Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 33 (24.8.1906)
- Date
- 1906-08-24
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 11. M. M_ _ . fölgreilHe Erziehung und Ausbildung der Lehrlinge im allgemeinen besser gewährleistet ist, wen« diese im Lehrlingsheim erzogen werden, oder unter steter Kontrolle im. elterlichenHaust bleiben, als wenn siecher Meistern auswärts in die Lehre treten.. Demgemäß. werden, abweichend, vom früheren Vorgehen, auch chie. Kinder der/hier, wohnenden ausländischen Glaubensgenossen im Heim.: behalten. .Sie. unterstehen fortgesetzter Aufsicht in der Werkstatt, ^ssen im Heim und müssen liebem dem Unterricht in den gewerblichen Fortbildungsschulen auch am Untetricht.nrld Turnen.im Heime teilnehmen.,,Derartige Zöglinge wären in diesem Jahre 5,;-fo daß mit den, 31 im Heim wohnenden Zöglingen die Zahl der, darin beköstigten 36 betrüg. Dazu kamen 6 .frühere Zöglinge, die als Gesellen gegen .billigeres Entgelt im Heim kürzere Zeit oder dauernd wohnten. Ein Schlosserlehrling verblieb nach dreijähriger, beendeter Lehrzeit, im Heim» um in die Borklasse der Königl. höheren Maschinenbauschule einzutreten, ein anderer mit einjährig-freiwilligem Zeugnis-wurde nach zweijähriger Lehrzeit in einer Maschinenfabrik in die Königliche Maschinenbauschule ausgenommen und' blieb im . Heim. 2 Schlosser, 1 Polsterer, 1 Sattler, 1. Installateur bestanden die Gesellenprüfung, 2 Schneider und 1 Schlosser traten nach beendeter Lehrzeit ans, ohne die Prüfung abzuwarten. Alle Zöglinge besuchen zweimal wöchentlich von 6Va—8Ye abends den Unterricht in den gehobenen gewerblichen Fortbildungsschulen und Sonntags von 8—11 deren Zeichenunterricht. Außerdem erhalten sie im Heim Gesangs- und Turnunterricht. Wie der Rechnungsabschluß zeigt, übersteigen die regelmäßigen Ausgaben die regelmäßigen Einnahmen ganz bedeutend und muß deshalb an die Juden Rheinlands appelliert werden, daß sie der segensreich' wirkenden'Anstalt ein erhöhtes Interesse zuwenden. Zur Beleuchtung der jüngsten Veröffentlichung der „Fr. Bereinigung für die Jntereffe» des orthodoxen Judentums". Mi einem Referate, das kürzlich ein gesetzestreuer, gelehrter Rabbiner gehalten, sind allbekannte Dinge nach allen Richtungen hin ausgeredet worben, um sie so den Kollegen chekamst zu machen. Ich überlasse es Anderen, die mip Leichtigkeit zu, widerlegenden Argumente zurückzüwtzisenda gegen vorgefaßte Meinungen alle Reden uritl Schriften nichts zu widerlegen vermögen. Auch die persönlichen Angriffe will ich unbeantwortet lassen. Nur die Ungenauigkeiten möchte ich hervorheben. Es. zieht sich Wie ein roter Faden durch die ganze Broschüre die Voraussetzung, daß das. Röhrchen identisch mit Mezizo befeh sei, was aber durch das Seite 20 erwähnte Gutachten des Herrn Dr. S.cherhey direkt falsch ist, „da die Temperatur des Mundes die Wirkung eines Kataplasma habe". — Abgesehen davon, daß der Streit der-damaligen Gaonim zu einer Zeit war, wo die Reform an der Arbeit war und es sich um freiwilligen Verzicht auf Mezizo befeh handelte, während R. I. Ettlinger s. A. nach dem Regiernngsverbot sicherlich der Watte zngestimmt hätte — ist es eine große Courage, zwischen solchen Gaonim entscheiden zu wollen und nicht vielmehr zu sagen Deowid kemar owid usw. —Der Kownoer Raw s. A. wurde st Zt. angefragt, ob man das Röhrchen erlaub e n dürfe; er erlaubte cs, verbot aber, nicht Watte, ebensowenig wie die anderen genaniiten Gaonim s- A. — Daß der Liberrat nach einem Jahre'seine-frühere Erlaubnis (Seite 13) widerrief) ist gaiiz natürlich) beim wenn wegen e i n e r Gefahr „st e ste.E'wLxLyte» Wird,-, .kanir .män doch keine n,e)u e,GMHr-.distch^häs, Whrchen heraüfbeschwören und'/ninldiese: Erfghrilng" zu-,gewinnen, .braucht, man Wd^tlich kesistJÄHr: -^Mnteö'bedeütenden'Mohelim (Seite 16)' btzrstehe'Ich solche) die bist größst. Zahl BeschNeidWgew vollzöge)«, . wie- - ith Gunter - bedeutenden Rabbinern--solche: verstehe-, die dasgrößte Tauro- Wisten^Vesitzen.'^-Daß'der!Kdwnoer Raw st A. noch R öch rch e n vv.irt x.a- Watte festgehalten.- habe, ist ein.. Trngschhuß, da er auf-die Anfrage. ob .seine Erlau b n i s des Röhrchen.. sich auch auf Gegenden beziehe,' wo Mezizo befeh,'erlqübtse.i, antwortete: seine. Erlaubnis,beziehe -sich nur auf, Gegendeii, wo hie Regierung „befeh" . verboten,,n sonst. aber,, müsse ' man „befeh" niachen und,«nicht mit Röhrchen; also,-befeh" g e g e nsätzlich zu Röhrchen gebraucht) während er auf Watte nicht angefragt war, also auch seine Erlaubnis mit, Wütst gar nicht in Betracht kam. 'Ja, ich. gehe, noch..weiter: Ms Rabb,- Hirsch s. A) fragte, obs d«rs. Gläschen zu erlauben sei, mußte der Hefter mit FranMrker JsraeMMs FamillenKakk. Watte vorausgesetzt werden (was ja auch hier unter R. Hirsch s. A) bereits 40 Jahre geschah), da doch nach dem Verbote der „Mezizo befeh" durch die Regierung man sonst ja g a r n i ch t s gehabt hätte, also die Erlaubnis gar keine Frage sein könnte. Das gesperrt gedruckte „Gam" (Seite 17) will sagen: statt direkt mit den Lippen auch mit Watte, da „befeh" in Kvwno nie verboten wurde und wie der Kownoer Raw stA. ja in seinem obigen Brief anführte, auch das Röhrchen dort nicht erlaubte. Er machte keinen Unterschied zwischen Gläschen und Watte, bezog.sich ans Chasam Sauser und Rabbi Zwi Hirsch und war — „keine Rede von einer allgemeinen Erlaubnis der Watte" —Allerdings gegen Mezizoh befeh. — Wenn man Abwesende angreift, kann man allerdings Dinge behaupten wie S. 17 (Ende). Es wir in keinem Orte — auch nicht in Wilna — das Beth-din begonnen habe», „befeh" abzuschaffen und statt dessen Watte einznführen, über als die Mohelim begannen, „befeh" abznschaffen — durch Aerzte gedrängt — und Rabbi Schlaumoh Hakauhen ihnen das Röhrchen zur Benutzung und Begutachtung gab, brachte ihm der erste Mohel (Herr Ebitsch) dasselbe zurück mit dem Bemerken, er wollü nicht ans Bal taschchis übertteten und behalte es als Zkgarren- Röhrchen. Als nun Ebitsch Watte empfahl und es ihm die anderen Mohelim nachahmten (weder Herr E. war krank, noch Rubom kechulom), Hab Rabbi Schlaumoh Hakauhen einen Kesaw töndo, worin er seine Freude aüssprach über die Großartigkeit der Erfindung E.'s und wörtlich schloß: Röuj befarsman ulesaknau bechol tefuzaas Jisroel. Ist das keine Empfehlung? — Und wenn jetzt sein Nachfolger (Seite 13) vermutet: Lest' hanire usw. und der Referent es übersetzt: die allermeisten Mohelim u s to. sie loaren notorisch krank, kann man solche Beweise annchme», um mich einer Unwahrheit zu zeihen?! Das Gläschen war wohl in Wilna bekannt und wurde verworfen! — Die 36 gelehrten Rabbiner und Mohelim haben sicherlich nicht das Röhrchen im Gebrauch und glaube ich wohl, daß sie entrüstet gegen Watte auftrcten, aber ebenso entrüstet gegen das Röhrchen, wie ich ja selbst ini Werke des Herrn Dr. Scherhey gelesen, und wie mir auch)). Zt. der sel. Dr. Klein, Paris, selbst sagte. — Seite 21 übergehe ich mit Verachtung. — Seite 20 wurde behauptet, 200 Rabbiner fordern nur „befeh", also sind gegen das Gläschen und wird ein Vorbehalt gemacht: „sprechen doch gar viele" usw. und SNte 21 heißt es plötzlich „so überaus zahlreiche Rabbiner cius "allen Weltgegenden stellen die Mezizo mit Watte als Jssur hin", da sind also wieder die Gegner auch des Röhrchens gemeint; man kommt wahrlich nicht aus der Verwunderung heraus wegen ber Begriffsverwirrungen. — Wenn der Referent Seite 15 beweist, daß man sich nicht über die Befürchtung auch nur eines Arztes hinwegsetzen dürfe, wie kann e r sich Seite 22 über die Befürchtung des Herrn Obermedizinalrates Dr. Hauser hinwegsetzen, die noch von gar Vielen geteilt wird. Da die Beweisführung falsch, ist auch das Resultat falsch, -also das Fazit Seite 26 hinfällig. — Ich halte durch die ganze Broschüre nur für erwiesen, daß in Wilna und Kowno Mezizo mit Watte genommen wird. Jakob S. Posen. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Vereheliche Redaktion! Ich habe eigentlich seit langem den Vorsatz gefaßt, mich über nichts mehr zu wundern; als ich aber das jüngste Heft der jährlich einober zweimal erscheinenden Mitteilungen . ber „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" erhielt, da war ich trotz meines Vorsatzes frappiert. Jvr Osten ringen Millionen unserer Brüder nach einem. Stückchen Brot für den nagenden Hunger, lechzen vom Morgengrauen, bis die Mitternacht in aufschreckenden Schlaf sie hüllt, nach ein wenig Ruhe für ihr klopfendes. Herz, und im Ost und im West durchlebt. das Judentum so schwere Stunden, wie es nur wenige durchlebt, denn nicht nur, daß das Jüdentum seine Söhne verliert, seine Söhne verlieren auch ihr Judentum und da-tagt nun in einem solch' kritischen Augenblicke die Jahresversammlung deutscher orthodoxer Rabbinen und hat der jüdischen Oeffentlichkeit rein gar nichts zu sagen. Wohl richtet sie an die Oeffentlichkeit einen dringende» Appell, aber dieser Appell betrifft eine technische Frage bei der Ausübung des Miloh-Gcbotes, eine Frage, die nach der Entscheidung unserer Gedanlim zu der Mizwoh Miloh nur in. einem untergeordneten Verhältnisse steht. Doch was sage ich — die Herren haben nichts geleistet, haben sie doch mit ihrer Verösfentlichung etwas geleistet, was einzig dasteht! Ein Rabbinerkollegium hat das unbestreitbare Recht, Entscheidungen zu fällen, daß aber ein Rabbinerkollegium den gesamten Gedankengang, der zu seiner Entscheidung geführt hat, der Oeffentlichkeit und damit der Kritik übergibt und dazu noch in deutscher Sprache, das war bisher in Israel unbekannt. Unsere Responsenliteratur war stets hebräisch, und da haben nun orthodoxe Rabbinen zum ersten Male einen Präzedenzfall geschaffen und sie um ein nichthebräisches Buch vermehrt. ' Die Herren werden einwendeir, daß die „Wichtigkeit" der Sache verlange, daß auch das Publikum informiert sei, damit es nur Mohelim nehme, die Mezizoh befeh nehmen. Diese Wichtigkeit muß aber energisch bestritten werden. Fast 40 Jahre hat der selige Herr Niederhofheim — und zwar zu einer Zeit, da die Regierung Mezizoh besetz noch nicht der» boten hatte — mit Wissen des seligen Rabbiners Samson Raphael Hirsch nicht Mezizoh befeh genommen, und ofllch Herr Rabbiner Dr. Breuer hat sich 10 Jahre lang passiv verhalten. Wie mir Herr Jakob S. Posen gelegentlich einmal erzählte, sandte ihm s. Zt. der selige Herr Rabbiner Hirsch das Glasröhrche» des Herrn Dr. Cahn-Fnlda zu, er retournierte es ihm aber mit dem Bemerken, daß er es nicht verwenden werde, und Herr Rabbiner Hirsch verhielt sich stillschweigend, also genehmigend, dazu. Nebrigens sollten unsere Rabbinen es sich hundertmal überlegen, dort einen Jssur auszusprechen, wo die meisten Gedanlim einen Heiter erlassen haben. Das Häufen von Jssurim steht schon an und für sich nicht im Einklang mit dem Geiste des Judentums,' und es braucht nicht gesagt zu werden, daß es'dem Judentum nicht zum Nutzen gereicht. Unsere wahren Großen waren von jeher bestrebt, zu erleichtern und nicht — zu erschweren. Merkwürdig berührt hat Auch auch der Umstand, daß die Herren nicht Herrn Pösen, der außer seiner hervorragenden jüdischen Gclehrsainkeit auch die größte fachmännische Kenntnis hat — welch' letztere den Herren wohl abgeht — bei ihrer Beratung hinzngezogen haben. Verblüfft haben mich aber die Beleidigungen, die man sich in der Verössentlichung gegen Herrn Posen erlaubt hat. Anklagen und verurteilen ohne;u hören — das ist Itie Sitte in einem jüdischen Beth-Din gewesen. Znm Schlüsse muß ich noch bemerken, daß das Referat, soweit es sich um den medizinischen Standpunkt handelt, durchweg grobe Fehler'macht. Emes. * * * Sehr geehrter Herr Redakteur! In Nr. 31 Ihrer geschätzten Zeitschrift findet sich unter der Rubrik „Die Woche" ein Entresilet, das sich mit der Londoner Sitzung der Jj t o vom 1.- und 2. August d. I. befaßt. Es wird nach zwei Richtungen Krittk geübt. Erstens wird gerügt, daß) die Jto ihre Ziele in die Zukunft setzt. Zweitens wird der Name „Jnternattonalrat" bemängelt, und es werden an diese Bezeichnung kritische Betrachtungen angereiht, die darin gipfeln, daß der Territvrialismns dem Gelbe der jüdischen Millionäre zuliebe auf feinest nationalen Charakter verzichtet habe. Gestatten Sie mir, mit wenigen Worten ans beide Punkt? einzugehen. 1. Der Londoner Sitzung lagen eine Reihe von Airgeboten und Projekten vor. Aus leicht begreiflichen Rücksichten schweigt der offizielle Bericht darüber, welche Länder in Frage kommen. Soviel ist aber aus der englischen Presse zu entnehmen und auch sonst wohl dnrchgesickcrt, daß neben dem Ostafrikaplan u. a. Projekte und Angebote ans Australien- Argentinien und Mesopotamien in Frage komrnen. Ich meine, daß man unter solchen Umständen dem Jtorat Dank wissen sollte, daß er aus die billige Popularität verzichtet hat, irgend ein Projekt einfach änzunehmen, sondern sich seiner Verantwortung bewußt: war und eine nochmalige gründliche DnrH-