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Neue jüdische Presse · 1906-08-10 · Heft 31 (10.8.1906) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 31 (10.8.1906)
Date
1906-08-10
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 31. ' Frankfurter JsraeMWes FamilkeErS. Seite 11. ' Jahrbuch III der Indisch-Literarischen Gesellschaft (Sitz Frankfurt a. M.) 1905—5666, Frankfurt a. M, I. Kauffmann, 1905, 318 und 59 S. Die genannte J.-L. Gesellschaft ist'ihrem, bei ihrer Begründung gefaßten Beschlüsse, jedes Jahr mit einigen wissenschaftlichen Arbeiten vor die Oesfentlichkeit zu treten, auch diesmal '.nachgekommen. Vor uns liegt das 3. Jahrbuch, das allerdings keine neue größere Arbeit enthält, sondern rin zweiten Jahrbuch begonnene Arbeiten fortsetzt. So fue Biographie des R. Akiba Eger, von welcher wir schon bei Besprechung des ersten .Teiles der Arbeit erwähnten, daß wir es hier mit einer objektiven sowohl, als auch gut zusammenfassenden Arbeit zu tun haben. Hat uns der erste Teil die JUgendjahre R. A. Eger's und seine Wirksamkeit als Rabbiner in Lifsa und Märkisch-Friedland vor Augen geführt, so sehen wir in dem vorliegenden Schlüsse der Arbeit diesen wahrhaft Großen in seiner von der ganzen Welt ausnahmslos anerkannten, segensreichen Wirksamkeit in der großen Gemeinde Posen. Wir sehen, wie er sich hier die ungeteilte Anerkennung aller Kreise, auch derer, die ihn aus vermeintlichen Kulturinteressen anfangs bekämpften, und auch die Anerkennung der Landesbehörden erringt. Was dies aber bewirkte, nämlich die ganze Persönlichkeit R. Akiba's, wird in der vorliegenden Arbeit nach den verschiedenen Seiten seiner Wirksamkeit gut dargestellt. Mit Benutzung der Aufzeichnungen, der Gcmeindcbücher, Archive und in allererster Reihe auf Grund des reichen Briefmaterials, unter diesem besonders der Rcsponsen, ist 'es Dr. Wres ch n e r gelungen, ein gutes Gesamtbild dieses noch heute bei allen Parteien, in hohem Ansehen und in ehrendem Angedenken stehenden Godaul herznstellen. Die Arbeit hat überdies noch den Vorzug, daß sie im Rahmen der Biographie Eger's ein Bild von den kulturellen Verhältnissen der Inden im Osten Deutschlands in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts bietet; ein Bild der Kämpfe im JNnern, in welchen das traditionelle Judentum hem radikalen Fanatismus der .Glanbensstürmer im eigenen Lager gcgenüberstand; ein Bild endlich der gesellschaftlichen Lage der JUdenheit, wie sie sich zur Zeit der Vorkämpfe für Emanzipation und für soziale Gleichstellung in der Osiprovinz gestaltet hatte. Auch in diesem Jahrbuche tritt Dr. Kottek- H o m bürg mit einer größeren H a l e w y' s „D orot Horischouim" betreffenden Arbeit hervor. In zwei früheren Abhandlungen setzte sich K. mit den Rezensenten des Halewh'schen Werkes, Eltbogen, Epstein und Bacher auseinander. Mt beiden ersteren in der Schrift „Rückschritt oder Fortschritt in der jüdischen Geschichte", mit Bacher in einer größeren Entgegnung, erschienen im 2. 'Jahrbuche der Gesellschaft. In der vorliegenden Arbeit greift K. einige Partieen aus dem „Dorot Horischouim" hervor, die von größerer Wichtigkeit für die ganze Darstellung und Auffassung der jüdischen Geschichte überhaupt, speziell aber des Talmuds und der Halacha, sind, und in denen Halewy die hierauf bezüglichen Hypothesen der bisherigen jüdischen Geschichtsschreibung auf ihren wirklichen Gehalt reduziert hat. So z. B. die auf Grund vieler Stellen aus dem Talmud erbrachte Zurückweisung der Annahmen Graetz' und Weiß', wonach die spitzfindige und sophistische Lern- und Lehrweise der beiden amoräischen Schulhäupter, R. Chisda und R. Jehuda, viele babylonische Gelehrte veranlaßt hätte, den heimischen Schulen den Rücken zu kehren und die palästinensischen Schulen äuszusuchen. Indem nun Halewy die von Weiß und Graetz angeführten Beweise zurückweist, erklärt er gleichzeitig das „Nechuthe"-Wesen, wie es während der ganzen Zeit des Bestehens der Schulen Palästina's und der jenseits des Euphrats gewesen, daß es nämlich während dieser Zeit immer Gelehrte gegeben, die durch ihr Hin- und Her-Reisen einen gewissen Zusammenhang und einen regelmäßigen Meinungsaustausch zwischen den Schulen beider Länder hergestellt haben. Wir sehen des Weiteren H. gegen die Annahme auftreten, als seien die Metiwtha's mehr ein beratendes und beschließendes Synhebrion, eine Art Parlamente gewesen, während der Lehrzweck nur eine nebensächliche Rolle spielte. K. zitiert die einschlägigen Stellen aus „Dorot.H." in extenso. lieber den eigentümlichen und traurigen Zustand der Inden Prag's und Böhmens z.Zeit des österreichischen Erbfolge-und des siebenjährigen Krieges handelt eine handschriftliche Aufzeichnung mis der damaligen Zeit, die S. H. L i e b e n - P r a g im vorliegenden Jahrbuch im Urtext, wie auch in deutscher Uebersetzung, veröffentlicht. Wie die im zweiten Jahrbuche über diesen Zeitpunkt (1744—54) veröffentlichte Rosenbacher'schc Handschrift, ist auch diese (die Breslauer genannte, weil im Besitze der Seminarbibliothek daselbst) nur Fragment, wie sie denn auch zum großen Teil mit der ersteren wörtlich übereinstimmt. Die mit der ersten vollständig korrespondierenden Teile hat L. in der vorliegenden Publikation weggelassen. Die Handschrift berichtet über die Plackereien, denen die Juden Prag's während der genannten Feldzüge von Leiden kriegfiihrenden Teilen ausgesetzt gewesen sind, welche Vexationen schließlich mit der Ausweisung der Juden aus Prag endeten. Die Chronik berichtet weiter über die unerträglichen Brandschatzungen seitens der Regierung Maria Theresien's, unter welchen die JUden schwer zu leiden hatten. Später, als die JUden zum Teil wieder nach Prag zurückgekehrt waren, kam es zwischen der Prager Judenschaft und den Exulanten, den Juden, die sich in den Landgemeinden Böhmen's niedergelassen, wegen der Aufteilung der aufzubringenden horrenden Steuern zn argen Reibungen; ein Umstand übrigens, der bei der unrechtmäßig hohen Besteuerung der Juden eine stetige Gefährdung des Friedens innerhalb der Judenschaft bildete. S. T. „ZurEinleitungindieMechilta de Rabbi Simon ben Jochai" teilt Dr. D. H o f f m a n n noch einige weitere Momente mit, die die Authentizität, das hohe Alter und das Verhältnis dartun, in welchem diese „Mcchilta" zu den anderen „Midraschim" steht. 'Ms Verfasser der Mcchilta nennt Hoffmann Chiskijah, den einen der Söhne R. Chija's und wäre nach dieser Annahme diese Mcchilta identisch mit dem im Jeruschalmi erwähnten „Tana de be Chiskijah". Inhaltlich steht die Mcchilta de R. Simon ben Jochai (die ihren Namen daher führt, weil sie mit „R. Simon V. Jochai" beginnt; nach andern, weil sie diele Stellen yufweist, die auch in dem R. S. b. I. zugesprochenen Sifrü de be Rab Vorkommen) dem Sifrö de be Rab, d. h. dem vom Talmud immer zitierten Sifrs, wie auch der auf uns gekommenen „Mcchilta des .R. Jismael" am nächsten. Dr. H. hat die besagte „Mcchilta d. R. S. b. I. zu Exodus vor 'einem Jahre nach den vorhandenen Quellen redigiert und mit einer Einleitung herausgegebe». (Frankfurt 1905.) lieber verschiedene, in Kreisen, die sich mit dem Talmud beschäftigten, früher gebrauchte, jetzt aber kn Vergessenheit geratene „Termini" berichtet Rabb. Dr. Ehrentren-München. Es sind dies die Ausdrücke „Nürnberger" und „Regensburger", so benannt nach gewissen Methoden, die speziell in den Jeschiboth der genannten Städte kultiviert worden sind. — Dr. Löwenffein-Mosbach gibt eine kurze Biographie der Rabbiner von Mainz vom Jahre 1615—1846. Mehrere dieser Rabbiner: haben Judenlandtage geleitet, die pon den Kurfürsten zur Ordnung der Angelegenheiten der Juden des Obererzstiftes Mainz einberufen worden waren. Einen Beitrag zur Geschichteder hebräischenTypographie, deren Bearbeitung die Lit. Ges. schon in ihrem ersten Jahrbuche begonnen, liefert Prof. A. Berliner. Es ist diesmal die berühmte Offizin des Daniel Bömberg in Venedig, aus welcher viele Ausgaben mrs der frühesten Zeit des hebräischen Druckes stammen. In dem vorliegenden Teile handelt der Verfasser Aber den genannten Begründer her Druckerei und seine Helfer, darunter auch den bekannten Korrektor hebräischer Bücher, Chija Meir ben David. Dr. Lewin-Kempen setzt seine Publikationen der Urkunden zur G eschichte der Vierländer-Synode fort. Die veröffentlichten Aktenstücke sind den Posener Gemeinde- und Synagogenbüchern entnommen und erstrecken sich auf den Zeitpunkt von 1597—1762. Die Zusammenstellung des, wenn auch sehr mangelhaften, Aktenmaterials wird hoffentlich einer künftigen historischen Beleuchtung der höchst sonderbaren JUstitution des ,Maad arba arozauß" den Weg bahnen. Es folgen noch Dr. Silberberg-Schrimm mit einer Arbeit über ein handschriftliches Werk des Mordechai Comtino (im 15. Jahrhundert), Prof. Dr. Sulzbach-Frankfurt a. M. mit einer Besprechung des zweiten Teiles des Werkes „Sefer Haittim des R. Jehuda b. Barsilai aus Barcelona". Unter dem Titel „C h o s z e n j e s ch u a u s" ediert Prof. S u l z b a ch bisher verstreute handschriftliche Aufzeichnungen betr. die Erklärung der Kethuba-JUstitution und des Kethuba-Wortlmckes von R. Elieser b. Joel Halewy und die Erklärung des Scheidebriefes „Binr Ha'Get" von R. Simon ans Chinon. Dr. Philipp Frankl. Bunte Chronik. Der Erfinder des Automobils. Unter diesem Merkwort schreibt ein „alter Wiener" in der „Wiener Mendzeitung": Wenn man von Automobilen spricht, hört man allenthalben die Behauptung, die auch in Lehrbüchern borkommt, daß der Amerikaner Edison oder die Deutschen Ackermann und Deimler, oder ein Franzose, die Erfinder des modernen Automobils gewesen seien. Vom wirkliche» Erfinder Siegfried Markus ist entweder gar nicht ober nur sehr nebenher die Rede. Daß das erste Automobil durch die Straßen von Wien gelaufen ist, wissen nur sehr wenige. Unter dem Titel „Der Motorwagen" hat der gerichtlich vereidete Sachverständige Hugo Güloner ein vielgebrauchtes Lehrbuch veröffentlicht, in welchem, nach einem kurzen Ueberblicke über die Entwicklung des modernen Motorwesens, die Angabe enthalten ist, „daß Markus 1883 als einer der ersten den Viertakt-Benzin-Motor kn Anwendung gebracht habe". JU Wien weiß man und anderwärts sollte man es auch endlich wissen, daß der Viertakt-Benzinmotor von Markus schon im Jahre 1873 auf der großen Weltausstellung zu sehen war; die Beschreibung ist enthalten ün dem großen Katalog dieser Weltausstellung, welcher in der k. k. Staatsdruckerei erschienen ist. Der Wagen, mit welchem Siegfried Markus mit einigen Wienern, die heute noch leben, seine ersten Fahrten durch die Straßen von Wien gemacht hat, befindet sich auch noch in Wien, und zwar bei dem Wagen- und Motorenfabrikanten Löhner. Im vorigen Jahre kamen aus Amerika Fachleute herüber, um den Katalog der Wiener Ausstellung von 1873 und Zeichnungen des Markus- Wagens bei Löhner zu erwerben und mitzunehmen behufs Konstatierung der historischen Tatsache. Nach dem Tode von Siegfried Markus brachten die Wiener Zeitung und die Neue Freie Presse seine Biographie und die genaueren Mtteilungen über diese ersten Motorfahrzeuge. Kunst und Literatur. Der politische Zionismus. Sein Ziel, seine Organisation, seine JUstitutionen. Herausgegeben vom Zionistischen Zentralverein in Wien. II. Auflage. Preis 30 Heller. Wien 1906. Im Selbstverläge des Vereins. Eine vortreffliche Agitationsbroschüre, der man nur weiteste Verbreitung in zionistischen und noch mehr in nichtzionistischen Kreisen wünschen kann. Sie ist auf's vorzüglichste geeignet, in die Ideenwelt des Zionismus einzuführen. Da ist auch kein Wort zU viel und keines zu wenig. Auf 32 Seiten werden die Geschichte, die Ziele und Zwecke, die Arbeit und JUstitutionen des Zionismus Und die Organisationsform desselben abgehandelt. Mit besonderer Liebe verweilt der Verfasser bei der Schilderung der Tätigkeit der Palästinakommission. Natürlich sind die speziellen Verhältnisse in Oesterreich besonders berücksichtigt. Wir möchten die Broschüre als, Muster zur Abfassung von Agitationsbroschüren anderen Ländern wärmstens empfehlen. W. H. Zionisten und Territorialisten. Vortrag, gehalten in Antwerpen im Aufträge der Belgischen Zionistischen Landesföderation von Ludwig Mer landein Preis 30 Cent. Verlag „Hahllwoh", Antwerpen. Jeder ehrliche Zionist kann nur wünschen, daß zwischen Zionismus und Jto möglichst bald eine reinliche Scheidung stattfindet. Jede Verquickung des Zionismus mit Bewegungen der Jto kann demselben nur schaben und zur Verwässerung desselben führen. Merlander hat das Verdienst, mit seinem Bortrage präzis auf die unerträglichen Gegensätze zwischen Zionismus und Jto hingewiefen zu haben, und es ist sehr dankbar zu begrüßen» daß der geistvolle Vortrag gedruckt wurde und dadurch von möglichst Vielen gelesen werden kann. Merlander wirst den Territorialisten' vor, daß sie der Fahne nicht treu geblieben sind; Zangwill hätte innerhalb des Zionismus für seine Ansicht Propaganda machen und sich bestreben können, die Minorität in eine Majorität nmzuwandeln. Bei ihrer Selbstgestaltung ist die Jto aber völlig vom nationalen Programm abgekommen, weil Herr Zangwill alle Konzessionen machte, die nötig waren, um mit Assimllanten und Nichtjuden zusammen zu seiner Gründung gelangen zn können. Artikel 1 der 5ion-

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