Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 22 (8.6.1906)
- Date
- 1906-06-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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-tr. 22. nismus zum besten geben. Nach einem gut verbrachten Nachmittag lehrte man unter Gesängen in die Stadt zurück, wo der Zug sich allmählich auflöstc. Darf man auch die hier beschriebene Feier des. Jom haschekel nicht mit den der Vorjahre vergleichen, so zeigten damit doch die hiesigen Zionisten nach ihremlangen Winterschlaf wieder frisches jüdisches Leben. Jeruschalmi, Aus der Lehrerwelt. Berlin. No. 22/83"bkr „Mitteilungen aus dem Verein zur Wwehr des'Antisemitismus" enthält unter der Ueberschrift „Der Kampf jnm die jüdischen. Schulen" einen längeren, mit den Anschauungen .der „Freisinnigen Partei" sich deckenden Artikel, in dem eine im preußischen Abgeordnetenhaus gehaltene Rede des Abg. Cassel wiedergegeben ist, aus der folgende Sätze weiterverbreitet zu werden verdienen: . . . Ich muß allerdings anerkennen — ich will das ausdrücklich betonen — daß unsere Bestrebungen ja auch durch einen Teil der jüdischen Glaubensgenossen durchkreuzt sind. Ich will durchaus nicht verschweigen, daß ein Teil jüdischer Verbände und Vereinigungen mit allem Nachdruck Petitionen gegen die Simultanschulen und für Erhaltung und Neuerrichtung jüdischer Konfessionsschulen eingebracht hat, und es war mir interessant, daß einer der Herren konservativen Kollegen aus der Kommission mir im Privatgespräch bemerkte, das B e st e, was über die Notwendigkeit einer konfessioneile n Volks sch ulege sagt sei, sei inein er Petition gesetzestreuer Lehrer jüdischer Konfession enthalten." Göttingen. Neuer Rabbiner. Zum Nachfolger des bereits vor Wochen nach seiner neuen Stelle in Dortmund übergesiedeltcn Rabbiners Dr. Jacob wurde Herr Dr. I. Sonderling-Berlin, früherer Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, gewählt. Magdeburg. Rabbinerwahl Nachdem die Herren Rabbiner Dr. Lucas-Glogau und Dr. Grünfeld-Bingen die Berufung nach hier abgelehnt hatten, ist Herr Rabbinats-Kandidat Dr. Georg Wilde, Hörer des Rabbiner-Seminars in Breslau, zum Rabbiner gewählt worden; derselbe hat die Wahl angcnommen. Cassel. Jubiläum. Am 15. Mai war es Herrn Lehrer E. Gu t kin d vergönnt, in Frische sein SOjähriges Amtsjubiläum zu feiern. Prerau lMähren). Gründung eines Rabbiner-Verbandes. Hier wurde am 24. Mai ein V e r b a n d d e r Rabbiner M ä h r e n s. u n d Schlesiens gegründet. Herr Rabbiner Dr.. Freimann-Höll,schau wurde zum Präsidenten, Herr Rabbiner Dr. Oppenheim-Olmiitz zum Vizepräsidenten des neuen Verbandes gewählt. Jamnitz. lMähren). Herr Dr. A. Marmorstein, Schüler des Rabbincrseminars in Berlin, wurde zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt. G FemHelon. G Die Cohnheims. Roman von Jacob Levy. . ■ -Fortsetzung.) Er gab sich keine Mühe mehr, den Zufall der. Begegnung zu heucheln,' sie begrüßte ihn. .mit schelmischem Lächeln. Dann schritten sie langsam durch die dichtbelaubte Lindenallee. . Ein lauer Wind koste mir den Blättern, die Sonne Deute goldene . Lichter auf den Boden. Der nahe - Wald dehnte "sich in seiner grünen Pracht, der schimmernde Aether sandte ihm. den. kühlenden Wind, den dr leise rapschend begrüßte. Der Wald lockte' das Paar durch' seinen.erfrischenden Düst, es "schritt, von gleichen Gefühlen beseelt, dem' winkenden Bäumegewirr entgegen. Grüngoldene Dämmerung umfing die langsam dahin Wandelnden, ihre Schritte waren lautlos ans dem-'moosigen Boden. ' . Ein schmaler Weg führte bergan, himmelhohe Buchen beschatteten ihn, links trennte ihn das sichere Geländer von dem verlassenen Steinbruch. Rolf hatte den-Arm seiner Begleiterin in den seinen gezogen, und hielt ihre Hand, die sie ihm selbstvergessen überließ. Auf einer Wendung des Weges angelangt, blieben, sie stehen und blickten in den Steinbrnch hinab. Ueppige Farrnwedel, Federgräser schmückten den schattig feuchten Abhang, der helle Kiesboden des Steinbruchs strahlte in der Sonne mit blendenden Reflexen, daßdas schmerzende Auge den Blick wegwenden mußte. Da trafen .sich die Augen der jungen Leute, er zog sie. in seine Arme und sie erwiderte seine feurigen Küsse. - Endlich entwand sie sich seiner 'Umarmung und stand-errötend, mit seligem Lächeln vor ihm. - Frankfurter JsracWlchetzFqmilienLIatt. Er sagte zärtlich: „Mein' Lieb', mein Alles!" Sie flüsterte: „Mein. Rolf," dann jauchzte, sie: „Ich liebe Dich, Dch liebst mich" - . .. ' Die Glücklichentwandelten .Hand in Hand weiter und schmiedeten ZUkunfksPläne. ' ' . „Ich werde meinen -Vater bitten, ein Stockwerk ausmeine Burg bauen zu lassen, dann haben wir eine feudale Wohnung."' ... „Ja," sagte sie selig, „und . dann.bin ich immer bei Lucie, obgleich, sie zu ernst wird und zu viel studiert." „Mein Schatz, bei Lucie hast Du niSt viel zu tun. Jetzt bist Du. ein Reitersliebchen und Tein Reiter beansprucht Dich für sich allein. Jetzt begleite ich Dich nach Hause und verlange Dich von Deinen Elterit." „Liebster, heute nicht. Vater ist nicht zu Hause und Mutter" — sie lachte leise — „verfügt nicht allein über mia)." i „Gut, also morgen. Heute verkünde ich den Meinen mein Glück." Sie waren langsam zur L>tadt herabgewandelt Und da zog sie leise ihren. Arm aus dem seinen. „Aber Engel, mir sind doch Braut und Bräutigam." „Gewiß Schatz, aber jetzt laufe ich heim. Ein Offizier darf gar nicht so rasch rennen, wie ich es jetzt muß, Mutter. wird in Nnrnhe um mich sein." Ein inniger Händedruck und sie eilte leichtfüßig von dannen. Er sah ihr mit leuchtenden Blicken nach ünd ging nach Hause. .. Die Seinen traf er in der Veranda, sich der herrlichen Dammerungsstunde freuend. „Vater, Mutter," rief er ihnen entgegen, „ich bringe Euch eine Tochter." Die Eltern blickten aus, Lucie lächelte ganz und gar nicht überrascht. „Ich habe mich mit Lieselotte von Muoknlus verlobt, wir lieben uns." Der Vater sagte bedächtig: „Ein junger Springinsfeld. Das Kind ist doch noch zu jung zum Heiraten." Die Mutter ergriff Rolf's Hand. „Mein Sohn, Dü hast ein herziges, gutes Mädchen gewählt, möget .Ihr glücklich miteinander leben. Sie soll uns als Tochter willkommen sein. Lucie, sie wird Dir eine liebe Schwester." Lucie erwiderte: „Mir ist die Neuigkeit nicht neu. Ich' sah Eure Liebe keimen und sprossen, ich freue mich, mit Euch." Rolf sagte mitleidig: ,,'Arines Ding, weshalb willst Du abseits vom Wege, des Glückes stehen. Botho wartet noch immer. Kannst Dü ihn und Dich nicht glücklich Machen?" „Nein Rolf, auf diesem Wege suche ich nicht mein Glück. Wer glaube nicht, daß ich unglücklich bin. Ich habe mir den Weg für Meine Zukunft vorgeschrieben und fühle volle Befriedigung." «ie lachte. „Oder sehe ich melancholisch ans?" „Nein, Maus," antwortete ihr Vater, „Dü bist ein zwanzigjähriges Ding und hast 'gar nicht das Recht, Dir eine» Weg vorzuschreiben. Deine Eltern müssen für Dich sorgen und das ist deren liebste Aufgabe. . Tanze, reite, räume alten, Erinnerungen kein Recht über Dich ein üüd studiere nicht zu viel." Rolf rief: „Ja, Deine Clementine' wird mir ganz unheimlich. Das Mädchen hat zu viel gelernt. Gestern sprach sie mit Dir über die alten Dichterkerle, auf einmal rezitierte sie . ein frommes Gedicht von, na, von Friedrich von Spee und La machte ste so große, überirdische Augen, als ob sie ohne Aufschub in den Himmel fliegen wollte." Lucie sagte ernst: „Spotte nicht über Clementine. Du kannst ihr Innenleben nicht verstehen oder nachfühlen.";• Rolf schüttelte sich, „Ich danke. Ich will nur das Herzensleben meiner Lieselotte begreifen." Sein Vater unterbrach ihn. , „Rolf, hast Du mit Herrn und Frau von. Musknlns geredet?" „Nein, ich beabsichtige, sie morgen um die Hand ihrer Tochter zu bitten." i , „Gut. Später führst Dü Mutter und mich zu den Herrschaften. Du wirst mit mir zufrieden sein." Er sagte vergnügt: „Ja Vater. Ich weiß, daß Du ein vorzüglicher alter Herr bist, der weiß, was er für einen Sohn, wie ich es bin, tun muß." Alle lachten. — 11. Kapitel. Am folgendeilMorgen trat Rolf in seiner Paradeuniform, glänzend und funkelnd, schön, wie.ein junger Kriegsgott ins Wohnzimmer. .~ „Ich gehe, und wenn ich tviederkomme, Lin ich offizieller Bräutigam." Draußen wartete das Cocchv, er stieg ein und fuhr pfeilschnell fort. Herr Cohnheim sagte' gedankenvoll zu seiner Frau: „Käthe, wir werden alt. Wir bekommen eine Schwiegertochter." ' Sie erwiderte lächelnd: „Nein, wir bleiben jung in unser» Kindern." — Rolf wurde vom Dienstmädchen in den Salon geführt, wo er einen MigenLUck allein blieb.; : Da erschienen Herr unL,:Fräu, von Muskulus, er - im schwarzen Rock, zugeknöpft von oben .bis unten, sie in starrer »Seide. Leite 5, „Bitte Herr Leutnant, wollen Sie nicht Platz nehmen. Unsere Tochter hat uns auf Ihren Besuch vorbereitet." „Herr Geheimrat, gnädige Frau, dann darf, ich mir wohl die einleitenden Worte ersparen. Ich bitte Sie um die Hand Ihrer Tochter. Glauben Sie mir, daß ich Ihr Kleinod glücklich machen werde." \ ,Lerr Leutnant, Ihr Antrag ehrt^uns, wir können jedoch nicht unbedingt ja sagen, «ie müssen mir zunächst einige Fragen gestatten." „Bitte, Herr Geheimrat." ,-L .„Herr Leutnant, Sie 'persönlich wären uns der liebste Schwiegersohn, aber einem Geheimrat von Muskulus darf auch die Familie seines Schwiegersohnes nicht gleichgültig sein. Sind Ihre Eltern nicht Juden?" „Doch, Herr Geheimrat, ich und meine Schwester wurden als Kinder getauft. Wer meine Eltern stehe» gesellschaftlich so hoch, daß eine Verbindung mit ihnen selbst den Höchstgestellten üicht zur Unehre gereichen kann. Außerdem — ich heiße König, bin Offizier, also Kamerad Se. Majestät." Jetzt ergriff .Frau von Muskulus das Wort. „Herr Leutnant, ich pflichte Ihnen bei. -Obgleich ich meine liebste .Hoffnung zu Grabe trage, wenn ich meine Tochter keinem Sprossen aus altem Adel vereheliche, würde ich Sie Ihnen als Offizier und bei Ihren persönlichen Eigenschaften" — er verneigte sich — „nicht versagen, wenn Sie, eben, nur bürgerlich wären. Wer ich möchte doch nicht mit Juden so eng liiert werden, wie das hier der Fall wäre. Ich könnte mir beispielsweise nicht vorstellen, daß auf der Hochzeit -meiner Tochter, bei der Ich die Anwesenheit meiner Verwandten, alles altadelige Geschlechter mit reinem Stammbaum als selbstverständlich voranssetzc, ich auch — pardon — Israeliten als Verwandte begrüßen müßte. Wie denkst Dü darüber, Egon?" Dieser murmelte etwas, das wie Zustimmung klingen konnte. Rolf 'sagte schmerzlich: „Bedenken Sie nicht, gnädige Frau, was Sie dem veralteten Vorurteil opfern. Ihre Tochter undich lieben uns. Sie zerstören unser Glück und bas einer Chimäre halber. Ich bin -christlicher Offizier und Lieselotte heiratet meine Person, nicht meine Angehörigen. Und der Stand des Offiziers adelt ihn, sein Degen wiegt eine ganze Ahnenreihe auf." „Mein Herr, Sie könnemdafür kein Verständnis haben. Aber weil Lieselotte Tie liebt und wir unser Kind glücklich sehen möchten, wollen wir nach einem Aüsweg suchen. Wenn Sie mir Garantien. geben können, daß ich in verwandtschaftlicher Beziehung nur 'mit Ihnen und 'mit Ihrer Schwester zu verkehren haben werde, wenn Sie meine Tochter nicht nötigen wollen, ihr fremdstehende Leute Vater und Mutter zu nennen, dann nehmen Sie das Kind hin." Sie fuhr vertraulich fort: „Wenn Sie versetzt würden, müßte» Sie doch auch den Verkehr mit Ihren Eltern einschränken, immerhin dürfte Ihre Kan Sie bisweiten zu ihnen begleiten. Egon, weint Lieselotte noch?" wandte sie sich fragend an ihren Mann. Rolf 'saß da in einer Art Betäubung. Er fühlte wohl, wie unaussprechlich niedrig das altes war, was ihm da gesagt und zugemutet wurde, aber er hatte nicht die Kraft, es mit Verachtung zurückzuweisen. Er erhob sich, bleich. .„Herr Leutnant," flötete sie, „wir betrachten Sie schon als Zugehörigen, deshalb sagte ich Ihnen alles das so ungeniert. Wie beschließen Sie?" __ Er sagte mühsam: „Ich -werde es mir überlegen." '' - ' „Gut. Wenn --sie wiederkommen, betrachte ich das als Ihre Zustimmung zu meiner Auffassung und hole Ihre Braut. Gott befohlen." .(Fortsetzung folgt.) Wocheu-Kalender. (Zeitangaben nach dem Laach.) Samstag, den 9. Juni (= 16. Siwan): Sabbat - Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 45 Min., Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 30 Min., Berlin 9 Uhr 26 Mtn. Die Sidrach Behaalos-cho hat abwechslungsvollen Inhalt. Zunächst der Auftrag an Ahron, die tägliche Reinigung und Instandsetzung des goldenen Leuchters vorzunehmen: Der Priester ist L eh rer des Volkes, er hat für das Licht, d. k. die Lehre in Israel zu sorgen! Ferner die Lev itenweihe; anstatt der durch die Kalbessünde zum Dienste verschmähten „Erstgeborenen" dienen die Leviten im Heiligtum. Jh.r e Weihe durch „Händc-Auflegen' der übrigen Stämme, welche ihnen hierdurch die Autorisation zur Stellvertretung übertragen, ferner durch Haarschneiden, Kleiderreinigung. Opfer und Schwingungen, die Ahron mit chnen Vornahm — Wir hören vom Pesach-scheini, dem 2. Pesach-Opfer. das am 14.Jjar diejenigen zu bringen hatten, welche am' 14. N i s a n durch Abwesenheit oder körperliche Umeinheit (Leichenberührung) das obligatorische Pesach-Opfer mit der G e s a m t h e i t Israels nicht bringen konnten. — Der Weiterzua