr e t s e n. Wir lesen in der „Zeit": „Der zuletzt in einem Untersuchungsreserat des Landgerichts tätig gewesene Landesgerichtsrat Dr. Heinrich Goldmann ist vor einigen Tagen auf Grund eines von ihm beim Oberlandesgericht überreichten Gesuches pensioniert worden. Wie erinnerlich, verzeichnetrn wir vor einiger Zeit das in juristi-

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