Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 21 (1.6.1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21. : ’ : ..- r Frankfurter JsraelitifcheZ Fannlienßlatt. Seite 11. . " i -1 ,; I Herr Isidor Gold s chm i d t - Dortmund,, de.^ eine Wiederwahl in - den Vorstand ablehnte, wurde zum Ehreitmitgliede ernannt Uüd>'an 'seine Stellei'Herr R o sen th al-Dortmund -ln'den Vorstand gelvählt. Budapest» 25. Mai.. Generalversammlung. Der seit 64 Jahren. bestehende,Jl s r a e l. .H a N d - Werks- und Ackerbauver'ein hielt gestern seine Generalversammlung ab. Der Präsident, Herr Armin Neu mann, konstatierte, daß es trotz energischster ,Bemühung nicht möglich -war).. eine entsprechende Zahl jüd. Ackerbau-Zöglinge' anzuwerbcn. Gleichztitig teilte er mit, daß Baron Leop. Herzog 60000 Kronen für die Ausbildung israelit. Zöglinge zu'Landwirten gespendet habe, und daß 'Vas, Vereins-Vermögen auf. ME Kronen gestiegen sei. — Bemerkt zu werden verdient, daß der Verein seine Zöglinge auf solchen Stellen nnterbringt, wo sie den Sabbat entweihen und unrituell leben müssen., Aus der zionistischen Bewegung. .Frankfurt a. M. Nach demBerichtder.Nationalfonds- Verw ästnn g für Deut schlä n d sind bei derselben vom 1. Juli 1903 eingegangen (um den Bericht auf 1 Jahr abzurnnden, sind Mai und Juni schätzungsweise in die Berechnung cinbezogen worden): . ■ < Jt. 9162 Nationalfonds-Gelder ohne Zweck-Bestimmung. , J6. 6048 Eintragungen ins Goldene Buch. ~J& 3854 Oelbaum-Spende (809 Bäume). Jf. 21500 jüdische Selbstwehr in Rußganb. Außerdem gingen Suinmen ein für: Herzl-Wald, Herzl-Stiftung (Nationalgeschenk für die Kinder Herzls), Jüdische Nationalbibliothek in Jerusalem, Kunstgewerbeschule „Bozald" in Jerusalem, Palästina- Verein, russisch-jüdische' Waisenkinderre- Zum dauernden Andenken an die Silberne Hochzeit des Präsidenten David Wolffsohn wurden für ein in Palästina anznkaufendes Stück Land 2000 J£ gesammelt. ( Des ,längst 'gehegte Wunsch, eigene Nationalfond- Büchsei^'K^MsWen, ist im vorigen Jahre Zur Tatsache geworden und wurden bereits 1500 Stück untergebracht. Die Büchsensämmlungen lassen sich recht zufriedenstellend an; nach ziemlich 'genauer Schätzung trägt eine Büchse 'pro Jahr ungefähr 3—4 ~J£, so baß, wenn sämtliche 2000 Büchsen nntergebracht sind, mit einer jährlichen Einnahme aus dieser- Quelle' von 6—8000 J£ zu rechnen ist. Die Einrichtung unserer Nationalfond-Marken ist. immer noch zu wenig bekannt und der Absatz mangelhaft: es gibt große Ortsgruppen in Deutschland,, die im Berichtsjahre nicht eine einzige National» foyd-Marke bezogen , haben; eine rühmliche Ausnahme macht einzig und allein die Zamburg-Mtonaer Ortsgruppe, dix-: die eigentliche Konsumentin für Pationalfond-Marken in Deutschland ist. Es sind im.-vorigen Jahre im ganzen für 1000 ~Jf. Marken abgesetzt worden, woran allein die Hamburg-Mtonaer Ortsgruppe mit 600 partizipiert. — Ebenso sind dieMationalfonb-Telegramme in den weitesten Kreisen unserer- Gesinnungsgenossen vollständig unbekannt. Auch--der Absatz dieser Formulare ist daher ein recht, bescheidener gewesen, obwohl für dieselbe wiederholt Propaganda gemacht worden ist. Das Ausland, insbesondere Holland, hat mehrmals größere Posten bezogen. Die Einnahnien Hieraus betrugen 30 Jfk In dem Bestreben, immer neue Quellen für den Nationalfond ausfindig zu machen, ist vor einiger Zeit der Vorschlag, Het 'iSelbsthesteuerung gemacht worden; es 'haben sich auch in Deutschland, besonders in Berlin, Zehnergrup'pen, Minjanim, gebildet, die wohl einige Monate ganz gut gearbeitet, aber bann sich' aus Mangel än Interesse wieder aufgelöst habend Dagegen hat sich in' Oesterreich diese Einrichtung rtcht'zufriedenstellend entwickelt. Es ist daher dringend''. zu wünschen)' daß auch in Deutschland -diese Institution wieder aüsleve. Lodz. Hier wurde eine Gruppe „Palästina- Pioniere" gebildet, die zum größten Teil aus Poalei-Zion besteht. Die Bedingungen, unter denen die Aufnahme in die Gruppe erfolgt, waren: Alter über 18 Jahre, streng zionistisch-palästinensisches Bekenntnis, die Zahlung von . einer Mindestsumme von 40 Rubeln (die'in Raten zu 1 Rubel abgetragen werden können), gemeinsame Kassenführung, Verpflichtung zu gegenseitiger Unterstützung, Abreise nach 'Palästina atti Herbst 1906. Ein Mitglied der Gruppe wurde, in der Vorwoche nach Palästina vorausgesandt. , Die Gruppe der Odessäer Pioniere zählt bereits 600 Mitglieder. . „Welt." Bunte Chronik. - Von Tunis nach Tripolis. In einem.Feuilleton in der „N. Fr. Pr." plaudert Mce Schchek auch über die Juden in Tripolis. Wir entnehmen demselben eine interessante Stelle: , Es ist Dreifacher Feiertag in Tripolis. Außer dein christlichen Sonntag der Italiener das Gcburtstägsfest des. Sulatns, das mit Truppenparade und Flaggengala auf. Schiffen, Konsulaten und Straßen gefeiert wird, und das Laubhüttenfest der Juden. Im Jüdenviertel herrscht tiefe Feiertagsstille. Jüdinnen aller Mtersklassen sitzen in phantastischen Prunkgewändern in den Hausfluren, eine Dicker als die andere; gilt doch Wohlbeleibtheit hier als'erstrebenswerte Frauenzier. — . Wir treten bei einem reichen 'Seidenhändler ein. In dem großen, lichten Hof ist eine richtige 'Hütte gezimmert, deren Dach frische Bambusblätter und Granatäpfel schmücke», und die einen zierlich gedeckten Tischenthält, an dem die frommen Juden während des Laübhüttenfestes speisen. Freudig begrüßt uns die Frau des Hauses. Ein junges, rassiges Weib iNit blitzenden Feueraugen, einem verführerischen Munde, dessen schwellende Lippen uns fröhlichen Willkomm zulächel», und einer feinnüstrigeu, edlen, römischen Nase. Das wie von Künstlerhand geformte Oval ihres Gesichtes wird von wirren, lockigen, nachtschwarzen Haaren umrahmt, die sie mit koketter Grazie immer wieder in das hellgrüne, nialerisch geraffte Kopftüchlein zurückstreicht. Ihre Tracht ist verschieden von der algerischer oder tunesischer Jüdinnen. Während ln Konstantine kleine, spitze Zuckcrhutformen aus Samt in allen Färben am Hinterkopf befestigt getragen werden, und schwarze, weite Seidenjacken zu langen, weißen, steifen Hosen, in Tunis goldgestickte, helmartige Hauben, rosa oder blaue Atlaskittel und weite Pluderhosen, schlingt die Tripolitaner Jüdin ein gold- oder silbcrdurchwirktes Tuch kunstvoll um ihre Beinkleider und aus dem reich gestickten Bolero fallen bei verheirateten Frauen bunte, bei Mädchen weiße Hemdärmel auf die wohlgepflegten Hände. Frau Bubas beweglichen Zügen spricht heißes Temperament, in ihren Blicken lodert kaum verhaltene Leidenschaft. Sie ist eine der schönsten Frauen, die ich je gesehen. Ich sage es ihr und sie dreht sich blitzschnell suchend um: „Hat cs mein Mann nur auch'deutlich gehört?" Mles an dieser orientalischen Jüdin ist' Leben. Sie weiß nichts von den strengen Vorschriften, die englische Steifheit den Vornehmen aller europäischen Völker macht Nnd die einzuhälten den Südländern oft schwer genug fällt. Die nordische Sitte hat ihr noch nicht wie manch' einer heißblütigen Italienerin die Eigenart genommen, und weil ihr überstarkes, überquellendes Temperament unmittelbar die weichen, ausdrucksvollen Gesten hervorruft, durch'welche btc österreichischen Goldgulden an ihrem Halse in leichtes Klirren geraten, wirken sie harmonisch, notwendig und schön. Sie spricht vollendet italienisch und erwidert unsere Fragen mit schlagfertigem Geist. Es beseligt sie, ungewöhnlichen Besuch zu haben, sie lacht freudig, wenn wir ihre fremdartig schmeckenden Speisen loben. Ich sehe den selbstbewußten, überschäumcnden Italiener mit den Gebärden eines römischen Imperators prüfend an, gedenke der sprühenden Buba, betrachte die steifen, schweigsamen Briten. Vor kurzem noch hätte ich diesen die unbedingte Vorherrschaft, wie auf der Erde, so auch in der Sitte zuerkannt, das widerspruchslose Recht, ihre Lebensregeln allen anderen aufzuzwingen. Älfrika aber hat mich'gelehrt, daß kein Volk die Sittengesetze eines anderen übernehmen kann, daß keines ob seiner Lebensäußerungen verachtet werden soll. Denn nicht vom menschlichen Intellekt werden die Rasse-Eigentümlichkeiten geschaffen, sondern sie hängen von der Größe des Winkels ab, unter denen die Sonnenstrahlen auf die Scheitel fallen. Schön aber ist nur, was echt ist, ursprünglich und angeboren. Kunst und Literatur. Aronsohn, L. Ein neues Licht über Zion, ein Appell an die Lauen in Israel zur 'Erweckung ihre". Herzen für Zion. - Frankfurt a. M. 1904. Selbstverlag des Derfaffers.' 57 S. - Der Verfasser will die gesetzeskreuen Kreise davon überzeugen, daß ihr Widerstand gegen die Bestrebungen des Zionismus unberechtigt ist. Ein begeisterter Zionist, sucht er mit großer Belesenheit' aus Bibel- und Talmudstellen nachzuweisen, baß wir die Pflicht haben, die Wiedergewinnung Palästinas anzustreben, daß wir Vertrauen auf Gott haben müssen, der uns den Weg ebnen wird, daß Palästina das einzige Land des Heils für unsere schwerbedrängten Brüder in Rußland und Rumänien ist usw. Der Zionismus widerspreche auch nicht dem Moschiach-Gedanken, und viele Anzeichen ließen uns die Nähe-der Erlösung erwarten. Wenn auch die. Beweise des Verfassers nicht immer ganz einwandfrei sind» so widerlegt er doch manche der landläufigen Argumente gegen den Zionismus recht geschickt und hat damitl der von ihm so warm vertretenen Sache einen guten Dienst geleistet. Dennert, E., Dr. fihil. Häckels Weltanschauung naturwissenschaftlich kritisch beleuchtet. Stuttgart, 1906. Max Kielmann. 111 ®.'(# 1,50.) Eh w also n, O. D. Professor: Hegel, Häckel, Kossuth und das zwölfte Gebot. Braunschweig, 1906. Friedrich Vieweg lt. Sohn. 90 S. Dennerts Buch 'ist der erste Teil eines demnächst erscheinenden Werkes, worin er an verschiedenen Beispielen (Hackel, Wällace, Vervorn, Romanes, Ostwald, Reinike) „Die Weltanschauung des modernen Naturforschers" darstellen will. Der Verfasser, selbst Naturforscher, gibt hier eine Gesamtkritik des tzäckel'schen Monismus vom naturwissenschaftlichen Standpunkte aus. Erzeigt, daß Häckels „kosmologische Lehrsätze" nichts als Dogmen find. Seine Behauptung, „es sei eine sichere historische Tatsache, daß der Mensch vom Affen abstammt," ist durchaus unwahr. Häckel verwischt zuerst die psychischen Unterschiede zwischen Tier nnd Mensch, um nachher diese llnter» schiebe leugnen zu können. Die Kant-Laplace'sche Theorie, auf welche Häckel seine Lehre von der Weltentstehung aufbaut, ist wegen ihrer großen Widersprüche so gut wie aufgehoben nnd seine „Kohlenstofstheorie" ist lediglich ein Spiel mit Worten. Dennert zeigt ferner,' wie Häckel den Begriff der Religion nach seinen Anschauungen umwertet, wie aber in Wahrheit in seinem Monismus von Religion nichts übrig bleibt, und wie seine Ethik ebenfalls zur Aufhebung aller ethischen Begriffe, zum krassesten Egoismus führt. — Eine schärfere Gliederung und größere Ilebersichtlichkeit würde der Verbreitung des Buches, die mitii Rücksicht auf den verderblichen Einfluß Häckels zu wünschen wäre, sehr zu statten gekommen sein. - Tiefgehender und erschöpfender, als es bei einem so allgemeinen lleberbli'ck möglich ist, kritisiert die Schrift Chw 0 ls 0 nseinen speziellen Teil der Häckelschen Lehren, nämlich ihre physikalischen Grundlagen. Der Verfasser, Professor der Physik an der Universität Petersburg, bespricht die bisherige Resultatlosigkeit des Versuchs einer Annäherung zwischen Philosophie und Naturwissenschaft und führt sie darauf zurück, daß viele Forscher das „zwölfte Gebot" nicht beobachten: „Du sollst nie über etwas schreiben, was du nicht verstehst." Das wird an Hegel, dem berühmten Philosophen, an Kossuth, einem in weiten Kreisen ziemlich unbekannten Schriftsteller, und an ^Häckel nachgewiesen; dem letzteren stilt der Häuptieil der Schrift.. Chwolson zeigt mit'strenger Wissenschaftlichkeit und manchmal mit feiner Ironie, wie die angebliche Lösung der Welträtsel nur auf leere, blendende Worte hinausläuft, und wie sich^namentlich bei einer Prüfung der auf die Physik bezüglichen Behauptungen Häckels herausstellt, daß dieser Gefeierte der Naturwissenschaft'und des „Monismus" von den einfachsten physikalischen Gesetzen keine Ahnung hat. .Er hat weder das Gesetz von der Erhaltung der Masse, noch das von der Erhaltung der Energie verstanden; das Entröpke-! gesetz, das wichtigste, erklärt er für falsch, einfach deshalb, weil es seiner Philosophie widerspricht. =— Eine spätere Zeit wird sich wundern, wie ein Mann, dem nunmehr auch auf einem naturwissenschaftlichen Gebiet seine Ignoranz nachgewiesen iss, einen so ungeheueren Einfluß auf die Masse der sogenannten. -Gebildeten ausüben konnte. Chwolson hat Recht, wenn er sagt: „Kein Groll — aber dennoch eine böse Rache, eine bittere Strafe trifft zuletzt die falschen Propheten: über sie hintbeg schreitet weiter die Menschheit und — vergißt ihre Namen!" I) lt Das heutige Marokko. Von Eugen Aubin. 444 Seiten Groß-Oktav, broschiert 6:50 Jfc, gebunden 8 J£ Verlag: Hüpeden u. Merzyn, Berlin W, 30. Hinter dem Namen Aubin verbirgt sich einer unserer erfolgreichsten jüngeren Diplomaten, der in der wichtigsten Epoche der neuen Marokkanischen Geschichte amtlich tätig und deshalb besser als irgend jemand in der Lage ist, uns über das komplizierte Räderwerk des. Scherifischen Staates Auskunft zu geben. Dies war ein um so schmierigeres Unternehmen, als mit Ausnahme einer Monographie über die marokkanische Regierung bisher nichts Brauchbares' geschrieben worden war. Die interessanten Kapitel :!- n 'i