Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1906)
- Date
- 1906-03-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. 7 Nr. 9. Schule der deutsch-israelitischen Gemeinde in R u st - schul einen Zuschuß von je 400 JL gewährt. Köln a. Rh. Auf Initiative des „Jugend- Verein Gabriel Riester" hat sich ein Komitee zur Veranstaltung einer Gabriel Riester- Gedenkfeier gebildet. In den Arbeitsausschuß dieses Komitees wurden gewählt: Referendar Apfel (Jugendverein Gabriel.Riester), Tr. jur. Apfel (Rheiiilandloge), H. Jonas (Zeiitralverein), Rabbiner Tr. Rosenthal (Hülfsverein), Fcilchenfeld (Arnicnverwaltung) und Tr. Bodciiheimcr (Zionistische Ortsgruppe). Oesterreich -Ungarn. Wie«. In der Zeit vom 1. Januar bis zum 8. Februar fanden hier 72 Austri.ttc ans dem Juden tu me statt. Es sind, wie inyiter, alle Stände vertreten. Unter den Fahnenflüchtigen finde» wir folgende Akademiker: Hof- und Gerichtsadvokat Tr. Hermann Brück, Sekundärarzt Tr. Oskar Scheuer, Regierungsrat Tr. Heinrich Glogau, .Hof- und Gerichtsadvokat Tr. Hersch rekte Heinrich Monat, Adjunkt Tr. Sigmund Kvfflcr, Hof- und Gerichtsadvokat Tr. Hugo Dub, Schriftsteller Tr. Oskar Friedländer und Tr. Leopold Weinberg. Wien, 26. Febr. Im D e u t s.ch e n Volkstheatler hatten „Die Juden" von Tschirik o w einen starken Erfolg. Rußland. Petersburg, 26. Febr. Die hier unter dem Vorsitz des bekannten Rechtsanwalts Winawer stattgehabte Konferenz der r n s fischen Jude n faßte keine endgültigen Beschlüsse, da nur ein geringer Teil der Teilnehmer für den Beitritt zu den bestehenden politischen Parteien stimnite, während die überwiegende Majorität für ein s c l l> st ä u d i g c s Vorgehen bei den T n m a w a h l e n eintrat. Nach lebhafter Debatte wurde ein A u s s ch n st gewählt, der sich mit den in Rußland bestehenden jüd. Organisationen in Verbindung zu setzen hat. um eine erfolgreiche Wahlagitation ins Werk zu setzen. Auch soll in stürze eine größere Konferenz der Delegierten aller jüdischen Organisationen in Rußland stattfindcn. Odessa. Der neue Justizminister Akimow hat den Senator Tawidow vom Amte des Vorsitzenden der hiesigen Gerichtskammer, in der viele Untersuchungen Übev die Metzeleien bevorstehen, beseitigt; wie verlautet, wird der unliebsam bekannte Kotljarcwski, der im Prozeß von Homcl der Vorsitzende war, an feine Stelle treten. Homek, 15. Febr. Die Bevölkerung befindet sich noch immer in einer panikartigen Sti mmu n g. Tie Stadt, die früher voll Leben war, ist hetzt eine Ruine. Es herrscht völliger Terror der Polizei- und M i l i t ä r w i l l k ü r. Seit dem Pogrom bemüht sich die Burcaukratie mit allen Mitteln, die Bevölkerung einzuschüchtcrn und den ruhigsten Bürgern einen heillosen Schrecken einznjagen. Groß ist nämlich der Zorn der hiesigen Polizeikreise, daß der teuflische Plan, den sie ausgeheckt hatten, so gänzlich mißlungen ist. Jetzt, da die Ereignisse vom 26. und 27. Januar mit allen ihren Einzelheiten unvcrhüllt vor aller Augen dastehen, zweifelt niemand mehr daran, daß die vom Militär inszenierte unheimliche Feuersbrunst hauptsächlich den Zweck gehabt hat, die revolutionären Elemente und möglicherweise die gesamte friedliche jüdische Bevölkerung durch Brutalität zu einem bewaffneten Aufruhr zu provoziere», damit ein fürchterliches Blutbad veranstaltet werden könne. Das Resultat ist nun foligendes: eine aufblühende Handelsstadt ist ruiniert, Werte im Betrage von zwei bis drei Millionen Rubel sind vernichtet und das Militär, das auf höheren Befehl hin schamlos gewütet und sechzehn Stunden hintereinander gegen hundert große und kleine Läden schlimmer als eine Räuberbande ausgeraubt, mit Petroleuni begossen und nebst den Gebäuden niedcrgcbrannt hat, dieses Militär hat den Gipfel der Frechheit, Roheit und Disziplinlosigkeit erreicht. — Was Wunder, wenn trotz der „cingetrctcnen Ruhe" die Ausschreitungen von Soldaten und Kosaken kein Ende nehmen und immer von neuem das Schlimmste befürchten lassen! Minsk. Hier sind in den letzten Tagen viele brotlose jüdisch'c Familien ans der Ilmgebung cingetroffen. Dieselben versuchen, hier Geld zu sammeln, um dann a u s z u w a n d e r n. Eine Anzahl derartiger Familien versammelte sich in einer Wirtschaft, um von ihren Bekannten Abschied zu nehmen. Tvch die traurige Abschiedsfcier, bei der zum Trost einige zionistische Lieder gesungen wurden, wurde unliebsam gestört; mehrere Polizisten erschienen und verhafteten den Wirt und die Anwesenden (20 Männer und 11 Frauen). — Wahrscheinlicher Grund: Abhaltung einer Versammlung ohne Erlaubnis! .- Brief einer Frau aus Hömel! Eine Last trage ich auf mir, die mich zu erdrücken droht! — Mein schwer verwundeter Mann liegt im Spital, mein einziger Sohn ist getötet, und ich allein bin im Hanse und niemand ist da, der sich meiner erbarmt. O, wie hart ist das Leben, das dem Menschen nicht einmal die Nahrung gewährt, die cs doch allen anderen Wesen schenkt! Es war Freitag, als man mir meinen Mann und meinen Sohn raubte. Mein Mann, der während der Woche sein mühsames Brot schwer verdient hatte, dachte schon mit Freuden an den Freitag Abend, an dem cs ihm vergönnt sein würde, im Kreise seiner Allgehörigen zu sein. Da kamen einige Kosaken ins Haus und verlangten Schnaps. Wir gaben ihnen alles,'was wir im Hause hatten, sogar unser letztes Klckinod: die Leuchter! Aber dies alles genügte den Kosaken nicht, den» Morden war ihr Begehr — und sie drangen auf meinen Mann mit ihren Waffe» ein. Mein Sohn, als er sah, daß sein Vater bedroht war, suchte ihn zn verteidigen; dadurch rettete er den Vater vor dem Tode, ward aber selbst getötet. N. S,gal. Berditschew Der hiesige Polizeimeister macht sich ein besonderes Vergnüge» daraus, d i c Juden ff w t jede Weise £ u chikanierc ». Am Samstag, den 17. Januar, morgens 9 Uhr — zur Zeit, als die Leute in der Synagoge waren — liest er von Soldaten und Kosaken mehrere jüdische Straßen umzingeln und Hans für Haus durchsuchen. Tie Untersuchung dauerte bis 5 Uhr abends, und während dieser Zeit liest man weder jemand i» ein Hans hinein, noch ans einem Hause heraus. Trotz sorgfältigstem Nachspüren lvnrdc nichts Verbotenes gefunden. Schweiz. Zürich. Am 4. März findet hier der erste t e rri t o r i al i st i s ch c D c l e g i e r t e n t ag der Schweiz mit folgenden Traktanden statt: 1. Eröffnung von Tr. D. Jochelma nn. 2. Wahl eines Tagesbnrcaus. 3. Bericht über die Tätigkeit des Territorialisinns. Referent: Tr. D. Jochclmann. 4. Unsere. Lage. Referent: I. K l a tz k i n. 5. Agitation. (Referent noch unbestimmt.) 6. Organisation. Referent: Tr. D. I o ch e l m a n n. 7. Parteitaktik. 8. Initiativanträge. 9. Wahl eines Landcskvmitces. 10. Varia. Spanien. Madrid. Der „El Siglo Futuro" erzählt, daß die Prinzessin von B a t t e n b e r g, die Braut des Königs, unter ihren Vorfahren Juden zählt. „Im Jahre 1776 befand sich die Landgrüfin Karoline von Hessen am Hofe der Kaiserin Katharina II.; es sollte damals unter ihren Töchtern eine Brautschau für den Zarewitsch startfinden. Im Gefolge der Landgräfiu befand sich auch eine Elsässerin, die familiär init dem Namen Kettel bezeichnet wurde und von der sonst kein Name bekannt ist. Tiefe heiratete einen Offizier iianicns Hauke, den Sohn eines deutschen Juden. Dieser Hauke war in den Dienst Katharinas getreten, um in Wolhynien den Posten eines Wojeden zu erhalten und , trat zum Lllthcranislnus über. Eine Enkelin Haukes und Kettels, Julie Therese, heiratete morganatisch den Prinzen Alexander von Hessen, und die dieser morganatischen Ehe entsprossenen Kinder erhielten den Namen Prinzen und Prinzessinen von Battenberg." Portugal. Lissabon. Zur Niederlassung der Juden in Portugal. Nachdem die Juden fast 250 Jahre ans Portugal verbannt waren, begannen sic vor etwa 10 Jahren sich allmählich von neuem daselbst niederzulassen. Ihre Zahl ist namentlich in Lissabon bereits so groß, das; sie vor zwei Jahren in der Lage waren, eine kleine, aber hübsche Synagoge zu errichten. Freilich ist die jüdische Gemeinde von' den Behörden nicht anerkannt, sodast sic offiziell noch gar nicht existiert. Tie Synagoge, die eine Sehenswürdigkeit Lissabons ist, gehört rechtlich keinem-Menschen. Nunmehr will man cs versuchen, diesem Nebel abznhelfcn. In einer kürzlich abgehaltenen Gemcindeversamlnlung wurde ein Komitee eingesetzt, das mit allen Rechten eines Gemelndcvorstandes ansgestattet worden ist. Tassclbe hat wiederum eine Reihe von Ausschüssen eingesetzt, von denen jeder mit einem besonderen Zweig des Gemcindcwescns sich besasscn wird. Der eine Ausschuß wird-den Gottesdienst überwachen, der andere die Becrdignngsangclegenheiten verwalten, der dritte die Matrikelbüchcr führen. In erster Reihe wird aber das Komitee bestrebt sein, die offizielle Anerkennung der jüdischen Gemeinde als solche und die Verleihung des Korporationsrechtcs an dieselbe herbeizuführcn. Afrika. Swakopmund. Eine jüdische Deputation bei dem Gouverneur von Deutsch-Süd» w e st a f r i k a. Vor kurzem hielt der ncuernannte Kaiserliche Gouvcruenr von Lindcquist in Swakopmund, der Haupthafcilstadt von Teutsch-Südwcstafrika, seine» Einzug. Bei seiner Ankunft wurde er n. a. auch von einer Teputation der jüdischen Kultusgemeinde, bestehend aus den Herren S. Stern, Präsident, M. Maudc, I. Brown, I. Cohen, M. Pieters, W. Wollmann, E. Fuchsberg, S. Gabrielsvn begrüßt, die ihm eine Adresse folgenden Inhalts überreichte: Sr. Exzellenz Herrn Gouverneur von Lindequist. Ellere Exzellenz! Tie hier anwesenden Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde Swakopmund. begrüßen Euere Exzellenz bei deren Ankunft in der Kolonie, deren Leitung den Händen Euerer Exzellenz anvertraut wurde, auf das Herzlichste und geben der freudigen Hoffnung Ausdruck, daß das Wirken Euerer Exzellenz zum Friedens- und Segenswerk für Teutsch-Südwestafrika werden möge. Tic Gemeinde spricht chrfurchtsvollst die Versicherung .unentwegter Treue zu Sr. Majestät, nnsereni asiergnädigsten Landcshcrrn, Kaiser Wilhelm II.' aus und bittet Euere Exzellenz, diese Versicherung an die Stufen des Allerhöchsten Thrones gelangen zu lassen. Swakopmund, den -21. November 1905. Israelitische Kultusgemeinde Swakopmund. (Unterschriften.) Tie Gemeinde empfing darauf folgendes Dankschreiben: Seine Exzellenz, der Herr Gouverneur, hat mich beauftragt, der israelitischen .Kultusgemeinde Swakopmund seinen besten Tank anszusprechcn für die geschmackvolle Begrüßungsadressc, die ihm bei seiner Airlunft im Schutzgebiet überreicht lvorden ist. Seine Exzellenz hat diesen Ausdruck des Vertrauens mit großer Freude entgegengenommcn. (gcz.) v. Jordan, Kaiserlicher Vize-Konsul. Tie Teputation der jüdischen Gemeinde war die einzige dieser Art, welche den Gouverneur empfing und Herr von Lindcquist nahm auch bei einer einige Tage später stattgehabteir christlichen Versammlung, zwecks Gründung einer evangelischen Gemeinde, Anlaß, ans diesen Umstand zurückzukommcn, indem er ansführte: „Er sei sehr herzlich empfangen worden und das habe seinem Herzen wohlgetan — aber nicht verhehlen wolle er, das; cs doch einen recht merkwürdigen Eindruck auf ihn gemacht habe, als er von der israelitischen Knltttsgemeindc als einzige Korporation dieser Art begrüßt sei, und so habe, er geglaubt, daß die Israeliten Wohl in der Ueberzahl unter den Religions-Gesellschaften, am Platze vertreten sein müßten, da sic allein erschienen seien." Aus de»» Vereinen. Frankfurt a. M. Mit der vorwöchentlichen Sidra hat 'der.Talmud-THora-Verein seine Freitagabend-Vorträge für diese Saison gefchlossle», 51111t großen Bedauern seiner Mitglieder, die .stets in großer Anzahl den Tarbietungeil der Redner lauschten. Außer den Herren Rabbinats-Kanjdidaten .Levi und Braun hatte Herr Lehrer H. Schwab sich in liebenswürdiger Weise in den T-icnft der heiligen Sache gestellt ünd sich durch seine vollendet schönen Vorträge den Tank der Zuhörer in hohem Maße erworben. Wie bisher, hält Herr Rabbinatsassessor Lepinsky am Sabbat vor Mincha und am Sonntag Vormittag von 9—10 Uhr Lehrvorträgc ab, deren Besuch lvarm empfohlen werden kann. Dieselben finden ebenfalls im Hörsaal der Synagoge am Börneplatz statt. Aus der zionistischen Bewegung. London. Es dürfte weitere Kreise interessieren, daß Israel Z a n g w i l l, seitdem er die „Jto" gegründet hat, außer in Verbindung mit den Angelegenheiten der Uv nichts geschrieben hat. „Der jüdische Hamlet", der aus seiner Feder in dem Januarheft des „Century Magazine" erschien, ist dem von ihm längst vollendeten, aber noch nicht veröffentlichten Buche „Ghetto-Komödien" entnommen. Wien. Auflösung zionistischer Vereine! Wie die „Pol». Korr." aus Krakau meldet, hat die dortige Polizcidirektion auf Anordnung der Statt- .halterei die Auflösung aller zionistischen Vereine mit Ausnahme von zwei Frauenvereinen vorgenommen. Die Lokalitäten wurden versiegelt. Dieser behördliche Akt ist zweifellvs auf Drängen d e s r c i ch s r 8 t l i ch e n P o l e n k l u b s erfolgt, den die von den Zionisten in Galizien sehr rührig betriebene Agitation zur Erzielung der jüdischen Autonomie sehr irritiert, weil er dadurch etwa acht bisher fest behauptete Mandate verlieren würde; auch würden bei Anerkennnng der jüdischen Autonomie die Inden nicht inehr aus Seiten der Polen jn ihrem Kampfe gegen die Rnthenen stehen, was .sie jetzt gezwungenermaßen tun. Takaissi (Japan). Hier hat sich ein Verein „Bnci Zion Haschwuim bcjapan" gebildet. Ter Verein hat für 100 Mitglieder den Schekel entrichtet. Obmann des Vereins ist Herr Josef Trumpeldorf, der sich als Soldat der russischen Armee besonders ausgezeichnet hat.