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Neue jüdische Presse · 1906-04-06 · Heft 14 (6.4.1906) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 14 (6.4.1906)
Date
1906-04-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14. Frankfurter Israelitischer Familienblatt. Seite 5. tische Ostafrika, ebenso wie übrigens auch der deutsche Teil des Gebietes, trotz der tropischen Lage ein durchaus gemäßigtes, fieberfreies und für Europäer auch bei schwerer Arbeit durchaus geeignetes Klima besitzt. Der einer Schönfärberei hier gewiß nicht verdächtige Bericht der zionistischen Kommission macht über das Klima des bereisten Gebietes folgende Bemerkungen : „Mit einem Maximum von 70—75 Grad (Fahrenheit) in der mittelmäßig warmen Jahreszeit die sich gelegentlich zu 90—100 Grad in der heißesten Zeit erhebt,- ist csklar, daß nur ein geringer Unterschied zwischen der Temperatur des Plateaus und derjenigen Europas in einem warmen Sommer besteht, obgleich infolge der Trockenheit der Atmosphäre eine hohe Teinperatur im ersten weniger unerträglich ist, _ als in unseren niedriger gelegenen Ländern." „Die Abwesenheit von Sümpfen und stillstcheiidem Wasser beugt dem einzigen Umstand vor, der ei» solches Land ungesund machen könnte. Mosquitos habe ich nicht einnial gehört, von der' Zeit an, wo ich Mombassa verließ, bis zum Tage unserer Rückkehr. Es läßt sich als» mit einiger Gewißheit annehmen, daß der „Anophclis"-Mosquito dort nicht vorkommt, und wenn die Männer der Wissenschaft Recht haben, daß der Anopheles ein Monopol für die Verbreitung von Fiebcrbaktcrien erworben hat, so wird die Malaria die zukünftige Bewohnerschaft nicht plagen. Da der „Tsctse"-FHcge allein die Fähigkeit zuerkannt wird, den Keim der Schlafkrankheit einzuimpfen, und es dort keine Flicgenregion gibt, so ist diese erstaunliche Krankheit unwahrscheinlich, wenn nicht unmöglich. Wir begegneten kaum Fliegen irgendwelcher Art. Nur in einem Lager sah ich welche und händigte Exemplare davon Dr. Roß, dem Bakteriologen der Regierung des Protektorates ein, mit deni Uebereinkommen, daß er inir das Resultat seiner Betrachtungen darüber und auch über einige Hischoboscas, die ich gesammelt hatte, mittcklen würde. Die Ursache des „Blackwater"-Fiebers ist noch bis zu einem gewissen Grade Geheimnis, und obgleich wir sagen können, daß diese Krankheit sowohl wie Dysenterie in einer solchen Höhe unwahrscheinlich sind, ist über diesen Gegenstand nichts mehr zu sagen. Es scheint also, daß die cinwanderndc weiße Bevölkerung erst alle die taufend und abertausend Krankheiten mit sich bringen muß, die in Europa sich entwickelt habe» und durch unregelmäßiges Leben und Verweichlichung großgczogen worden sind, und - die die Vorteile der reinen Plateauluft neutralisieren würden: sonst wird der ärztliche Beruf in Guas Ngishu nicht einträglich sein." Da derselbe Bericht an anderer Stelle auch mitteilt, daß selbst in der heißesten Zeit die Nachtteniperatur oft bis auf Fröste herabsinkt, so werden die weißen Bewohner dort wohl niemals in die Lage der New-Dorker kommen, von denen zur Zeit der „Hitzewellen" bekanntlich zeitivcilig Hundcrttaufcndeim Zentralpark schlafen. Aber der Redaktion der Rundschau scheint es erstaunlicherweise sogar entgangen zu sein, daß in dem von ihr selbst als Eideshelfer abgedruckten Sah aus dem Bericht des Gouverneurs Sadler der Gegensatz zwischen „Uganda" und „Ostafrika" ausdrücklich zum Vorschein komint. Es heißt dort, „daß es (Uganda) niemals derart wie Südafrika und Teile von Ostafrika ein von Weiße» bewohntes Land werden wird." Es ist von den Gegnern des Ostafrikaprojekts, zu denen auch die Redaktion der Jüdischen Rundschau gehört, jederzeit betont worden, daß die Beschäftigung mit der Ostafrikafrage der zionistischen Partei aus prinzipielcn Gründen nicht zustehe, daß man sich aber freuen würde, wenn die Wohltätigkeits- und Kolonisationsgesellschaften, in deren Hand die Frage gehöre, einen guten Erfolg zur Linderung der gegenwärtigen Not haben würde». Man hätte demnach von der „Jüdischen Rundschau", selbst wenn sie sich ganz als Fraktionsorgan der sogenannten „Zione-Zion" fühlt, eine gewisse wohlwollende Neutralität gegenüber den llnternehmungen der durch den Beitritt der besten nichtzioilistischcn Juden verstärkten Jto erwarten dürfen, nicht aber dieses Verhalten, für das die Annahme blinder Parteileidenschaft noch die mildeste Erklärung bildet, .das die „Jüdische Rundschau" selbst aber gegebenenfalls z. B. dem Berliner Tageblatt gegenüber nicht anstehen würde als Brunnenvergiftung zu bezeichnen. Schöneberg. D r. E m i l S i m o n s o n. Hierauf hat Herr Tr. Heinrich Loewe, Redakteur der „Jüdischen Rundschau", an derselben Stelle Folgendes geantwortet: Entgegnung. Der Zweck der in der „Jüdischen Rundschau" abgedruckten Notiz aus dem Bericht des Englischen Gouverneurs war lediglich der, einsichtigen Lesern zu zeigen, wie die Machenschaften zu beurteilen sind, die sich gegen die Objektivität der nach Ostafrika entsandten zionistischen Forschnngscxpedition richtete». Herr Dr. Simonsöhn freilich gehört offenbar nicht zu den Leuten, die der Expedition Unwahrheit, Tendenzmacherei usw. — die Ausdrücke waren auch etwas derber — vorwerfen, denn sonst würde er den Bericht nicht als Autorität gegen mich zitieren. Alle drei Berichte stimmen darin überein, daß das in Frage kommende Land für eine Massenkolonisation von Juden nicht in Betracht kommt. Mer es hat keinen Zweck, wenn ich ebenfalls aus dem umfangreichen Bericht der Expedition zitiere» wollte. Es genüge, de» Schlußsatz des ganzen Buches hier anzuführen: „Zum Schluß muß ich bemerken, daß ich dieses zuletzt entworfene Bild als das allzu optimistische ansehe, denn nur etwas kritischer mich verhaltend, müßte ich sagen: „Wo nichts ist, ist nichts zu machen!" Wer nach dem Bericht der Expedition noch glauben würde, daß in dem Lande des Chamber» lainschen Angebots eine jüd. Bolkskolonisation möglich ist, der muß entweder — wie das ja auch geschehen ist — den gelehrten Forschern Tendenz und lügenhafte Entstellung der Wahrheit vorwerfen, oder aber: mit ihm kämpften Götter selbst vergebens. Herr Dr. Simonsohn gehört offenbar einer dritten Gruppe an. Der Redaktion der „Jüdischen Rundschau" ist es keineswegs entgangen, was in dem von ihr abgedruckten Berichte gesagt ist: aber sie hält an dem Prinzip fest, lieber ganze Sätze im wirklichen .Zusammenhang abzudrucken, anstatt durch teilweises Abdrucken, einen ihr vielleicht bequemeren Sin» hincinzulcgcn. Ihren Atlas, will sie gern Herrn Tr. Simonsohn auf Wunsch einige Zeit leihen. Weil aber die Kolonisation Ostafrikas nach den Worten von Zionisten — wie z. B. Herzls — nicht durch die zionistische Partei in Angriff genommen werden sollte, sondern, wenn cs eine gute Sache fein sollte, diese unter günstigen Bedingungen den jüdischen Wohltätigkeit-- und Kolonisationsgesellschaften überlassen werden sollte, steht cs doch wohl auch den Zionisten zu, sachliche Kritik an dem Ugandaprojekt zu üben. Und wir haben eben ans dem Bericht der Expedition ersehen, daß British-East-Africa zu dem gewünschten Zweck untauglich ist, während in Palästina schon heute alle Vorbedingungen zu einer wirklich nationalen Schnellkolonisation gegeben sind. Die „Jüdische Rundschau" ist nicht ^das Organ irgend einer Fraktion im Zionismus, sie hat sich nur mit gutem Recht dagegen gewehrt, daß man den politischen Charakter der Gesamtpartei stiehlt, um eine halbzionistische Abart damit zu schmücken. Wir überlassen cs dem guten Geschmack der Leser des „General-Anzeigers", ob es gerechtfertigt ist, der Redaktion der „Jüdischen Rundschau" „tendenziöse Umwechscluiig" vorziiwerfen und „den guten Glauben" abzusprechen. Wir nahmen unsererseits sogar guten Glauben an, ivenn sich in Kolonisationsfragen ganz Unberufene und Sachunverständige um cinen Posten in der zionistischen Palästina-Kommission bemühen würde». Uns also Brunnenvergiftung vorzuwerfen, ist doch etwas mehr als gewagt, umsomehr, als wir erstlich dem Berliner Tageblatt, dem wir als einem von dein Christen Arthur Levysohn redigierten Blatte, wirklich keine Sympathien entgegenbringen, niemals Brunnenvergiftung vorgeworfen haben. Tann aber hat dieser Ausdruck zwar in der Rundschau gestanden, wurde aber von einer Herrn Tr. Simonsohn sehr nahestehenden Seite der Redaktion der Rundschau gegenüber angewandt, weil sie noch immer Palästina für das Stammland und Znkunftsland der Juden ansieht. Wir sind wirklich nicht journalistisch so ungewandt, um uns solcher Ausdrücke partout bedienen zck müsse». Endlich möchte ich aber doch darauf Hinweisen, daß man mit Zustimmungen, die man von Nichtjnden sammelt, keinen Staat, auch keinen Judenstaat machen kan», und daß die Jto bisher nur auf dem Papiere steht, da sie nur einen einzigen Mann hat, und das ist .Herr Zangwill, derselbe Herr Zangwill, der bis zum Ugandastreit ein so begeisterter Palästiner war, daß es keine besseren Waffen gegen den Territorialismus gibt, als seine Reden für Palästina (in Lipponcots Magazine, Oktoberheft 1899, in dem Daily Mail vom 11. Mai 1901, in seiner Rede bei den Maccabaeans in London 1901, in seiner Kongrcßrede 1902, in seiner auf demselben Kongreß gehaltenen Rede gegen die Jca 1902 und endlich in seinem Artikel im Speaker vom Februar 1902». Diese Liste kan» vermehrt werden. Nun bin ich freilich der Meinung, daß solche Difserenzcn, wenn sic von Zionisten — ich bi» Zionist — untereinander geführt werden, selbstverständlich nur in einer zionistischen Zeitung geführt werden sollten, indem man diese häuslichen Tifferenzen nur im Hause ausmachen sollte. Mit dem Hinanstragen an eine andere Oeffcntlichkeit erklärt man sich trotz aller Betonung des Zionismus, in der Tatsache bereits als außerhalb der zionistischen Organisation stehend. Aber auch hierin scheinen ja die Ansichten verschieden zu sein. Und warum nicht? Sind die Ansichten doch auch verschieden betreffend literarischer Kritik. Bin ich doch auf Grund einer auch den Lesern des General-Anzeigers bekannt gewordenen Rezension einer angeblich wissenschaftlichen Arbeit denunziert worden. Wird doch die Hetze gegen mich und meinen Zionismus immer noch frischfröhlich fortgesetzt. Ich erinnere nur an den letzten famosen Angriff aus Posen — der mit anerkennenswertem Mute anonym war — in dem der Richtung des Herrn Dr. Simonsohn so nahestehenden Frankfurter Israelitischen Familienblatt. Diese Hetze richtet sich gegen mich, weil ich an jener Schaukelpolitik nicht teilnehme, die biblisch mit dem schönen Ausdruck „Zwischen zwei Zweigen hupfen!" bezeichnet wird. So lange diese Hetze gegen mich. dauert, ivciß ich, daß ich auf dem "richtigen Wege bin. . Tr. Heinrich L o e iv e. (Fortsetzung folgt.) Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Lunch.) Sanistag, den 7. April (= 12. Nissan). Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 35 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 55 Min., Straßburg 7 Uhr 30 Min. Berlin 7 Uhr 31 Min. Pesach-Anfang (Montag Abend) in Frankfurt a. M. 6 Uhr 55 Minuten. Sanistag. den 14. April (— 19. Nissan). Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 45 Min.. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 05 Min., Straßburg 8 Uhr, Berlin 7 Uhr 44 Min. Pesach-Ende (Dienstag Abend) in Frankfurt a. M. 8 Uhr 15 Min., Straß bürg 3 Uhr 10 Min., Berlin 7 Uhr 50 Min. Der dieswöchentliche Thoraabschnitt ist „Zaw“. Er berichtet von dent Feuer, das ständig auf dem Altar, brannte, enthält.verschiedene Opfervorschriften (Speiseopfer-, Sühne- und Schuldopfer) und den Bericht über die siebentägige Weihe der Priester durch Moses. Sieben Tage halten die Priester ununterbrochen im Stiftszelte zu weilen. Während dieser Zeit brachte Moses die Einweihungsopser, während späterhin Moses — als NichiPriester — von Opfer- Handlungen ausgeschlossen war. Der Sabbat führt auch den Namen „Lchadhos hagodaul", der große Sabbat, zur Erinnerung an ein großes Wunder. A>s Israel noch in Egypten weilte, mußte es auf Gottes Befehl das Pesachlamm bereiten Die Egypter sahen die Vorbereitungen zur Opferung dieses von ihnen göttlich verehrten Tieres und — schwiegen! Keiner der Gewalthaber hinderte Israel bei Ausübung dieser Pflicht. Zur Erinnerung an dies große Wunder heißt der Samstag vor Pesach Lchahbos hagodaul, der große Sabbat. Die Gebeteinschaltung (öozer) handelt davon: in dem Abschnitt „Wajhi bachazi halajelo“ sind no ch andere Wunder (aus der Zeit der Richter. Könige rc.) aufgezählt, die der Tradition nach in der Nacht des 14. Nisan stattsanden. Endlich spricht die Einschaltung noch von den verschiedenen Borschriften beim Mazzobereiten und für das sögen „Käschern" der Gesäße. Es ist Gebrauch, an diesem Sabbat eine belehrende Predigt zu halten. wie am Schabbos sohuwoh. Püvatim soll jeder die Hagado durchgehen, durchlesen bis „Rabbon Gamliel aumer“ ic. Auf Samstag Nacht 12 Uhr „fällt die Tekufoh“, d. h. es läuft die 3. O.uartalswende ab. Die nächste erfolgt 15 Tage im Tamus. Die Borschriften für den Sederabend findet jeder in der Hagado. Nur Einiges scheint uns ratsam, zur Ergänzung und Aufklärung hier zu bemerken. Die sogenannten Mizw-o-Mazzos sind zum G ebrauche am Sederabend beim Backen eigens bestimmt und eigens beachtet! Sonsthin ist ihre Behandlungsart den anderen Mazzos gleich. Daß sie dicker sind, geschieht aus praktischen, nicht aus religiösen Gründen. Wird das Getreide gleich vom Schnitte an dazu gehütet, insbesondere am Schnitt-Tage gleich heimgefahren, so.sind die daraus bereiteten Mazzos die sogenannten „8chemuriw", gehütete Mazzos. Petersiliengenuß soll nicht an dre bitteren Leiden in Egypten erinnern, wie viele irrtümlich glauben. Es entspricht ungefähr dem Obst als Nachtisch, und wird diesmal vor der Mahlzeit genossen, um das Kind dadurch zum Fragen anzuregen. — Bon Mazzo, Moraur und Afikomon *) muß eine Oliven grüße verzehrt werden (= % Ei). Nur am Sederabend ist Mazzogenuß Pflicht, daher außer hamozi lechem noch die Brocho ascher kidschonu.al achilas mazzo, der uns „b ef o h Le n" hat, Mazzo zu epen. Während ganz Pesach dagegen nur die Brocho hamauzi lechem. — Das Ei auf der Schüssel erinnert durch seine Rundgestalt an den Rundgang der Trauer. In der höchsten Festesfreude sollen wir unserer gedrücktenLageinder Zerstreuung eingedenk bleiben (secher lechorban) und Uebermut meiden. Auch fällt stets der 9. Av auf den gleichen Wochentag wie der 1. Tag Pesach. — Die 4 Becher Wein entsprechen den 4 Ausdrücken, mit denen unsere Erlösung Verkündet ward: w’hozesi, w’bizalti, w’goalti, w’iokachti (2. B. M. 6. Kap.) Das Pesachfest erinnert in diesen Namen an schonende lleberschreitung von Israels Häusern, als Gott Egyptens Erstgeborene schlug Es ist „Regel", Wallfahrtsfest, da alle Männlichen nach Jerusalem zum Tenrpel zogen; es ist „Chaghoviv“, Fest der Aehrenreife; um diese Zeit reiften rm heiligen Lande die Getreidearten. *) Bon Afikomon soll man sogar 2 Olivengrößen verzehren, zur Erinnerung an das Pesach- und an das Freuden-(Gbagiga)Opfer.

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