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Neue jüdische Presse · 1906-09-07 · Heft 35 (7.9.1906) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 35 (7.9.1906)
Date
1906-09-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches FamMenblaü. der zirka 1000 'Mitglieder habe. Die weitere Frage des Kaisers, womit der größte Teil der Israeliten sich beschäftige, ob etwa mit Handel, verneinte der Präses und erwiderte, daß die Bewohner Teschens und Friedeks israelitischer Konfession Landwirtschaft, Handwerk und Industrie betreiben, ganz besonders in der Gemeinde Friedck, wo große'Fabriken in der Textilvranche von Israeliten betrieben werden, mit Handel sich aber keineswegs mehr als 10 Prozent beschäftigen. — Sodann wurden auf Wunsch des Kaisers die anderen Mitglieder der Deputation einzeln vorgestellt. Der Monarch befragte Rabbiner Dr. 'Leimdörfer über den Tempel und erinnerte sich, daß er denselben schon besucht habe. Sodann wendete er sich an den Vorstandstellvertreter Herrn U. Tugendhat, Direktor der Tcschcncr Volksbank, befragte denselben über die Geschästsverhäktnisse des von ihm geleiteten Institutes und nahm zur Kenntnis, daß dieses ihre Genossenschaftsmitglieder mit Krediten unterstützt und außerdem sehr viele Gewerbetreibende zu ihren Klienten zählt. Den Vorstand M. P r e s s e r fragte der Kaiser, Ivo sein Grundbesitz liege. Herr Presser erwiderte, daß sich sein Grundbesitz in unmittelbarer Nähe Teschens befinde und er außerdem früher Pächter des Erzherzogs Friedrich war. Liqueurfabrikant und Hoflieferant M. F a s a k beantwortete die Frage des Kaisers über den Geschäftsgang dahin, daß derselbe ein befriedigender sei, und Liqueurfabrikant Bernhard K o h n konnte die Frage, ob er seine Artikel exportiere, bejahend beantworten. Der Vorstand der Friedeker Kuktusgemeinbc, Herr R e i k, Chef der Firma Jos. Atunk u. Söhne, war in der Lage, dem Kaiser mitzutcilen, daß der Geschäftsgang der von ihm geführten Textilindustrie ein befriedigender sei. Der Vorstand Dr. L a m b c r g, Advokat in Mistek, wurde befragt, ob Friebek viele Advokaten habe und wie sich die beruflichen Verhältnisse gestalten. Er erwiderte, daß cs mehrere Advokaten in Friedek gebe und daß deren Verhältnisse zufriedenstellend seien. —; Bei der Rundfahrt, die der Kaiser durch die Stadt machte, besuchte er auch die festlich 'geschmückte Synagoge. Krakau. Die Chassidim Hetzen mit aller Macht gegen das jüdische G Y m n a s i u m, das Herr Dr. Jung hier gegründet hat, so haben sie eine Protcstversammlung gegen dasselbe einbernfen, trotzdem gerade hier in Krakau, wo die Eltern Chassidim und die Kinder Gojinr sind, ein jüdisches Gymnasium von größtem Segen sein wird. Die Töchter der Chassidim besuchen christliche Schulen und wachsen ganz ohne jüdisches Wissen auf, während man den Söhnen nicht die geringste allgemeine Bildung angedeihen und sic nur jüdisch lernen läßt, — und sowohl Söhne wie Töchter gehen dem Judentum verloren. Buczacz (Galizien) Palästina-Ethrogim. Auf Veranlassung des hiesigen ZionsvereinS wurde eine Versammlung von Obmännern sämtlicher zwanzig Bcthäuser in Buczacz, wie auch der hervorragenden Bürger unter Vorsitz des Kultnspräsidcnten Herrn Abisch Stern und des Räbbirrats (Bcth-din) abgchaltcn, in welcher beschlossen wurde, nur Palästina- Ethrogim zu kaufen. Somit werden Heuer in Buczacz nur Ethrogim unseres heiligen Landes verkauft werden. Budapest. Ethrogim-Kartell. Wie der „Jüd. Allg. Zig." mitgeteilt wird, haben die griechischen Pflanzer und Händler, welche die Ethrogim ans Korfu und Praga nach Triest bringen, auch dieses Jahr ein Kartell geschlossen. Großbritannien London. Wie verlautet, hat sich B aron David G i n s b u r g - Petersburg der Jto angeschlosscn. — Die Einwanderungsbehörde leistet sich gegenüber den jüdischen Emigranten aus Rußland wieder viele Uebergriffe. So wurde, um nur eine» Fall anzuführen, Mordechai Berliner, trotzdem er 5 Lstr. 15 Sh. bei sich trug und nachwies, daß er bereits eine Stelle in London habe, zürückgewicscn. Niederlande. Amsterdam. In Nijmegen wurde das 150jährige Bestehen der Synagoge gefeiert. Rußland. Warschau. Monatlicher Bericht des Warschauer Jnformationsburcaus für Palästina. In letzter Zeit setzte in Polen eine starke Emigration nach Palästina ein. An das Auskunstsbureau wendeten sich in her Zeit vom 1. Thamuz bis zum 1. Ab (1 Monat) m ü n d l i ch 189 Personen, . und zwar 34 im Alter von 17 bis 20 Jahren, 77 im Alter von 21 bis 30 Jahren und 78 von 31 und höher; brieflich 112, zusammen 301. 85 Perzent davon waren Familienväter von 2 bis 11 Mitgliedern. Davon sind nach Palästina abgcrcist: 1 Weber (samt Familie) mit 80 Pud Maschinen und 2000 Rubel, 1 Bäcker (samt Familie) mit 2500 Rubel, 1 Person 'mit 3000 Rubel ohne Beruf, 4 Bäcker (2 Familien) mit 500 Rubel, 4 Gamascheninacher, 4 Schlosser (mitFamilie), 3 Tischler und 2 Maler; zusammen abgcrcist in einem Monat 58, davon 30 Perzent Arbeitsfähige; an Kapital 8300 Rubel. Das Bureau hat vorläufig nach einer Seite hin genützt: es hat die unsystematische, rapide Emigration nach Palästina verhindert. Ins Bureau pflegen täglich Leute zu kommen mit der stereotypen Frage: ich fahre nach Jaffa, was Hab' ich zu tun? Auf die Frage, ob er nicht vorläufig die Zweckmäßigkeit dieser Reise prüfen wolle, antwortete er: Was heißt das? .... Ich habe schon alles verkauft, habe auch bereits einen Reisepaß. Und nachher zeigte cs sich, daß der Mann mit Weib lind '1 Kinder» über . . . 100 Rubel verfügen- „könnte".Täglich meldet man dem Bureau aus der Provinz: da bereiten sich 10—15 Familien zur Abreise vor, dort wären schon viele abgcrcist usw. In einem kleinen Städtchen Olknsz (Kielzer Gouv.) beschlossen hundert Familien mit 3 bis 15 Rubel Kapital abzureisen und schickten drei Personen nach Palästina, um das Terrain zu erforschen. Viele sind schon abgereist, ohne viel nachzudeuken. Die jüdische Masse in Polen hört, Leute fahren nach Palästina und sic ist schon bereit, alles zu verkaufen und mit 100 Rubel in der Tasche fortzufahreu. Sie kalkuliert folgendermaßen: Eine Fahrkarte bis Odessa kostet 9 Rubel, Schiffskartc bis Jaffa 14 Rubel, zusammen 23 Rubel — und in Palästina könne man doch nicht Hungers sterben, es wohnen doch Juden dort, mit Handel oder einem Geschäft komme man doch fort .... Und dann — man sei wenigstens vor Hooligans sicher. Zawicrze. Dem diesigen Gefängniffe entflohen zwei jüdische Soldaten Namens Rachleu und Deusen, wie man sagt, durch Hilfe, des „Bund". — Ein Soldat hatte sic mit Schimpfwörtern traktiert, wofür sie ihn dnrchprügcltcu. Der Geschlagene beschwerte sich bei dem Hauptmann (einem getauften Juden), und dieser wies die beiden jüdischen Soldaten vor versammelter Mannschaft in so heftiger Weise zurecht, daß er sich zu dem Ausspruch hinreißen ließ, alle Juden müßten niedcrgcmctzelt werden. Die beiden Soldaten meldeten sich später bei dem Hauptuiauu in «einer Wohnung, fragten ihn, wieso er als geborener Jude die Christen gegen sie anft)etzcn könne, und versetzten ihm dann eine Ohrfeige. Kiew. Nächtliche Ueberfülle in den Wohnungen d e r I u d e n erlaubt sich seit einiger Zeit wieder die Polizei, und zwar zu dem Zwecke, nach Juden zu fahnden, die nicht in Kiew, das außerhalb des Ansiedlungsrayons liegt, das Wohnrecht haben. In der Nacht vom 24. znm 25. August hat die Polizei allein 139 dieser „Verbrecher" verhaftet. Amerika. New-?)ork. Stiftungen. Das Testament der verstorbenen Frau Amclia B. Lazarus, Witwe des bekannten Portraitmakers Jacob Lazarus, bestimmt fast 500000 Dblk. für das Heim von alten und gebrechlichen Juden, das Montesiore-Heim für chronische Invalide, das Mount Sinai Hospital und das Jüd. Technische Institut und 180000 Doll, für verschiedene andere Wohltätigkeits- und Erziehungs- Anstalten. Baltimore. Stiftung. Frau Dr. Samuel Leon Frank Witwe hat dem jüdischen Krankenhaus zu seiner Vergrößerung 75 000 Dollar geschenkt. Eine neue Synagoge hat die orthodoxe Vereinigung in South Bend, die 28 Mitglieder zählt, eiugcweiht. Es sind außerdem noch zwei Synagogen in South Bend. . > Personalien. Frankfurt a. M. Geheimrat Ehrlich erhielt den Roten Adlcrorden 3. Klasse. Leipzig, 4 Sevt. Der Scniorchek einer der bedeutendsten Rauchwarenfirmen in Leipzig, die auch in London, Paris und Ncwyork Zweiggeschäfte unterhält, Josef Ukkmann ist hier im Alter von 81 Jahren gestorben. Das von ihm begründete Engrosgeschäft in Rauchwaren konnte bereits vor drei Jahren auf ein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Josef Ulkmann war in Mülhausen i. Elf. geboren. München. Zum kgl. Oberarzt wurde ernannt: der 2. Assistenzarzt Dr. Karl Lemberg in der kgl. .Heilanstalt in Eglfing. — Als Privatdozent an der Technischen Hochschule zu München für Nationalökonomie wurde zugelassen: Dr. Artur Cohen in München. (D'r. Cohen ist 'auch 1. Vorstand des Vereins für die Statistik der Juden in München.) — Zu kgl. Handelsrichtern wurden ernannt: Kommerzienrat Sigmund Gut m a n n in Ansbach und Kommerzienrat Eduard Haas iu Nürnberg. — Zum kgl. Amtsgerichtssekretär wurde befördert: Der Sekrctariatsgehilfe Magnus Neubauer in Mellrichstadt.! Breslau. Fabrik- und Rittergutsbesitzer Oskar H e y m an», Begründer der Breslauer Chemischen Fabrik Akt.-Ges. und der Cellulose-Fabrik Feldmühle ist im Alter von 70 Jahren g e st o r b e n. Die jüdischen Wöhltätkgkeitsanstaltcn werden die offene Hand des Verstorbenen vermissen. Nabel lMecklenburg). Im 100. Lebensjahre verschied Frau Komnicrzienrat B. E n g e l geb. Louis. Lübbecke. Anläßlich ihrer goldenen Hochzeit wurde den Eheleuten M. N. R o s e n b c r g u. Frau die goldene Ehcjubiläums-Mcdaille verliehen. Nr. 35. Kattowitz. Herr Rentier Heimann Froehlich ist nach kurzem Krankenlager im Mter von 85 Jahren entschlafen. Ein gutes Stück von Alt-Kattowitz ist mit ihm dahingcgangen. In jungen Jahren war H. Frochlich nach Kattowitz, das damals noch Dorf war, gekommen, wo er sich als selbständiger Kaufmann niedcrließ. Bald gelang es ihm, eine geachtete Stellung unter seinen Mitbürgern einznnehinen. Mehrere Jahre, nachdem Kattowitz Stadt geworden ivar, zog er 1870 in das Stadtparlament ein, dem er ununterbrochen bis zu seinem Lebensende angehörte. Die Syiiagogcngemeinde erleidet einen schweren Verlust. 'Viele Vereine, wie z. B. der Bürgerverein, zählen ihn zu ihren Gründern, zahlreiche gemeinnützige Ilnternchmungen besaßen in ihm einen eifrigen Förderer. Wien, 2. Sept. Der im Alter von 74 Jahren verstorbene Hofrat Prof. Dr. Isidor Neu m a n n v. Heilwart war einer der ersten, der die Wichtigkeit und die Bedeutung der mikroskopischen Ilntersuchnng.. für die Erkenntnis und die Beurteikung der Hautkrankheiten erfaßte und durch zahlreiche Arbeiten illustrierte. Diese Arbeiten bilden einerseits eine Ergänzung zu den unvergleichlichen klinischen Beobachtungen Hebras und andererseits den Ausgangspunkt für die modernen histologischen Arbeiten in der Dermatologie. Mer auch aus der Klinik war Neumann ein Meister und seine Intelligenz, sein durch jahrzehntckange Erfahrung geübter Blick gaben ihm eine diagnostische Sicherheit, die oft geradezu verblüffend war. Wien, 3 Sept. Gestern fand die Beisetzung des HofratS Prof. Dr. Neumann v. Heilwart statt. Unter den Traucrgästen bemerkten wir: General der Kavallerie Freiherr v. L a t s ch e r, Sektionschef Ritter v. Herz, Ministerialrat Freiherr v. Prazak, sowie überaus zahlreiche Vertreter der Medizin. Namens der 'medizinischen Fakultät sprach Hofrat Prof. Chrobak, namens der Dermatologischen Gesellschaft Professor S p i e g l e r, namens seiner Schüler Professor Ehr m a n n u. Dr. M. Oppenhci m. Oberrabbiner Dr. G ü d e - in a lt it hatte im Hause den Nachruf gehalten. Wien. Dr. Alfred Stern, Präsident der israelitischen Killtusgemeinde, beging seinen 75. Geburtstag. Zürich. Das Bureau des großen Stadtrates hat die Kommission zur Vorberatung der stadträtlichen Vorlage betr. Bau gesunder und billiger Wohnungen durch die Stadt bestellt und zwar als Präsidenten derselben ven Stadt- und Kantonsrgt Dr. jur. David F a r b st e i n. Paris. General Naquet-Laroque ist zum Vorsitzenden des Artilleriekomitees ernannt worden. Amsterdam. Herr M. L. v a n A m e r i n g e n, der sehr geachtete Sekretär der Niederl. Israelit. Hauptsynagoge, feierte seinen '80. Geburtstag. Aus der Lehrerwett. Beuthen. Sein 25jähr. Amtsjubiläum als Rabbiner der hiesigen Gemeinde feierte Herr Rabbiner Dr. Kopfstein am 1. dss. Mts. München. Herr Oberkantor Emanuel Kirschner beging am 1. dss. sein 25jähriges Amtsjubil ä ii nt. Papa (Ungarn). Der Dajan der hiesigen Gemeinde, Herr Rabbiner Josef H o f f m a n n, der hier 20 Jahre hindurch segensreich wirkte, hat seine Stelle ausgegcbcn und die Reise nach Jerusalem angetretcn, um.dort fortan ausschließlich dem Thorastndinm zu leben. Die Gemeinde bewilligte ihm eine Pension von 600 Kronen. Auch Herr Rabbiner R c i ch m a n n von N a g y - Jda hat sich entschlossen, nach Jerusalem zu gehen und dort einzig und allein dem Studium der heiligen Lehre zu leben. Soborten (Böhmen). RabbinerH.Galandauer und Frau Josefine geb. Rndolfa feierten das Fest der silbernen Hochzeit. Aus der zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Süddeutscher Zionistentag. Am 16. September findet in Mannheim, im Saale der August Lamey-Loge, eine Tagung der Gruppenvcrbändc Freiburg, Mannheim, Elsaß-Lothringen und Bayern statt. An derselben werden der Präsident der zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr R. A. Dr. B o d c n h e i m e r - Köln, sowie eine Reihe Mitglieder des Zentralkomitees teilnehmen. In den internen Vor- und Nachmittagssitzltngcn wird der Arbeitsplan der süddeutschen Ortsgruppen für den kommenden Winter festgesetzt und die innere Lage des Zionismus in Deutschland besprochen werden. Die öffentliche Abcndsitzung dürfte auch in nichtzionistischcn Kreisen das größte Interesse erregen, da in ihr Herr Julius S i mo n.-Mannheim über das aktuelle Thema: „Der Entwurf eines Neformgebetbnches für die badischen Inden" referieren wird. Der Veranstaltung geht am Sonnabend, den 15. September, äbends 6% Ilhr, im Kasinosaal, eine jüdische Volksversammlung voran. Für dieselbe haben eine Reihe bedeutender Redner Ansprachen 'zugesagt.

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