Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 4 (1906)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1906)
- Date
- 1906-01-05
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1. Zahlreiche Flüsse und Bäche fließen von den Hochebenen Djolan und Choran dem Jarmnk während seines ganzen Laufes zu und mehrere seiner Waadi entspringen serne im Osten, in den Bergen des Choran und des Tjebel-Drus. Ter Jarmnk kann es an Wasserreichtum mit dem Jordan aufiiehmem Nach annähernder Messung des Jarmnk, die ich im März in' seinem unteren Laufe vorgcnonnnen habe, ergibt sich folgendes: Breite des Flusses ca. -10 Meter. Mittlere Tiefe ca. 0,5 Meter. Mittlere Ltronigcschwindigkeit ca. 0,7 Meter pro Sekunde. Mittlere Wassermenge also etwa — 40 mal 0,5 mal 0,7 — 14 Kubikmeter Pro Sekunde. Anl unteren Laufe des Jarmnk, nachdem er das Gebirge verlassen hat, kann man Dämme errichten für Gefälle von 3 bis 5 Meter, so daß inan schon hier Effekte von 450—700 Pfcrdekräftcn an jeder Station erzielen kann. Das Gefälle des Jarmuks aber, >vie auch seiner Nebenflüsse, beinißt sich im Gebirge auf Tunende, ja auf Hunderte von Metern, und die Gesamteiiergie des Jarmuks und seiner Nebenflüsse auf 14 000 Liter mal 700 Meter mal 1/1-, Meter, 0,75 100000 effektive Pferdekräfte geschätzt, ist bei weite!» nicht übertrieben. Als Illustration dafür, welche Bedeutung als Wasserkräfte in Palästina die kleinsten Bäche, mögen sie au Wassergehalt noch so unbedeutend sein, gewinnen, diene folgendes Beispiel: In der jüdischen Kolonie Djilin in Choran hatte ich Gelegenheit, einen kleinen Bach, A b n - E l - F i d - j i l, zu messen, und es ergab sich, daß derselbe bei einer Breite von nur 0,0 Meter, bei einer Tiefe von nur 0,235 Meter, bei einer Stromgeschwindigkeit von 0,9 Meter in der Sekunde, also bei einer Wassermenge bloß von 0,9 nial 0,235 mal 0,9 mal 1000 — 1J90 Liter per Sekunde, wegen seinem Gefälle von über 150 Meter einen Effekt von ca. 300 Pferdekräften zu entwickeln imstande ist. Derartige Bäche und Wasserfälle kommen in Transjordanien sehr häufig vor, welche Wassermühlen betreiben Und nicht selten findet man dort 5—0 Mühlen, die auf dem Abhange eines Berges gelegen sind, eine nach der anderen, so daß das Wasser, welches die eine Turbine verlassen hat, nun die zweite in Bewegung setzt. Ter Jarmnk und seine Nebenflüsse umfassen die große Hochebene des Choran, Djolan und Adjnlan, welche sie in der Länge und in der Breite durchancren. Dadurch aber, daß dieselben in schmalen, an Dutzenden, stellenlveise an Hunderten von Metern tiefen Klüften fließen, sind sie von nur geringer Bedeutung für die Bewässerung dieses rcgcnarmeu Gebietes. Die Agronomen, Verwalter von Kolonien, träumen von der Errichtung hoher Dämme in den Bergklüftcn, um durch Hebung des Wassers große Wasserbehälter zu schaffen und dadurch den Jarmnk und seine Nebenflüsse für Bewässerung nutzbar zu machen. Die Durchführbarkeit und Rentabilität solcher Anlagen wird die Zukunft zeigen, gegenwärtig aber sind diese vielen Nebenflüsse ausschließlich für die Exploitierung ihrer Wasserkräfte von Interesse. Das Gebiet, welches das Jarmuksyftem einnimmt, bildet eine fruchtbare Hochebene, die wegen der Güte und der Fülle ihres Getreides im Orient berühmt ist und infolge ihrer von der Meeresküste entfernten Lage wahrscheinlich auch in der Zukunft die Kornkammer Palästinas bleiben wird. Aus nämlichem Grunde erscheint auch die Verwertung der Wasserkräfte des Jarmuk und seiner Nebenflüsse weniger bestimmt für industrielle Unternehmungen als für den Betrieb von landwirtschaftlichen Maschinen, wie elektrische Pflüge Dreschmaschinen usw., lvie auch für Mühlen und sonstige Fabriken zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte. Gegenwärtig ist die Erzeugung von Elektrizität in der Türkei verboten, allein bis zur Zeit, wo in dem wilden transjordanischen Oiebiete die Elektrizitä! zur Anwendung gelangen wird, wird sie sich in der Türkei .sicher schon eingebürgert haben. e) ■£' c r N a h r 2 d j a, im Altertume „Mej-Hajarko" genannt, entspringt als wasserreicher Bach unterhalb der Festung Antipatris, 5 Kilometer weit von der jüdischen Kolonie Pessach-Tikwah (M'lebis) entfernt und nimmt seinen weiteren Lauf zickzackförinig nach Westen, dem Mittellnädischen Meere zuströmend, in welches er sich etwas weniger als 5 Kiloineter nördlich von Jaffa ergießt. An der Kolonie „Mir" bildet der Odja die nörliche Grenze von P.-Tikwah auf einer Länge von einigen Kilometern. Tie Odja beginnt auf einer Höhe von etwa 50 Meter über dem Meeresspiegel und erreicht eine Länge von nur 20—25 Kilometer. Jedoch sowohl ihrem Wasserreichtum als auch ihrer bevorzugten Lage nach, nimmt dieselbe in Bezug auf die Exploitierung ihrer Wasserkräfte eine hervorragende Stelle in Palästina ein. Schon jetzt befinden sich auf dieser kurzen Strecke 3 in Tätigkeit befindliche Mühlen und 2 Ruinen alter Mühlen, welche insgesamt ein Gefälle von 18 Meter aufwcisen, d. h. ca. 35 Proz. der gesamten Wasserkraft dieses Flusses ausnutzen. Tie Nähe von Jaffa, des gegenwärtig wichtigsten Handenlszentrums Palästinas und das Fehlen anderer bedeutender Flüsse in dem Küstenstrich von Süd- Palästina, verleiht der Odja große Bedeutung als wichtige Kraftquelle und es lvird ihr zweifelsohne eine Frankfurter Israelitisches Familienblatt. hervorragende Rolle in der industriellen Entwicklung des Landes zufallen. Tie Odja fließt in ziemlich seichten Ufern und kann ganz gut zur Bewässerung dienen. Schon jetzt sind an ihren Ufern stellenweise Pflanzungen von Zuckerrohr, Apfelsinen usw. anzutreffcn. Alber, wie gesagt, liegt hauptsächlich ihre Bedeutung in ihren Wasserkräften. Eine Messung, die ich am 18. April 1904 an den Ruinen der Mühlen „Mir" vorgenommen habe, ergab rund 150 Pferdckräftc. Tie Mühle Mir oberhalb, die Ruinen der Mühle Faruchia in der Mitte, und die in Betrieb befindliche Mühle Dschrischa, die schon früher erwähnt wurde, unterhalb des Flusses, sind alle Eigentum der türkischen Regierung und werden gegenwärtig öffentlich versteigert zum Preise von 5000 türkischen Lire, etwa 90000 .VA Außer den genannten besinden sich noch 2 in Betrieb befindliche Mühlen, die Mühle Schecha-Abu- Rnbacha, zwischen Mir und Faruchia, und die Mühle Hadar zwischen Faruchia und Dschirscha. Das größte Gefälle, inithin auch die größte Wasserkraft, haben die Blüh len Faruchia und Schecha-Abn-Rabacha anfznweisen. (Schluß folgt.) Die deutsch-amerikanischen Juden in Handel und Industrie. Wenn inan über die Bedeutung der deutschen Inden in den Bereinigten Staaten für dessen Handel und Industrie — cs fehlt an einer neueren Darstellung, und können wir uns nur an das von Isaak Markciis-Rewyork i. I. 1888 herausgegebenc Buch halten — sprechen will, so beginnt man mit den jüdischen Bankhäusern in Newyork. von denen eine Anzahl Weltruf genießen. — Von den acht Gebrüdern Seligniann kanr der älteste, der in Erlangen studiert hatte, 1838 nach Amerika, gründete später mit seinen Brüdern ein großes Jmporrhaus für Webwaren und beim Ausbruch des Bürgerkrieges eine Bank, die bald Zweiggeschäfte in London, Paris, Frankfurt, San Francisko und Ncw-Orlcans erösfnete und der es unter andcrpr gelang, einen Teil der amerikanischen Regierniigsschnld in Deutschland anzubringen. Auch Philip Heidelbach von dem Bankhausc Heidelbach h. Jckelheimer stammte ans Bayern, hausierte erst wie so viele seiner armen deutschen Glaubcnsbrüdcr in Amerika, gründete dann ein Klcidergeschäft in Cincinnati, wurde der größte Modcwarcnfabrikant im Mississippital und erösfnete dann die große Bank in Newhork. Lazarus Hallgartcn, der 1849 hernbcrkam, ist ein anderer wohlbekannter jüdischer Bankier Newyorks. Lazare Fröre» aus dem Elsaß begannen in Kalifornien und ließen sich in Paris erst nieder, nachdem sie in Amerika ihr Glück gemacht hatten. S. Locb von der Firma Kuhn, Loeb u. Co. kam arm nach Amerika. Sein Schwiegersohn Jakob H. Schiff, der sich durch seine großen Schenkungen einen Namen gemacht hat (das semitische Museum der .Harvard Universität und die neue Newyorker Rabbinerschule sind Schiffs Stiftungen) ist neben dem christlichen Pierpont Morgan, dem jüdischen James Speyer und einigen andern einer der bcstbekanntcn und einflußreichsten Bankiers in Amerika; er kam 1865 ans Frankfurt nach den Vereinigten Staaten. Außerordentliche Fortschritte haben die Juden im amerikanischen ttleider-, Modewaren- und Wäschegeschäft und in der Ausbreitung der großen Warenhäuser gemacht, und die meisten Namen sind die eingewanderter Deutscher, die freilich vielfach ihre Namen bis zur Unkenntlichkeit entstellt haben. L. Seasongvod in Cincinnati kam 1851 aus Bayern, woher so viele Juden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen. Nathan Bloom von der Firma Bamberger, Bloom u. Co. in Louisville aus Hessen-Tarmstadt, die Brüder Weil in St. Louis 1836 aus Pirmasens, zuerst als Hausierer; die Brüder Lehman aus Würzbnrg begannen in Montgomery in Alabama, wie überhaupt dieser Staat den Juden viel verdankt. M. Ranger, der 1855 ans Deutschland einwanderte, wurde ein großer Baumwollspeknlant in Galveston und Liverpool, und L. Friedher war eine Zeitlang der Weizcnkönig von Kalifornien. Heute würde eine Liste der großen jüdischen Geschäfte ein stattliches Adreßbuch geben. In Newyork hatten die Juden von 1870 bis 1888 den Charakter der Broadway zwischen Canal Street und Union Square völlig verändert. Von den 1200 Großkaufhäuscrn und Importgeschäften waren 1888 bereits 100 in jüdischen Händen. Von 241 Kleidersabrikanten Newyork» waren 234 Juden, und diese hatten sich fast alle innerhalb 15 Jahren etabliert. Tic Verfertigung von Hemden und Unterkleidern in Newyork war schon damals ausschließlich in jüdischen Händen, die 35 000 aus Rußland herübergekommenen Glaubensgenossen in den berüchtigten Sweat Shops beschäftigten. Mäntel wurden noch um 1875 in Amerika so gut wie garnicht gemacht, um 1888 bereits für 15 Millionen Dollar in Newyork, ebenfalls durch Juden. Ein anderes Gewerbe, das in den Sweat Shop» betrieben wird und in den Händen der Juden liegt, ist die Zigarrensabrikation: von 65 Mitgliedern der National Cigar Manufactures Association waren 1838 45 Juden, und in Newyork allein waren 8000 Arbeiter. Der Handel Seite 11. mit Blättertabak, mit Uhren und Juwelen, mit Federn und Pelzen, Spitzen, Hüten, Leder und Häuten, mit Wein und Likören war zuni großen Teil in jüdischen Händen, und ü z der Grundstückstransaktionen in Newyork geschah für jüdische Rechnung. Aus aller Wett. Deutsches Reich. Frankfurt a. M. Einem langgehegten Wunsche der Besucher der W e st e n d - S y n a g o g e ist endlich seitens de» Vorstandes der Synagoge dahin stattgegeben worden, daß künstig jedem Knaben, der daselbst Barmizwoh wird, eine Ansprache gehalten wird. Herr Rab. Dr. Jacob Horovitz hat sich in dankenswerter Weise bereit erklärt, die Ansprache zu übernehmen. Frankfurt a. M., 3. Jan. Morgen Bormittag 9 Uhr beginnt in der Frankfurt-Loge eine Konferenz, die aus Anregung des Russo Jewish Comitee in London das hiesige „Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Jude n" einbcrufen hat. Für die Konferenz, deren Verhandlungen nicht öffentlich sind und zu der die großen Hilfsorganisationen je zwei Delegierte entsenden, ist vorbehaltlich weiterer Beratungsgegenstände folgende Tagesordnung in Nussicht genommen: 1. Antrag der „Israel. Allianz"-Wien: Besprechung der Durchwanderungs- und Auswandernngsfragcn angesichts der Anschauung russischer Massen in Oesterreich; 2. Antrag Frankfurt: Unterbringung russischer Waisenkinder: 3. Verwendung der vorhandenen und Sammlung neuer Mittel. An den Beratungen, die unter Vorsitz von Charles H a l l g a r t e n und Philipp Schiff- Frankfurt geführt werden, nehmen u. a. teil: Sigmund B e rg e l, Tr. N a t h a n und Geheimrat Goldberg e r- Berlin, W. P a p p e n h e i m und Tr. W a h r m a n n- Wien, Air. Bigart-Paris, Tr. Philippson-Brüssel, Dr. F. Mezey-Bndapest, Tr. S. H. Margulies-Florenz, die Barone Horace und David de Günzburg-Petersburg, Rabbiner Singer-London, Rabbiner Dr. M. Horovitz- Frankfnrt. Im ganzen sind es 25 Herren aus denjenigen europäischen Ländern, in denen russische Hilfsorganisatiionen bestehen. Frankfurt a. M.. 4. Jan. Heute Vorm. 10Uhr wurde mit einer stimmungsvollen Feier die neue Turnhalle der Israel. Volksschule in Gegenwart eines geladenen Publikums und der Schule ihrer Bestimmung übergeben. Nach einem Prologe, gesprochen von einer Schülerin, sang der Knaben- und Mädchen-Chor einen Choral und dann ergriff Herr Rektor F a l ck das Wort zu einer längeren Rede. Ter Herr Rektor gab einen gedrängten lieberblick über Bedeutung und Geschichte de» Turnunterrichtes, erwähnte, daß nm diese Zeit gerade 25 Jahre verflossen seien, seitdem Selig Goldschmidt s. A., der tatkräftige Mitarbeiter Rabbiner S. R. Hirsch's s. At. bei seinem Ausbau der Religinsgesellschaft, die Vorarbeiten für die Gründung der Schule in die Hand genommen habe, dieselbe in die Annalen der Religionsgesellschaft unvergeßlich eingeschriebene Persönlichkeit sei es auch gewesen, der der 1891 vollendete Bau der Schule zum großen Teile zu verdanken ist. Tie Schule selbst unterstand unmittelbar der uneigennützigen Leitung Tirektor Mendel Hirsch,'-»' s. A., de» Direktors der Israel. Realschule, und mittelbar Rabbiner L. R. Hirsch's s. Al., bis sie der derzeitige Rektor übernahm. Der Redner ging dann auf die Turnhalle über: das Fehlen einer geräumigen, hellen Turnhalle, sowie auch der Mangel einer Anitswohnung sei von jeher als ein Mißstand empfunden worden, dank der Tatkraft der Verwaltungskommission und der Munificenz von Freunden der schule, besonders der Freifrau Willn v. Rothschild, der Baronin Edmund v. Rothschild und des Generalkonsuls von Goldschmidt-Rothschild, die schon häufig der Israel. Volksschule ihr Wohlwollen bewiesen haben, konnte der jetzt vollendete Bau aufgcführt ivcrdcn. Ter Redner empfiehlt am Schluß die Schule auch weiterhin der materiellen Förderung, da sie immer noch sehr auf.die Gunst des Publikums angewiesen sei, ünd bringt dann ein Hoch auf Se. Majestät aus. Wieder erschallen unter der Leitung des Herrn Lehrer P i n c a s die hellen Stimmen znm fröhlichen Liede. Ten letzten Teil des Programms bildeten Frei- und Barren-Uebungen und Turnreigen, die Gerät-Hebungen exakt und kraftvoll, die Freiübungen und Tnrnrcigen nach den Klängen des Piano anmutig und chic unter dem Kommando der Lehrerin Fräulein S u l z b a ch und des Herrn Lehrer K ö st r i ch ausgeführt. Nach der Feier besichtigten die Gäste — darunter Stadtschulinspektor Herber und Turninfpektor W e i d e n b n s ch — die Rektoratswohnung und das gleichfalls neue Brausebad. Grutzbritanien. London, 1. Jan. Auf Grund des mit dem heutigen Tage in.Kraft tretenden neuen Einwanderungsgesetzes (sind heute von '42 aus Hamburg hier eingetrofsenen Auswanderern 24 zurückgewiesen worden. London. 1. Jan. Wie das Reutersche Bureau meldet, ist die Zurückweisung der heute aus Hamburg eingetroffenen Einwanderer lediglich auf Grund ihrer Mittellosigkeit.erfolgt. Einige Einwanderer, die die ärztliche Kontrolle passierten, waren Flücht- . i i