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Neue jüdische Presse · 1906-09-14 · Heft 36 (14.9.1906) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 36 (14.9.1906)
Date
1906-09-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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B - -. ■r-.■/■e-ri.: V;r... 'Tr-v-. ■ . .~r^-w Seite 4. Frankfurter JsraeMsches Familienblatt. Nr. 36. Satrapen sind der Welt ebenso gut bekannt. Doch das Reforinicren? Auch das geht schon von statten. Väterchen - spricht zu seinen ungehorsam und unzufrieden gewordenen Kindern: „Ich bin ein sehr gnädiger Vater; ich gedenke, Euere etwas veralteten, aber kostbaren Kleider mit neuen Flicken zu versehen, aber das muß Zeit haben .... Ihr müßt, geduldig zu sein lernen und schön brav abwarten, was da kommt; sonst werdet Ihr geprügelt, ja sogar totgeprügelt." Allein die Kinder lassen sich nicht einschüchtern, und. in ihrer maßlosen Frechheit erkühnen sie sich, neue, ja nagelneue Kleider nicht nur zu verlangen, sondern gar zu fordern. „Alles, alles," sagen die Kinder, „ist unser, ererbt von unserer Mutter und erweitert durch unserer Hände Fleiß." Doch Väterchen läßt nicht mit sich spaßen, er straft hart, ja zu hart, nach der Art eines wütenden, rachsüchtigen Stiefvaters, die Kinder, und diese, in Wut versetzt, beginnen, alles kurz und klein zu schlagen. Doch Väterchen schreckt nicht zurück, er kennt seine Kinder, er weiß, daß sie untereinander .41 «einig und gar verschieden ihre Wege sind, — er prügelt und in seiner steigenden Wut führt er einen Vernichtungskrieg und das gegen die eigenen Kinder, die russischen Slavcn. Wie es da den Juden, den Stiefkindern, ergeht, braucht nicht gesagt zu werden. — So steht es mit den Reformen; Rußland reformiert eben nach seiner Weise. Der Pogrom in Siedlce. . Das Zionistische Centralbureau in Köln erhielt folgendes Telegramm: Warschau, 12. Scpt., 12.15 Uhr mitt. Der Pogrom dauerte gestern Nachmittag schon seit 50 Stunden, unaufhörlich hört man Kanonen und Gewehrsalven. Es herrscht eine , F e u e r s b r u n st, Mangel an Aerzten und Nahrungsmitteln sowie Wassernot. Eine Delegation; beim Gouverneur war vergebens. Ter Gouverneur fordert die Herausgabe der jüdischen Revolution -näre. 200 Läden sind geplündert, 50 Häuser verbrannt. Bisher zählt man schon 100 Tote und 200 Verwundete. Biele flüchten aus der Stadt, aus Warschau ist ein Hilfskomitee, sowie Aerzte nach Siedlce gesandt worden. Warschau, 12. Sept. Wie aus Siedlce gemeldet wird, wurde bis jetzt festgcstellt, daß die Zahl der Toten 142 und die der Schwer- und Leicht-Verwundeten 450 beträgt. 280 Personen wurden verhaftet. Aus aller Wett. Deutsches Reich. Frankfurt a. M. Der Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde hat beschlossen, für die in ' diesem Jahre an N 0 s ch H a s ch a n 0 h und I 0 m - k i p p u r stattfindendcn HilsSgottesdienstc einen g r 0ßen Teil der Plätze unentgeltlich abzug eben. Er kommt mit dieser Einrichtung in dankcns- - werter Weise einer Forderung nach, die der Zen - tralvereinisr^e^itischer^^meindemitglieber beim letzten Wahlkamps ausstellte und die . . soviel Anktang besonders bei der jüngere» Generation , fand. Die Karten werden in der Gemeindestube, Aller- - Heiligenstraße 75, während der Bureaustundcn ausgegeben. Berlin. Unter der Anschuldigung gegen den Paragr. 71 des Gesetzes betreffend die Verhältnisse der jüdischen Staatsuntertancn vom 23. Juli 1847 verstoßen zu haben, tvclcher Paragraph lautet: „Ausländische Juden dürfen ohne eine Genehmigung des Ministers des Innern weder als Rabbiner-und .Synagogenbeamte, : noch als Ge w er ksch a sts ge h i lfen, Gesel-; len, Lehrlinge oder Dienstboten angenommen werden. Die Ueberschreitung dieses -. Verbots zieht gegen die Jnläirder und die ftemden x-, Juden, gegen letztere, sofern sie sich bereits länger <5§ sechs Wochen in den preußischen Staaten aufgehalten haben, eine fiskalische Geldstrafe von 20 . bis 300 Talern oder eine Gefängnisstrafe nach sich." ständen am 8. dss. der Religionslehrer Moritz Miller und der Kaufmann Max Wolpe vor dem Landgericht. - i Unter Zugrundelegung folgenden Sachverhalts waren.die beiden Angeklagten wegen Vergehens gegen diese Verordnung vom Schöffengericht zu je 60 M Geldstrafe verurteilt worden. Der Ängeschuldigte / Wolpe ist Vorstand einer jüdischen Religionsgemeinbe, die auch außerhalb der Synagoge Gottesdienste äbhält. In diesen versah Miller das Amt des Vorbetcrs, obwohl er als österreichischer Staatsuntertan die nach obiger Verordnung vorgcschricbenc Erlaubnis des Ministers des Innern bedurfte. In der Berufungsinstanz machte M. geltend, daß er das Amt eines Vorbcters nicht als dasjenige eines Kultusbeamtcn im Sinne des Gesetzes betrachtet habe, während Wolpc zu seiner Entlastung anführte, Miller sei während seiner Abwesenheit von den übrigen Vorstandsmitgliedern zum Vertreter ernannt worden, und zwar ohne seine Kenntnis. Der Gerichtshof hielt durch die Beweisaufnahme diese Angabe für nachgewiesen und erkannte gegen Wolpe auf Freisprechung. Dagegen wurde unter Bestätigung des ersten Urteils die. Berufung des M. verworfen, da das Amt eines Vorbcters sich als dasjenige eines Synagogenbcamtcn charakterisiere, weil ein solches eine rituelle Notwendigkeit in dem jüdischen Gottesdienst darstelle und nur von besonders hierzu auscrwählten Personen versehen werde. Berlin. Herr Isidor Wolfs. Leiter des Auskunftsbnreaux des Jüdischen V 0 l k s Vereins, ist von einer Reise nach Amerika zurückgekehrt. Er machte die Fahrt im Aufträge seines Vorstandes an. Bord der „Smolensk", eines Dämpfers der russischen freiwilligen Flotte, von Libau aus mit, um alle für die j ü d i s ch c n A n s w ander e r wichtigen Verhältnisse und besonders auch die neue russische Linie aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Herr Wolfs ist 'mit einem sehr reichen Beobachtungsmaterial znrückgekehrt, aus dem wir in nächster Zeit einiges veröffentlichen werden, so besonders auch die Behandlung der Auswanderer durch die Agenten und das Schiffspcrsonal, die Handhabung der Eiuwandernugsgesetze usw. Als wichtigsten greifbaren Erfolg darf der Jüdische Volksvcrein die Einführung einer Reihe von Verbesserungen im Interesse der Emigranten im Hafen und auf den Schiffen der russischen freiwilligen Flotte betrachten — und die Zusicherung der Gencraldirektion derselben auch in Zukunft alle Verbcsscrungsvorschläge des Vereins auf den Schiffen zu respektieren. Oesterreich-Ungarn. Budapest. Der sich gegen d ie Kleinkaufleute, die zumeist Juden sind, richtenden mini st erieklen Weisung, das Genossenschaftswesen zu propagieren, ist der Hewcscher Obergespan Ferdinand von Sederkejny bereits' nachgekommen. Er richtete nämlich an die Oberstuhlrichter, Stuhlrichter und Bürgermeister seines Koinitats die Aufforderung, die Errichtung von Kredit-, Verwertungs- und Konsumgenossenschaften anzustreben. . Budapest. I t 0. Heir Prof. Dr. Blau vom Landesrabbinerscniinar in Budapest ist der „Jto" beigetreten und kn den „großen Rat" kooptiert worden. Herr Prof. Dr. Blau beabsichtigt, ein ungarisches Landeskomitee der „Jto" zu organisieren. Prag. Die hiesigen deutschen Mittelschulen wurden im vcrftössenen Schuljahre von 1128 jüdischen Schülern (neben 1252 katholischen und 103 evangelischen Schülern) besucht. Lemberg. Das Mandat Dr. Bvks In B r 0 d y fand eine Wählerversammlung anläßlich der bevorstehenden Reichsratswahl an Stelle des verstorbenen Dr. Byk statt. Kändidatenredcn hielten Rabbiner Rosen m a n n und der Zionist Dr. Adolf Stand, crsterer in deutscher, letzterer in polnischer Sprache. Stand erklärte, er werde im Falle seiner Wahl dem Polenklub nicht beitreten, er erklärte sich ferner für die Polonisierung des Brodyer deutschen Gymnasiums und sprach sich gegen die Sonderstellung Galiziens aus. Die zwei anderen Kandidaten, die das Komitee einlud, Dr. Gold aus Zloczow und Dr. Kornfeld aus Wien entschuldigten ihre Abwesenheit. Ernst 'genommen werden nur die Kandidaturen des Zionisten Stand und polnischerseits des Bürgermeisters Nittel, dessen Kandidatur in diesen Tagen austauchen wird. Gold und Kornfeld haben keine Aussicht, bei der Wahl durchzudringen. (Zeit.) Teschen. Spende des Kaisers. Anläßlich seines Aufenthaltes spendete der Kaiser dem „Israel. Freitischvcrein" 1000 Kronen. Rußland. Petersburg. Die Zahl der Verbannten. Das „Öko" bringt folgende interessante Daten^über die Z a h k der Verbannten. Der extraordinäre Konscil allein hat von November 1905 bis August 1906 die Deportation von 12 694 'Politischen bestimmt. Interessant ist, daß trotz der steten Behauptung, daß die Revolution ausschließlich von Juden gemacht werde, unter diesen 12 694 sich nur 972 Juden, das ist 7,6 Prozent, befinden. Petersburg. Der Abgeordnete Jakubson hatte, wie seinerzeit berichtet, einige unüberlegte und kränkende Bemerkungen über die russische Armee während des letzten Krieges gemacht. Jakubson revozierte, aber trotzdem ließ ihn der Leutnant Smirnski fordern. Da die Meinung vorherrschte, daß Jakubson als Zivilperson die Forderung eines Offiziers nicht anzunehmen brauche, weil nach russischem Gesetz dem Offizier das Duell gestattet, der Zivilperson jedoch verboten ist, so fand sich ein Herr N.Pokrowski, der znr Zeit Student der Universität Heidelberg ist, und wie Smirnski am letzten Feldzuge' tcilgenommcn hat, bereit, Jakubson in seiner Eigenschaft als Privatperson zu fordern. Beide zeichneten ihre Fordcrungsbricfe in der „Nowoje Ärcmja" mit vollem Namen. Im heutigen „Öko" erbietet sich nun ein diesjähriger Absolvent des Pagenkorps, in dem ausschließlich Söhne des Adels und der Generalität und auch nur dann erzogen werden, wenn sich die Väter um den Staat verdient gemacht haben, Jakubson Leutnant Smirnski gegenüber Mit der Waffe zu vertreten. Er teilt seinen Namen und seine Adresse nur der Redaktion des Blattes mit, ist 'aber sofort bereit, seine Anonymität auszugeben, sobald das dem Leutnant Smirnski notwendig scheinen sollte. Für den, der Rußland kennt, ist die Tatsache sehr bedeutsam, daß ein Absolvent des PagcnkorpS für die Sache eines Duina-Wgevrdneten, dazu noch eines jüdischen, sein Leben wagt. — , ■ ' Dieser Tage ist die Erlaubnis zur Errichtung jüdischer privater Mittelschulen gegeben worden. In den Hochschulen soll in diesem Jahre für die Juden der Prozentsatz ganz abgeschafft oder doch wesentlich crlveitert werden. Unter dem Vorsitz des Generals Batjanoiv, der das dritte sibirische Armeekorps befehligte, tagen beim Generalstab Kommissionen, die über die Reorganisation der Armee beraten. Eine dieser Kommissionen beendete die Ausarbeitung eines Projektes über die Z n l a s s u n g v 0 n Juden ins Offizierskorps. Das 'Projekt das der höheren Instanz vorgestellt wurde, hat den Gedanken znr Grundlage, daß Inden Offiziere werden können, wenn die Offiziere des Militärbezirks, in dem sie zu dienen beabsichtigen, damit einverstanden sind. „Frkf.!Ztg." Schweiz. Bern, 10. September. Synagogen-Einw c i h u n g. Die hiesige israelitische Knltusgemcinde, deren alte Synagoge auf behördlichen Befehl wegen Bausälligkeit demoliert werden mußte, weihte heute die neue Synagoge feierlichst ein.'Gäste aus der ganzen Schweiz, sowie Vertreter schweizerisch-jüdischer Gemeinden ivaren zahlreich erschienen. Die Eröffnungs- Ansprache hielt Herr B. B a e r, "der Gemeinde-Präsident; er hob hervor, daß die Erbauung der Synagoge schwere materielle Opfer gekostet habe, und sprach der Stadt Bern für ihren Beistand, indem sic den Bauplatz schenkte, den Dank aus. Weihereden hielten die Herren Kantor Bloch und Rabbiner Dr. Littm a n n - Zürich. Getrennt und Vereint. Aus dem Englischen übersetzt von M. Pulvcrmanu. (Fortsetzung.) 3. Kapitel. Der heilige Monat Tischri mit seinen eigenartigen, Herz nnd Gemüt erhebende» Symbolen und Bräuchen war jetzt vorüber. Die Tage wurden kürzer, der Wind blies recht schärf, der Morgentau hatte sich in Reif 'verwandelt und das Grün der Wiesen war gelb und verwelkt. Die Waldlvege ivaren mit Verivesten Blättern dick bestreut und die Wandervögel, in Scharen znsammengedrängt, richteten ihren Flug nach dein warmen Süden. Doch in Ezra's Herzen war die Freude des Frühlings und die 'Wärme des Sommers. Das herbstliche Düster draußen,.,vermehrte nur noch den Glanz in seinem Innern. Nachdem er sechs Wochen in Rubens Haus geweilt, war es ihm gelungen, den schönsten Preis zu. erringen. Hulda war sein, einig sein. Es hätte ja auch, gar nicht anders sein können; denn Jüngling und Jungfrau hatten die Scelengeineinschaft schon längst enipsunden.; Für Rüben waren es sechs schwere Wochen gewesen, da er die zunehmende Sehnsucht seines Kindes kannte, ohne mit eingreifen zu . können. In ihrer Stimnie lag eine Zartheit und Wehmut, die sein Herz mit Angst erfüllte. Er stellte keine Fragen; aber er kannte die Kraft und Tiefe ihrer Natur, um das Schlimmste zu fürchten, falls ihre Neigung unerwidert bleiben sollte. Doch seine Furchtwar unbegründet. Der hochherzige Jüngling war diesem holden Mädchen mit seiner ganzen Seele zugetan, und er wartete nur auf eine günstige Gelegenheit, um sein übervolles Herz vor ihr auszuschütten. Und diese fand sich bald. Es war an einem Abend; nachdem die Freunde des Hauses sich verabschiedet hatten, begab sich Rüben

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