Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 23 (15.6.1906)
- Date
- 1906-06-15
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Dampfmühlen — kam nach Wien als Advokat und' verlor 1873 sein Vermögen. Er ließ sich um diese .Zeit taufen, kehrte aber kurz vor seinem Tode zum Judentume zurück. Carlo Schaurer wurde als Jude erzogen, seine Mutter, eine geborene Natkis aus Lemberg, starb als Jüdin und wurde in Rom begraben, ob jedoch Carlo Schaurer heute noch Jude ist, ist dem Berichterstatter nicht bekamll. Wie». Verleihungen. Anläßlich seines 50jährigen Jubiläums als Mitglied des Burgtheaters ist Ritter von Sonnenthal das Komthurkreuz des Franz Joseph-Ordens verliehen worden, eine Dekoration, die bisher noch nie einem Schauspieler verliehen wurde. Bernhard Popper, Direktor des Wiener Bankvereins, erhielt die Eiserne Krone dritter Klasse. Bukarest. Ein jüdischer Oberstleutnant in der rumänischen Armee! Der langjährige Kassierer des rumänischen Hofes, -Major Brozin e r, wurde zum Oberstleutnant befördert. Brociner hat de» türkisch-rumänischen Feldzug als Sergeant . Mit Auszeichnung mitgemacht; er wurde bei der Erstürmung von Grivitza schwer verwundet und noch aus dem Schlachtsclde zum Leutnant besördert. Mailand. Sterbesall. Hier starb Cab. Arnold» di Davidi llsigli, Chefredakteur des von Paul Montegazza gegründeten Journals „La nature" und Direktor der. „L'industria". Paris. Beförderungen. Oberstleutnant Auscher in Brianyon ist zum Oberst, Eskadronchef Bernard zum Oberstleutnant und Kapitän Cerfist zum Bataillonsches besördert worden. New-Nork. Sterbe fälle. Der jüngst verstorbene bestaunte Sch achmeister Maximilian Judd wurde 1851 in Krakau (Galizien) geboren und hieß ursprünglich Max Judkiewicz. 1862 wandert» er nach Amerika aus, feste erst in Washington, dann in St. Louis, wo er eine Mantelmanufaktur betrieb. 1893 ernannte ihn. Präsident Cleveland zum Generalkonsul in Wien, welchen Posten er bis 1897 inne hatte. Nach Amerika zurückgekehirt, nahm er an den jüdischen Wohltätigkeitswerken lebhaften Anteil. Besonders bekannt war Judd aber als ausgezeichneter Schachspieler. Nach mehreren kleineren Erfolgen gewann er im Jahre 1882 den ersten Preis in Cincinnati, und im Jahre 1876 den zweiten Preis in einem großen Tournier, ebenso den ersten Preis anläßlich des großen Schachmeisterkongresses in Chicago im Jahre £893. Judd spielte mit Steinitz und Zuckerort unter gleichen Bedingungen und gewann fast jedes zweite Spiel. In Philadelphia starb der angesehene Apotheker Pinkas Rovno (geb. 1882 in Minsk). R. zeichnete sich durch große Wohltätigkeit aus. Aus der zionistische» Bewegung. . Frankfurt a. M., 13. Juni. In der gestrigen Mitgliederversammlung der hiesigen Ortsgruppe erstatteten die Delegierten Lehrer Baruch Stern und Referendar Dr, jur. Siegfried Schwarzschild Bericht über den 10. Delegiertentag in Hannover. Beide Referenten gaben ihr Urteil über den Gesamteindruck, den sie von dem Delegiertentage mitgenommen hüben, dahin ab, daß wohl zwischen Zione-Zionisten und politischen Zionisten noch manche Unebenheit geglättet werden müsse, aber der Zionismus in Deutschland mache. Unleugbar weitere Fortschritte. Frankfurt a. M. Bei der Expedition des Franks. Israelit. Familienblattes gingen für den Nationalfonds ein: Saly Geis statt Telegramm Hochzeit Gutta Beraen-Jakob Meyer, Gelnhausen 0,50 JL, S. H. Goldmann u. Saly Geis spenden Herrn Dr. med:. Jakob Feuchtwanger und Geschwistern auf den Namen, ihres verewigten Vaters Herrn Gabriel Feuchtwanger- Fürth 1 Oelbaum JL 6, zusammen 6,50. Hannover. Der 10. Delegiertentag der Zionistischen Bereinigung für Deutschland. (Schluß.) Herr Dr. Hantke erstattet das Preß-Referat. Es sei notwendig, die „Jüdische Rundschau" zu erhallen, da es unmöglich sei, der „Welt" ohne Erhöhung des Wonnements eine Beilage für Deutschland an Stelle der Rundschau beizulegen. — Herr Dr. Nossig wünscht statt Welt und Rundschau eine nationale jüdische Tageszeitung. — Herr Dr. Gronemann unterstützt den Antrag und beantragt Kommissionsberatung. — Herr Dr. Kalmus unterstützt den Antrag Gronemann. Er tadelt, daß Ton und Haltung der Rundschau im Gegensatz zur „Well" stehen, die den Gegner auch dann, wenn sie ihn bekämpft, nicht verletzt, und verteidigt das „Frankfurter Israel. Familienblatt" gegen Hantke; es habe, den Anschein, als ob Dr. Hantke diese Zeitung nicht lese, denn sein Urteil, das dieser Zeftung den Zionismus abspricht, zeuge von keiner Sachkenntnis; er, Dr. Kalmus, wisse, daß das Frankfütter Israel. Familienblatt, das übrigens vorzüglich gelefttt werde, durch sein osfenmütiges, energisches Eintreten für den Zionismus pekuniäre Opfer gebracht habe und noch bringe. Besonders hebt er den Nachrichtendienst des Familienblattes hervor. — Dr. Adler kann nicht finden, daß die „Well" immer vornehm fei und legt Frankfurter Israelitisch« Familienblatt. vom Standpunkt des Misrachi gegen einen Artikel derselben Verwahrung ein. — In der weiteren Debatte wird der Standpunkt eingenommen, daß die „Welt" vor das Forum des Kongresses gehöre. — Scharf und heftig wird die Debatte durch das Eingreifen Dr. Citrons. Herr Tr. Citron gibt dem Redakteur der Rundschau, Dr. Löwe, Schuld an den unerquicklichen Verhältnissen und beantragt, da man offenbar einen andern als Dr. Löwe nicht finden wolle, möge der Delegiertentag Dr. Löwe mit Rücksicht aus seine Unersetzlichkell ein Vertrauensvotum aussprechen. (Stürmische Zwischenrufe!) — Herr Hugo Schachtel erwidert auf den Antrag Citrons so heftig, daß er vom Präsidium gerügt.werden muß. — Herr Zloci st i, Mitglied des Preßkomitees der Rundschau, spricht von der Unmöglichkeit, daß das Preßkomitee seine Aufgabe erfülle. — Herr Dr. Friedemann krllisiert scharf die Haltung der Rundschau; die Haltung des Redakteurs sei Schuld, daß mancher frühere Mitarbeiter nicht mehr mitarbeite. — Herr Dr. Sich warzschild macht darauf aufmerksqm, daß die Funktion des Preßkomitees auch schon deshalb illusorisch sei, weil die Artikel, die der Redakteur nicht annimmt, ihm nicht vorgelegt werden. — Herr Dr. Löwe erwidert kurz auf einzelne Angriffe und verspricht, immer objektiv zu bleiben. — Herr Dr. Hans Gideon Hey mann beantragt Vertrauensvotum für Dr. Löwe. — Herr Tr. Friedemann stellt hierzu den Zusatz-Antrag, daß Dr. Löwe aufgefordert werde, in der Rundschau immer die Grenzen strengster Objektivität zu wahren. — Ueber den Antrag Citron wktt> zur Tagesordnung übergegangen und Antrag Heymann mit Zusatz Friedemann angenommen. Die Sitzung des nächsten Tages wird mit dem Referat des Herrn Professor Marburg über Palästina eröffnet. Diesem Referate schließt sich eine teilweise sehr erregte Debatte an, in der es über die Frage der Palästina-Pioniere, des Palästina-Schekels und der Landkäufe auf Kosten des Nationalfonds in Palästina fast zu einem Bruche zwischen den beiden Hauptrichtungen kommt. Nach erregter Geschäftsordnungs-Debatte wird der Hamburger Antrag, zur Förderung der Geschäfte der Palästina-Kommission einen freiwilligen Schekel von 1 JL zu erheben, angenommen. . Der Antrag betreffend Palästina-Pioniere wird mit 40 gegen 32 Stimmen — es sind bereits ein Anzahl Delegierte abgereist — abgelehnt. Da seitens einiger Berliner Delegierter beantragt worden war, über diesen durchaus ernsthaften Antrag, über den stundenlang diskutiert worden war, zur Tagesordnung überzugehen, kam es vor der Abstimmung zu stürmischen Szenen. Der Antrag apf Aenderung der Organisation, nach dem die „Jüd. Rundschau" dem Zentralbureau unterstellt wird und somit das Preßkomitee abgeschafft ist, wird angenommen. Sodann wurden die Wahlen vorgenommen. Zum Vorsitzenden wurde unter großem Beifall Rechtsanwalt Dr. Bodenheimcr wiedergewählt; in's Zentralbureau wurden gewählt Dr. Hantke, Dr. Leszinski und Wollsteiner, und in's Zentralkomitee Dr. Adler, Dr. Elias, Dr. Friedemann, Dr. Gronemann, Dr. Halpern, Dr. Hantke, Dr. Kalmus, Dr. Kaufmann, Dr. Klee, Dr. Kollenscher, Hugo Schachtel und Julius Simon. Mit einein Schlußwort des Vorsitzenden Dr. Bodenheiiner wurde gegen 4 Uhr der Delegiertentag geschlossen. Basel. Delegiertentag des schweiz. Z i o n i st.e n - V e r b a n d e s. Auf dem Delegiertentag, der unter Leitung des Herrn Dr. O. Meyer- Basel (Präsident) und I. Horn-Zürich (Vize-Präsident) am 3. ds. Mts. hier tagte, erstattete der Präsident des Landeskomitees, Herr Dr. Wormser- Basel den Bericht. Dem Berichte zufolge ist die gegenwärtige Zahl der zionisttschen Vereine in der Schweiz 17 mit 474 Mitgliedern (im Vorjahre 19 Vereine mit 580 Mitgliedern). Die beiden ausgeschiedenen Vereine sind, der Zionistische Verein in Neu-Endingen, der schon längere Zeit ein Scheindasein gesührt, und der Akad. Verein Haschachar in Zürich, welche beiden Vereine zusammen 47 Mitglieder zählten. Agitationsversammlungen wurden keine abgehaltcn. Die Bemühungen, welche dahingingen, für Basel und Zürich einen zugkräftigen Redner zu gewinnen, schlugen ebenso fehl, wie diejenigen, die zum Zwecke hatten, in den von alteingesessenen Gemeindemitgliedern gebildeten geselligen Vereinen in Bern und St. Gallen die Erlaubnis zu einem zionistischen Bortrage zu erhalten. Für Chaux-de-Fonds und Lausanne fehlt es an geeigneten Rednern französischer Zunge. Die Zahl der Schekelzahler betrug im Berichtsjahre 1385, das ist eine Vermehrung von 250 gegenüber dem Vorjahre. Herr Böllag-Feuchtwanger-Basel erstatttte sodann den Bericht über die Kasse, die mit einem Bestand von 1082 Frcs. abschließt und Herr Dr. C. Levy-Biel den Bericht über den Nationalfonds. Es wurden in der Schweiz für den Nationalfonds gesammelt: 1902: 1713 Frcs., 1903: 1374 Frcs., 1904: 3815 Frcs. und 1905 : 4836 Frcs. Der Verkauf von Nationalföndsmarken, sowie der Erfolg der Oelbaumspenden war nicht erheblich. Nr. 23. Mit den Bettchten war die Vormfttagssitzung erschöpft. IN der Nachmittagssitzung wird folgende Resolution einstimmig gefaßt: „Der in Basel versammelte Delegiertentag nimmt mit Befriedigung Kenntnis von der seit dem 7. Kongreß entfalteten Tätigkeit' des C. A. C., namentlich dessen.Präsidenten, und spricht demselben sein Vertrauen und seinen Dank aus." Die nun folgende Diskussion erstteckte sich hauptsächlich auf Fragen der Agitation, auch wurde das Verhältnis zur Jto berührt. — Als Mitglieder des Landeskomitees wurden statutengemäß die Basler Herren Dr. phil. L. Weil als Präsident, Jules E bst e i n als Aktuar und Dr. med. W o r m s e r als Kassierer gewählt und als fernere Mitglieder die Herren Bollag-Feuchtwanger-Basel, I. Horn- Zürich, Rawikowitsch -Bern und.Frl. Charlotte May er-Zürich. Petersburg. Das Zentralb.ureau der zionistischen Organisation' in Rußland hat beschlossen, mit den jüdischen Schriftstellern, in Pal ästin a in Verhandlungen zu treten, um dort ein Organ zu gründen. Um keine Zell zu,verlieren, soll die Zeitschrift vorläufig in Aegypten herausgegeben werden und zwar, bis man von der Regierung die Erlaubnis der Herausgabe in Palästina erhalten hat. Als Kandidaten für den Redakteurposten sind vorgemerkt: Dr. Josef Klausner und Dr. M. Ehrenpreis. London. Die „Jewish World" — Organ der Jto! Lucien Wolf, der bekanntlich einer der hervorragendsten Journalisten Englands ist und der der Leitung der Jto angehört, hat die „Jewish World" übernoinmen. New-Aork. Neue Zeitschrift! Rabbiner Joseph Friedlander in San Antonio (Texas) hat eine zionistische Monatsschxist unter dem Namen „The Jewish Hope" gegründet. Ans -er Lehrerwett. Frankfurt a. M. Jahresversammlung. Auf der hier abgehaltencn Jahresversammlung der Israelit. Lehrervereine im Großherzogtum Hessen waren von den 72 Mitgliedern 52 erschienen. — Direktor Dr. Adler dankt für die Ernennung zum Ehrenmitgliede des Vereins. — Kollege Eschelbach er-Mainz und Rabbiner Dr. Gold sch midt-Offenbach referieren über das Verbandsthema. Kollege Eschelbacher behandelt das Ielin'sche Lehrbuch und tritt im 'ällgemeinen für die von Driesen-Karlsruhe empfohlene direkte Methode ein. Rabbiner Dr. Goldschmidt lehnt die direkte Methode ab und macht die Versammlung mit der Gabel'schen Methode bekannt, die er gleichfalls verwirft; er lenkt die Aufmerksamkeit ans die Phonomimik, über die eine Arbeit von ihm bald in der „Allg. deutschen Lehrerztg." erscheinen dürfte; diese neue Methode, die in Frankreich und Ungarn bereits die. Weiteste Anwendung finde, erziele unglaubliche Erfolge. — In der Debatte kam zum Ausdruck: daß bei den obwaltenden Verhältnissen — Organisation der meisten Religionsschulen, knappe Unterrichtszeit, Gleichgiltigkeit vieler Ellern — die direkte Methode nicht angcivendet werden könne. Eine Besserung könne nur dann eintreten, wenn man nichts zu früh mit dein hebräischen Unterricht beginne und den Pentateuch zur Grundlage mache, da dann das Kind es 'mit konkretem, ihm bekannten Inhalte zu tun habe. Der Inhalt der Gebete sei abstrakt, sie sollten als Ganzes wirken, weshalb sie als Grundlage für den Anfangsunterricht ungeeignet seien. Breslau. Ferienkurse in Religionswissenschaften für jüdische Lehrer. Nach dem günstigen Erfolge der im vergangenen Jahre zum ersten Male abgehaltenen Ferienkurse beabsichtigt der Vorstand des, Vereins israelitischer Ährer in Schlesien und Posen wiederum solche Kurse während der Sommerferien Hierselbst zu veranstalten. Ein großes Verdienst um das Zustandekommen der Kurse hat sich wiederum Herr Prof. Dr. Badt erworben, der unablässig für die Sache tätig ist. Der Lehrkörper des hiesigen jüd.-theolog. Seminars, die Herren Seminarrabbiner Prof. Dr. Lewy, DDr. Braun und Horovitz, ferner die Herren Sttstsrabbiner Dr. Zuckermandel und Rabb. Dr. Deutsch haben ihre Mitwirkung als Dozenten bereits zugesichert. Der Kursus, ist diesmal auf eine Dauer von 3 Wochen berechnet, um den Teilnehmern noch einen Teil ihrer Ferien zur Erholung zn vergönnen. Die Stundenzahl ist auf höchstens. 18 in der Woche festgesetzt. Neben den allgemein religions-wissenschaftlichen Disziplinen soll den- Kantoren wieder Gelegenheit geboten werden, sich in ihrem Spezialfach weiter fortzubilden. Die Leitung dättn hat Herr Oberkantor Cerini im Vereine mll Herrn Kapellmeister Elsner übernommen. In Ansehung der Wichtigkeit des Unternehmens, welches nicht nur für die einzelnen Teilnehmer, sondern auch für die Gemeinden von Bedeutung ist, hat bereits der D. J. G. B., ferner der Vorstand der hiesigen Synagogen-Gemeinde namhafte Beihülfen gewährt, um den.Be?-, suchern des Kursus durch Zuwendung von SiM>en» tionen den Aufenthalt Hierselbst zu ermöglichend Lehrern, sowie Lehrerinnen, auch anderer Vereinigungen,^