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Neue jüdische Presse · 1906-04-27 · Heft 16 (27.4.1906) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 16 (27.4.1906)
Date
1906-04-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Sette 4. Franywcker AftaelttiWs FamMenblaÜ. Nr. 16. 7 kleinere, weiter 68 Misch« Institute einschließlich des Mount Zron-Hospital (gegründet 1888) und 11 Logen des II. Os B. B. New-Aork. Die Zahl der jüdischen Einwanderer, die im Monat Marz im Hafen von Ncwyork ankamen, ist folgende: äus Rußland 13 736, aus Oesterreich 1492, aus Ungarn 1103, aus Rumänien 326, aus England 63, aus Deutschland 49, aus der Türkei 13 und aus Holland 1. Von diesen blieben 12035 in Newyork, während die restlichen 4748 sich nach anderen Städten begaben. New-Aork. Nabezu 200 Delegierte als Vertreter von 64 jüdischen Vereinen hielten eine Konferenz ab, mit dem Zwecke, zwischen den jüdischen Vereinen Newyorls eine engere Verbindung herzustellen. Die Verbindung kam zu stände, K. Mandell, Präsident . des amerikanischen Zweiges der Mliance Nraälite Universelle, wurde zum Präsidenten und Emanual Fummet zum Sekretär gewählt. Personalien. Berlin. Dem Geh. Kommerzienrat Emil Jacob wurde der Kronenorden 2. Klasse verliehen. Dem Justizrat Maximilian Ke m p ne r wurde dl^ Prädikat'Geheimer Justizrat und dem praktischen Arzt Dr. med. Gustav Gut mann das Prädikat Professor verliehen. - Der Schriftsteller Wilhelm Lilienthal, der unter dem Namen Wilhelm Thal geschrieben hat, ist im Alter von 39 Jahren gestorben. Nürnberg. Der in Philadelphia im 84. Jahre verstorbene General Max Einstein war hier von 1861—1863 'Konsul der Vereinigten Staaten. Einstein war aus Buchau in Württemberg gebürtig. Leipzig. Der literarische Direktor und Prokurist der Offizin D. Drugulin, Herr Dr. Moritz Eh amizer feierte am 12. April sein 25jähriges Geschäftsjubiläum. Den Weltruf, den diese Firma auf dem Gebiete des orientalischen Druckes in den letzten Dezennien erlangt hat, verdankt sie unbestritten der stillen Mitarbeit des anspruchslosen, bescheidenen Gelehrten. Unter den zahlreichen Schriften, uni deren Förderung bezw. Neuschaffung der Jubilar hervvoragende Verdienste stH erworben hat, seien hier nur einige der uns Jüden am meisten interessierenden erwähnt: Eine schöne hebräische Quadratschrift mit angegossener Vokalpunktation, eine monumentale halbrabbnftsche, derjenigen des Arztes Abraham Eonat (zwefte Hälfte'des 15. Jahrhunderts)' nachgebildet und die berühmten nestorianischen Schriften. — Eine besondere Auszeichnung wurde dem Jubilar zu. Ml durch ein Anerkennungs- und Glückwunsch, schreiben der Königs. Sächsischen Kreishäuptmannfchaft. ' Paris. Der Chef-Inspektor I. Klaffe Au sch er ist zum Suvdirektor der Zentraldirektion des technischen Mari ne d e p artcments und Oberst Francfort, Kommandeur des 39. Artrllerieregiments, unter Ernennung zum D rigadegeneralzum Kommando derArtilleriebrigade des 11. Armeekorps überwiesen worden. — Der Hauptmann des Generalstavs des, 11. ArmeekorpsKUch man ist 'zum Es fabron chef befördert worden, der Hauptmann des 5. Jnfanterie-Reginlents Ma ye-P zürn Bataillonschef befördert und dem 81. Regiment überwiesen worden. — Die Leutnants Pintus und Aaron sind zu Hauptleuten und Leutnant Mayer-Samuel vom 31. Jnftmterie-Regiment zum Ordonnanzoffizier des Kriegs Ministers ernannt worden. Pretzburg Mngarn). Am 13. dss. Mts. starb nach' längerem schweren Leiden Herr Israel Rosenbaum, Vorstandsmitglied der hiesigen orth. isr. Kultusgemeinde und Vorsteher verschiedener hiesiger Wvhltätigleitsanstalten. Der Verstorbene, der sich großer Sympathien in weiten Kreisen der hiesigen Bevölkerung erfreute, war auch Fähre hindurch SchrrlfluWräses. Budapest. Das königl.°ungar. Finanzministerium ernannte den Szolnoker Finanzsekretär Ferdinand Apor zum Finanzdirektor-Stellver. treter. Achor ist der erste Jude in Ungarn, der' im Finanzdienste diese Stufe erreicht hat. Die Ernennung erfolgte noch seitens der Fejetvary'schen Regierung. Kiew «"Rußland). Dr. S Braun in Demjewko (nähe bei Kiew) ist zum Schulärzte an der dortigen Schule ernannt worden. Da Demjewko ein Dorf ist und noch nie in einem Dorfe ein Jude zum Schulärzte ernannt wurde, so ist der Fall bemerkenswert. Die Cohnheims. Roman von Jacob Levy. (Fortsetzung.) - Frau Eohnheim sagte zu ihrem Männe, der -rauchend und schweigend , zugehört hätte: „Erich, mir gefällt etwas nicht. Lücie spricht zu viel von Emil.^ „Was mißfällt Dir dabei?" „Daß sie ein wärmeres Interesse für ihn Häven könnte. Wir müßten doch Vorbeugen." Er erwiderte ruhig: „Weshalb denn, die Partie wäre nicht unpassend. Emil ist 'aus guter Familie, ist vermögend und wird ohne Zweifel eine glänzende Stellung als Rechtsanwalt einnehmen." Sie rief erregt: „Aber vergißt Du den Unterschied in der Konfession. SoUtcn wir deshalb unsere Tochter haben taufen lassen, um sie schließlich einem Juden zu vermählen. Und denke an Rolf! Den Folgen dieser Konflikte würde ich unterliegen." „Beruhige Dich Käthe, Du siehst Gespenster. Lucic ist jung, und da Emil schließlich der erste junge Mann ist, mit dem sie sich eingehender unterhält, ist sie begeistert von ihm. Dies setzt aber keine tiefere Neigung voraus. Und wir haben auch keine Veranlassung, zu glauben, daß Emil unsere Tochter liebt. Lasse vorläufig den Dingen ihren Lauf.". . Sie sagte nichts mehr, ihre Stirn aber blieb umwölkt. — -- Es hatte in der Nacht ein wenig geschneit. Just soviel,' um die Gebäude, die Bäume, die zartesten Zweige n?it' etwas weißem Flaum zu schmücken. Jetzt war es bitterkalt. Die Strahlen der klaren Morgensonne wärmten nicht, aber sie üvergossen den Schnee mit sprühendem Farbensprcl. Die Bäume und Büsche glitzerten, wie von Millionen Diamanten bedeckt, als ob die Natur den Menschen eine extra Freude hätte bereiten wollen. Doch die Passanten der Lindenallee hatten kein Auge für die Pracht, sie liefen hastig und rieben bisweilen die frierenden Ohren. Die schmucke Billa Eohnheim lag behaglich gebettet in dem schimmernden Gebüsch. Sie sah mit den im Sonnenlicht -funkelnden Scheiben überaus freundlich aus, und das weit offene schmiedeeiserne Tor erhöhte den gastlichen Eindruck. Da nahte ein Herr raschen Schrittes, er zögerte einen Augenblick, trat dann aber ein. Jin Vorsaal gab er dem Diener, der ihn mit vertraulichem Lächeln begrüßte, Pelz und Hut ab und ging in's Wohnzimmer. Dort war er einen Augenblick allein, dann ertönten leichte Schritte, und Lucie eilte aus dem Nebenzimmer. auf ihn zu. „Ah Emil, das ist ja hübsch." rief sie erfreut, „ahntest Du, daß ich mich langweile?" Er zog ihre Hand an seine Lippen. „Nein, verehrte Eousine, das wage ich Vicht bei Dir vorauszusetzen. Bist Dü denn allein?" „Einsanr und allein. Meine Elter» sind in der Reitbahn, zur Probe einer Quadrille, die von den Offizieren geritten wird." „Und weshalb fehlst Du bei dem interessanten Schauspiel?" Sie erwiderte errötend: „Ich, ich hatte Kopfweh, und dann sagte mir mein kleiner Finger, daß Du kommen würdest. Die Eltern kehren bald zurück. Du bleibst über Tisch bei uns." Er verneigte sich zustimmend. „Meine Zeit ist zwar sehr gemessen, aber da ich bald abreisen werde —" Sie überhörte das Letztere, da sie im selben Augenblick auf die. Klingel drückte und dem Diener eilten Auftrag erteilte. „Emil, ich will Dir etwas erzählen, es darf Dich' aber nicht stolz machen. Zu meinem Geburtstag habe ich alle meine Freundinnen geladen, aber nur einen Herrn — und das bist Du!" Er rief mit komischem Entsetzen: „Wie, ich-alkein unter zwanzig Damen?" Sie lachte. „Fürchte Dich nicht. Mein Bruder bringt verschiedene Kameraden mit, die haben Säbel und lassen nicht zu, daß Dir von den Mädchen etwas geschieht." Er schwieg eine Weile, dann sagte er: „Lucie, ich danke Dir von Herzen für Deine Liebenswürdigkeit, aber verzeihe mir, ich kann Deine Einladung nicht annehmen." Sie erblaßte. „Weshalb nicht?" „Ich, der einzige Zivilist unter all den Offizieren würde die Rolle des sinnreichen Junkers von der Mancherspielen, doch das nebenbei. Diese Einladung bildet eine augenscheinliche Bevorzugung meiner Person, sodaß in ganz Neustadt darüber ge-' sprachen würde, und es wäre ehrlos von mir, wenn ich die Ursache dazu sein sollte." •' Sie sagte langsam: „(Sä soll eine Bevorzugung sein, es darf darüber geredet werden." Er sprach in festem Tone: „Es kan» und darf nicht sein. Außerdem reise ichin einigen Tagen ab und komme nicht mehr wieder. Ich wollte mich heute von Deinen Eltern und Dir verabschieden." Ein tiefes Stillschweigen erfolgte. Endlich sagte sie-tonlos:-„Du willst ü»s plötzlich verlassen und' erzählst das so. beiläufig,. so wie man von gleichgültigen ' Menschen 'scheibet." Er lächelte gezwungen. „Mein Scheiden wird keine Lücke bei Euch hinterkässen.. Mer ich werde häufig an die angenehmen. Stunden zurückdenken, die ich in Eurem gäMchen .Hause verleben dürfte." Sie hörte das Kalte, Konventionelle aus seinen Worten heraus. .. .. -' , . . . . Eine bittere Entgegnung schwebte ihr ayf den Lippen, als sie ihm in die. Augen sah. Sie taS darin etwas anderes, äks was seine Worte gesagt hatte», sodaß sie/ wie von einer inneren . Macht gezwungen, flüsterte: „Und ich glaubte. Du liebtest mich." Er antwortete dumpf: „Eben deshalb fliehe ich Dich." Sie blickte ihn mit hinreißendem Lächeln, an. „Bleibe hier, Emil, mein'Geliebter." Er rief schmerzlich: -„Das fürchtete ich'. Lücie, vergiß mich. Du kannst nie.die Meine werden." „Fürchtest Du meinen Bruder?" Er. lächelte mitleidig. „Nein Geliebte. Wenn Menschen zwischen uns stünden, ich ließe Dich' nicht, ich bliebe Sieger, - aber es steht Trennendes zwischen uns, was nicht zu überbrücken ist) Du bist Christin, ich bin Jüde." „Mein Gott, das ist doch nichts Unüberwindliches, Eines von uns kann ja übertreten." Er faßte ihre Hand. „Liebling, höre mich ruhig an. Eine Ehe zwichen uns Ist so unmöglich) wie zwischen Bruder und Schwester, Dein Vater wird Dir den Grund erklären. Und denke an die unseligen Konflikte in Deiner Familie. Sollen Deine Eltern das Opfer Deiner Taufe gebracht haben, damit Du doch eine» Gatteü aus der von ihnen verachteten Religion wählst?' Darf ich den unsühnbaren Haß Deines Bruders auf Dich lckoen, der die vielleicht richtige Ansicht hat, daß die Heirat seiner christlichen Schwester mit einem Juden seine gesellschaftliche Stellung, seine Karriere beeinträchtigen wird. Und wenn Du wieder Jüdin würdest, ich darf den Skandal in den Kreisen Deines Bruders nicht ausmalen." Sie rief leidenschaftlich: „Immer die Anderen! Habe ich nicht auch Anrecht'auf Glück? Wenn meine Eltern uns aus Eitelkeit taufen liegen, wenn mein Bruder kein Glied, sondern ein Sklave seines Standes sein will, mögen sie darunter leiden. Ich lasse Dich nicht." Sie warf sich an seine Brust. Er umschlang sie und brückte ihr glühende Küsse auf den Mund. „Liebling, wir müssen scheiden. Wenn die Erlüllung der Pflicht uns unglücklich macht, so tröstet uns die innere Beruhigung, wir Ivollen aber unser Unglück nicht verdienen. Wir sehen uns nicht mehr wieder." 6. Kapitel. Ein Wagen rollte vor. Stimmen wurden laut. Noch ein Küß und Lucie e.itte schluchzend aus den: Zimmer. Herr und Frau Eohnheim mit Rolf traten ein. „Der Tausend, Emil, bist Du hier allein?" „Nein Onkel, Lucie verließ soeben das Zimmer. Onkel, Tante" — er beachtete Rolf nicht — „ich wollte meinen Wschiedsbesuch machen. JH reise übermorgen ab und lasse mich in Posen nieder." Rolf trat interessiert näher. Herr Eohnheim rief erstaunt: „Was soll das heißen, was ist Dir eigentlich passiert? Ich denke. Du hast Dich'bis zu den Gerichtsferien verpflichtet." „Ich mußte mich rasch entschließen, weil ich jetzt in meiner Heimat günstige Chancen habe, ein Kollege hat meine hiesige Vertretung übernommen." Seine Tante, der die brüske Erllärung durchaus nicht Mßsällen hatte, sagte nun, trotzdem: „Lieber^ Emil, diese plötzliche Wreise, von der Du vor einigen jf£agen noch nichts wußtest, sieht einer Flucht ähnlich. Haben wir verdient, daß Du uns nrit dieser unbefriedigenden Erllärung verlässest?" Emil, dessen Gesicht einen gequälten Ausdruck annahm, kämpfte mit sich, , dann sagte er: „Du Hast Recht, Tante. Es wäre Undankvon mir, wenn ich Euch, die niich wie einen Sohn ausgenommen haben, mit Ausflüchten verließe. Ich wollte Dir, lieber Onkel, die wirkliche Ursache meiner Entfernung schreiben, aber ich werde sie Dir jetzt offen erllären. Ich bitte Dich um eine Unterredung unter vier Angen." Sein Onkel erhob sich. Der junge Mann reichte seiner Tante --die Hand' und sprach mit bebender Stimme: „Tante, ich habe-die glücklichsten Stunden bei Dir verlebt, ich werde es nie, nie vergessen. Tausendfachen Dank." Seine Tante, tief - bewegt, küßte seine Skirn. „Gott befohlen, Emil. Ich ahne, was, Dich wegtreibt. Du bist jung, Dir ist noch viel Glück ausgehoben." " - . „Herr Leutnant, leben Sie, wohl!" Rolf/, wider Willen bewegt, reichte, ihm die Hand' und sagte: „Na adieü, lieber Herr Vetter, und leben Sie.'glücklich!" , Emil stutzte, unterdrückte aber die. Worte/ die ihm, auf hen, Lippen, schwebten, und) verließ .mit seinem Onkel, das Zimmer. ,, Im benachbarten Müsikziiirrncr setzte,.,sich- Herr Eohnheim und sah seinen Neffen erwärtüngsvöll an. , .Dieser scharrte sich mit Wehmut in dem vornehm behaglichen Raum »m, in dem er so oft mit seiner Eousine' musiziert hatte, dann begann er, den angehoteneir Stuhl ausschlagend: „Onkel, ich mutz.Euch' verlassen, well Lucie und ich uns lieben." (Fortsetzung folgt.) s d I e i i < i i 1 i >

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