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Neue jüdische Presse · 1906-08-24 · Heft 33 (24.8.1906) · p. Seite 12

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 33 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12. Frankfurter Israelitisches Familienblati. Prüfung — übrigens einstimmig — beschlossen hat, zumal einzelne der Projekte erst unmittelbar vor der Sitzung aktuell wurden. Das bedeutet kein „Ziele in die Zukunft setzen" denn das Frühjahr 1907, tvo späte st ens die definitive Entscheidung fallen wird, dürfte durchaus als Gegenwart anzusprechen sein. Besonders glücklich erscheint mir die Einsetzung der Sonderkonimission, die, wie ich höre, ans den angesehensten Inden der Welt bestehen wird, und in die cinzutrctcn sich bereits die Herr Oscar S t r a u ß--Ncwyork und Dr. Paul Nathan- Berlin bereit erklärt haben. Die 'Autorität einer solchen Kommission wird nicht nur schwer ins Gewicht fallen, wenn es sich um die Beschaffung der erforderlichen Mittel handelt, sondern diese Namen bürgen auch dafür, daß die definitive Auswahl des zu besiedelnden Landes mit derjenigen Gewissenhaftigkeit und Gründlichkeit erfolgt, zu der den Rat der Jto seine bercinstigc Verantwortlichkeit vor der jüdischen Geschichte zwingt. . Auf irrtümlicher Voraussetzung beruhend scheint mir auch der zweite Vorwurf. Zivar ist die Bezeichnung „Jnteriiationalrat" sicherlich nichts weiter als eine Zufälligkeit, die nur andcnten soll, daß Vertreter aus den verschiedensten Ländern aiNvcsend waren; aber selbst wenn dem nicht so wäre, könnte man der Jto keinen Vorwurf machen. Das Ostafrikaprojekt war zunächst dem jüdisch-nationalen Forum, dem Zionistenkongreß, vorgclegt worden. Er hat cs abgelchnt. Zangwill's großes, ich möchte sagen unsterbliches Verdienst, besteht nach meiner Auffassung gerade darin, daß er es verstanden hat, Inden ans allen politischen Lagern und mit den verschiedensten Anschauungen zur Durchführung des Territvrialgedankens zu vereinen und so ihre Mittel, ihre Intelligenz und ihr jüdisches Gefühl in den Dienst einer Bestrebung zu stellen, die in ihrem Endziel dem jüdischen Volkstum zugute kommen muß. Es kommt nicht -darauf an, daß diejenigen, die die Vorarbeiten leisten, die Pläne entwerfen, die Verhandlungen führen nsw., selbst Indisch-national sind, sondern darauf, daß eine autonome jüdische, freie Kolonie geschaffen wird, in der die Siedler selbstverständlich kein anderes als ein jüdisches Volksleben zur Entwicklung bringen werden; Was man Herzl als selbstverständlich concediertc, schon weil im Zionismus die Mittel nicht vorhanden sind, nämlich, daß er an die großen jüdischen Organisationen herantrat, um mit ihnen zusammen das Ostafrikaprojckt zu realisieren, sollte man Zangwill nicht zum Vorwurf machen, der mit so augenscheinlichem Erfolg die maßgebendsten Inden der Welt für den Territorialgcdanken gewinnt, in dem ich nach wie vor das sicherste Mittcl zur Erreichung des z i o n i ft i s ch e n 'E n d z i c l e s erblicke. Mit Ihrer gütigen Erlaubnis, sehr geehrter Herr Redakteur, lverdc ich auf diese Gesichtspunkte demnächst ausführlicher in einer Betrachtung zur Frage der „Palästina-Pioniere" einzngchcn mir erlauben. Mit vorzüglicher Hochachtung D r. E. Simon so n. Bunte Chronik. Altj ü d isch e Ruinen in Bulgarien. In der alten Zaren- und Keönnngsstadt Tirnova sind bei den Erdarbciten für den Ban eines neuen Bahnhofes die Ilebcrreste eines uralten jüdischen Friedhofes bloßgclegt worden, tvobei man nicht nur aus menschliche Skelette gestoßen ist, sondern auch goldene und silberne Schnrucksachen in bedeutender Anzahl zutage gefördert hat; die Auffindung von Grabsteinen mit jüdischen Namen in hebräischen Schristzügcn läßt keinen Zweifel darüber zu, daß man cs mit den Ilcbcrresten jener 'bedeutendsten der jüdischen Kolonien aus der Zeit der selbständigen Zaren zu tun hat, deren Bestehen bulgarische Chroniken erwähnen, über deren genauere Lage man aber bisher keinen Nachweis besaß. Der I n d c n k o u v c n t i n Paris. In einer Zeit säkularer Gedenktage, in der das Leben und das Zeitalter Napoleons I. nenbelcbt erscheint, mag auch daran erinnert werden, daß in diesem Sommer hundert Jahre verflossen sind, seit Napoleon eine I n d e »s y n o d e nach Paris berief, die sich mit den gegen die Inden gerichteten Beschwerden befassen und an deren Beseitigung Mitwirken sollte. Da diese Synode sich ans Juden aller Länder zusaminensetzte, so wollte man darin eine Absicht Napoleons erblicken, mit Hilfe der Juden Europas politische Pläne' zu verwirklichen, während die Motive, die den Kaiser zur Einberufung der Synode veranlaßt hatten, keineswegs mit Politik in Verbindung standen, sondern lediglich bezweckten, die Juden, denen damals größere bürgerliche Rechte verliehen ivnrden, als sic bisher besessen hatten, möglichst schnell der bürgerlichen Gesellschaft anzuglicdcrn. Als Napoleon nach der Schlacht bei A u st e r l i tz nach Paris znrückkchrte, wurde ihm ans der Durchreise durch Straß bürg vom dortigen Präfekten mitgetcilt, daß sich die kleinen elsässischen Inden im Gegensatz zu den reichen Bankiers, „die immer rechtliche Männer gewesen sind", häufig finanzielle Unregelmäßigkeiten zu Schulden kommen ließen, und daß sich infolgedessen ein großer Unwillen gegen sic zeige, der den Wünschen des Kaisers auf völlige Gleichberechtigung der Inden und Christen erschwerend in den Weg trete. Daraufhin erklärte der Kaiser, Nr. 33. daß die Juden selbst am geeignetsten erschienen, die in ihrer Mitte auftretenden Mißstände zu beseitigen, und er berief zu diesem Zweck den Judenkonv e n t nach Paris. Große Verdienste um diese Synode hatte sich der französische Senator Greg o i r e erworben, der tut Sommer 1805 Deutschland bereiste und die Lage der deutschen Inden zum Gegenstände besonderen Studiums gemacht hatte. Der braunschweigische Finanzagent Jacobsochn leitete damals in Seesen eine jüdische Nvrmalschnle, und während eines längeren Aufenthalts hatte Gregoire seine Erfahrungen, die er aus dem Verkehr mit den deutschen Juden gewonnen hatte, praktisch hier vertieft. Nach Frankreich zurückgckehrt, schrieb er tut Magazin encyclopodiquc einen interessanten Aufsatz zuni Lobe der Inden, fand auch an dem Minister Portalis einen verständnisvollen Förderer seiner Ideen,, aber die Deutschen überschätzten seine Stellung und auf die Synode selbst 'ist er trotz seiner Verdienste ohne Einfluß gewesen. Der erste Lehrer der Schule in Seesen, ein gewisser Schottländer, reiste persönlich nach Paris, um ein Sendschreiben der deutschen Juden dem Kaiser zu übergeben, aber seine Hoffnung, daraufhin Sekretär bei dem Konvent zu werden, erfüllte sich nicht. Es' hatte Anstoß erregt, als er im Kreise seiner Glaubensgenossen eine Schrift verbreiten ließ, in der sich der Satz befand: „Nr. Zcliottlaondor s’est transporte;i Paris pour eclairer la dcpntation de scs lnmiöres" und auf Befehl der Regierung war diese Schrift unterdrückt worden. Als nun jetzt ein Freund von ihm eine ausführliche Darlegung der Schnlverhältnisse in Seesen veröffentlichte und dabei' die Sorge anssprach, daß die jüdische Religion ans dieser Synode vernichtet werden könnte, sah Napoleon sich jn seinen.Absichten gehemmt und befahl kurz liitb bündig, daß über den Judenkonvent oder über Streitfragen, die damit zusammenhingen, auch nicht'das Geringste mehr gedruckt werden dürfe. „Frkf. Ztg." Aus der Geschäftswelt. Eine wirklich praktische Erfindung für jeden Hausbesitzer, von der in der ersten Vcrsuchsstaöt Leipzig bis Ende 1905 nahezu 700 Apparate verkauft worden sind, bringt Herr Christoph Heinrich Krcssel (Bureau: Hansahans, Stiftstraße) jetzt iii Frankfurt zur Einführung. 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