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Neue jüdische Presse · 1906-08-31 · Heft 34 (31.8.1906) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 34 (31.8.1906)
Date
1906-08-31
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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^eite 10. Frankfurter JsraelllifcheS Familienblatt. Nr. 34 Aus -er zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Süddeutscher Zionisten» tag. Am Sonntag, den 16. September, findet in Mannheim (C. 4 16) eine Tagung der Gruvpcnverbände Freibnrg, Mannheim, Elsaß- Lothringen und Bayern statt. Die Tagesordnung lautet: Vormittags 9 Uhr: 1. Eröffnungsansprache des Präsidenten Dr. Bo den heim er. 2. Bnreauwahl. 3. Dr. Mose s - Mannheim: Die innere Lage des Zionismus in Deutschland. 4. Disürssion. Nachmittagssitzung 3 Uhr: Referate: 1. Dr. Kaufmann -Freiburg i. Br. und Dr. Dannenberg-Metz: Die Arbeit der süddeutschen Ortsgruppen im lammenden Winter. 2. Diskussion. Abendsitznng 8% Uhr: 1. Julius Simon- Mannheim: Der Entwurf eines Ncformgebctbuchcs für die badischen Juden. 2. Diskussion. Zum Erscheinen auf dem „Süddeutschen Zionistentag" sind alle Zionisten ans den Gruppenverbänden für Elsaß-Lothringen, Baden, Rheinpfalz, Württemberg, Hessen-Nassau, Großherzogtum Hessen und Bayern berechtigt. Für die Vormittags- und Nachmittagssitzung ist die Einführung von Gästen nicht gestattet, dagegen ist die Abeudsitzung öffentlich. Frankfurt a. M. Am 28. August tagte in Frankfurta.M. eine Konferenzdes Misrachientral-Komitees,*) zu der Mitglieder und äste aus verschiedenen Städten Deutschlands, Rußlands und der Schweiz erschienen waren. Die Tagesordnung lautete: Rechenschaftsbericht des Zentral-Bureaus. 2. Allgemeine Beziehungen des Attsrachi zur Gesamtorganisation, Res. Dr. Adler- Lübeck, 3. Beziehungen des Misrachi zu den kulturellen Strömungen im Zionismus und praktische Arbeft des Misrachi, Res. Dr. Franck-Wtona, 4. Organisation und Agitation, Res. Eh. M. Eiß-Zürich. Es wurde ein unverkennbarer Stillstand des Mcisrachi konstatiert, den (tunt einerseits aus die Wirren in Rußland, andererseits auf die parteipolitischen Gegensätze der letzten Zeft innerhalb des Zionismus zurückführen zu müssen glaubte. Die Frage der Stellungnahme des Misrachi gegenüber diesen politischen Differenzen, sowie zur kulturellen Bewegung im Zionismus wurde eingehend erörtert und füllte den größten Teil der Beratungen Ms. Eine Resolution Farbstein wurde angenommen: Um Jrrtümer zu beseitigen, Ivicderholt die Konferenz, daß der Misrachi nach wie vor auf dem Boden des Basler Programmes steht und die Beschlüsse des Kongresses, sofern sie sich nicht zur Tradition in Widerspruch setzen, für verbindlich erachtet. Budapest. Am 19. u. 20. ds. fand hier unter Teilnahme von 20 Budapester und 45 Provinz-Delegierten die Landeskonferenz der Zionisten Ungarns statt. Dr. Grub er wurde zum Präsidenten gewählt. Der vom bisherigen Präsidenten Bettelhetm erstattete Bericht konstatiert für Ungarn 3 000 Schekelzahler. Es wurden folgende Anträge angenommen:. Anlegung einer jüdischen Statistik, Aufforderung an wohlhabende Kanflcnte und Handwerker, sich in Palästina anzusiedeln, Aufforderung an die bemittelten Dtitglieder der zionistischen Vereine, je eine Aktie der Kolonialbank zu zeichnen. Jaffa lPalästina). Jüdisches Kapitalisten haben eine Konzession zum Bau einer elektrischen Tramway und Anlage elektrischer 'Beleuchtung erhalten. A«s den Vereinen. Köln a. Rh. Das Israelitische Asyl für Kranke und Altersschwachveröffentlicht soeben seinen Jahresbericht. Derselbe verbreitet sich über die tzlotwendigkeit eines Neubaues und die Vorarbeiten zu dieser finanziell sehr kostspieligen Aktion und berichtet dann, daß auf dem '21,500 Quadratmeter großen Gelände das Ältershaus, das Krankenhaus, das Wirtschaftsgebäude, der Infektions- Pavillon, das Leichenhaus und das Pförtnerhaus berefts im Rohbau vollendet sind. An der südöstlichen Seite des Grundstücks, mit der Front nach der Röntgsn- und Ottostraße gelegen, wird das Schwesternheim errichtet, dessen Bau mit dem „Verein für jüdische Krankenpflegerinnen Köln" vereinbart worden ist. Es enthäll im Untergeschoß Wirtschaftsräume, im Erdgeschoß Wohnung .einer Oberin, den Spcisesaal, Wohnraum und Unterrichtssaal der Schwestern und in den beiden Obergeschossen die Schlafzimmer für 30 Schwestern und zwar ein besonderes Schlafzimmer für jede Schwester, ein gemeinschaftliches für je 2 Schülerinnen; ferner Bäder, Teeküche usw. Eine besondere getrennte Wohnung ist für die Schwestern vorgesehen, die ansteckende Krankheiten pflegen. Auch die Vorarbeiten für den inneren Ausbau aller Baulichkeiten sind soweit gediehen, daß für den Herbst 1907 der Einzug in die Anstalt voraussichtlich vorgenommen werden kann. Die Tätigkeit der Anstalt entsprach den früheren Jahren, da sie durch die Zahl der verfügbaren *) Da diesmal aus technischen Gründen die Rubrik „Woche" Msfallen mußte, so müssen wir die wefteren Betrachtungen über die Konferenz bis zur nächsten Nummer verschieben. Anmerk. d. Redakt. Betten bedingt ist. Die' Betten für Sieche 'waren stets belegt, und sehr viele Aufnahmegesuchc Altersschwacher von auswärts, selbst dringende, innßten znrückgestellt werden. Auch die Krankeubetten waren meist voll in Anspruch geuommen. Neben den 28 Siechen, die dauernd in der Anstalt weilen, mit 9087 Berssflegungstagen, wurden 598 Kranke (int Vorjahre 579) in 14 574 Vcrpflegnngstagen verpflegt, so daß im ganze» 23 661 Vcrpflegungstage (gegen 21 352 im Vorjahre) geleistet wurden für 626 Sieche und Kranke. In der Poliklinik fanden 5351 arme 'Kranke Behandlung. — Das Kuratorium besteht augenblicklich aus den Herren: Justizrat Carl Eltzbacher, Vorsitzender, Stadtrat Louis Eliel, stcllv. Vorsitzender, Rabb. Dr. Frank, Heinr. Frank, Leonh. Emanuel, Leonh. Tietz, Sally Jsaac, Otto Liebinann, R.-A. Dr. Carl Fleck, Otto Rothschild,;B. Fcilchcnseld, Dr. B. Auerbach, dirig. Oberarzt der Anstalt und Dr. Fritz Cahcn, chirurg. Oberarzt. Stuttgart. Nach Bortrag des Henn Rabbiner und Seminarlehrer Dr. Kahn-Eßlingen wurde» in Niederstetten und in M e r g c n t h e i m Ortsgruppen des Verbandes der Sabbatfreunde gegründet. Aus der Lehrerwett. Stratzburg. Am 1. April d. Js. bestanden in Elsaß-Lothringen 2844 öffentliche Elementarschulen mit 5426 Schulllassen und 240 677 Schulkindern; davon waren 52 Schulen mit 56 Schulklassen und 1218 Schülern israelitisch. Außerdem gab cs eine private israel. Elementarschule und 3 israel. Kleiukinderschulen. In D a m b a ch wurde wegen zu geringer Schülerzahl — 5 Kinder tut ganzen — dieisraelitis ch c Schule aufgclöst und die Kinder der katholischen Schule überwiesen. Rakel. Rabbiner D r. P e r l i tz feierte sein 25 j ä h r i g c s' A m t s j u b i l ä u in. Steinbach a. Glan. Am 1. August ist unser Lehrer Herr A. Wolf durch Pensionierung in den wohlverdienten Ruhestand getreten, und hat am 14. d. M. die Gemeinde verlassen, nachdem er in hiesiger Gemeinde 33(/z Jahre als Lehrer und Vertreter gewirkt hat. •. Budapest. Die orth. Gemeinde in S e m e s - Kelleines wählte ihren bisherigen Rabbinatsstcllvertreter Samncl Gottlieb zum Bezirksrabbiner. In L e m e s wurde Rabbiner Joses Deutsch feierlichst in sei» Amt cingeführt. London. Im Alter von bü Jahren verschied das Schulratsmitglied des Jewish Colleg und frühere Direttor dieser Anstalt, Rabbiner Simeon Singer. Rabbiner Singer war sehr wohltätig und erfreute sich großer Beliebtheit. Er ist der llebersetzer des Gebetbuches der United Hebrew Congregation os the British Empire und schrieb eine Geschichte der englischen llcbersetzung des Gebetbuches. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) B i s ch h e i nt, 24. Aug. 1906. Ein Wort zur Mezizohfrage. Wenn ich mir als Laie und Fachunkundiger erlaube, mich in die Mczizohfrage hincinzumischen, so geschieht dieses, nm einige meiner Erinnerungen betreffs des Mczizohkainpses meines Bruders, D r. mcd. Klein-Paris, zu veröffentlichen. Das Konsistorium' in Paris wollte wiederholt im Jahre 1888 die Mezizoh verbieten. Mein Bruder, Dr. Klein, als froniincr, konservativer Jude, war der Meinung, die auch in unseren heiligen Büchern angegeben ist, daß unsere heiligen Gesetze, Besüniniungen und Gebräuche nicht so leichtsinnig (wie es auch leider oft von orthodoxer Seite geschieht) weggeschafft werden können; er suchte daher alles aiifzubieten, die Mezizoh befeh aufrecht zu erhalten. — Herr Dr. Klein wollte aber auch laut seiner Ueberzcugung vom medizinischen Standpunkte beweisen, daß die Mezizoh befeh nicht nur unschädlich sek, sondern auch die Heilung beschleunige. Zu diesem Zwecke verlangte er beim Konsistorium, die Sache einer Acrztekomniission zu unterbreiten, was auch geschah. Herr Dr. Klein bemühte sich, die Behauptungen der durch Mezizoh entstandenen Infektionen als ärztlich unmöglich hinzustellen. — (Siehe „De la Circoncision per le Dr. Klei», Librarie, A. Durlacher, 1888.) Er erinnerte ein Mtglied der Kommission, Herrn Prof. Duplay, der sich gegen Mezizoh aussprach, an eines der Werke desselben, in welchem er das Saugen bei Wunden anempfiehlt (Duplay h. Follin) und daß diese Antipathie gegen die Mezizoh keine Begründung sei. Während dieser Kainpfeszcit schrieb Herr Dr. M. C a h n - Fulda an Herrn Dr. med. Klein, nm ihn zubitten, das Glas-Röhrchen zu einpfehlcn. — Mein Bruder erwiderte, da er im Begriffe sei, zu beweisen, daß die Mezizoh befeh, wie sie vorgenommen sein soll, nicht schädlich Ist, sei es ihm unmöglich, etlvas zu empfehlen, das einen Schaden vermeiden soll, der seiner Ansicht ■ nach nicht entstehen kann. Er möge aber das Röhrchen an den Oberrabbiner des Konsistoriums, Zadoc Kahn, senden, nnd sei er, Dr. Klein, gerne bereit, es zu befürworten, wenn seine Meinung nicht siege. — Die Frage blieb offen; jeder Mohel in Frankreich tut, wie er will. — Herr Dr. M. Cahn soll damals sehr erbost darüber gewesen sein, daß mein Bruder seine innere Uebcrzeugnng, seine Prinzipien, nicht zu Gunsten des Glasröhrchen geopfert Tjat!! — Später in einer Zeituiigsploemik bctr. das Gkasröhrchen mußte auch mein Bruder die ihm sehr unliebe Erfahrung machen, baß auch sein Freund und von ihm als streng konservativer Jehndi anerkannte Mohel Ja c ob Po s c n sein Gegner in dieser ernsten religiösen Frage sei. — Es geht aus alledem' hervor, daß Herr Dr. Klein das Röhrchen nicht als Ersatz für Mezizoh befeh betrachtet hat, daß er cs aber da, wo die Mezizoh befeh verboten ist, der Watte oder dem Schwamni ganz entschieden bevorzugte. Jules K l e i n. * * * Geehrte Redaktion! . Im Sprechsaal Ihrer Nr. 33 hat ein sich „Eines" unterzeichnender Einsender Stellung zu der die Mezizoh-Fragc behandelnden Arbeit des Herrn Rabbiners Dr. Schiffer in Karlsruhe genommen in einer Weise, die ich nicht unwidersprochen lassen kann; der To» macht die Musik nnd dieser Ton ist auf eine so geringschätzige Denkungsart über den Rabbinerstand im ällgeineiiien und den der Freien Vereinigung im besonderen gestimmt, zeigt einen so großen Mangel an Kibbud Horaw, eine glücklicherweise recht selten anzutrcfsende Gehässigheit im Ausdruck, daß die süßlichen Phrasen der Einleitung sich recht passend dazu ausnchmen. Ich habe diese Männer, deren heiliger Eifer 'über jede derartige Anzapfung erhaben ist — nicht zu verteidigen, mische mich auch nicht in Streitfragen, zu deren Entscheidung mir jede.Kompetenz fehlt, aber soviel mag dem Herrn „Eines" dienen: Wichtig ist die Sache, mehr als wichsig: Ein badischer Mohel —. ein Mann von anerkannter, selbstloser Hingabe an seinen Beruf, Herr Posen würde vielleicht sagen ein „bedeutender" Mohel, nimmt Mezizoh mit dem Röhrchen, weil ihm sein Rabbiner dies als nötig bezeichnet hat nnd weil er es nichts mit seinem Gewissen hat vereinbaren können, die ihm auferlegte Pflicht in geringschätzender Weise außer Acht zu lassen. Der badische Oberrat hat Mezizoh mit dem Röhrchen verboten und zwingt den Mohel, entweder die Miloh ohne Mezizoh vorzunehnicn oder aber sein Amt als Synagogenvorsteher, das der Mohel bekleidet, nieder« zulcgen. Der Mohel legt sein Stint nicht freiwillig nieder, weil er nicht begreifen kann, daß er zu einent kirchlichen Amt um deswillen untauglich sei, weil er eine von seinem Rabbiner' als religiöse Vorschrift bezeichnetc Sache gewissenhaft befolgt. Infolgedessen spricht der badische Oberrat die Absetzung des Mohels als Synagogenratsyorsteher aus. Der Oberrat veröffentlicht den Vorgang, indem er sich auch u. ä. auf die der oben genannten E n t s ch c i d u n g ' d e s Rabbiners e n t g e g e n st e h e n d e Ansicht eines F r a n!- furter Mohels, des Herrn Posen, beruft, in seinem „Verordnungsblatt", das in allen babische »Gemeinde»gelesen wird. Nun will der Herr „Eures" verlangen, daß die Broschüre des Herrn Dr. Schiffer ln einer Sprache herauskommen sollte, die leider ein Gemeingut von so Wenigen derzeit ist, daß der Wunsch nach Aufklärung überall offen geblieben wäre. In den gesetzestreuen Kreisen Badens wirkte die Verössentlichung wie eine erlösende Tat.

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