Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1906)
- Date
- 1906-02-02
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 5. das zu bearbeiten ist, erst dann wird der Beistand kommen.',!•■!'! Die Art dieses Beistandes ist hierbei durch Llesajin Lusan aüsgedrückt,. während zu erwarten gewesen llasokom mssajs aasi. Diese Bedeutung dieser ohne Subjektsbenennung hingestelltc» Mehrheit dürste sich aber so erklären, daß sich dem auf Das Gute, Reine mit festem Entschlüsse Hinausstenernden mannigfache Hilfe bieten wird, daß die Verhältnisse selbst, deren Regelung, Besserung, Reinigung er unternimmt» sich in überraschender Weise günstig gestalten, so daß sie sein gutes Streben selber fördern, daß sie auch ihrerseits, wie durch unsichtbare Schutzengel bearbeitet, helfen werden, ihm die Wege zu ebnen. Wir haben dies seit dem Beginne unsres Kampfes gegen die Schäden der unglückseligen Verbindungen, auf die im besten Falle ein gewaltiger Jozo Sechorim b’Hefsedom anwendbar ist, in wahrdaft überraschender und erhebender Weise bestätigt gefunden. Hier und dort drängt sich ein Lichtstrahl durch das Gewölk, das so gewitterdräuend sich über unsrem Horizont zusammengeballt hatte. Unsre Dankeshuldigung an den Allgütigen Banausen lajoez kauach bestelle darin, mit verdoppelter Kraft Leim letaber zu sein, bis durch seine Gnade zur Heiligung seines Namens das finstere Wolkendickicht zerreißen und das helle Licht seiner Lehre in vollem Glanze sich über unsrem Haupte erließen wird. Weniske kolonu mehero leamau. Aus aller Wett. Deutsches Reich. Frankfurt a. M.» 28. Jan. Anläßlich des Geburtstages S e. Majestät des Kaisers und Königs fanden in der Neuen Synagoge a m Börneplatz und in der S y n a g o g e d e r;Fsr. Religionsgesellschaft feierliche F e st g o t - tesdienste statt. Auch in der Löb R eiß' scheu Synagoge gedachte Herr Jacob 'S. Posen in seinem Vortrage am Freitag - Abend des Allerhöchsten Geburtstages. Berlin, 31. Jan. In der heutigen Sitzung des Reichstages, in der die erste Lesung des sogenannten „Toleranzantrages" des Zcnrrums auf der Tagesordnung stand, erlaubte sich der Zentrumsabgeordnete Os er in einer Polemik gegen den Abgeordneten Müller-Meiningen folgende mit dem Toleranzantrag wenig harmonierenden Worte: „Vermutlich hat Abg. Müller seine Weisheit aus einem Blatte, das auch nicht zu den saubersten rechnet, der „Frankfurter Zeitung", von der ja bekannt^ ist, daß sie, wenn irgendwo in Kroatien oder Slavonien einem Juden auf den Fuß getreten wird „Au wai geschrien" ruft." Dieser Ausspruch dürfte eine kleine Probe von dem Fahrwasser sein, in bas bas Zentrum wahrscheinlich geraten wird, sobald sein Toleranzantrag angenommen ist. Rumänien Bukarest. Die Nachricht von der A u s w e i s u n g von Wucherern a u s R u m ä n i e n, die dem flüchtigen Leser kaum irgend größere Bedeutung zu besitzen schien, ist für den Kenner rumänischer Verhältnisse von großer Wichtigkeit. Vor einigen: Jahren hat, der rumänische Kassationshof entschieden, daß die rumänischen Inden, das heißt diejenigen, die rumänische Untertanen sind, aus Rumänien nicht äüsgewiesen werden können. Diese Entscheidung, die das Los einer Viertelmillion Menschen bestimmte, war unbedingt notwendig, da bis dahiiydie Regierung jeden rumänischen Juden, welcher ihr oder ihren Anhängern nicht paßte, ohne den geringsten Grund ausgewiesen hat. Nun hat die jetzige Regierung auf Drängen mehrerer ihrer Parteimitglieder, welche diehohenSchuldenihrerHerren Söhne nichtbezahlen wollten, acht jüdische Bankiers, die rumänische Untertanen sind, trotz der obigen Entscheidung des Kassationshofes aus Rumänien ausgewiesen. Als Grund der Ausweisung wird von der Regierung „Wucher" angegeben. Es gibt aber bis jetzt in Rumänien kein Wuchergesetz. Der Grund, den die Regierung angiüt, ist also ein ungesetzlicher. Die Regierung hat durch diese willkürlich erlassene Verfügung einen Präzedenzfall geschaffen, der die rumänischen Juden ungeheuer schwer trifft, da sie jetzt wieder kraft eines von der Regierung verfügten Erlasses ausgewiesen werden können. Das führt aber in die Zeit zurück, wo die rumänischen Juden zu Fuß aus Rumänien auswandern mußten, was die Entrüstung des ganzen Auslandes gegen die rumänische Regierung hervorrief. Zieht mcui in Betracht, daß bei der Unmöglichkeit, andere Berufe als den kaufmännischen auszuüben, die Juden nunmehr jederzeit unter dem Vorwände des Wuchers ausgewiesen werden können, so erscheint der statuierte Fall als ein erneuter Vorstoß zur Entrechtung der rumänischen Juden, die, nebenbei gesagt, absolut keine Rechte haben. „Berl. Tgbl." Personalien. Frankfurt a. M. Herr Bernhard Wolfs, Mitinhaber der Weingroßhandlung M. 9L Wolfs, wurde zum Königlich Dänischen Konsul in Frankfurt ernannt. Berlin. Se. Majestät bat Professor Graziado Jsaja Askoli in Mailand zum auswärtigen Ritter des Ordens p o u r 1 e merile ssür Wissenschaften und Künste ernannt. (Professor Askoli ist der e r st e I » d e, w c l ch e m diese hohe Auszeichnung (bekanntlich die höchste, die der König von Preußen als Anerkennung wissenschaftlicher Leistungen verleiht) zuteil wird. — Von einer weiteren hohen Auszeichnung eines Juden ist zu berichten: Ter Vorsitzende des Zcntralvercins deutscher Staatsbürger israelitischen Glaubens und des Verbandes der deutschen, Inden, Justizrat Eugen F u ch s ist zum M i t g l i e d c der I u st i z p r ü f u n g s k o m in i s s i o n ernannt tvvrden. Justizrat Fuchs, der im 50. Lebensjahr steht, ist einer der angesehensten und gesuchtesten Rechtsanwälte am Kammergericht und gehört dem Vorstande der Anwaltskammer an. Er hat einen Kvmmentar zu den grnndbuchrechtlichen Normen des Bürgerlichen Gesetzbuches geschrieben. Berlin. Anläßlich des Ordenssestes bedachte Se. Majestät auch folgende Juden mit Orden: Archivrat Dr. Warschauer -Posen, Geh. Medizinalrat Dr. Rnbensohn - Grätz, Kommerzienrat M ü n - stcrberg -Danzig, Amtsgerichtsrat Cohn, Justizrat Feige, Geh. Medizinalrat Dr. I a c o b y - Breslau, Professor Dr. Perlbach, Landgerichtsrat Dr. P o l l a ck, Fabrikbesitzer Ludwig L e h m a n n , Justizrat H a a ck, Geh. Sanitätsrat S t r a ß m a n n- Bcrlini und Justizrat Wolfs- Lissa: R o t e r Adlerorden 4. Klasse; Geh. Medizinalrat Dr. Sander-Dalldorf: Kronenorden 3. Klasse; Geh. Kommerzienrat A r n h o l d - Berlin: Roter A d l c r o r d e n 3. K l a s s e. Berlin, vr. meä. Katzen st ein wurde zum Lehrer der Physiologie und Hygiene des Gesangs an der Kgl. Hochschule für Mu sik ernannt. Potsdam. Im 86. Lebensjahr verschied der Geheime Sanitätsrat Dr. Bernhard Zielen - ziger, der nicht allein als hervorragend tüchtiger und gewissenhafter Arzt geschätzt war, sondern auch als Dichter bekannt .geworden ist. Während der Feldzüge von 1864, 1866 und 1870/71 war der Verstorbene in den hiesigen Reservelazaretten als leitender Arzt tätig. Hamburg. In der letzten Repräsentanten-Sitzung der deutsch-israelitischen Gemeinde ist Herr Josef Hirschseld zum Gemeindevorsteher ernannt worden. - I Grätz in Posen. An Stelle des nach Berlin verziehenden Mühlenbesitzers H.' Meyer wurde Kaufmann Ephraim zum Vorsitzenden des Vorstandes der jüdischen Gemeinde gewählt. Wien. Kommerzialrat Ludwig Zwieback, der sich große Verdienste auf deni Gebiete der. Wiener Damenmodenkonfektion, Landesgerichtsrat Dr. Markus T s ch i a s n y, ein vielbeschäftigtes Mitglied des Appellsenats im Landgerichte und Baurat Karl Korn in Bielitz, ein hervorragender Architekt, verschieden in letzter Woche. Lemberg. Einsam und verlassen ist in Bukarest im Spital einer der letzten galizischen „Maskilim", Moses O r e n st e i n, 66 Jahre alt, gestorben. Orenstein, der eine sehr radikale'Richtung vertrat, war bereits Mitarbeiter des Lembcrger „Hamwaser" und schrieb viel für Smolenskin's „Haschachar". Er gehörte zu jener Gattung hebräischer Schriftsteller, denen die hebräische Sprache nur das Mittel war, um das hcbräischlcscnde Publikum mit der westeuropäischen Literatur bekannt zu mache», einer Gattung, die infolge der jüdischen Renaissance glücklicherweise nicht mehr vorhanden ist, und so war auch er schon Jahre vor seinem Tode bereits ein Toter gewesen. Neutitschin lMähren). Zum Direktor der hiesigen staatlichen Webschnle wurde Professor Sigm. Edelst ein und zum L a n d g e r i ch t s r a t an dem hiesigen Kreisgericht der Sternberger Gerichtssekretär Edm. Schenk ernannt. Bern. Ter Bundesrat ernannte den bisherigen Oberleutnant der Sanität Dr. SalomonWyler- Baden zum H a u p4 m a n n und den bisherigen Hauptmann von der Feldpost, Herrn Jakob Wyler - Basel zum Major. Paris. Solomon R e i n a ch ist zum Vizepräsidenten der A k a d e m i e der Inschriften und sch önen Künste für das Jahr 1906 ernannt worden. Rom. Der bekannte literarhistorische Schriftsteller Professor Alcssaudro d ' Ancona, Mitglied des Senats, wurde zum B ü r g e r m eister von Pisa gewählt. _ Alts den Vereinen. Frankfurt a. M., 25. Jan. Nach alter sinniger Gepflogenheit war auch in diesem Jahre der Jahrzeitstag Samson Rafael Hirsch's (27. Tewes) dem Gedächtnisse dieses Meisters im Vereine Nachal as Z w i-gewidmet. Um eine neue Seite aus dessen vielseitiger Betätigung als Vorkäinpfer für das orthodoxe Judentum zu beleuchten, stand sein Verhältnis zur jüdischen Geschichtsforschung auf der Tagesordnung. Schon im zweiten der 19 Briefe, so führte der Redner, Herr Max Nelt,berger, aus, äußert sich Hirsch über die Wesensart und die Wirkung einer jüdischen Geschichtsschreibung. Er ist ■ aber »och eine geraume Zeit ohne Berührung mit der spezielleil jüdischen Geschichtsschreibung geblieben, bis im Jahre 1846 Grätz eine Schrift „Gnostizismus und Judentum" herausgab, die er „dem Herrn Laudrabbincr Samson Rafael Hirsch, dem geistvollen Kämpfer für das geschichtliche Judentum, deur unvergeßlichen Lehrer, dem väterlichen Freunde in Liebe und Dankbarkeit" zueignete. In der Vorrede zu diesem Erstlingswerke offenbart Grätz schon eine Auffassung über jüdische Geschichtsschreibung, die von der S. R. Hirschs vollständig abweicht. Ihm ist Ansgangspnillt aller jüdischen Entwickelung D o g m a und m o d a l e Entfaltung des j ü d. L e h r b e g r i f f e s, während Hirsch das Judentum als geschichtliche E r s ch e i n n n g und seine Bestimmung, für die es in der Geschichte eintrat, als Basis jeder Entwickelung und somit einer jeden jüdischen Geschichtsschreibung anerkannt wissen will. Als daher im Jahre 1852 Grätz mit der Herausgabe einer Geschichte der Juden vom Untergange des jüdischen Staates bis zum Abschluß des Talmuds begann, wartete Hirsch nur deren Beendigung ab, um dann im Jahre 1856 in keiner Zeitschrift Jejchurun eine eingehende Kritik dieses Werkes zu geben, die eine vollständige Kenntnis der Stellung Hirsch's zur jüdischen Geschichtsforschung vermittelt und auch schon aus denkwürdigen Motiven von Bedeutung ist, als Hirsch schon damals vor genau 50 Jahren diese „jüdische" Geschichtsschreibung in ihrer Unzuverlässigkeit und tendenziösen Absicht gekennzeichnet hat und schon damals eine ähnliche Methodik der Untersuchung ausgestellt hat, wie cs heute mit überzeuguiigstreucr Nachwciskraft von Jsaac Halcvy in eingehenden systematischen Betrachtungen des ganzen vorliegenden Geschichtsstoffes geschieht. Redner gab dann in kurzen Zügen ein Bild der kritischen Betrachtungen .Hirschs und wies mehrfach auf dessen vorbildliche Art der Rezension, nicht nur zu verurteilen, sondern den Weg zu zeigen und zu beschreiten, der allein zum rechten Ziele führt, mit besonderem Nachdrucke hin. Hat doch Hirsch insbesondere der von Grätz ausgestellten Entwickelungsgeschichte der talmudischen Lehre, durch unwiderleglich nachgewiesene Thesen bezüglich der „sinaitischen Abteilnngsregeln" (bei Grätz „die 7 Regeln, die Hillel zuerst ausgestellt") den Todesstoß versetzt. Gegen dieses in dem Grätz'schen Werke durchjickcrnde Gist unwahrer und unjüdischer Geschichtsauffassung sich zu feien und es möglichst unschädlich zu niachen, sowie überall den zersetzenden Einflüssen tendenziös-rcformatorischer Wissenschaft die Stirne zu bieten, das ist die aus der Stellung S. R. Hirsch's zur jüdischen Geschichtsforschung zu schöpfende Nutzanwendung für alle, denen er der Bannerträger im Kampfe für jüdische Wahrheit geworden. Frankfurt a. M., 31. Januar. Die Jüdisch e Bibliothek und Lesehalle hielt gestern Abend ihre erste ordentliche Generalversammlung ab. — Der Vors, des Verwaltungsausschusses, Herr Dr. F e l i x K a u f f m a it lt, erstattete den Berich', dem wir entnehmen, daß der Verein 110 Mitglieder mit 1622 Mark Beiträgen zählt und daß cm den 97 Tagen, die die Lesehalle bereits im Jahre 1905 geöffnet tvar, dieselbe von 1356 Personen besucht wurde. Von den jüdischen Organisationen unserer Stadt haben die „Frankfurt - Loge" durch einen Beitrag von 300 Mark und der „Verein für jüdische Literatur und Geschichte" durch Schenkung seiner Bibliothek von '200 Büchern. kundgetan, daß sie die Gründung der Jüb. Bibliothek und Lesehalle mit Freuden begrüßen und ihre Bedeutung würdigen. Auch die erst seit kurzem erösfnete Bibliothek erfreut sich bereits eines zahlreichen Besuches. — Sodann berichtet Herr Hugo Schlesinger über die Kasse. Die Einnahmen beliefen sich auf 3187 Mark, nach Abzug von Miete, Gehältern, Mobilaranschafsungen rc. rc. verblieb am 1. Januar ein Bestand von 368,51 Mark. Von den Ausgaben wurden 633,75 für Bücher ausgewendet. Nachdem die Versammlung ohne Diskussion Decharge erteilt hatte, wurden einige Statutenänderungen zwecks notwendiger Eintragung in das Vereins-Register genehmigt und sodann die Neuwahl vorgenommen. Die bisherigen Mitglieder des Verwaltungs-Ausschusses: Direktor Dr. Adler, Rechtsanwalt Tr. Rudolf Geiger, S. H. Gold mann, Dr. med. W. Hanauer, Dr.. F. K a u f f m a n n, Dr. jnr. Siegfr. Schwarzschild, Fritz Sondh e i m e r und Hugo Schlesinger gingen als gewählt wieder aus der Urne hervor. An Stelle des Herrn Redakteur Saly Geis, der wegen Arbeitsüberbürdung eine Wiederwahl ablehnte, wurde Herr I. L. G o i t e i n in den Ausschuß delegiert. Frankfurt a. M. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt Herr Rabbiner Dr. D o c t o r aus Bruchsal einen Vortrag über die Musik bei den alten Hebräern und fesselte die Zuhörer nicht allein durch seine rednerische Begabung - und elegante Stylistik, sondern auch durch den Stoff, dessen interessante Darbietungen de» meisten neu waren. Die Tatsache, daß das jüdische Volk auch ans dem Gebiete der Musik das auserleseneVolk des Altertums ist, ist eben im jüdischen Publikum leider ganz unbekannt. Wohl ist eine Litteratur, die dieses Thema be-