Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 34 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. 1892/93 . 35 626 1893/94 . 36725 1894/95 . 33332 1895/96 . 45137 1896/97 . 22750 1897/98 . 27221 1898/99 . 24275 1899/00 . 37011 1900/01 . 37 660 1901/02 . 37 846 1902/03 . 47689 1903/04 . 77 544 1904/05 . Sa. 92388 880533 Die große Einwandernngszahl vom Jahre 1903/04 (77 544) ist mit dem Ausbruche des russisch-japanischen Krieges ,in Verbindung zu setzen. Die Zahl der jüdisch-russischen .Einwanderer in den Jahren 1894—1904 nach Großbritannien ist wohl auf ca. 80 000 zu schätzen. (Die Zahl der aus Rußland und Russisch-Polen eingewanderten Personen — in den Jahren 1894 bis 1904 — beträgt 231947, darunter befindet sich ein^kleiner Prozentsatz von Christen und ein großer Teil von Personen, die in England nur vorübergehend sich anfhielten.) , In Kanada soll die jüdische Bevölkerung im Jahre 1905 mich einer .Schätzung von Clarence I. de Sola (Jewish Iear Book 5666 S. 230, London 1905) 30000 Seelen betragen haben, während vor 25 Jahren Kanada keine jüdische Bevölkerung hatte. Nach einer Schätzung von Dr. Hertz zählte Südafrika im Jahre 1905 ca. 50000 jüdische Seelen, die es durch Einwanderung im Laufe der letzten 25 Jahre erhalten hat. Diese Bevölkerungszahl ist sowohl betr. Kanada wie Südafrikas mit Ausnahme nur eines sehr kleinen Prozentsatzes auf russische Juden zu beziehen. Die Einwanderung dürfte in den Jahren 1880—1904 nach Kanada 20000, nach .Südafrika — 33000 betragen haben, lieber die Einwanderung der russischen Juden in Palästina konnten keine zuverlässigen Daten ermittelt werden. Wie das Bureau für Statistik der Juden in dieser seiner Veröffentlichung annehmen zu können glaubt, ist die Zahl der nach Palästina in den Jahren 1880—1904 eingewanderten russischen Juden auf 25000 zu schätzen, darunter 15000 vor dem Jahre 1897 und 10 000 von 1897—1904. Die Zahl der jüdischen Einwanderer aus Rußland nach Deutschland wird für die Jahre 1880—1904 auf 15000 berechnet (1880—1896: HO000, 1897 bis 1904 5000), nach Frankreich auf 40000 (1880—1896 : 20 000, 1897—1904: 20000), nach sonstigen Ländern auf 30 000 (1880—1896:15 000, 1897—1904: 15000 Seelen). Die Gesamtzahl der jüdischen Auswanderer aus Rußland im Zeitraum von 1880—1904 beträgt ca. 1123000 Seelen. Durch diese enorme Ziffer der Auswanderung könnte gar Mancher sich verleiten lassen, eine allmähliche Abnahme der jüdischen Bevölkerung in Rußland zu erblicken und die Lösung der russischen Jndensrage in der existierenden Zerstreunngsemigration zu erhoffen. Die Daten beweisen das Gegenteil davon. Trotz dieser ungeheuren.Abnahme infolge der Emigration ist ein — wenn auch kein großer — Zuwachs der jüdischen Bevölkerung in Rußland zu verzeichnen. Dieser Umstand ist auf die große natürliche Zunahme der Juden — 35,71 Prozent pro Jahr — zurückzuführen, welche die der anderen Völker bedeutend übersteigt. Es kann also keineswegs -ie Judenfrage der russischen Juden — geschweige her Gesamtjudenheit, für die sie vorzugsweise einen moralischen Charakter trägt — mittelst einer wie bisher verlaufenen Emigration gelöst jverden, das heißt: mittelst einer d ezentralisiertenEmigration. frankfurter Israelisches familienSlatk. Gebetbuch. Erster Teil. Für Werktage, Sabbate, Befreiungsfest, Offenbarungsfest und Laubhüttenfest. Herausgegeben von dem Großh. Bad. Oberrat der Israeliten. Besprochen von Dr. Emmes Suebicus. (Fortsetzung). Gehen wir nun weiter in der Besprechung der „Vorbemerkungen". Da wird nun gesagt, man müsse die Gebete um Wiederherstellung des Opferwesens ausscheiden aus verschiedenen Gründen, auf deren Widerlegung wir uns hier garnicht einlassen wollen, weil wir.es unter unserer Würde halten, solch stümperhafte Darlegungen ernst zu nehmen und - einer Kritik zu unterziehen. Ich will nur der Kuriosität halber einen Satz anführen: „Denn die große Mehrheit der Israeliten in den Kulturländern würde mit einem Zentralheiligtum, das von Räumen zur Unterbringung von Rindern usw. umgeben ist, und in welchem zum Dank fiir die Wohltaten Gottes und als Sühne für menschliche Sünden unschuldige Tiere geschlachtet und Fettstücke verbrannt werden, sowie mit Priestern, die schlachten, Blut sprengen, räuchern, Mehlopfer rühren und dergl. mehr, nichts gemein haben wollen." Also dies ist die ganze Philosophie und die ganze Gedankentiefe der Gegner der Opfer!! Diese Rinderstallgründe und falsche Sentimentalität., von „höheren Töchtern"! Konnte man sich nicht zu etwas Höherem aufschwjngen, als zu solcher Frivolität und wissenschaftsloser s Herabsetzung und Verspottung von Gesetzen der heiligen Thora, welche das dritte Buch Mose ganz und das zweite und vierte Buch zum Teil füllen?! Sehet, Ihr Badener, dies sind Eure Götter, die Euch .Gebete verfassen wollen. Auf solche Ausführungen antwortet man nicht, denn sie find ja nur daraus berechnet, Publikum zu fangen, welches weder jüdisches Wissen besitzt, iwch Liebe und Ainn hat für Juden und Judentum, sondern diesen feindlich gesinnt ist. Da gllt das Rezept, welches die Hagada für die Behandlung des Roscho empfiehlt. Und da möchte ich auf den Psalm 50 Hinweisen, bitte, schlaget ihn auf! In seinem ersten Telle spricht sich derselbe auch gegen die Opfer aus, aber nicht aus Feindschaft und Widerspruch gegen die Thora, sondern darum, well die flpfer nicht in der richtigen Gesinnung gebracht werden, weil man vergißt an das, wozu sie dienen: als Symbole gottergebenen Siimes und reuigen, bußfertigen Gemütes. In seinem zweiten .Teile aber da wendet sich der Psalm an diejenigen, von denen man glauben könnte, daß -sie die aufgellärten und fortgeschrittenen Verfasser des ersten Teiles sein könnten, und da heißt es: „Wer zum Frevler spricht Gott: Was hast.Du von meinen Satzungen zu erzählen? Du führst'meinen Bund im Munde? Du hassest ja Zucht und meine Worte verwarfst Du." Und so weiter siehe den ganzen Psalm! Um auch noch auf die „Rinderställe" einzugehen, will ich den Rat der Sprüche Salomonis befolgen: Anei ksil Keivaltau, und gleich geistreich, bemerken: die Herren der „Vorbemerkungen" vergessen, daß bis zur.Errichtung des Tempels und des Opfergottesdienstes die Verkehrstechnik so well fortgeschritten sein wird, daß es nicht mehr notwendig sein wird, die Rinderställe in Jerusalem zu halten, sondern daß man sie ohne Schwierigkeiten an sehr entfernten Orten, beispielsweise auch in Karlsruhe, errichten könnte. Nun weller. Ebenso leicht, ja noch leichter, setzen sich die Herren .Vorbemerker über „die Erwartung eines Messias aus dem Davidischen Königshause" hinweg und sagen, daß die Bitten um dessen Erscheinen nicht ernst gemeint seien (S. 4.) Ja, woher wissen denn dies die Herren __ Nr. 34. an der Spitze der badischen jüdischen Gesellschaft? Ihnen i|V es freilich wohl in ihren Aemtern, Pfründen und auf ihren Geldsäcken-und . sie haben .jenes ideale Sehnen nach .Wiederherstellung des jüdischen Gottesdienstes und jüdischer Selbständigkeit und Herrlichkeit verloren. Aber nicht' so'- die überwiegende Anzahl unserer Glaubensgenossen, welche ihre Religion lieben und ihrem Volke auch Herrlichkeit der Welt wünschen. Diese sehnen sich danach, das Reich des Messias errichtet zu sehen, sie sind nicht abgefallen von Thora und Propheten, welche 'beide dieses Endziel aüfstellen: 5. B. M. 30,3—5: „Dann wird der Ewige Dein Gott zurückführen Deine Gefangenen und sich Dein erbarmen, und Dich tvieder sammeln aus all den Völkern, dahin der Ewige Dein Gott Dich zerstreut hat. Wenn Deine Verstoßenen zerstreut fein werden am Ende des Himmels, so wird yon dorther der Ewige Dein Gott Dich sammeln, und von dorther Dich holen. Der Ewige Dein Gott wird Dich in das Land bringen, das Deine Väter besessen haben, und Du wirst es besitzen und er wird Dir wohl tun und Dich vermehren mehr als Deine Väter." usw. Also hier lehnen sich die Herren Gebetbuchfabrikanten offen gegen Thora und Propheten auf, sie leugnen den Messias und die Zukunft Israels. Und wollen ihre Stammesgenossen zu eben solchem. Abfall verführen. „Me aschrecho mas'im", sagt Jesaja, „die Männer, die Dich zur Seligkeit führen sollten, verführen Dich zur Irre." Wenn dem Volke Israels eine Zukunft also nicht mehr in Aussicht steht, wozu erleiden wir dann noch in Deutschland Nadelstiche und Spott, in Rußland Totschlag, in Rumänien Unterdrückung re. rc.? Bekennen wir doch gleich, daß der Messias erschienen sei, und lassen wir uns taufen, protestantisch, katholisch, griechisch-katholisch, je nach der Majorität der Völker, unter welchen wir leben, mrd nach Maßgabe des größten Nutzens. Dies ist die Konsequenz und zwar die einzige davon, daß Messias, Zion und Tempel aus Gebeten und Herzen gestrichen ist. Denn ohne den Glauben und die Hoffnung auf Messias ist man nicht mehr Jude. Und da ist es am zweckmäßigsten, ohne weiteres in das christliche Lager überzugehen. Man kann ja dort auch „die erhabene Messiasidee" (S. 3) pflegen. Also, uochmal, Ihr badischen Juden, sorget, daß dies Gebetbuch ja nicht zur Annahme gelangt, sonst seid. Ihr Teilnehmer an diesem verräterischen Werke. Nun poch eine lleine Berichtigung. Die „Vorbemerkungen" sagen weiter, daß außer für Reformgemeinden auch für ganze Landschaften, wie Westfalen und Württemberg, neue Gebetbücher bearbellet worden seien. Für letzteres trifft diese Bemerkung nicht zu. Wir .Württemberger beten nach dem alten Siddur, das nicht abgeändert ist, und finden uns sehr wohl dabei. .Es gibt kein besonderes Gebetbuch für Württemberg. Sogar das vielverschrieene Stuttgart, das ein besonderes Gebetbuch für sich verfaßt hat, hat die Gebete nicht abgeändert; man betet dort genau so Schemone esre und alles andere, auch was sich auf Messias, Zion, Opfer und Tempel bezieht, wie. in der ganzen Welt. 'Uitb wir Württemberger verwahren uns ganz energisch dagegen, vom Badischen Oberrat und seinen Gebetbuchmachern als Eideshelfer angerufen zu werden. Alsdann folgt in' den „Vorbemerkungen" eine Anpreisung des „reichen Inhalts" des neuen Gebetbuches und seines billigen Preises im Vergleich. zu den Rödelheimer Siddurim, und zwar von Seite 10—12. Also auch vom Standpunkte des Preises macht der Großherzogl. Oberrat der Israeliten in Baden Reklame für sein Werk, ein für eine Großherzogliche Oberbehörde nicht gerade würdiges Vorgehen. Auch zur Verwendung