Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 37 (19.9.1906)
- Date
- 1906-09-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Frankfurter Israelitische- Familiemblatt. Str- 37. sie, wie Lw e ch t e Mutter Leim Richterspruch' Salomos -erfahren hat, sie gab nach, da sie doch! das Kind,-das sic geboren, unmöglich gez'weitcilt sehen konnte. ... . Was. ist nunmehr, die besondere Aufgabe der Politischen Zionisten? Me Aufgabe der Politischen Zionisten ist, auf bet Hut zu sichen und mit allen Mitteln zu verhindern, daß das Kind nicht zum Krüppel oder gar tot gemacht wird. Es muß verhindert werden, daß.die Ziegenpolitik des kosakischen Oberzionisten Herrn Ussischkin einerseits und die Katastrophenpolitik 6er Phrasenhelden L la Weizman andererseits zum Durchbruch gelangen. Es muß verhindert werden, daß wegen irgend einer Ziege nicht alles über Bord geworfen wird. Es muß? Doch wer weiß, ob nicht, die Politischen Zionisten auch den 8. Koützreß verschlafen werden, wie sie den 7. verschlafen haben. Aus alXev Wett. Deutsches Reich. Frankfurt a. M.' Mehrere Blätter brachten die Nachricht, daß Freiherr Hehl zu Herrnsheim in Worms sich an einer antisemitischen Zeitung'mit Kapital beteiligt habe. Wir werden in dieser Angelegenheit gebeten, davon Kenntnis zu geben, daß die Nachricht erfunden ist. ' . Berlin. Vom deutschnationalen Handlungsgehilfe »verband. Tic Scelenharmonie zwischen den Antisemiten und dem deutschnationalcn Handlungsgehilfenverband hat sich auf dem 13. Verbandsstistungsfest wieder gezeigt. Alle politische Vereinigungen, die den Antisemitismus in ihr Programm ausgenommen haben, oder in der Agitation mit dem antisemitischen Kalbe pflügen, waren offiziell vertreten: die Stöckerschen Christlich sozialen durch Lic. Mumm, die Mittelstands-Vereinigung durch ihren Vorsitzenden Obermeister Rahardt, der deutsch-konservative Wahlverein Berlin durch Herrn Morgen. Zahnarzt Strumpf überbrachte, wie wir dem Bericht der „Staatsbzg." entnehmen „die Grüße - der deutschsozialen Parteileitung, die sich als Paten des D. H.-V. betrachten dürfe.".- Mannheim.!; S t i ft u n g. Frau Emilie Kaufmann g^b..Neuburger hat eine Stiftung von 25 000 M zum Andenken an ihren verstorbenen Sühn gemacht. Zweck der Stiftung ist, jungen unbemittelten Kausleute» die Mittel zum Besuch -on ärztlich verordnet«:» Kurplätzen zu verschaffen. Hamburg, 15. Sept. Die Einweihung der Gemeinbesynagoge am Bornplatz fand gestern Abend in überaus feierlicher Weise statt. Ms Vertreter des Senats waren die Herren Senatoren Kahler und Sander in Amtstracht erschienen, die Bürgerschaft hatte ihren Vorsitzenden Herrn 'Landgerichtspräsident Engel, sowie den Schriftführer Herrn Rambatz zur Teilnahme an der Feier entsandt. Ms weitere Ehrengäste waren die Vertreter des Gemeinbevorstandes, der Mrektion des Tempelvcrbandes sowie die Prediger des Tempelverbandes, die Rabbiner und Vorsteher der benachbarten .Gemeinden von Mtona und Wandsbek sowie Vertreter der übrigen Gemeinde-Institutionen erschienen. Sie Spitzen der Militärbehörden, die ebenfalls eine Einladung zur Teilnahme an der Feier erhalten hatten, waren durch die Manöver am Erscheinen verhindert. Nachdem die Herren Senatoren vom Vorsitzenden des Shüagogenverbandes, Herrn G u m p e r tz, empfangen waren, wurde die Feier mit der Unter Leitung des Herrn Oberkantors I. Dreiblatt vorgetragencn Kantate „Wie lieblich sind deine Zelte Jakob! deine Wohnungen Israel", eröffnet. Msdann wurde von Herrn Oberrabbiner M.' H i r s ch die ewige Lampe mit den"üblichen Scgenssprüchen angezündet und von Herrn Oberkantor Süßkind der..Psalm 122 in ganz hervorragender Weise mit seiner herrlichen Tenorstimme rezitiert. . Nun erfolgte die eigentliche Eröffnung und Weihe des Gotteshauses. Als Vertreter der Bauleitung übergab Herr Rcgierüngsbaumcistcr Fried h ei m mit einer kurzen Ansprache dem Präses des Gemrindevorständes, Herrn Levin Lion, die Schlüssel zum Gotteshaus. Herr Lion übergab alsdann', im Namen des Gemeinbevorstandes die Schlüssel und damit die Synagoge selbst dem Vorsitzenden des Deutsch-Israelitischen Synagogenverbandes Herrn H. Gnmpertz. Dieser sprach den Behörden den Dank für ihre Teilnahme aus und ersuchte dann den Herrn Senator Kahler, mit dem ihm überreichten goldenen Schlüssel die Pforte des Gotteshauses zu öffnen. Nachdem die bis jetzt verschlossene Hauptpsorte des Gotteshauses geöffnet worden war, wurden die Thorarollcn-von k-n Vorstehern in die Synagoge getragen, während der neue Oberkantor Herr Rosenblatt Psalm 118Vers 19 rezitierte. Dann bestieg Herr Oberrabbiner M. Hirsch die Kanzel zur Festprebigt. Mit dem vom'Chor vorgetragenen „Halleluja" hatte die erhebende Feier jhr Ende erreicht. s ' Anläßlich der Eröffnung der Synagoge wurden dem Gotteshaus mehrere kostbärp Spenden überwiesen; so stiftete der bekannte Bankier Herr Alexander Lev y zum Mrdenken an seinen verstorbe-- nen Baker, das langjährige 'Vorstandsmitglied Herr Joseph Levy, zwei silberne Leuchter. Me aus gediegenem Silber in romanischem Stil hergestellteu Leuchter sind fast 1 Meter hoch und : haben ein Gewicht von IbVe'Kilo. Einen besonderen Schmuck erhält das Gotteshaus 'durch die ganz in weißem und farbigem Marmor gehaltene heilige Tadc, deren Türen aus getriebener echter Bronze'hergestcllt sind. Diese ganze Anlage, sowie der ebenfalls aus Marnior hergcstcllte Almemor, bilden ein Geschenk des Herrn Felix M. Warburg-Ncwyork, der dies zum Andenken an seine verstorbenen Großeltern stiftete. - Osnabrück» 13. Sept. Svnagogen-Weihe. Me neue von Münchhausen-Köln erbaute Synagoge an der Rolandstraßc, ein prachtvoller monumentaler Bau, ist'hentc Vormittag in feierlicher Weise unter großer Beteiligung aller Konfessionen eingeweiht worden. Me Weiherede hielt Herr Landrabbiner Dr. I. Lob-Emden, während die Gesänge und Gebete sehr stimmungsvoll von dem Herrn Oberkantor Gerson L i n h a r d t aus Hannover unter Mitwirkung von 5 der tüchtigsten Choristen des Synagogen - Chores der Shnagogen-Gemeinde Hannover unter Leitung des Chordirigenten Herrn Alfred Rose vorgetragen wurden. Oesterreich-Ungarn. Wien. Auf seiner zweiten ordentlichen Hauptversammlung, die der Vereindeutsch er Aerzte i n O c st e r r eich abhielt, wurde auch stark in A n t isemitismus gemacht. Dr. Fritz Schürer von W a l d h e i in (Wien) berichtete über „Stellenvermittlungs- und Stellenvertretungs-Angelegenheiten" und erwähnte, daß der Verein nicht in der Lage sei, allen Wünschen nach deutschen Aerzten gerecht zu werden, da der Aerztestand zu stark „verjudet" sei; den Wünschen der Bevölkerung nach „völkischen Aerzten" könne immer 'weniger entsprochen werden, denn immer mehr „jüdische Abkömmlinge" widnren sich dem Studium der Medizin. Auch Dr. Florian A l b r e ch t (Gablonz) zog gegen die jüdische Konkurrenz los. Budapest. Vergiftung einer Hochzeitsgesellschaft. Wie aus Szegedin berichtet wird, ist der dortige Obcrrabbiner Immanuel Löw samt seiner ganzen Familie, sowie einigen Bekannte», die zusamine» an einem Hochzcitsesseu teilnahmen, unter Vergiftungssymptomen erkrankt. Es wurde Vergiftung durch Küpfergeschirr konstatiert. Prag. Wertvolle Bibel. Die Stadt Joachimstal besitzt eine Sammlung wertvoller alter Drucke und handschriftlicher Vücher, welche Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts' von dem damaligen Studenten und gegenwärtigen Egerer Archivar kais. Rat Dr. Karl Siegt unter einem Dachverschlage des Rathauses in Joachimstal aufgcfunden, von ihm geordnet und von Flor. Vogel in den „Mitteilungen des Vereines für Geschichte der Deutsche» in Böhmen" vom Jahre 1871—72 beschrieben worden sind. Von den Manuskripten ist insbesondere eine umfangreiche, ganz auf Pergament geschriebene hebräische Bibel aus dem Jahre 1384 erwähnenswert. Brody. Die Reichsratswahl fand am Freitag statt. Der zionistische Kandidat Adolf Stand ist unterlegen. Er hatte die Ungeschicklichkeit begangen, in einer Wahlrede zu erklären, er werde dem Polenklub nicht beitreten — und da hier der Polenklub allmächtig ist, so mußte Stand unterliegen. Rußland. Petersburg. Eine Milliarde Rubel Defizit. Nach einer Berechnung des Kadcttcuorgans „Retsch" wird das Defizit für das Jahr 1906 mindestens eine Milliarde Rubel betragen. Schon nach dem Regierungsvoranschlagc wies das Budget für das heurige Jahr ein Defizit von,482 Millionen Rubel aus, welches durch eine Kreditoperation gedeckt werden soll. Dazu kommen noch' 180 Millionen Rubel als Defizit aus der Budgetgcbahrung des Jahres 1905; 150 Millionen Rubel zur Tilgung von längst fälligen und seither wiederholt prolongierten Staatswechscln; D7 Millionen Rubel für Spezialkredite, die im ersten Halbjahre 1906 angewiesen wurde»; endlich 70 Millionen Rubel für die von Hungersnot heinigesuchteu Gouvernements. Rechnet man hierzu noch die Spezialkredite, welche das zweite Semester des laufenden Jahres erheischen dürste, so wird das Defizit pro 1906 eine Milliarde Rubel noch übersteigen. Wie „Retsch" weiter mitteilt, finden vertrauliche Unterhandlungen wegen des Abschlusses einer neue» Anleihe statt, welche ausschließlich in Deutschland aufgelegt werden, wird. Die Bedingungen, welche die deutschen Bankiers stellen,, sind ungemein oncroscr Natur, so' daß die' Anleihe, falls sie zu Stande kommt, nahezu 12 Prozent kosten würde. Helflngfors. Einweihung der ersten Shnagoge in F i n l a n d. Als äußeres Wahrzeichen der kommenden Judenemauzipation in Finland darf hoffentlich die am 30. August in Helsingfors stattgehabte Einweihung der ersten Synagoge in Finland angesehen werden. ■ Nachdem gegen. 8 Uhr morgens die Thorarollen aus der bisherigen provisorischen. Synagoge'in das neue Bethaus hinübergetragen worden, begann. die Feier mit einer kurzen Ansprache des Schulvorstehers, Herrn Bonch 6 ron z. Es sprachen darauf der Gemeinderabbiuer Be tanz, sowie Professor Klein aus Stockholm. Der engeren Feier folgte aut Nachmittag eilte große össcutlichc Veranstaltung, der außer de». Juden eine große Anzahl angesehener: Nichtjudeu, darunter 6 Sciicitoreu, 4 Rcichstagsmikglieder, Vertreter des Magistrats, sowie' der Festungskoinmandant beiwohnten. Auch der Generalgouverneur von Finland', Wirklicher Geheimrat Gerard, hatte sich 'vertreten lassen. Nach einem vom Chor der Petersburger Synagoge vorgctragenen Gesang hielt Professor Klein-Stockholm eine Festpredigt in schwedischer Sprache, worauf die Feier mit 'einem Rundgaug unter Vvrautragung der Thorarolleii würdigen Abschluß fand. Großbritannien. London. Judenverfolgungen in Marokko. Zu Mägador haben sich schwere antisemitische Ausschreitungen ereignet, lieber 130 jüdische Familien wurden ausgetricben, manche davon waren sehr angesehene Bürger europäischen Ursprunges. Sie wurden aus ihren Häusern im Medinaviertcl der Stadt gewaltsam verjagt. , . Frankreich. Paris. Stiftungen. Der jüngst veistorbene Deputierte M. R. B i s ch o f f s h e i m hat 75 000 Fr. sür wissenschaftliche Zwecke, 20000 Fr. für, jüdische Wohltätigkeitsinstitute in Paris ünd 5000 Fr. der jüdischen Gemeinde in Nizza vermacht. Me Summe seiner sür die Pariser Universität begründeten Stiftungen beträgt über 2 500 000 Fr. Amerika. Philadelphia. In St. Louis ist von len Herren Wolsson, Scheuerman u. Glaß eine jüdische Tageszeitung unter dem Titel „Der Vorsteher" gegründet werden. — In Omaha starb Herr Edward Rose water (geboren 1841 zu Bcrkovan in Böhmen), Besitzer wird Herausgeber der „Omaha Bee", einer - derangesehensten Zeitungen des Westens. n;' 0 *' Personalien. Berlin. Professor Dr. Berliner, der bekannte - jüdische Gelehrte, und Frau feierte» in aller Stille das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Rentner Saul Stein dal und Frau Johanna gcb. Steindal feierten in Rüstigkeit das Fest der diamantenen Hochzeit. In Zehlendorf ist der älteste der dortigen praktischen Aerzte, Sanitätsrat Dr. Siegfried Sora n e r, Ritter des eisernen Kreuzes, im 74. Lebensjahre verschieden. Berlin. Dem Handelsrichter E 8- Netter, Mitinhaber der Firma Wolf Netter u. Jacobi, hat der Großhcrzog Von Baden die Friedrich-Luisenmedaillc verliehen. - Fabrikbesitzer Louis Nathan in Nvwäwcs erhielt den Kronenorden, 4. Klasse. München. Dem königl. bayer. Stabsarzt Dr. Siegfried Lion und dem königl. bayer. Oberarzt Dr. Heim, beide zur Zeit bei der Schutztruppe in Deutschsiidwestafrika, wurde der bayer. Militärverdienstorden 4. Klasse mit Schwertern verliehen. Karlsruhe. Anläßlich des 80. Geburtstages unseres Großherzogs wurden auch zahlreiche Juden ausgezeichnet. -M.i Regirrungsrat Dr. D. H. Nkcoye r wurde zum' Geh. Obcrregieruugsrat erwcknnt.1 Den Orden vom Zähringer S.&ioen erhielten : 1. das Verdienstkreuz 1. Klasse mit Eichenlaub : Stadt- und Konferenz-Rabbiner Dr. Steckelmacher- Mannheim. 2. Verdienstkreuz 1. Klasse: Handelsrichter Leopold Ettlinger - Karlsruhe, Rechtsanwalt S i n a u e r - Freiburg, D'r. A. Stadecker und Stadtrat, Max Stockheim- Mannheim, Bezirksrabbincr Dr. Mayer-Bühl, Bankier Fritz H o nt b u r g e r - Karlsruhe, Rechtsanwalt Dr. Fr. Weilt, Rechtsanwalt und.Stadtrat Dr. M. Friedberg-Kärlsruhe. 3. Das Verdienstkreuz 2. Klasse: Synagogenrat Fritz M a y e r - Karlsruhe, Dezirksältestcr und Stadtrat Louis.Marx- Bruchsal, Ernst C a r l e b ach - Heidelberg, Kaufmann Bernhard D o d e n h e i m e r - Mannheim. Das Verdienstkreuz vom Zähringer Löwen erhielten Lehrer. H e i d i n g s f.e l d - Freiburg, Synagogenvorsteyer S. Der n h e i in - Tiengen, Bezirksälteste Herm. Halle- Hockenheim und Liebmann H o ch st e t t e r-Ladenburg. Me kleinegoldeneVerdien stm e d a i k k e würde den Religionslchrern S. Hecht- Gondelsheim, David Freitag - Laden bürg und S. F l e i s ch m a n n - Bödigheini zugeteilt. Me neugestiftete Friedrich-Luise Medaille erhielten u. a. Frau Witwe Minna'Wert-