Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1906)
- Date
- 1906-01-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2692297-2692460-2692464--02180-2696755- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
•: r r:-::~. ■' :j'—; ■, r •'■•■ -: •; t- ---, |V P. . Gelte 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 4. seine und des Herrn Dr. Lichtenstein-Neuwied Be» mühungen bereits, ein solcher Verband gebildet worden. Herr Hermann Wahl - Barmen berichtet über den Verbandstag der deutschen Juden, Herr Rabbiner Dr. R o s e n t h a l -- Köln referiert über den V o l k s s ch u l g c s c tz e n t w n r f. Nach eingehender Diskussion über dieses Thema nimmt die Versammlung eine Resolution an, die ihr Einverständnis mit der Denkschrift des Verbandes der deutschen Juden ausspricht, auf die traurigen Folge», die eine unveränderte Annahme dieses Entwurfs für eine Anzahl jüdischer Gemeinden der Rhcinprovinz haben würde, aufmerksam macht und die Erwartung ausspricht, das; die Landtagsabgeordneten der Rhcinprovinz einmütig die vcrfassuiigSniästige Gleichberechtigung der Juden, welche der Schutgcsetzciitwurf durchbricht, schützen werden. Ten Schluß der Tagesordnung bildete» W a h - len. An Stelle der zwei ausgeschiedciien Ausschuß- Mitglieder wurden die Herren Stadtrat Lob--Trier und Hanptlehrcr Gras-Essen neugcwählt. Oesterreich-Ungarn. Prag. Das Stadtvcrordnetcn-Kollegium beschloß, die im Josefstädter Assanieriingsrayon gelegenen . Gr o ß cn h o fn n d Z i g c u n c rs y n a g o g e n behufs Demolierung anzukaufen. Anstatt dieser Synagogen wird eine neue in der Jcrusalcinsgasse gebaut. Die Großcnhos-Shnagoge liegt knapp an der neuen St. Niklasstraßc an der Ecke der Schnchtergasse. Sie war zum größten Teile Eigentum der Josefstädter Fleischergenossenschaft. Auf dieser Stelle hatte im 16. Jahrhundert die reiche jüdische Familie Nosek ein Haus: vordem stand hier das Hadischc Haus mit einer Mälzerei, ein weitläufiges Gebäude, das bis in die Rote Gasse reichte, mit einem großen Hof, daher die Benennung „im großen Hof". Von diesem Hanse wurden dann einzelne Bauparzellen abverkaust. Ter ganze Platz hieß damals „Hinter den Juden" und die ganze Umgebung „Großenhvfgasse". Tie Zigeuncr-Lhnagoge ivnrde von einem gewissen „Zigeuner" gegründet; der Name wurde dann ins Tschechische mit „Cikanska synagoga" übersetzt. Doch hatte hier in dieser Gasse ein jüdischer Sckächter Namens Pkoscs Cikän ein Haus. Brünn, 22. Januar. Hier fand eine Versammlung statt, welche von über 700 Personen besucht war. Der Redner sprach unter großem Beifall der Versammlung über die Prinzipien und Ziele der Bewegung zur Erreichung der j ü bischen A n t o - n o m i c. Im Laufe der Debatte kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen Zionisten und Sozialdemokraten. Budapest. Eine wichtige Konferenz stndet dieser Tage hier statt; es ist die erste Versammln n g der von der orthodoxen 100er Landcs-Reprttsentanz gewählten lögliedrigcn Z c n t r a l - K o ni - Mission. Bisher hatte die vierteljährlich einmal zu tagende Kommission noch keine Sitzung abgchalten, weil die Statuten der orthodoxen jüdische» Organisations-Ergänzung ministeriell noch nicht bestätigt Ivaren. T.-A.-Ujhcly (Ungarn). Im Schoße der hiesigen s e p h a r d i s ch e n Gemeinde gab es seit längerer Zeit Wirren, die die Gemeindcmitglieder in zwei Lager teilten. Die eine Partei, mit dem 'Gemeinde- Präsidenten Leopold T e i t e l b a n m an der Spitze, räumte im Sinne der Gcmcindcstntnten nur den Kultnssteuer zahlenden Gemeindeinitgliedern das Stimmrecht ein, während die Anhänger des Vorstandsmitgliedes Leopold K r a n s auch die von der Kultnssteuer dispensierten.,Gemciiidcmitgliedcr für stimmberechtigt erklärten. 'Die Kraus-Partei schrieb für heute die Gcmeindewahlcn aus, während die Teitelbanin-Partei dieselben für den 17. d. M. anberaumte. Die Wogen der Wahlbewegnng gingen in beiden Lagern sehr hoch, bis henke endlich ein Ausgleich zu Stande kam. Es soll nämlich eine Repräsentanz gewählt werden, die ans Anhängern beider Parteien bestehen wird und den Beschlüssen derselben wird sich die Gemeinde fügen. Ter am 10. d. stattgehabtc Calieoball des hiesigen israelitischen Volksküchenvcrcins ergab ein Rcincrträgnis von 1000 Kronen. Vor dem Balle fand zu Gunsten der Volksküche eine Vorstellung mit einem Teile der Kassar Theatcrgesellschast statt. Zum Andenken an die Wohltäterin der, israelitischen Volksschule in Homviina, weiland Witwe Johann K r a n z t h o r; die zur Erweiterung der jüdischen Mädchenschule ein in der Hauptgassc gelegenes Haus vermachte, fand dort hörige Woche eine pietätvolle Traucrfcier statt, bei welcher Gelegenheit Schuldirektor Samuel L c n-g y c l die Denkrede hielt. Schweiz. Zürich. Die freie Schweiz! Ein enicutes Vorgehen von Seiten der russisch-jüdischen Hausierer, die Zurücknahme des H a n s i e r v c r b o t s zu erwirken, hat bei der Regierung, wie zu erwarten war, wenig Erfolg gehabt. Es war von vornherein beschlossene Sache, die russisch-jüdischen Hausierer los zu werden. Die Hartnäckigkeit, mit der dieselben trotzdem, von der Not getrieben, wieder und wieder versuchten den Beschluß rückgängig zn machen, hat lediglich bewirkt, daß die Regierung nach weiteren Gründen für ihre Maßregel suchte. Sie verweist jetzt in ihrer eriieuten Mwcisung des von Herrn Rechtsanwalt Dr. Marthalcr für 22 solcher Hausierer eingereichten Gesuchs auf polizeiliche Erhebungen im ganzen Kanton, denen zufolge die russischen Inden als srech, zudringlich, unanständig und lügenhaft bezeichnet werde». Ans besonderer Gnade wird an solche, die durch die Vcrsügnng besonders hart betroffen ivordeu sind, noch bis zum Frühjahr ein Patent gegeben tverdcn. — Nach unseren Informationen sollen von dieser Gnade nur diejenigen pro- . filieren, die 5 oder mehr Kinder haben, und das sind im ganzen 0 Familien: auch ist der Preis des Patentes auf das Doppelte erhöht lvorden. — Das „Voltsrecht" gibt „ans einem alten Buche" eine Zusammenstellung über Aufnahme von Flüchtlingen in Zürich in früheren Zeiten und stellt dem gegenüber das Verfahren der zürcherische» Behörden der Gegenwart gegen die russischen Flüchtlinge. In der Tat geht ans dem Artikel im „Volksrccht" hervor, lvie tolerant man namentlich im 17. Jahrhundert Flüchtlinge in der Schweiz behandelte. So kamen 1685 an 1000 Personen aus Frankreich, die dann auf die einzelnen Städte nach Proportion verteilt wurden, Zürich nahm 80 auf. Schon im Jahr darauf kamen wieder etliche 1000 Seelen von den Piemontescrn und ivnrdcn besonders in Zürich verpflegt und anfgenommen. lind zivci Jahre später kamen wieder reformierte Franzosen, von denen Zürich allein 710 behielt und über den Winker beherbergte. („Jsr. Wochenbl.") Großbritannien. London. Die wissenschaftliche Sitzung, welche die 0) escllschaft der M a k k a b ä e r jüngst abhielt, legte wieder einmal den Beweis dafür ab, wie wenig der An ti se in i ti sin u s in England Boden g c f n n d c n hak. Professor M e l - d o k a hielt als Vorsitzender eine Ansprache, worin er die Leistungen der jüdischen Rasse für den Fortschritt der Philosophie und Naturwissenschaft hervorhob. Es sei diese Rasse gewesen, die der Philosophie einen Maimoiiidcs und Spinoza, der Astronomie die Familie Hcrschcl, der Botanik einen Ferdinand Cohn, der Chemie die Mayers, Brühl und viele andere, der Physik einen Lippmann und Heinrich .Hertz gegeben habe. Prof. Meldola toastete auf die Wissenschaft und ans die Namen derer,-die als Vertreter der verschiedenen wissenschaftlichen Institute der Einladung gefolgt waren. Unter diesen befanden sich die klangvollsten Namen der englischen Wissenschaft, so von der Royal Society der Präsident Hnggins und der Geologe Archiüald Geikic, für die Royal Institution der Herzog von North,imberland, ferner der Altmeister der Chemie, Henry Roseoe, und sein jüngerer, aber nicht weniger weltberühmter Fachgenosse, William Ramsay n. a. Rußland. Petersburg. .Jewrejskij Raüotschij" l.Dcr jüdische Arbeiter") nennt sich eine neue in russischer Sprache erscheinende Wochenschrift, die von „Bnndisten" in Petersburg hcransgcgcben wird oder vielmehr: hcrauszugcben versucht wurde. Denn schon die erste Nninurer hatte die Folge, daß eine Abteilung Polizeibcamte ans der Redaktion erschien und das Blatt konfiszierte. Italien. Genu«. Das Blatt „Cassaro" erklärt inbeziig ans die vom Pap st »nternoinmeuen Schritte zu Gnnste» der religiöse» Freiheiten in M a r v k k o , daß man bei den meisten Regierungen den Standpnnkt vertrete, daß dieser Schritt des Heiligen Stuhlcs einen politischen Charakter trage und man sich daher demselben nicht nnschließen könne. Rumänien Bukarest, 23. Januar. Neue antisemitische Exzesse in B e s s a r a b i e n. In K i s ch e n c >v haben während des Wasserwcihfestcs neue antis c in i t i s ch e A n s s ch r c i t n n g c » stattgefundcn. — Im Marktflecken Orlicw wurde der wohlhabende Jude K n p f e r m a n n mit Familie in furchtbarster Weise gemartert und beraubt, die einzige Tochter wurde von Rvlvdies iveggcschlcppt. — In S ü d b e s s a r a b i c n dauern die antisemitischen Exzesse fort. Jude n h ä n s e r w e r d e n i n B r a n d g e st e ck t, die B c h ö r d e n l c h n e n e S a b, T r n ppen zii m S ch« he d er I n d en zn schi ckcn. Amerika. New-Aork. Die Vereinigung der orthodoxen jüdischen G c m c i n s ch a f t e n in den Vereinigten Staaten und C a n a d a versandte den folgenden Brief an alle ihre Mitglieder: Wir haben niisern leidenden Brüdern in Rußland Hülse gewährt und müssen sic ihnen weiter gewähren, aber -wir müssen uns vvrbcrciten, die Flüchtlinge zu emvsangen, und wir müsse» Sorge tragen für einige der'Waisen. Erstens: Wieviel Flttchllinge sönncn Sie in Ihrer Stadt ausnehmen und ihnen zn einer Beschäftigung verhelfen? Zweitens: Wieviel Waise» siiiden dori Heim in religiösen Familien? Wir erbitten aus diese beiden Fragen innrrhakb einer Woche Antwort. H. Sereira Mendes, Präsident; Albert Lneas, Isidore Hershfield, Sekretäre. China. Shaugai. Herr Oliver Bainbridge, der ich vor einiger' Zeit nach Kaiscngf u (Provinz -Honan) begeben hatte, um die Ueberbleibsel der dortigen, einst so mächtigen jüdischen Kolonie zu besuchen, ist am 19. November nach hier zurückgekehrt. Der Erfokg seiner Reife besteht in einer Anzahl Photographien von Tenipeln, Palais und Moscheen, in zwei sehr kostbaren Dokumenten und endlich in einer 100 Jahre alten, Thorarolle. Die Kaijeiigfuer Juden kämen ihm 'freundlich entgegen und übergaben ihm einen Aufrus an ihre europäischen Brüder, der sie ersucht, zu dem Aufbau einer neuen Synagoge, beizusteuern. Personalien. Berlin. Dem Geheimen Baurat E g e r und dem Geheimen Baurat Dr. R a t h e n a n wurde der Kronenorden 2. Klasse und dem Bankier C. W. Simon s-Düsseldorf der Rote Adkerordcn 1. Klasse verliehen. Breslau. Anläßlich seines Uebertritts in dm Ruhestand wurde dein Gerichtsarzt Medizinala r z t T> r. Ster n der Rote A d k e r v r d e n 1. Klasse verliehen. Wie». Professor Gustav Bickell, der jüngst verstorbene katholische Theologe und Orientalist, hat sich durch Enklarviing aiikisemitischcr Talmudfälscher ein Verdienst erworben. Er ersuchte auch, den Prof. Rohling nicht als Sachverständigen im Prozeß Rohling gegen Bloch zu bestellen, da er sich gegen Rohling aussprechcn müsse, was ihm bei ihrer langjährigen Freundschaft peinlich sei. lind den Dr. Ecker in- Münstcr, eine andere „Talmiidantoritüt" brandmarkte Prof. Bickell als „Industrieritter". Ncuhaus (Oesterreich). Bei der am 15. ds. Mts. stattgefundeiien Wahl eines Mitgliedes der R c p r ü - 'e n ka n z der La nd cs-In dcn sch a ft des Königreichs Böhmen wurde der hiesige Fabrikant und Knltusvorsteher Siegln und Singer für de» Budweiser K reis g c w ä h l k. . Drohobhcz lGalizien). Als Opier seines Berufes verschied in seinem 3ü. Lebensjahre der überau-, geschätzte Arzt Dr. med. David B e r in a n n in B o r i s k a w. Der unübersehbare Lcichenzüg — die gesamte Bevölkerung ohne Nntcrschicd einschließlich der osfizicllen Persönlichkeiten gab das Geleite — legte Zeugnis von einem Leben ab, das den idealen Beruf dc-s Arztes in edcler Weise erfaßt hatte. Ans dem Friedhofe sprach auch der Pfarrer von Boriskaw, .Herr Gromada, der den Hingeschiedenen als Arzt und Mensch schilderte. London. Joseph Israels, der berühmte holländische Maler, und Salomo n I. S a l o in o n, ein hervorragender englischer Maler — auch bekannt als Mitbegründer des Makkabäerklnbs in London und als Vorstaiidsmirglied der jüdisch-territorialistischen Organisation — sind zu Mitgliedern der e n gtischen k ö n i g l. Akademie gewählt worden. Ein kleines Drama. Erzähtnng von Ben- A in i. Autorisierte Ilebersetzung ans dem Russischen von L. Caro. (Fortsetzung). Ihre Kinderlosigkeit betrübte sie gar sehr, und nicht selten vergoß darob Chinka heiße Tränen, besonders in der Synagoge. Jedoch in der Uebertegnng, daß „man von Gott nichts erzwingen kann" und daß sie es wahrscheinlich so verdienen, haben sie nun zu murren anfgchört und suchten einen anderen Trost, ein anderes Ideal, das ihr Leben anSfnllen soll. Vorher trugen sie sich mit dem Gedanken herum, ein Pslegekind anznnchmeii und cs als Sohn zu adoptieren; aber ein solches Kind war nicht zu bekommen Welcher Jude, selbst der ärmste der Armen, wollte sich den» von seinem Kinde scheiden — und hätte er auch ihrer ein Dutzend. Und nun übertrugen sie ihre ganze Liebe, ihre besten Gefühle — ans die Synagoge, wo sie Trost in der Gegenwart und .Hosfnuiig in der Ziitnnst fanden. Bald ließen sie auf ihre Kosten' ein „Ncr Tomid" (ein „ewiges Licht", das in der Synagoge nnnnterbrochcn brennt) cinrichten, bald verwendeten sie ihre letzten, schwervcrdienten Groschen ans ein „Pareicheß" (ein Vorhang über die Bundeslabe), aus ein smninetneS