Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 21 (1.6.1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2692297-2692460-2692481--02451-2697055- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
- Vilnius 1× ep/1000947
OCR text
y-t-jr^rT“ ■ Seite 4. FaM^rchlE. Nr. 2U treten waren, gründete einen SindentenaüZschnß, lehnte aber bje Aufnahme konfessioneller VerbindnnMn'<r6. Die Vertreter jüdischer und der beiden katholischen Berbindüngen verließen vorher die Versammlung. Iserlohn. Gemeindetag. An dem 16. ordentl. Gemeinbetage des Verbandes der Synagoge n - G e M e i n d en 38 e st fa l e n s nähmen. etwa 60 Delegierte teil. Herr F l ö t s h e i m - Dortmund, der Verbandsvorsitzende, leitete die Versammlung. Es wurde u. a. der Beitritt zum „Verband der deutschen Juden" und der Ankauf eines Grundstückes in Sassendörf zum Preise von 48000 JL zur Errichtung einer Ferienkolonie beschlossen. ‘ Ostrowo (Posen). Exzellenz d. Waldow, Oberpräsident von Posen, .besichtigte gelegentlich des Besuches der hiesigen Stoidt üuch die Synagoge und erkundigte sich eingehend über die synogogalen und sozialen Verhältnisse der Ostrowcr jüdischen Gemeinde. Auch mit den Lehrern der jüdischen Schule unterhielt er sich eingehend über ihre Schulverhältnisse. Oesterreich -Ungar«. Wien. Ins Kloster entführt. Die jüngste Nummer der Monatsschrift der „Oesterr. Ist. Union" enthält die folgenden Mitteilungen über Entführungen jüdischer Mädchen ins Kloster : Der!" Oberste Gerichtshof " hatte kürzlich' "ein Urteil des Landesgerichtes 'Lemberg' zu überprüfen, das den Postbeamten Kasimir'Jablonski wegen Entführung eines 16jährigen Judenmädchens zu einem Monat Kerker verurteilt hat. Jablonski hatte bei einer befreundeten christlichen Familie die 16jährige Recha Olmütz, die Tochter eines jüdischen Geschäftsmannes, kennen gelernt, die nach seiner Angabe schon früher die Wsicht hatte, zum christlichen Glauben überzutreten. Eines Tages traf has Mädchen mit FablonsÜ aus der Straße zusammen. Jablonski setzte sie in einen Wagen und führte sie zu einer befreundeten Frau, wo er sie mehrere Tage verborgen hielt. Nach seinem Diktat schrieb die Olmütz an ihren Vater einen Brief des Inhalts, sie sei, um ihr Seelenheil zu retten, zum Christentum übergctreten und nach Rußland abgereist. Jablonski bemühte sich inzwischen, sie 'in einem Lemberger Kloster untcrzubringen; da ihm das aber nicht gelang, schickte et sie mit einem Brief in das Kloster der Felizianeriiuicn nach Krakau, wo die Olmütz tatsächlich getauft wurde. Dann kehrte sie nach Lemberg zurück, wo sie einstweilen bei der Frau, bei der Jablonski sie kennen gelernt, Quartier nahm. Eines Tages wurde Recha Olmütz von ihrer Schwester ans 'der Straße gesehen. Ihr Vater nähm die Hilfe der Polizei in Anspruch, um die Tochter zurückzuerlangcn, und ließ sie, als ihm das gelungen war, wieder zum Judentuni übertreten. Jablonski wurde von dem Leinberger Erkenntnisgericht wegen Entführung zu einem Monat Kerker-verurteilt mit der Begründung, daß er das MädchH.listigerweise, das heißt, ohne Zustimmung der Eltern, ciitfühct habe. Die dagegen erhobene Nichtigkeitsbeschwerde wurde vom Obersten Gerichtshöfe verworfen. In einer der letzten Nächte ist die minderjährige Feige Zimmermann, Tochter des verinögcndcn Solomon Zimmermann, in Dolzka bei Bolechow unter Mitnahme mehrerer tausend Kronen, von Bettzeug und anderen Sachen aus der elterlichen Wohnung spurlos verschwunden. Leute hatten in der betreffenden Nacht einen Fiaker bemerkt, dervon einem Bizhklisten begleitet worden war. Alle Nachforschungen blieben bisher erfolglos. Unter dem Verdachte, das Mädchen entführt zu Haben, wurde der Arbeiter in der Brettsäge Preiß, namens Michael Kobranko, welcher mit der Zimmermann ein Liebesverhältnis unterhalten hatte, verhaftet und dem Gericht in Strij eingeliefert, jedoch mangels an Beweisen wieder freigelassen. Budapest. Das Krankenhaus der hiesigen i fr a e ki t. R c kr g i o n s g e m e i n d e verpflegte im vergangenem Jahre 2475 Kranke, und zwar auf der internen Abteilung 1377, auf der chirurgischen 625 mit-471 Operationen, auf der ophthalmologischen 350 mit 289 operativen Eingriffen, auf der gynäkologischen 123 -mit 86 Operationen. Die 2475 Kranken, unter denen sich 495 christlicher Konfession befanden, wurden an 52 317 Tagen gepflegt'; auf je einen Kranken kamen durchschnittlich 21 'Tage. Das Mortalität- Verhältnis betrug 8,3 Prozent. — Ambulant wurden 27 394 Kranke (darunter 17 338 Christen) mit 142 487 Ordinationen behandelt. — Die Gesaintkostcn des Spitals betrugen 200 250 Kronen. Budapest. Als Grundstock zu der „Jeschiwans - Unterstützungs - Landes - Jnsti- 1 u t i o n", deren Schaffung die orthodoxe Landes- Repräsentanz jüngst beschloß, hat Herr Jakob S ch w a r z - Njir-Waja, Mitglied der Landes-Rcpräsentanz, 2000 Kronen gestiftet. 'Prag. Ein jüdischer Gerichts rat — katholischer Priester. Der Gerichtsrat Oskar Pollak in Bosnien ist — wie der „Cech," meldet --- vom jüdischen Glauben zur katholischen Kirche übergetreten, studierte dann in Innsbruck Theologie und würde dieser Tage in Witten zum Priester geweiht. "Vom alten Iüdenfriedhof. Bekanntlich ist ein Teil des Friedhofes, und zwar der an die Salnitergasse angrenzende, enteignet worden. Die Namen der aus diesem Anlasse Exhumierten wurden, sohrctt sie 'aus den ausgehobenen Grabsteinen bekannt wurden, in alphabetischer Weise geordnet und verzeichnet. Von dem Verzeichnisse; das einen stattlichen Band bildet, wurden' zwei. Exemplare angcfertigt, wovon das eine an das . Innere des auf dem Friedhof als Denkmal errichteten Sarkophags, das ändere in das Archiv. der Beerdigungs-Brüderschaft hinterlegt wurde. Ottynia (Galizien). . Auskunftsstelle für jüdische E m i g r a n de n. Auf Initiative des Präsidenten des hiesigen Vereins -„Zion" ist hier eine Auskunftsstelle für jüdische Emigranten errichtet worden^ - Großbritannien. London. In dem Maihefte der .Century" gibt La »des co eine Erwiderung auf die Darstellung C a r m e n S y l v a s, die den Versuch niacht, die Behandlung der Juden in Rumänien zu rechtfertigen, .weil sie als Fremde unfähig seien, für das Vaterland zu empfinden und zu kämpfen. Was Carmen Shlva von den Fremden behaupte, sagt Landcsco, sei wahr, aber Fremde seien nicht die Juden, sondern die großen Machthaber. Der königliche Haushalt, der eine enorme Zivilliste bezieht, sei deutsch und sei von einer zahlrkichen Burcaukratic umgeben, deren fetteste Posten ausnahmslos von Griechen bekleidet werden. Liberale oder konservative oder sonstige Machthaber seien stets Griechen. Die Cantacuzena, Lahovary, Catargi, Karp, FerichideMarghikoman und alle die Uebrigcn seien nicht so viele Generationen im Lande, als die nieisten ausläüdischen Juden. Der König fürchte nämlich, daß, wenn ' der eingeborene. Adel zur Macht gelange, er mit ihni machen könnte, wie er es mit dem Fürsten Cuza gemacht hat, und eine rumänische Dynastie cinsetzen, und darum habe, er ihn hinausgedrängt und durch ausländische Neulinge ersetzt. Die Lage des Volkes sei von Carmen Sylva Süchtig geschildert. Die 5 Millionen Landleute, die Nation, lebten in tiefstem Elend, in Armut und Unwissenheit und würden darin, erhalten. Sie zählten überhaupt nicht. Sie und die-Juden seien gleich unglücklich, der einzige Unterschied sei, daß die Inden nach der Verfassung als Ausländer angesehen werden und auf sie daher die Bestimmung der-Verfassung, daß 'alle Rumänen vor dem Gesetze gleich äststm,- nicht zukreffe. Dem Landmann werde zugestanden, daß er rumänischer .Bürger sei, aber er sei aller Bürgerrechte beraubt und atter wirtschaftlichen Gelegenheiten zum Fortkommen. Rumänien habe eine Bevölkerung von 5Vs- Millionen Seelen: davon seien 5 Millionen Landleute, 250000 Juden-und 250 000 seien die Herrschenden. Die Juden hätten keinerlei politische Rechte. Die 5 Millionen Landleutc, die die dritte Wahlabteilung bilden, wählten 30 Mitglieder in das'Unterhaus oder etwa ein Zwölftel der ganzen Zahl, und kein einziges Mitglied in den Senat. Die 250 000 Herrschenden wählten den ganzen Rest. Von diesen 250 000 würden alle Beamten genommen, und jeder Erwachsene unter ihnen.bekleide einen Posten, entweder unter der konservativen oder' der liberalen Negierung oder unter 'beiden. ° Wäre dem Berliner Vertrage entsprochen, und wären die Juden emanzipiert worden, dann würden sie, da alle schreiben und-lesen können und Städtebewohner sind, nach den Bestimmungen des Wahlgesetzes entweder zur ersten oder zur zweiten Wählerabteilung gehören und würde» daher die Rechte der jetzigen privilegierten Klasse, deren Zahl genau mit der Anzahl der Juden übereinstimmt, genießen und mit ihr die Macht teilen, oder sie würden die privilegierte Klasse zwingen, ihre Vorrechte anszngeben und die Gesetze so zu ändern, daß auch die große -Masse des Volkes eine Stimme hcchc in der Verwaltung ihrer öffentlichen Angelegenheiten. So sei die Lage der Inden und die Lage des Volkes tatsächlich ein und dieselbe. Die Emanzipation der Juden bedeute nichts mehr und nichts weniger als die Emanzipation der 5 Millionen rumänischer Bauern und Produzenten.und die Verdrängung der 250 000 fremden Parasiten aus ihrer Machtstellung. Das sei' der Grund, warum man der Judenemanzipation so hartnäckig sich als einer Gefahr für die Nation widerseht. Wenn die herrschende Klaffe die Nation ist, dann sei die Emanzipation der Juden eine Gefahr für sie und zwar die größte Gefahr. Rußland. Petersburg. Die jüdische Fraktion der Duma hat zu ihrem Vorsitzenden Rechtsanwalt W inawer gewählt. - Warschau. In dem Dorfe Notovpetrowk (Tiraspoler Gouvernement) haben die Bauern beschlossen, vierzehn Bauern, die an dem Oktober-Pogrom gegen die Juden Anteil genommen haben, nach'Sibirien zu schicken. Dem Semßki Nütschalnik (Landrat) gefiel' die Sache nicht und er fuhr nach) denr Dorfe, um die Bauern von ihrem Beschlüsse abzubringen. Die Bauern aber blieben standhaft und ließen di« vierzehn Pogrommacher ift der Haft. " i .:: i:>„- Der Gouverneur von Iekaterinvslaw beschick den dortigen Rabbiner Burstein zu sich und stellte ihn darüber zur Rede, daß er sich an der Beerdigung des ermordeten General-Gouverneurs nicht beteiligt und auf sein Grab keinen Kränz niedergelegt habe. Der Gouverneur bemerkte dem Rabbiner, daß er, wenn die Juden keinen Kranz nach Odessa — wo'der General-Gouverneur begraben wurde — schicken und keine großartige Gedächtnisfeier »rachen, er nicht für das Musbrechen eines Pogroms garantieren könne. - ,',Der Weg". Wilna, 25. Mai. Die heutige Nummer der ,Asit'<' meldet - von verstärkten.Pogromb e f ü r chtnnge n aus verschiedenen Orten (Alexaiidrowsk, Jelisawetgrad, Odessa). Die Schwarzen H.u n d e r t sind wieder sehr rührig und warten nur auf das Signal. Trotzdem dürfte, solange die Duma tagt, die Regierung die Pogrome zurückhaltend sollte sich aber die Duma auflösen, so wäre freilich das Schlimmste zu befürchten. BobrniSk. Seit .der Ermordung des Polizisten Korpenko hören die hiesigen Poli-' zisten nicht auf, gegen die Juden zu . hetzen, an denen sie den Tod ihres Kollegen rächen wollen, trotzdem der Mörder unbekannt ist und nicht der geringste Anhalt vorliegt, daß er unter de» Juden zu suchen sei. Am 13. Mai wurde ein Tumult inszeniert, der so'gefahrdrohend aussah, daß die Juden ihre Läden schlossen. Es wurden Scheiben eingeschlagen, Juden verprügelt, einer sogar tätlich verwundet.' Die Cohnheims. Roman von Jacob Levy. (Fortsetzung.) Kapitel 10. Die Fanale wurden auch in Neustadt gehalten. Cohnheim hatte sie ebenfalls abonniert und Lucie war . eine eifrige Leserin. Sie war'von den Artikeln begeistert und las sie ihrem Vater vor. Sie sagte: .„Vater, diese scharfe Logik, die unerbittliche Wahrheit 'müssen doch die Welt überzeugen. Ich fühle wie eine Jüdin" — sie lächelte melancholisch — „und möchte Schulter an Schulte» mit Emil'"kämpfen." „Kind, das Weib soll dem Streite der Polittk fern bleiben. Im Reiche des Schönen, Guten gibt es so vieles, was der Frauziemet, überlasse das häßliche, laute Getriebe den Männern." „Gewiß, Vater, ich studiere ja fleißig LitcriKir. Meine Freundin Clementine hat mein JntrreWdafür geweckt.'Denke Dir, jetzt lesen wir Parzival von Wolfram von Eschenbach. ..8un, ich sage dirz fine spot, Er ist noch lichter, denne der tac: ‘ Sie sprach das ganz allerliebst. Ihr. Vater lachte. . „Deshalb seid Ihr unzertrennlich Ich dachte, Ihr jungen Mädchen ginget spazieren und jetzt lest. Ihr die alten Schmöker." ° ' „Ja, Vater, und ich wollte Dich bitten, mir zu erlauben, die Literaturstunde des Professor Camphausen zu besuchen." „Der Mann ist hoch Geistlicher. Er trägt die Literatur nur nach katholischer Auffassung vor." „Er ist aber ein großer Gelehrter. Ichnehme nur das Positive von ihm und das Ist sehr viel/' „Nun, ich habe nichts dagegen, aber ich würde lieber sehen, wenn Du nicht so viel studieren würdest. Ich mag die gelehrten Frauen nicht." „Fürchte nicht, Väterchen, ich werde nicht zu klug." — - Eines Tags war - Rolf bei Tisch auffallend schweigsam. - Als der Diener .abgedeckt hatte, zog er ein Zeitungsblatt 'aus der Tasche und fragte: „Habt Ihr schon das Neueste von Eurem lieben Emil gelesen?" Herr Cohnheim nahm das Blatt. An der Spitze stand: . Das Ossizierkorps, ein Fremdkörper, im gcwerMche» Deutschland. Die riesigen Umschläge des Ofsizierkonsumvereins waren ziffermäßig - dargestellt und, geschildert,, welche Unsummen den Gewerbetreibenden dadurch - entzogen werben. Alles beziehen die Offiziere von dort und sic, die ihre Kasinos, ihre.Gesellschaften für sich haben, stellen sichauch damit außerhalb des Volkes. Nur die Wohnungen können sie nicht vom Konsumverein beziehen, da könnte das Volk Repressalien äusüben und ihnen die Mieten höher, als dem Zivilpöbel berechnen. .; Rolf sagte: „Das könnte-mir-ja-egal sein, was ein Kerl schreibt, aber ich. wurde . auf dem Kasino gefragt, ob dieser Cohnheim ein Verwandter von mir sei." ' ' .