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Neue jüdische Presse · 1906-02-02 · Heft 5 (2.2.1906) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 5 (2.2.1906)
Date
1906-02-02
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 5. handelt, vorhanden,- auch sind unsere jüdischen Gelehrten mit der Materie von jeher.betraut, aber Religionsunterricht und Kanzel vermeiden es iti unserem assimilierten Judentum ängstlich, von ' dem Judentum der Väter, der Geschichte der 'Ahnen plastische, lebenswahre Bilder zu geben. Redner sprach zuerst über die Bedeutung der Musik überhaupt und ging dann zu dem eigentliche» Thema über. Er erwähnte als ersten Musiker den im Kapitel 4 dcö ersten Buches Mosis genannten Juwol, von dem im 21. Verse dieses Kapitels gesagt wird: „Er war der erste aller Harfen- und Flötenspieler", erwähnte dann die Stelle bei der Einführung Jakobs durch Laban. (Kap. 31, Vers 27): „Ich hätte dich doch in Freuden und mit Gesängen, mit Pauke und mit Harfe entlassen", verweilte bei dem Durchzug durchs Rote Meer, nach dessen Gelingen Mirjam und die Frauen mit Pauken und mit Neigen, das Danklied für die Errettung „Oschiro laschem» ki goauh gooh" begleiteten, sowie bei den Schofarsignaleu in der Wüstenwanderung der Kinder Israels und ging dann zudem Tempel Salomos über, in dem ein Chor und Orchester zur Ehre des Herrn funktionierte», wie sic in ihrer Gewaltigkeit nie wieder nur annähernd erreicht worden sind. Sämtliche Instrumente mit Ausnahme der Streichinstrumente waren damals bereits vertreten, lieber die Zahl der Teilnehmer fehlen genaue Zahlen, doch mußten allein die Lewiten 4000 Mann stellen, und zur Leitung der gewaltigen Musik- Armee, die natürlich unter freiem Himmel spielte, waren allein 288 Dirigenten nötig. Zum Schlüsse gedachte der Redner auch noch der Psalmen, die heute — nach 3000 Jahren — noch ihre alte jugendliche Frische bewahrt und deren Rhythmus man sofort anmerkt, daß sie für die Vertonung geschrieben sind. Frankfurt a. M., den 31. Jan. Am 25. Jan. fand die diesjährige Generalversammlung des Gesangverein Ieschurun statt, die in anbetracht der Tagesordnung sehr stark besucht war. Der Vorsitzende gedachte zuerst in warmen Worten des herben Verlustes, den der Verein durch den .Heimgang seines eifrigen Vorstandsmitgliedes Herrn Adolf R o s e n b a n m s. .A. erlitten. Nach einem kurzen, Berichte über das abgelaufene Vercinsjahr entspann sich eine sehr lebhafte Debatte über den zweiten Teil der Tagesordnung. Es wurde beschlossen, den Verein seinen Grundprinzipien getreu weiterzuführcn und mit erneuten Kräften darauf hinznwirken, ein regeres Interesse für den Verein wachzurufeu. Ter Vorstand wurde beauftragt, eine Propagauda-Koininission zu wählen, die sich zur Aufgabe machen soll, aktive und passive Mitglieder zu werben und hosst man, daß deren Arbeit mit Erfolg gekrönt sein wird. Das Ergebnis der Vorstandswahl war folgendes : A. K l i b a n s k y, 1. Vorsitzender; M a x Stern, 2. Vorsitzender; Ludwig Gvrdon, 1. Schriftführer: Hermann B e n j a in i n (Wesel), 2. Schristsührer; S i e g f r. Oppenheimer, Kassierer; Obcrkantor B. P ess ach o witsch und S i e g m n n d H a l b e r st a d t als Beisitzer. Beuthen. Der Verein zur Förderung der Handwerker unter den Juden hat die Einrichtung eines A r b e i t s n a ch w e i s e s am hiesigen Orte beschlossen. Ter Beuthener Nachweis ist eine Zweigstelle der Berliner Zentrale und ist hierdurch die Möglichkeit gegeben, nicht nur die am Platze vorhandenen Vakanzen zu besetzen, sondern es findet ein wirklicher Ausgleich von Angebot und Nachfrage weit über die Grenzen des Ortes hinaus statt. Basel. Der Schomre Thora-Männervercin faßte in seiner unter dein Vorsitz des Herrn Charles Nordmann stattgehabten Generalversammlung den Beschluß, dem deutschen „Verband der Sabbatfreunde" beizutreten und gemeinsam mit ihn« die Stellenvermittlung für diejenigen, die den Sabbat heiligen wollen, in intensiver Weise zu betreiben. Ans der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M.. 30 Jan. Die hiesige zion. Bereinigung hielt gestern Abend im Saale des Hotel Dich! eine Versammlung ab, die „D i e S t el l u n g der Juden zum Schulgesetze" behandelte. Das Referat hatte. Herr Lehrer Barn ch Stern übernommen. In klaren Zügen gab 'Redner einen llcberblick über die bisherige und über die durch den Gesetzentwurf beabsichtigte Stellung der Volksschule im allgemeinen und der jüdischen Volksschule im besonderen und zeigte, ivclche schwere Gefahr die unveränderte Annahme des Entwurfes für den Bestand her 250 in Preußen cxistiereudeu jüdischen Volksschulen bedeute, indem er das Schicksal derselben — Auflösung, Einziehung des Schnlvermögcns — in die Hand der Kommune gebe. Nur in dieser einen Hinsicht kenne der Entwurf die jüdische Volksschule, sonst spreche er ausschließlich nur von der katholischen und der evangelischen. Wenn man bedenke, daß von den 250 öffentlichen jüdischen Volksschulen 150 eine .Höchstzahl von 20 Kindern (16 darunter sogar weniger wie 6 Kinder) haben und in der Regel in kleinen Gemeinden sind, denen es materiell Unmöglich ist, eine private jüdische Volksschule zu errichten, so scheine die Zukunft der jüdischen Volksschule und mit ihr des jüdischen Volksschullehrers in Preußen i>n düstersten Lichte. Fiir die Erhaltung des Judentums in unserem Lande sei, Frankfurter Israelitisches Familienblatt. die jüdische Volksschule von hervorragendster Bedeutung, denn, da die nichtjüdische» Volksschulen katholische oder evangelische Konsessionsschulen oder christliche Simultanschule» sind, so bedeute der Besuch der nichtjüdischen Volksschule für das jüdische Kind eine Einimpfung christlicher Ideen und damit eine Eutsrcnldung vom JUdentume. Nach dem sehr beifällig aufgenomincuen Referate, für das Herr H e r in a n h Frie s ländc r, der stellvertretende Vorsitzende, dein Redner den Tank der Versammlung aussprach, entspann sich eine sehr lebhafte Diskussion. Es sprachen die Herren: Jacob E t t l i u g e r, M e i e r Oppenheimer, Weil, I a n s o n, Tr. med. Jacob F e u ch t w a n g e r, L o r s ch, Tr. med. H a n a u e r und der Referent. — Ter Referent machte darauf aufmerksam, daß, wenn auch auf dem Laude die jüd. Volksschulen durch Wegzug zu Liliputaneranstalteu zurückgegaugen sind, in zahlreichen größeren und Großgemeidcn die Möglichkeit zur Gründung stattlicher jüd. Volksschulen vorliege; doch ans diesem Gebiete werde nichts getan, da unsere Gemeinde-Vorstände, statt die jüdischen Interessen zu vertreten, im Sinne der Assimilation wirken und den die positiven Religionen zu nivellieren bestrebten freisinnigen Parteien Vorspanndicnste leisten. Referent fragte deS ferneren, warum wir päpstlicher wie der Papst, sein sollen; während die beiden christlichen Konfessionen auseinanderstrebeu und ihre Schulen streng voneinander scheiden, tun wir nichts, unser jüdisches Bvlksschulweseu auf die Höhe zu bringen und ihm die Ausdehunng zu geben, die uns möglich sei. — Herr Oppenheimer, als früherer Lehrer in Westfalen, sagt, daß nach seinen Erfahrungen gerade in den kleineren jüdischen Volksschulen die glänzendsten pädagogischen Resultate erzielt werden. — Herr Janson erzählt, wie sehr sein Kind, das eine christliche Volksschule besucht, durch den Antisemitismus seiner Mitschüler zu leiden habe und plaidiert wärmstens für die jüdische Volksschule, die schon mit ihrem freien Samstage dem Kinde das Judentum erhalte. Frankfurt a. M. Am 14. Februar wird .Herr Tr. « o n d c r l i n g - Berlin im Saale der „Alemannia" einen Vortrag halten. Tas Thema ist noch nnbestiiniut. Frankfurt a. M. Bei der Expedition des Frkf. Israelitischen Familienblattes gingen für den Nationalfonds ein: Nachnm Goldmann Ehanuka-Lottospiel bei Familie Wolpe 0,50 .l(. Für Honorar von 2k. N. 5,— JL Hebräisches Sprachkränzcheu 20,20 JL 25,70 JL Der Reinertrag des Rezitationsabend der „Frankfurter Zionistischen Vereinigung" für unsere russischen Stammesbrüder beträgt nicht — wie in voriger Nummer ausgewiescn — JL 190,—, sondern JL 200,—. Tarnopol (Galizien). Der im Alter von 32 Jahren verstorbene AI o s e s F e d e r b n s ch hat dem zionistischen Arbeiterverein „Pauble-Zijaun" testamentarisch 25 000 Kr. vermacht. Ter Verstorbene war ein ruhiger, unverheirateter Mann, der sein Vermögen mit seiner Hände Arbeit erwarb; fiir die Zeit von 10 Jahren erhalten die Zinsen des Kapitals seine beiden Schwestern. Rom. Anläßlich der Landeskonferenz der italienischen Zionisten wurde der Präsident derselben, Advokat Dr. Ravenna, von dem König in besonderer Audienz empfangen. Der König erkundigte sich eingehend über den gegenwärtigen Stand des Zionismus. Philippopel, 17. Januar. Der fünfte Kongreß der bulgarischen Z i o n i st e n. Vor einer Woche tagte in Sofia der fünfte Kongreß der bulgarischen Zionisten, zu dem sich die 23 Telegierten, unter ihnen drei Frauen, rechtzeitig eingefunden hatten. Vor Beginn des Kongresses verrichtete der Rabbiner von Sofia, Herr David P i p a u o, ein „Haschkawahgebet" für den verstorbenen zionistischen Führer Dr. Hcrzl, sowie für die Opfer der russischen Barbarei. Tann begann der Präsident, Herr Tr. M a r c o R o m a n o, seine Eröffnungsrede, in welcher er nach einem interessanten ileberblick über die Geschichte des Zionismus und seinen Einfluß auf das jüdische Volk, ans die territorialistische Frage zu sprechen kam und den Territorialismus als eine große Gefahr für den Zionismus und sonnt für die gesamte Judenheit darstellte. Ter Tcrritorinlisiniis entreißt dem Zioiiismus seine besten Kräfte und lenkt sie von dem einzig richtigen Ideale ab, den Inden ihr Vaterland- Palästina zuriickzugewinuen. Keiner der Anweseuden wandte etwas gegen diese Stellungnahme zum Territorialismus ein und alle 23 Delegierten faßten die Resolution: „Ter 5. Kongreß der bulgarischen Zionisten nimmt den Beschluß oeS allgemeinen VII. Kongresses an, daß nur derjenige der zionistischen Organisation angchöreu kann, welcher mit dem Baseler Programm, demzufolge nur Palästina das jüdische Vaterland ist und sein kann, eiuverstaiideu ist". — Infolgedessen bestimmte der Kongreß: 1. die Territorialisten von der zionistischen Organisation auszuschließcn, 2. jede Tätigkeit im Sinne des politischen Zionismus, ein Nachtasyl für die Juden zu suchen, innerhalb der Organisation zu verbieten und 3. den Territorialismus bei jeder Gelegenheit in Wort und Schrift zu bekämpfen. Seite 11. Während bis jetzt das Zentralkomitee der bulgarischen Zionisten unter der Präsidentschaft des Hrn. D r. Marco Romano in Philippopel seinen Sitz hatte, wurde auf diesem Kongresse beschlossen, es nach Sofia zu verlegen, wo auch das zionistische Organ für Bulgarien, die wöchentliche Zeitung „Haschofar" demnächst erscheinen wird. Zum Präsidenten des Zentralkomitees wurde Herr D r. I e s ch u a Caieff - Sofia gewählt. I. Kanel.. Aus der Lehrerwett. Budweis lBöhmen). In der am 16. ds stattgcfundenen Sitzung der Repräsentanz der israelitischen Kultusgemeinde wurde als erster Rabbiner Herr Dr. T hieberger, derzeit Rabbiner in Kvmotau, als zweiter Rabbiner und Religionsprosessor für)' die Mittelschulen Herr Tr. Krakauer angestellti Berlin. In der Vorstandssitzung des Verbandes der jüdischen Lehrer vereine im Deutschen R eiche wurde ein st i in m i g der Beschluß gefaßt, dem nächsten Telegiertentag vorzuschlagen, eine Bestimmüng in die Statuten anfzunchmen, die sa^t, daß Fragen, die geeignet sind, religiöse Streitigkeiten Hertz o r z n r u f e n, im Verband nicht verHände l t w e r d e n d ii r f c n. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Wohllöbliche Redaktion! Die Mitteilung der Zeitungen, daß nunmehr der Ankauf eines f>2 000 Quadratfnß großen Geländes an der Hebelstraße für den Neubau des Philanthropins vollzogen ist, läßt mich das Wort ergreifen. Ich sehe ganz davon ab, ob der Neubau, der deni Gcmeindesäckel sicherlich eine nette Summe kosten wird, notwendig) war; wovon ich sprechen will, ist etwas anderes: Das Philanthropin ist anerkaiinterniaßen eine vorzügliche Schule, aber für die jüdische Erziehung ihrer Zöglinge leistet diese auch nicht das geringste. Ich konnte deshalb nie begreifen, warum eine jüdische Gemeinde fast 100 000 Mark jährlich opfert für eine Schule mit einer unkonfessionellen Unterrichtsmethode, und habe diese kostspielige Noblesse den Allüren der neologen Gemeinde- Autokratie zugeschrieben. Jedoch heute hat sich infolge des preußischen Schulgesetzentwurfes meine Shi» sicht insofern geändert, als ich Wohl das Philanthropin erhalten wissen möchte, doch wünsche ich, daß cs den Charakter einer von einer jüdischen Gemeinde verwalteten Schule erhält. Tas mindeste» was da zu verlangen wäre, würde neben dem im Geiste der Reform erteilten Religionsunterricht ein Religionsunterricht für die Kinder konservativer Eltern sein, auch muß der Unterricht im Hebräischen, der jetzt nur 1 oder 2 Stunden wöchentlich gegeben wird und fakultativ ist, obligatorisch werden und vermehrt werden. Soviel dürften die konservativen Gemeindemitglieder doch wenigstens von einer gerechten Verwaltung, die beide Richtungen berücksichtigt, erwarten. — Hier wäre für den „Zentralverein" ein ersprießliches Feld, hier hätte er Gelegenheit; zu zeigen, daß er Manncsmut besitzt! Civis juclaicus. Kunst und Literatur. D i e b i b l i s ch e G e s ch i ch t e f ür i sr a e l i t i s ch,e Schulen, erzählt von Ludwig Stern. Vermehrt und vollständig neu bearbeitet von B a r u ch Stern. Frankfurt a. M., I. Kaufsmann. „Tie biblische Geschichte" von Ludwig Stern, welche erstmals 1872 erschienen und inzwischen schon 12 Auflagen erlebt hat, erfuhr durch des Verfassers Sohn eine vollständige Neubearbeitung. Die bibl. Geschichte, die reife Frucht einer langjährigen Erfahrung, hat Stern's Namen in den jüdischen Schulen populär gemacht. Sterns Biograph, Lehrer Ding-' selber in München, sagt mit Recht von dieser pädagogischen Schöpfung, daß sie wohl keinem jüdischen Lehrer unbekannt sein dürfte, daß sie im Norden, und Süden unseres Vaterlandes Generationen jüdischer Kinder in die Geschichte unseres Volkes eingeführt hat. Ganz inr Sinne und Geiste des von Liebe für das Judentum durchglühten Verfassers ist die Neubearbeitung durchgeführt. Das Prinzip des Festhaltens am Bibelwort — darin erblicke ich den Hauptvorzug dieser biblischen Geschichte fiir israelitische Schulen — ist in der nun vorliegenden, neu bearbeiteten 13. Sluflage hochgchalten worden. Ter „würdige Ernst und die Anschaulichkeit der Bibelsprache" wurde nirgends verletzt. Tas schloß jedoch nicht ans, die biblische Geschichte dem geistigen Standpunkt der Kinder entsprechend zu gestalten, deni Geiste der deutschen Sprache gerecht zu werden. Die mannigfachen Iliuäuderungen des bisherigen Textes, die vorzüglich gelungene Neubearbeitung einzelner Partien, die Beifügung von Teilzielen lassen den Herausgeber als den bewährten Praktiker, als den psychologisch erfahrenen Schulmann erkennen. Die Erweiterung des Inhalts durch Einfügung von poetischen und prophetischen Stücken, erscheint mir al»

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