Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 21 (1.6.1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 21. über „die Regierung Marokkos", „Marokkanische Verwaltung", bilden den Kern des Buches und werden es für lange hinaus für jeden, der sich mit dem „Reiche der Untergehenden Sonne" beschäftigt, zu einem unentbehrlichen „Standardwork" machen. Auch die Abschnitte, welche „Städtische Behörden", „Familie und Gesellschaft", „Religiöses Leben" behandeln, bringen eine Fülle neuer anziehender Details. Vielen ist Marokko nur ein geographischer Begriff, und doch ist cs in seinen kultivierten Hauptstädten 'Fez und Marrakesch die letzte jener arabischen Kultur, deren Bauwerke wir in Spanien ulid Sizilien bewundern, deren Poesie uns durch des Grasen Schack gehaltvolles Werk wieder nahe gebracht worden ist. Bei aller Sachlichkeit, und dem Streben des 'Autors, nur Beobachtungen und Tatsachen zu bringen, gelingen ihm Schilderungen, welche des poetischen Reizes nicht entbehren; seine Beschreibung der qucllendurchrauschten Stadt Fez z. B. stellt die viel anspruchsvolleren Blätter Pierre Lotis in den Schatten. Schulchan Aruch, I. Teil: Aurach Chajim. Die religiösen Satzungen, Sitten und Bräuche des Judentums in Synagoge, Schule und Haus, nebst vollständigem System des' synagogalen Kalenders. Zum Handgebrauch' für Rabbiner, Lehrer, Kau- . toren, Synagogenvorsteher und alle, welche sich mit den Gesetzen und Normen der Religion vertraut machen wollen. 110 S. 1906. 2. Auflage. In deutscher Sprache verfaßt von Rabbiner Ph. Lederer, Budweis. Selbstverlag. Daß das Bedürfnis für eine deutsche Ausgabe des Schulchan Muchs vorliegt, beweist die Tatsache der zweiten Auflage derselben. Und da nur rcligöse Jehudim und Gemeindebeamten nach dem Schulchan Aruch greifen, so ist damit der traurige Beweis für das Vorhandensein einer erschreckenden jüdischen Unwissenheit selbst in den Kreisen, die das Judentum pflegen wollen, erbracht. Im Lande der Väter lebte einst das Gesetz im jüdischen Volke, mit deni Untergang seines Reiches ergab sich die Notwendigkeit, das da» mals noch im Volke in seiner Ganzheit pulsierende Gesetz schriftlich zu fixieren, anf-Mischna und Gemoro folgte des Rambams Mischuc Thora und auf diese der Schulchan-Aruch, heute ist - dieser leichte Leitfaden des Gesetzes zu einem Buche mit sieben Siegeln geworden, sodaß für eine Uebertragnng in die Landessprache Sorge getragen werden muß. Es ist kein Vorwurf für den Uebrrsetzcr, daß die Bewertung der Uebcrsetzuug so weit vom Original entfernt ist, wie dieses von der Gemoro. Mit dieser Einschränkung können wir das Buch als geeigneten Notbehelf für diejenigen, die das Original nicht benutzen können, empfehlen. Fall und Erhebung. Roman ans dem rnssi- „schcn Volksleben von I. Rabbinowicz, E. Pierson's Verlag, Dresden. , Rabbinowicz ist kein Unbekannter mehr. Schon im vorigen Jahre lernte man diesen begabten Schriftsteller als trefflichen Schildercr und feinen Beobachter des russischen Dorfmilieus kennen; jetzt wieder hat sich der Verfasser der Schilderung des russischen Volkslebens zugewandt, ein Gebiet, das er mit Arbeiterschaft bearbeitet. Die echt realistische Darstellung ist von großer Stärke und Naturwahrhcit. In großen Zügen gezeichnet, gibt das Werk eine Schilderung von dem Leben und Treiben einer Gesellschaft von Pferdedieben. Mit ungewöhnlicher Kraft hat es der Autor verstauben, alle Personen dickes Buches wahrhaft lebensvoll zu gestalten und so Wirkungen von außerordentlicher Plastik zu erreichen. Wie stark ausgeprägte Individualitäten aber auch die Hauptpersonen sind, so können wiederum die Nebenpersonen als Typus ganzer Menschenklassen hingestcllt werden. In Anton Minewicz bcispiclstveisc verkörpert er den rusiische» Sozialisten, der sich gegen die bestehende Macht auflehnt, den Schwachcil aber hilfreich zur Seite stchtt Eben der tiefe Einblick,' den der' Verfasser oft in die zartesten Züge, gewährt, zeugt von feiner Beobachtungsgabe und umfangreichen Studien. Den künstlerischen Geschmack beweist auch der Umstand, daß der Autor neben Abschnitte voll sozialen Elendes und tiefer Verkommcnzeit höchst moralische Szenen hinstcllt. Wirkt es nicht sehr rührend, wenn die scheinbar so tief 'gesunkene Bande von Pferdedieben einen Mörder, der bei ihnen Aufnahme sucht, mit Entrüstung von sich -weist? Hier wirkt her Verfasser auf unseren ethischen und ästhetischen Sinn, indem er uns in seinen inhaltsschweren Dialogen die Gefühle vorführt, die der Ausfluß rein menschlichen Empfindens sind. Aber nirgends ist Absichtlichkeit und Betonung — alles ist höchst geschmackvoll und künstlerisch — aber man muß zwischen den Zeilen zu lesen wissen, um den Dichter ganz zu verstehen. Mit dem tiefen psychologischen Werte und der schärfen Beobachtungsgabe verbindet der Autor eine spannende Handlnug, mit gesundem Humor gewürzt. Im ganzen ist der Roman das Werk eines kräftigen, gcstaltnngssichcrcn und phantasievollen Talentes. A. B. Verein Monle-ore, SeUecstrasse 22 prt. Vereins - Idealitäten geöffnet täglich von 12—3 und 6—11 Uhr. Samstag und Sonntag den ganzen Tag. Wir bitten unsere Leser, ihren Bedarf unter Bezugnahme auf unser Blatt bei unseren Inserenten zu decken. Frankfurter Israel. Familienblatt. * Telefon 10448, Westendplatz 29. * * * * Emil Stein Tapezier und Dekorateur. X X X FÜR MODERNE H0HNR9UME FINDEN SIE MÖBEL IN ALLEN HOLZARTEN IN REICHSTER AUSWAHL ZU STAUNEND BILLIGEN PREISEN BEI PHILIPP VOGEL & CH 41 GROSSE ESCHENHEIMERSTR. 41. 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