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Neue jüdische Presse · 1906-08-24 · Heft 33 (24.8.1906) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 33 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Oesterreich-Ungarn. Wien. Jüdische Gesellschaftsreise nach Palästina. Der Zionistische Zcutral-Vcrein in Men veranstaltet Ende Oktober d. I. eine jüdische Gesellschaftsreise nach Palästina mit folgender Reiseroute: Wien—Budapest—Bukarest—Konstanza (ober . Sofia—Adrianopel)—Konstantinopel—Jaffa Sarou— Lida—Vcth Dagau—Hazar Saul—Gebirge Juda— Ärtnff—Bethir—Jerusalem—Oelberg—Jericho—Jordan—Totes Meer, die Umgebung Jerusalems—Mozza (Zeder Dr. Hcrzls) Amuas—Ramleh—Rischon l'Ziou -r-Mikwc Jisrael—Jaffa—Rahar cl Anasche—Pctah Tikwa—Jaffa—Bcyrouth—Libanon—Rahar cl Kclb— Ras Bcyrouth—Konstantiuopcl—Budapest—Wien. I» den einzelnen Orten Palästinas und Syriens wird genügend Aufenthalt genonunen werden, um alle Schcndwürdigkcitcn unter Leitung sprach- und ortskundiger Führer kennen zu lernen. Der Tcilnahnicprcis, in welchem Fahrt, rituelle Berpflcgnng, Kosten der Ausflüge mit inbegriffen find, beträgt ab Wien Kr. 547, ab Budapest Kr. 530. Anmeldungen.für diese Reise werde» bis spätestens 15. September l. I. angenommen und sind an den Zionistischen Zcntralvcrcin, Wien, IX., Türkenstraste 9, zu richten: ebendahin sind gleichzeitig als sicherstellende Anzahlung Kr. 150 cinznscnden. Der Restbetrag ist bis io. Oktober l. I. zu entrichten, ivoraus der Mitreisende die Tcilnchmerlegitiination erhält. Budapest. Ernennung von jüdischen Mä gnatenh an smit g li cd e rn. In der Generalversammlung des MunizipalauSschusscs des Tolnaer Komitats wurde folgender Antrag des AiunizipalausschußmitgliedcS Bcla Bartal mit großer Majorität angenommen: „Da nach der bisherigen Uebnng die Ernennung israelitischer Vertreter im Magnatcnhause gewöhnlich nur aus den Reihen des Großkapitals erfolgt, ivas weder den Rechten entspricht, die den Juden durch die Rezeption gewährt wurden, noch auch der Billigkeit, und was überdies dazu beiträgt, daß die öffentliche Meinung das Großkapital mit dem Judcntui» identifiziert, möge das Komitat an den Kultnsminister eine Petition richten, daß er bei Sr. Majestät die Ernennung eines hervorragenden Vertreters der israelitische» Konfession zum Magnatenhansmitglied vorschlägt." Budapest. Der Antisemitismus in Ungarn nimmt ständig zu: ts geschehen fortwährend Ereignisse, die dieses Faktum konstatiere». So wies kürzlich der stellvertretende Finanz-Bezirksdirektor in Debrezin das Gesuch eines Inden um eine Tabak- und Schcnk-Lizenz mit dem Bemerken ab, daß cs „schon genug jüdische Trafikanten und Schanker gebe". ' Lemberg. Jüdisch: Mandate in Galizien. Reichsrats-Abgeordnetcr Regicrungsrat Dr. S c i n - selb'hat an das Präsidium der Lembcrger Israel. Kultusgcincindc ein Schreiben gerichtet, in welchem er zunächst darauf hinwcist, daß nach der zwischen den« verstorbenen Abg. Dr.. Byk und dem Polcnklub getroffenen Vereinbarung acht Mandate auf Grund der neuen Wahlreform jüdischen Kandidaten zufallcn sollten, daß jedoch durch die Reassmnierung der ans Galizien bezüglichen Llbstimiuungcii im Wahlrcformausschusse diese Vereinbarung hinfällig und eine neue Wahlkreis-Einteilung getroffen wvrdeii sei, durch welche die Zahl von acht jüdischen Mandaten nicht mehr gesichert erscheine. Infolge dessen möge das Präsidium der Lemberger KNltusgcmeindc die Vorsteher der übrigen Kultusgemeindcn Galiziens zu einer anfangs September 'in Lemberg abzuhaltcnden Konferenz cinberufen, ans welcher diese Frage diskutiert und beschlossen werden soll, an das Präsidium des Polenklnbs mit dem Ersuchen heranzutreten, daß mit Rücksicht auf die neue Wahlkreis-Einteilung auch eine neue Vereinbarung bezüglich der Zahl der jüdische» Mandate getroffen werde. . Äesmnrk. Palästina-Esraugim. Der Vorstand der hiesigen 1100 Seele» .zählenden jiid, Gemeinde erläßt folgende Bekanntmachung: „Der Vorstand der Kesmnrker orthodoxen Gcmeindc erteilt den Esraugim-Händlern in Kesmnrk die Weisung, ausschließlich Erez-Jisroel-Esraugiui am Lager zu halten: widrigenfalls wird die Gemeinde alljährlich Palästina-Esraugim in eigener Regie bestellen und dieselben an die Reflektanten zuin Selbstkostenpreis abgebcn. — Zugleich seht der Vorstand von diesem seinem Beschluß alle .Nachbargemeinden in Kenntnis, mit de». Ersuche», baß sie znm besten von Crcz Jisroel in gleicher Weise Vorgehen mögen." Schweiz. Zürich! Ueber den Sabbat beobachtende Christen a m G e n f c r s e e bringt das hiesige „Jsr. Wochenbl. f. d. Schweiz" einen interessanten Artikel, dem loir folgende Stellen entnehmen: „Was? Gibt cs hm Gensersee solche Fromme, die den Schabbes so heilig halten? Ja, lieber Leser, es gibt hier fromine von echt religiöser Gesinnung durchdrungene Menschen, die den Sabbat heiligen und ihn als strengen Ruhetag beobachten, nur sind cs - — leider — keine Juden. Christen sind es, die den Sabbat hier heiligen und sich jeder Arbeit an demselben enthalten. Strenggläubige Christen habe» s. Z. (seit wann, wissen >vir nicht genau) es herausgcfnndcn, daß die Sonntagsruhe biblisch nicht begründet werden kan», daß der Tag, den Gott für die Menschen als Ruhetag eingesetzt hat, nicht Sonntag, sondern Samstag ist und dieser müsse als solcher geheiligt und beobachtet Iverden. Ansangs tvarcn es ihrer nur wenige, die sich zur Rückkehr zuin altbiblischen Gesetze — freilich nur in diesem Punkt — entschließen wollten, heute bilden sic schon eine stattliche Zahl und sind fast in allen Ländern anzutreffen. In Amerika allein sollen sic über 80 000 Anhänger haben. Sie nennen sich I.S8 aäventitckes ,Ill oeptieme jour, die Adventislen vom 7ien Tage oder Snbbatisten. In der Schweiz sind sie ebenfalls ziemlich stark vertreten: am stärlsten aber in der französischen Schweiz. Fast an jedem größer» Orte ist eine Sabbatistengenieinde anzntrefsen. Im Sommer veranstalten sic jedes Jahr in einem andern Orte ein Zeltlager, zu ivclchein nicht nur die in der Schweiz wohnenden wallfahren, sondern auch Abordnungen ans allen Ländern und Weltteilen erscheinen. Es ist interessant und lehrreich dieses Schauspiel initanzusehen. Ungefähr hundert leinene Zelte sind auf einem Platze aufgestellt, in welchen die Wallfahrer Unterkunft finden. Die Zelte sind sehr hübsch nnsgestattct und praktisch eingerichtet. Zivischen den Familicnzelten ist ein großes, zirkusartiges Zelt ausgestellt, welches als Bet- und Versainmlnngslokal dient. Wie der religiöse Jude, verrichten auch sie dreimal täglich, morgens, mittags und abends ihre Gebete. In der Zwischenzeit werden Konsercnzen und Versammlungen abgehalten. Sie entfalten eine außerordentliche Regsamkeit und gewinnen immer mehr an Boden. Bis »ach Afrika hinein sind sie gedrungen und haben dort ihren Glaube» und Lehre zu verbreiten gesucht und mehrere Sabbatistcngemcinden gegründet. Tie legen einen Eifer und eine Opferwilligkeit au den Tag, um die wir sie beneiden dürfen. Predigten und Vorträge Iverden in allen Sprachen gehalten. Wie in alter Zeit der Mcturgcinon steht hier au der «eite des Vortragenden ein Uebersetzcr,' der jeden Satz ins Französische überträgt. Freitag Abend war ans dem Lagerplatz besonders bewegtes Leben, da sich alles auf den Sabbat vorbereitete. Um 8 Uhr ging alles festlich gekleidet zum Gottesdienst. Nachdem die Versammlung, aiis ca. 350 Personen bestehend, im Chor mit Harmvniumbegleitung ein Tabbatlied gesungen und ein sehr schönes, dem Moment entsprechendes Einlcitungsgebct gesprochen, folgte die Predigt, welche den Kulminationspunkt des Abends bildete. Die Worte, die wir unserer heutigen Betrachtung zu Grunde legen, begann der Prediger, stehen anfgezeichnct in Jcsaias Kap. 58, 13—14, und lauten folgendermaßen: Wen» dn deinen Fuß von dem Sabbat kehrest, daß du nicht tust, was dir gefällt, an meincin heilige» Tage, so wird cs ein lustiger Sabbat heißen den Herrn zu heiligen und zu preisen, denn so wirst du denselben preisen, wenn du nicht tust deine Wege, noch darin erfunden werde, was dir gefüllt, oder was du redest. Alsdann wirst du Lust haben am Herrn, und ich ivill dich über die Höhen ans Erden schweben lassen, und will dich speisen mit dem Erbe deines Vaters Jakobs; penn des Herrn Mund sagt cs. An diese Mahnung des Propheten Jesaias, welche er an Israel richtete, sich anlchnend, sprach der Redner über eine Stunde lang mit einer hinreißenden Begeisterung von der Heiligung des Sabbats, so daß Ich mmoentweise glauben konnte, ich sei in Wolkowizk im Bcth hamidrasch nnd höre den berühmten Kelmer Maggid mit seinen zündenden, fast feuerspeienden Strafrcden für die Entweihung des Sabbats. Sehr viele spotten unser und meinen, wir wären Ignoranten. Lasset sie spotten. Wir wissen, daß es einen Gott gibt, der in seiner Allmacht die Welt ins Dasein rief, der alles erschaffen und alles erhält, nnd das genügt uns. Uns ist wohl dabei und wir fühlen uns in diesem Bewußtsein glücklich. Wir wissen, an wen wir uns zu halte» haben, nnd Nüssen die Bedeutung unseres Lebens. Das wissen diejenigen, die uns mit einem mitleidigen, geringschätzigen Lächeln ansehcn, nicht. In dieser Weise sprach der Redner über eine Stunde lang derart eindringlich, ermahnend und ansmuiiternd, daß ich momeutweise wirklich in einem russischen Bcth hamidrasch zu sein nnd den Kelmer Maggid mit seinen feuerspeienden, aber packenden Strafdrohungen und sprudelnden Moschclich zu hören geglaubt hätte, wenn mich nicht der Anblick der unbedeckte» Hauptes sitzenden Zuhörer belehrt hätte, daß ich mich in keiner jüdischen Versammlung befinde. Ein Gefühl der Wehmut bemächtigte sich aber meiner beim Anblick dieser Erscheinung und ich konnte mich des Stoßseufzers nicht enthalten: Ach, wie sicht cs bei uns aus mit dem Schabbos? Wie begründet wären derartige Mahnungen in unser» Gotteshäusern! —" Rußland. Petersburg, 17. August. In einer Unterredung mit einem Redakteur der „Birsch. Wjcd." bestätigte der Direktor des Polizeidepartemcnts, Arbusow, daß alle in der In den frage noch von Dur- Nr. 33. nowo llnd Plehwe gesammelten Materialien gegenwärtig dem Ministerium des Innern übergeben worden sind. Es sind meistenteils Berichte der Gouverneure über die Lage der Juden in ihren Provinzen, ihre Lebensweise, ihre Tätigkeit und ihre Beziehungen zu der christlichen Bevölkerung. Die Bearbeitung dieses kolossalen Materials soll zur Zeit der 'Einberufung der zweiten Duma fertiggestellt werden. Arbusow bemerkte auch, daß diese Arbeit in der Form eines Buches zurallgemeinen Benützung veröffentlicht werden wird. Auf die Frage, ob cs währ sei, daß der Minister des Innern schon jetzt beschlossen habe, de» Juden den a l l g c - m einen Aufenthalt zu gewähren und die Beschränkungen auf dem Handelsgebiet ansznheben, antwortete Arbusow, daß diese Behauptung in dieser Form nicht richtig ist. Richtig sei nur, daß er, Arbusoiv, diesen Vorschlag gemacht, das Ministerium aber noch keinen Beschluß in dieser Frage gefaßt habe. Petersburg. Bezeichnend fürdas Regime S t o l y p i n. Der Prokurator am Appellhvfe in Wilna, ließ eine U n t c r s n ch u n g ü b e r d i e B o r - fälle in Bjclostok aufstcllen. Er sorgte dafür, daß auch die Tragweite der Schuld der Bjelvstokey Behörden fcstgcstcllt wurde. Daraufhin ist er n a ch Charkow versetzt worden, denn den leitenden Kreisen in Rußland war cs unbequem, daß die Untersuchung Pie schwere Mitschuld der Behörden an dem furchtbaren Pogrom ergeben würde. Nun führt der Untersuchungsrichter in Bjclostok die Sache nnd .diesem war cs sofort klar, daß die Juden die Schuld haben müssen. Warschau. Ueber die Lage derGeisteskranken unter den russischen Juden hielt kürzlich Herr Dr. Wiesel einen Vortrag. Nach Bcreck'nung dc-s Herrn Dr. Wiesel dürfte es unter den 1300 000 Juden Polens 4000 Geisteskranke geben, nnd von diesen ist nur für 215 gesorgt (150 im Warschauer Jüd. Spital, das eigentlich nur für 100 eingerichtet ist, 50 im Heim für alte Leute in Warschau nnd 15 in Lovz). Amerika. Rew-Uork. Das Gesetz über die Erschwerung der Naturalisation, das nunmehr vom Kongreß 'angenommen worden ist, hat unter den Juden des Newyorker Judenviertels eine große Aufregung hervorgcrufen. Nach dem neuen Gesetz wird mit Ausnahme der Personen, welche sich bereits vor dem 29. Juni, dem Tage der.Mnmhme der Bill, bereits zur Naturalisation gemeldet haben, vom 27. September ab niemand 'mehr naturalisiert, der nicht des Englischen mächtig ist. Da die meisten Inden von Newhork es bisher verabsäumt haben, sich das amerikanische Bürgerrecht zu sichern, und da ferner die meisten jüdischen Einwanderer die englische Sprache nur mangelhaft beherrschen, so ist das Gesetz ein schwerer Schlag für sie. ' Nebst der Forderung der Kenntnis des Englischen enthält die neue Bill noch eine ganze Reihe weiterer Erschwerungen der Naturalisation. So muß zwischen der Anmeldung der Naturalisation und der Gewährung derselben eine Zeit von 2J/I* Jahren liegen. Die Naturalisation selbst erfolgt auf Grund einer zweiten Eingabe, welche spätestens sieben Jahre nach erfolgter Anmeldung einzureichen ist, widrigenfalls die erste Anmeldung erlischt und der Petent mindestens weitere zwei Jahre zu warten 'hat. ' In der Anmeldung zur Naturalisation muß das genaue Nationale des Petenten sowie das Datum der Landung und der Name des Schiffs, mit dem die betreffende Person angckommcn ist, enthalten sein. Die gleichen Angaben müssen auch in der Bittschrift wegen Gewährung des 'Bürgerrechts gemacht werden. Eine Namensänderung, wie sie bei den meisten Immigranten bisher üblich war, ist 'ans diesem Grund von nun an unmöglich. Eine zweite überaus wichtige Bestimmung der neuen Bill richtet sich gegen diejenigen, welche in den Vereinigten Staaten sich das Bürgerrecht erwerben, um dann als amerikanische Untertanen dauernd iin Auslande zu leben. Fortan muß jeder neue Bürger die ersten fünf Jahre Nach erfolgter Naturalisation dauernd in den Bereinigten Staaten wohnen, widrigenfalls die' Naturalisation wieder annulliert wird. ' Palästina. Jerusalem. Zwei Juden haben hier eine große Dampf m ii h l e gekauft, sie werden dieselbe nach europäischer Art einrichten. Die Mühlen-Jndnstrie hat in Palästina sich bisher in den Änfangsstadicn befunden. — IN Jaffa wurde ein Verein „Jvriah" zur Pflege der hebräischen Sprache nnd ein Verein „Achdus" zur Vereinigung der aschkenasischcn und sephardischen Jugend auf nativnaler Grundlage gegründet. Siid-Afrika. Kapstadt. Von einem Krokodile aufgefressen wurde bei einer Exkursion der jüdische Bnhnbeamtc Wormann aus Salisbury, als er den Kasu-River durchschwimmc» wollte._

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