Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 22 (8.6.1906)
- Date
- 1906-06-08
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Leite 4 . Frankfurter Israelitisches Familierchlati. Gesänge der ganzen Versammlung das neue Sefer" durch Herrn Michael T h a l m a n n ausgehoben, der'auch die Berochoh Scheheche jonuh darüber sprach und die erste Perschoh daraus vorlas, während erstgenannter Herr den Festgottesdienst in ebenso weihevoller, wie herzerhebender Weise zu Ende führte. Im Anschlüsse an diesen Bericht möchten wir nicht unterlassen, allen jenen Spendern in Frankfurt a. M. herzlichst zu danken, durch beten gütige Gaben die Kosten dieses schönen Sefcr gedeckt worden" sind. Zu ganz besonders innigem Danke sind wir Herrn Isaak Mainz verpflichtet, weil er Herrn Michael Thalmann, der sich der Mühe des Sammelns der erfotdetlichen Beiträge mit anerkennenswertem Eifer gewidmet hatte, hierbei in sehr wirksamer Weise unterstützt hat. Möge aus der kleinen Schar frommer Jehudim in Dortmund bald eine kräftige Gemeinde sich entwickeln, in welcher das neue Sefer noch viele Jahre seiner wichtigen Bestimmung unversehrt erhalten bleiben möge! Oesterreich-Ungar«. Budapest. Ein Mord ä 1 a Polna. In Szarazbero wurde die Leiche der zehnjährigen Anna Zobzsak, einer Wirtstochter, mit durchschnittenem Halse aufgefunden. Es verbreitete sich schnell das Gerücht von einem Ritualmorde. Glücklicherweise gelang es jedoch der Polizei, den Täter, den 17jährigcn Hirten Josef Nagy, zu finden. Der Mörder gestand vor dem Untersuchungsrichter, daß er den Mord begangen habe, nachdem er ein Sittlichkeitsverbrechen an ihr verübt hatte; den Hals habe er deshalb m i t c i n e m Messer durchschnitten, u m b e n Ber d a ch t a u f die Iu d e n z u lc n ke n. Schweiz. Zürich. Ein Gesetz betreffend die öffentlichen Ruhetage liegt dem. Kantonsrat vor. Das „Ist. kWochenbl." teilt nachfolgende Bestimmungen desselben, die für die Geschäftsinhaber, die , den Sabbat feiern, von äußerster Wichtigkeit sind, mit: . . ' An öffentlichen Ruhetagen'ist untersagt: lj die Arbeit in den industriellen, gewerblichen und handwerksmäßigen Betrieben; 2) jede Beschäftigung oder Betätigung jeder Art, welche Lärm verursacht oder Andere im Genüsse der Sonntagsruhe ernstlich zu. stören geeignet ist; 3) die Betätigung von Angestellten und Lehrlingen in den kaufmännischen Bureaux. Ausnahmen von diesem Arbeitsverbot sind zulässig für Gewerbe, welche dem täglichen Bedürfnis genügen (Milchgeschäfte, Bäckereien, Metzgereien), ferner für Handelsgeschäfte bei Jahresabschlüssen und. Inventuren Und im alsgemeinen bei Notfällen und außerordentlichen Anlässen, die einem gesteigerten Geschäftsverkehr rufen. Das Offenhallen von Verkaufslokalen und Magazinen. und jede Bedienung von Kunden in denselben ist 'gänzlich untersagt am Karfreitag, Ostersonntag usw, An den übrigen öffentlichen Ruhetagen dürfen Verkaufslokale und Magazine von 10Vs- Uhr vormittags bis 12 Uhr mittags, an de» öffentlichen Ruhetagen im Dezember, mit Ausnahme des ersten Weihnachtstages; von 10Va Uhr vormittags bis 8 Uhr abends offen gehalten werden. — Amerika. New-Aork, Dr. Joseph Jac.obs, der kürzlich zum Professor für englische Literatur an dem Jüdisch- Theologischen Seminar ernannt wurde, hat die Redaktion der „American Hebrew" übernommen, welche Zeitung ein Syndikat angesehener Newyorker Philanthropen angekauft hat. Profeffor Israel Friedländer reiste als Vertreter des Jüd.-Theolog Seminars nach England zu dem Jubiläum des'Jüd. Collegs in London. Die Feier wird unter dem Präsidium des Chief-Rabbi's von England, Dr. Hermann Adler stattfinden, in Verbindung" mit ihr wird am 13. .Juni sin Bankett-sein; das Lord Rothschild präsidieren wird. Persouatteü. Dresden. - Ernennung, Professor Max Liebermann-Berlin ist mit Genehmigung des .Königs zum Mitglied der. Akademie der bildenden Künste ernannt worden. Strutzburg. Als Nachfolger des berühmt e n O.r i e n t a li st e n P rofessorsNöldecke, der mit Ende des verflossenen Wintersemesters von seinem Lehramte zurücktrat, ist nunmehr der .außerordentliche Professor an der Princeton- Universfty in New Jcrsey (Bereinigte Staaten von Nordamerika) D r..E nun Littmann zum ordentlichen Professor in der. philosophischen Fakultät mit dem Lehrauftrage für semitische Philologie ernannt worden. Professor Litttnann ist in Oldenburgim Jahre 1875 geborenzählt also gegenwärtig 31 Jahre. Trotzdem wird-.er heute als einer , der ersten unter den Semitisten angesehen. Schon seine erste Arbeit, über die neuabessinische Tigre-Sprache, war sehr Vielversprechend. Er hat sich dann zu einem gründlichen Kenner des Attäthiopischen entwickelt. In der letzten Zeit machte er eine Reise nach Abessinien zum Zwecke epigraphischer Studien. Früher hat er Palästina bereist, wobei er semitische Inschriften sammelte und mit Erklärung heräusgab, die heutigen arabischen Mundarten studierte und neuarabische Bollslieder sammelte. Auch mit dem allen Testament hat er sich eingehend beschäftigt. So ist also der Lehrstuhl der Straßburger Universität, der durch Professor Nöldecke zu einer Art von Mittelpunkt der semitischen Philologie sich gestaltet hat, erfreulicherweise neuerdings mit einer angesehenen Autorität besetzt worden. Wien. Anläßlich des 50jährigen Jubiläums Adolf Ritter von Sonnenthal's als Mitglied des Burgtheaters trug am ersten Schewuaustage im Stadttempel Oberkantor Singer einen besonders verfaßten Mischeberach vor. Herr Obcrrabbiner Dr. Güdemann würdigte den Jubilar in einer eindrucksvollen Predigt. — Der am 24. Mai verschiedene Ritter von Gniewosz-Olexow verdient, in einer jüdischen Leitung gewürdigt zu werden, 'denn mit dcni Tode dieses christlichen Edelmannes hat die österreichische Judenheit einen herben Verlust erlitten. Bereits als junger Mann trat Ritter' von Gniewosz im ersten galizischen Landtage für die Emanzipation der Juden ein, und auch im österreichischen Mgeordnetcnhause war er einer der ersten, der sich mit Energie der Juden annahm. Er war Referent für jüdische Angelegenheiten im Unterrichts-Ministerium, in ivelcher Eigenschaft er besonders bei dem Gesetze über die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der Judengcmeinden Hervorragendes leistete. Selbstverständlich trat er, als der berühmte Gelehrte Professor Dr. Nothnagel den Verein zur Wwehr des Antisemitismus ins Leben rief,'sofort in dessen Leitung. Seiner Veranlassung ist auch die Baron Hirsch-Stiftung zur Gründung von Schulen in Galizien und in der Bukowina zu verdanken, welcher Stiftung er bis vor kurzem als' Kurator und Vizepräsident angehörte! Petersburg. Verleihung. Herrn Lazar Poliasow wurde der Titel Geheimrat verliehen. . , New-Aork. Sterbefälle. Im Alter von 81 Jahren starb Herr Moses Kesselteiner der Gründer des Jüdischen Waisenhauses und der Jüb. Hospital-Gesellschaft. In Philabelphia starb, 72 Jahre alt, Dr. med. Judah Jsaacs. Dr. Jfaacs, ein Vetter des gewesenen Lordmayor von London, war in Leyden (Holland) geboren und kam bereits als. Knabe nach Amerika. Fm politischen Leben Philadelphias spielte er eine große Rolle. Auch an den 'Interessen der Jüdischen Gemeinde nahm er tätigen Anteil; so war er Mitgründer des jüdischen Hospitals. Aus der ziouistischen Bewegung. Fraukfurtkka. M. Die Zionistische Vereinigung hält am nächsten Dienstag, den 12. JUni, abends 9 Uhr präzise im Kursaal Milani eine öffentliche Versammlung ab. Tages- Ordnung: Bericht über den 10. Telegiertentag in Hannover. Referenten: die Herren Dr. Schwarzschild und Stern, und Diskussion. Da das Schekeljahr zu Ende geht, werden in dieser Versammlung auch Schekelzahlungen entgegengenommen, ' Frankfurt a. M. Auf das Sammeln von Ch o kolad en-St aniol, Flaschenkapseln, Zigarrenabschnitten und Briefmarken seien unsere Leser wiederholt hingewiesen. Im vorigen 'Jahre löste die deutsche Zentrale in Lübeck (Frau Dr. Joel) für Starttol 158 Jk, Kapseln 65 Jk, Zigarrenabschnitte 45 Jk und Briefmarken 94 Jk Berlin. Das Bermögen des Nationalst v n d s betrug am 1. April 1053 558 Jk Der Nationalfond ist somit seit seiner Begründung ziemlich regelmäßig jählich Um 200000 Jk gewachsen. Hamburg, 4. Juni. Die Veranstaltung von mehreren gleichzeitig stattfindenden Versamnilungen war bisher in Hamburg ein Unternehmen, an das nur die Sozialdemokratie mit der Gewißheit des Erfolges Herangehen konnte. Darum begegnete der Plan, den Schekeltag durch drei Versammlungen in Hamburg, Altona und Wandsbek zu feiern, einer gewissen Besorgnis. Allerdings hatte Dr. Kalmus mit Eifer für das Gelingen des Planes gearbeitet. Ein Flugblatt hatte alle hiesigen Juden zum Besuche der.Versammlungen aufgefordert; vier Namen von gutem Klang wies die Rednerliste auf, und eine Schar von tüchtigen Hülss truppen war auf. die verschiedenen Versammlungen verteilt worden. Aber wir hatten doch unsere Erwartungen auf das Mindestmaß herabgesetzt. Um so größer war die Genugtuung, als der Abend einen vollen Erfolg brachte, obwohl die Ortsgruppenmitglieder bereits sämtlich ihren Schekel entrichtet hatten. Im Zentrum der Stadt fand unter Vorsitz von Dr. Kalmus die Hauptversammlung statt, in der Nr-' 22; Dr. Franck und Dr. Halpern sprächen. -In Wandsbeck-Eilbeck hatte Dr. Victor das Referat, Dr. Besser die Leitung übernommen. In Altona sprach D r. Landau- Lübeck, während Herr Sa l omon Goldschmidt leitete. Das Thema lautete überall: „Die Einheit des jüdischen Volkes." In allen drei Versammlungen spendete die zahlreich erschienene Zuhörerschaft lebhaften Beifall. 40 neue Schekelzahler wurden gewonnen, 100 Jk an Schekelgeldern eingenommen. Der verhältnismäßig größte Erfolg wurde in Wandsbeck-Eilbeck erzielt. Hier erfolgten, auch abgesehen von der Gewinnung von Schekelzahler, eine Anzahl von Beitrittserklärungen.-zur Ortsgruppe. •. Fürth, 27. Mai. Auch hier wurde der festgesetzte Schekeltag in schöner Weise gefeiert, indem der zweite Vorsitzende der Nürnberg-Fürther Ortsgruppe, Herr Dr. Isak Bamberger-Nürnberg, ein treuer Anhänger der strengsten Orthodoxie, einen Vortrag über Heines Nationaljndentum hielt. Da der zweite Redner des Wends, Herr Dr. Auerbach- München, am Erscheinen verhindert war, übernahm Herr Dr. Bamberger auch bas Referat über d i e B e - deutung des Schekeltages und des Zion i s m u s. Er hob besonders hervor, daß es gerade zu bedauern sei, daß in gesetzestreuen Kreisen bis jetzt der Zionismus noch nicht genügend gewürdigt wird, während doch alle Garantie vorhanden sei, daß die Orthodoxie durch den Zionismus nur an Bedeutung gewinnen könne, und setzte dies in großen Zügen auseinander. Reicher Beifall lohnte den Redner. Den gleiche» Standpunkt wie der Referent vertraten in der sehr lebhaften Diskussion die Herren Heinemann, Gorski und Oberndoerfer. Im Schlußwort verlas der ' Redner noch Herzls Manschet, und ber Vorsitzende stellte es der Versammlung anheim, welches Judentum sie nun vertreten wolle. Der Schekel hatte einen großen Erfolg! — Möge unsere heilige Sache weiter große Anhänger finden, - und Jisroel bald aus dem Golus erlöst werden! Wie«. Die Reichskonferenz der zionist. Partei in Oesterreich beschloß, hie Agitation für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht mit allen gesetzlichen Mitteln in energischster Weise fortzusühren und für die kommenden Wahlen die nötigen Vorkehrungen zu treffen. In allen Wahlbezirken, in denen die Juden die Majorität haben, sollen nationaljüdische Kandidaten aufgestellt werde». Es wurde die Gründung eines politischen Reichsvereines der österreichischen Juden und besonderer politischer Vereine in den einzelnen Disttikten beschlossen. Die Ratifizierung aller dieser Beschlüsse bleibt einem allgemeinen Parteitage Vorbehalten, der beninächst einberufen werden wird. Przemhsl (Galizien). Gründung eines Misrachi-Vereins. Hier wurde ein zionistischer Verein mit misrachistischer Tendenz unter dem Namen „Haschachar" gegründet. Bereits hundert Orthodoxe haben sich dem Verein angeschlossen. Petersburg. Auf der hier stattgehabten Sitzung zionistischer Vertreter wurde beschlossen, auf den Herbst einen A l l g e m ein en Zionistentag einzuberufen. Phllippopel, .1. Juni. DieFeier d e s - Schekeltages. Sonntag vor acht Tagen feierte man hier den „Jom-Haschekel". Einige Tage vorher, sah' Man in den Straßen Philippopels metergroße- ’ von Selbstbewusstsein zeugende Plakate, welche das bulgarische Publikum zur Teilnahme an der als Vorfeier des Schekeltages von dem zionistischen Verein „Makabi" im Theater Luxemburg gegebenen literarischen, musikalischen und gymnastischen Soiree einluden. Etwa 500 Menschen wohnten der Soiree bei, in der ich nur das Hebräische vermißte, welches doch sonst hier bei jeder derartigen Gelegenheit hervorzutreten pflegt. Die Deklamationen und Szenen waren teils in bulgarischer, teils in spaniolischer Sprache, , ebenso spielte das Mandolinenorchester ausschließlich' bulgarische Stücke. Der gymnastische Teil war am, besten gelungen und erntete den größten Beifalb Es war wirklich eine Lust, die breitbrüsttgen, strammen . jüdischen Jünglinge mit ihren steinharten Muskeln zu betrachten, die stolz.und selbstbewußt ans der Bühne -, . erschienen, um das Publikum mit.ihren, meisterhaften Frei- und Gerätübnngen zu ergötzen. Die Bühne erschien mir als die Stätte der olympischen Spiele, , als zwei „Giborim", wie man hier die Turner nennt,. ) sich in einen verzweifelten Ringkampf einließen. An Egypten erinnerte uns eine in künstlicher, Weise-ausgeführte Pyramidendarstellung. Das schönste war je-)... doch die marmorähnliche Statue, die von den Turnern zuletzt dargestellt wurde. — Der Vormittag des Schekeltages ist äußerst ruhig, verlaufen, in dem Schulhofe wurden, während die - Herren Dr. Rimalowsky und I. Caleff Propaganda-- reden für den Zionismus hielten, viele „Schekulim" verkauft. - ~ Nachmittags zog eine große Schar Zionisten, von der Schule ausgehend, auf das Feld. Die „Giborim" mit der jüdischen Fahne schritten 'voran, dann folgten die Schüler mit einem grünbekleideten . „Magen - David". Hinterher gingen viele Männer und Frauen in Reih und Glied. Ans dem Felde an- - gelangt, bildeten sich mehrere Gruppen, die . sich jede in ihrer Weise unterhielten. Gegen Abend wurden die rhetorisch beanlagten Herren in Ermangelung einer Rednerbühne von den Giborim in die Höhe gehoben und mußten so nolens volens einiges über den Zio-