Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 33 (24.8.1906)
- Date
- 1906-08-24
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. die Durchführung dieser Gesetze die kleinen Betriebe zu Grunde richten wird, da die Baukosten der vorgeschriebenen sanitären Werkstätten in keinem Verhältnis zu dem investierten Kapital stehen. Dieser Umstand allein erklärt die tief traurige Lage jenes Proletariats, das' unter Bedingungen arbeitet und'lebt wie kein anderes der Welt. Ich brauche nur an die sveat-sdoxs zu erinnern, um eine Vorstellung von der unglücklichen Lage jener Menschen zu geben. Ich, der ich diese Zustände aus persönlicher Anschauung kenne, glaube niemals soviel Jammer und' Elend gesehen zu haben. 'Und! doch besitzen diese Unglücklichen ein stilles Glück: Ihre Religion. In der flauen Zeit und in den Arbeitspausen sind die Chewras und Synagogen Whitechaples uberfüllt, und dort studieren sie selbstvergessen, in Ruhe und'Frieden jene hehren Probleme, der Tagelöhner, der eben den letzten Kasten ikuf den Transportwagen geladen, der Schmied, der soeben sein Steinkohlcnseuer verlassen und der Schneider, den das Summen dev Nähmaschine bis in seine Einsamkeit verfolgt, und alle versenken sich in eine Welt, die ihnen den tagelang so schwer und so bitter entbehrten Frieden wiedergibt. , Dieses Doppelleben des Ghettojuden, die Konzentration der einen Hälfte seiner Gedanken auf den Gewinn und'.die andere Hälfte auf sein Volk und dessen Literatur must man verstehen, um seinen Wert zu fassen. Niemand hat dieses Vesser verstanden und ergreifender geschildert als Israel Zangwill, der bekannte Schriftsteller. Israel Zangwill sieht das Heil der Juden im allgenieinen und das dieses Massenproletariats im besondern im Zionismus. Nach der Spaltung der zionistischen Partei 'auf dem letzten Kongreß, hat er, als Präsident der ,Jto" eine geradezu fieberhafte Tätigkeit entwickelt, und es steht zu hoffen, daß 'er, gestützt auf die Sympathieen vieler hervorragenden Juden und Nichtjuden, auf diesem Wege Erfolge haben wird. Die Führer der zionistischen Bewegung in England haben das anglojüdische Proletariat in der English Zionist Federation organisiert. Auf den großen Meetings in London, Manchester, Birmingham usw., die oft von vielen Tausenden besucht werden, manifestiert sich dieses Proletariat als solidarische Masse, als ein nicht zu unterschätzender sozialer Faktor und als wichtiger Faktor für die Zukunft der Juden, die ein Fortleben des jüdischen Volkes für wünschenswert erachten. Es ist schwer zu sagen, wie sich die Zukunft der Juden in England entwickeln wird. Jedenfalls aber bilden diese Proletarier den Kernpunkt des jüdischen Volkes und seine Lebenskraft. Die Zustände lehren, daß von der jüdischen Jugend aus London W. nichts für das Judentum zu erwarten ist. Die jüdische,' Masse aber ist es, die einst sein wird für das Judentum: „Der gährenbe Sauerteig in dem Stoff der Zufunft." ' Personalien. Berlin. Dem Spediteur David Schlesinger ist 'der Kronenorden 4. Klasse verliehen worden. Berlin. Geh. Regierungsrat Prof. C. Liebermann, Professor der Chemie an der Technischen Hochschule in Charlottenburg, wurde bon der Universität Leeds zum Doktor dcmoris eausa ernannt. -Berlin. Der Kronenorden 4. Klasse wurde dem. Hoflieferanten K a tz e n st e i n in Berlin und dem Prokuristen Max Levy in Breslau verliehen. Wiesbaden. Bankier A. Oppenheimer wurde zum Handelsrichter ernannt. ,. Dresden. Der Sekretär der israel. Gemeinde Joseph Bendiner erschoß sich in seinem Bureau. Heber den Anlaß zu der Tat ist'nichts bekannt. München. Ais ordentlicher Professor wurde an die hiesige Universität Professor Dr. Arnold Sommerfeld-Aachen berufen. — Der hochangesehene Fabrikant Ignaz N e n st e i n, Besitzer der I. W. Dieffenbach'schen Punsch- und Likörfabrik, ist gestorben. Wien. Dem Polizeirat a. D. Hoftat Beinhard Frankel ist der Kronenordcn 2. Masse vom Deutschen Kaiser verliehen worden. ' . ' Jerusalem, 8. Aug. Ende voriger Woche wurde hier die Nachricht von dem Hinscheiden des vortrefflichen Herrn Alfred-Geiger bekannt, der sich durch seine unermüdliche Tätigkeit für Palästina dermaßen ausgezeichnet hat, daß sein Tod einem 'großen Teil der hiesigen Bevölkerung großen Schmerz verursachte. Er war sozusagen der Begründer des deutsch-jüdischen Waisenhauses und der Lemaanzionanstalten, und auch die Lämelschule hat ihm viel zu verdanken. Gär viele Frankfurter Jfraelittscheb.FamUienblatt. Nr. H. verloren hier in Alfred Geiger einen Freund ',und Gönner, und er wird noch lange in ihrer Erinnerung fortleben. ' Dienstag, den 7. August, fand in der Aula des hiesigen Lehrerseminars eine Trauerfeicr statt. Das Bild des Verblichenen, auf dessen Gesicht Züge eines festen Charakters und einer herzlichen Güte' ausgeprägt sind, war mit schwarzem Flor behängen. Der Leiter und, einige Lehrer der Länrelschulc beklagten den herben .Verlust, den die Schule und ganz Jerusalem erlitten haben. Bon dort begab man sich ins erwähnte Waisenhaus, wo Herr Rabbiner Dr. Grünhut, Direktor dieser Anstalt und seit 14 Jahren persönlicher Freund des Verstorbenen, in schwungvoller Rede das reichhaltige Leben, die zahlreichen edlen Taten und die inusterhaste Persönlichkeit Alfred Geigers würdigte. I. Kanel. Aus der Lehrerwett. Köln a. Rh. Die goldene Hochzeit feierten Scminardirektor a. D. Rabbiner Dr. Plato und Iran. Rabbiner Dr. Frank überreichte eine in hebräischer Sprache abgesaßte Adresse, und eine Deputation von drei Damen behändigte im Namen der Wohltätigkeitsanstalten in der Bayardsgasse eine Urkunde, die einä Stiftung für ein später zu gründendes Säuglingsheim, welches den Namen „Hirsch und Julie Plato-Stiftung" tragen soll. Rabbiner Dr. Roscnthal gratulierte im Aufträge der unter dem israel. Unterstützungsverein zentralisierten Wohltätigkcitsanstalten, ebenso brachten der Vorstand der Synagogengemcinde und der Abaß-Jeschurun-Gcmeinde und das'Kuratorium und Lehrerkollegium des Lehrerseminars, das der Jubilar drei Jahrzehnte leitete, ihre Glückwünsche dar. > Lauenburg. Zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde wurde Herr Dr. Leopold Neuhaus gewählt. Magdeburg. Am 1. September begeht Herr Dr. Spanier sein 25jähriges Jubiläum als Lehrer und Sekretär der hiesigen Gemeinde. Herr Dr. Spanier ist,dürch seine reiche schriftstellerische Tätigkeit in weiteren Kreisen bekannt. > Linz. Landess chulrat. Der Kaiser hat den Rabbiner der hiesigen Kultusgemeinde, Moritz Friedmann, zum Mitgiiede des oberösterreichischen Landesschulrats ernannt. Galnutha. Der Dajon unserer Gemeinde, Rabbi Abraham Samuel Bürger ist/verschieden. Rabbi Bürger hat s. Zt. in JÄnoshaza tzine „Chewra Tal» mud-Tauroh für Kinder" gegründet, die erste ihrer Art in Ungarn. Amsterdam. Herr Oberkantor Isaak Hehmann, der vor einigen Monaten unter allgemeiner Teilnahme sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum feierte, ist g e st o r b e n. Aus -er zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der zionist. Bereinigung hier für den Nationalfonds eingegangen. Aus den Sammelbüchsen: 561 N. N. ' 3,42 Jk 572 Lion ' 2,33 Jk 577 Janzon ' 2,80 Jk 590 Liebes 6,— Jk 592 N. N. 0,85 Jk 600 Speier 1,16 Jk 602 Gesch. Strauß ' 58,46 Jk 603 Rosenheimcr 4,90 Jk 609 N.N.; 11,— Jk 622 Grünblau ' 10,50 Jk 642 Fsr. Jam. Blatt ' 1,23 Jk 646 Sondheimer 3,76 Jk Herr Lehrer Abr. Reinhardt, anläßlich seiner Ernennung zum Lehrer an der städtischen jüdischen Volksschule zu Köln 5,— Jk Bei der Expedition des Frankfurter Israelitischen Familienblatts gingen ein: a! für Byalistoker Juden von N. N.' 10,— Jk b) für den Nationalfonds: Von Frau I. B. für ihren Enkel Erich Braunthal für einen Oelbaum 6,— Jk Mögen sie wachsen, blühen und gedeihen! Von N. N. Mischebcirach - Spende :• Schabbes Parschaus, Mattaus und Massei in der Addas.Jeschurun, Köln a. Rh. % N. Liebes, Selbstbesteuerung 0,90 Jk Julius van Cleef, Emden : ■' 0,50 Jk Ein Oelbaum zum Gedächtnis an Aron Grünblatt, gestiftet von seiner Schwester . 6,— Jk Materialien von Bermann, . Gurewktsch, Feingold und. Oppenheimer. Köln a. Äh. Am 28. August wird in Köln a. RA im Hotel Disch die Jahres-Konferenz der zionistischen Weltorganisation.beginnen. Die Jahres-Konferenz findet immer in dem Jahre statt, in dem kein, zionistischer Weltkongreß abgeh alten wird. Die diesjährige Konferenz wird außerordentlich stark besuch! sein. Es werben ü. A. Vertreter folgender Länder anwesend. sein: Deutschland, Oesterreich, England, Holland, Belgien, Frankreich- Rumänien, Bulgarien, Italien, Dänemark, ferner von Palästina, NordaM'rika und Argentinien. ' ~.Besonders'stärk Mrd"7RüMn8"^vertrMn;'sein, und zwar werden n. A. drei ehemalige Duinä^Abgeordnete "nach Köln kommest^ Auch i)'er: Präsident des letzten Kongresses, Dr. Max Nördäu, wird' an der Konferenz teiknehme»." Die Verhändlüstgen werden 'mehrere Tage dauerst: - 7 7 .-7'-' Breslau. Der GruppenverbandBr es l a'u ereröffnete die Tätigkeit des neuest' Geschäftsjahres durch eiste für 'Sonntag/ 'den -197' ds? Afts.- '.nach Nä m s.l äN «unberufene Kersämmtung,. zu der astch die Mtglieder der Nachbärgemeinden geladen wLrÜri Bereits am Nachmittag vereinigten sich die' Erschienenen zu einem gemütlichen Beisammenseist in dein schön gelegenen Städtpärk von Namslaü. Um: 73/i! Uhr wurde die von Lehrer Ehmann-Namslau -vorbereitete Versammlung dürch Zahnarzt S ch a ch t e l erösstsetder die Erschienenen aus Namslau, Oels- Bernstadt, Carlsruh, Reichthal, ' schließlich auch aus' Breslau begrüßte. Sodann sprach Dr. 'Sand le r "etwa 3/i Stunden über das Wollen und Wirken des politischen Zionismus in den 10 Jahren seiner bisherigen Tätigkeit. Auf' 'die 'formvollendete zündende Rede folgte nur eine kurze Diskussion, die leider schon darum nicht zu lastgs währen konnte, da umOVi'Uhr bereits der letzte Zug nach Breslau abging. Der Aufforderung, die Diskussion im Coups noch'fortzusetzen, wich der einzige Herr Opponent bedauerlicherweise aus. Zuvor vereinigten sich noch die Namslauer Schelelzahler mit denen ans Carlsruh und Neichthal zur Ortsgruppe N amslau, diein einer in den nächsten Tagen abzuhaltenden Versammlung ihren Vorstand wählen wird. In Oels und Bernstadt sollen gleichfalls Ortsgruppen gegründet werden, sobald dort Borträge gehalten sein werden. Die Breslauer Zionisten schieben 'ungern so früh aus Namslau, das ihnen wieder einmal gezeigt hatte, wie viel gut-jüdisches Gefühl noch in all den kleinen Provinzstädten vorhanden ist, ein fruchtbarer Boden für die zionistische Idee. hs. Weg. Der zweite Kongreß j.stpische-c Hochschüler ünd Abiturienienaus den südslawischen Ländern.wurde Her am 14, August 'im großen Beratungssaale dex israelitischen Kultusgemeinde abgehalten. — Kultnsvorstästd Dr. Spitzer forderte in seiner Begrüßungsansprache die zionistische Jugend auf, in ihrer eifrigen Propaganda für den Zionismus nicht nachzulassen. — Kand. jur. Alexander Licht hielt die Eröffnungsrede und spricht nach der Bureauwahl in einer zweistündigen Rede über den „Zionismus". — Darauf referiert Abiturient LavoslcüvS tern über die „Aufgaben der jüdischen Mittelschuljügestd"),er betont die Notwendigkeit eines intensiveren Stadiums, der jüdischen Geschichte und Literatur und fwr hebräischen Sprache. — Des weitern sprachen cand. techn, Gustav Kunetz über die „jüdische Kultur" und cckstd. phil. Otto Gold st ein über die Juden in den südslawischen Ländern. ( Ddeffa. Die Jahresversammlung derChowewe- Zion nahm mit geringer Mehrheit eine Resolution Ussischkin an, die Propaganda zur Gründung einer Agrar-Bank in Palästina verlangt, damit durch langsichtige Geld-Darlehen denjenigen Inden, die Land kaufen wollen, der Kauf erleichtert werde; das zionistische Aktionskomitee solle zur Beteiligung aufgefordert werden und die Jüdische Kolouialbänk solle den bei ihr liegenden Betrag 'für nicht ausgekaufte Aktien (38000 Rubel) und für. nicht erhobene Dividenden (80000 Rubel) für die Agrarbank hergcben; auch möge der Nationalfonds der Bank 'Geld leihen, da ihm vorläufig größere Landankäufe nicht gestattet sind. \ ■ ArrS den Vereinen. Frankfurt a. M. Montefiore.Verein. Am Mittwoch, Len 15. er. fand der 'letzte diesjährige Sommer-Vortrags-Abend statt. Werfen, wir nun einest kurzen Rückblick auf die verflossene Sommer-SaisoN, so können wir'mit Genugtuung feststellen, daß der Besuch der Vortrags^- .und Diskusponsabende ein.departig starker .spar, n»se, ihst .irer Verün'seit , feinem Bestehen nicht aüfzuwersen hätte. Ein interessant "züsämmengefielltes Programm;' teilweise gästz'hervörd ragende. Referenten, sowie derangenehnstkühle Aufenthalt, inden Vereinsräusnen, speziell; im Garjrn^ dürften wohl.Pie HaupjanziehungspstnÜe für.liie 'Mitgliche'r 'gebildet haben!' ' ' > 7"'' - ' Wie tvir hören,'arbeitet zstr-Zeit Lerl'BötstmtL in Werbindung mit dem „Ausschuß für geistige Interessen" -eifrig an,dem,Wntgrprogramm. ,S^Pselße.,sall. in diesem Jahr, wie stns. berichtet wild,, schon Mtz Rücksicht! aus Läs, ' '10jährige 'Beswhest ' des Vereins' ganz 'besonders glästzend gestaltet werden und - wird nicht verfehlen, dem Verein -neste ^Gönner, und. Mit-, glieder,zu7gewinnen..-,7 - -,7 7 Die Mitgliederzghl,des,!„Pkbsttefioref7-Vereins ist bereits' auf 'üher 900 stngewachsen. ' . . ' Köln a. Rh! .'Da'S"''^s)i'ü!e't't'ttsch'eiLe'hr« l i n g s heim, eine'Wteilnng'Aöln''des-Vereins zllr Förderung der Handwerke und technischen,Bevufsartrn - unter den Inden, berichtet, daß seine7Hilfsarbeit wieder eine, Steigerung erfuhren.hat,.M hatte..81 Zpg-? linge (gegen. 46 im Vorjahr); im 'Ährlingsheim wdyn» ten, abgesehen vost den Gesellen-'31'(1904/1905 W)!' Langjährige Erfahrungenhaben gelebrt! daß-eine"er-