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Neue jüdische Presse · 1906-01-05 · Heft 1 (5.1.1906) · p. Seite 12

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 1 (5.1.1906)
Date
1906-01-05
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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- “*.' V'i'r'V' - •i.'fv- Seite 12 Frankfurter Israelitisches Famrlienblatt. Nr. 1. linge aus Rußland. Die Zurückgewiesenen machten von ihrem Recht der Berufung an den Appellationsgerichtshof für Einwanderung Gebrauch. Die Sitzung findet morgen statt. — Einem Telegramm aus Dover zufolge, ist auch heute Morgen eine Anzahl Ä ns - länder zurückgehaltcn worden, i London, 2. Jan. ^Der Mrterstaatssekretär für die Kolonien Churchill richteic an den Führer der Zionisten Englands Zangwill, ein Schreiben, in dem. er seine volle Sympathie für.das Projekt einer jüdischen Kolonie in Ostafrika ausdrückt. Er gedenkt der Schwierigkeiten des Planes, meint aber, sic würden hoffentlich überwunden werden, und verspricht, sein äußerstes zu tun, um Zangwills edle Vision einer festen Heimat für die Juden unter der Flagge der Toleranz und der Freiheit in Wirklichkeit umzusetzen. London. Ueber die Szenen, die sich in Grimsby bei der Zurückweisung von 22 unter 46 Einwanderern abspiclten, wird geschrieben: In Grimsby traf der Dampfer „City of Bradford" mit einer großen Auswandcrungsschar ein. Die meisten waren auf der Durchreise nach den Vereinigten Staaten und Kanada und kamen deshalb nicht in Betracht, aber 46 von ihnen wollten in England bleiben. Diese Leute, fast alle russische'und polnische Juden, wurden von Pen Zlerzten für gesund befunden. Nur eine Frau weigerte sich entschieden, sich untersuchen zu lassen. Ms nach der ärztlichen Untersuchung die Beantwortung der Fragen begann, schienen die Auswanderer zunächst zu meinen, daß es sich um eine leere Formalität handle. Ms aber einer nach dem andern Lurücktreten nmtzte, well er die Fragen des Inspektors nicht befriedigend zu beantworten vermochte, wurde den armen Leuten klar, daß ihre Lage ernster war, als sic angenommen hatten. Eine Frau, die nichts ihr eigen nannte, als Lin Bündel mll Kleidern und Lebensmitteln, weinte bitterlich, als sie hörte, daß sie zurücktransportiert werden sollte. 'Ein polnischer Jude, der weder für sich die nötigen fünf Pfd. Sterling, noch für seine Familienmitglieder die verlangten zwei Pfd. Sterl. auf 'den Kopf besaß, erhob laute Klage, als er entdeckte, daß England ihm die Aufnahme verweigerte. .Ein russischer Deserteur mußte ebenfalls zurücktreten. Die Polen, gesunde, starke Leute, die angeblich aus Rußland geslohen waren, um in England Arbeit zu finden, hatten nicht einen Pfennig in der Tasche und teilten das Geschick der Vorerwähnten. Es wurden im ganzen von den 46 für England bestimmten Einwanderern 22 zuriickgewicscn. Am Nachmittag trat das Appellationskomitee zusammen, um Wer die Berufung der Zurückgewiescnen zu entscheiden. Einer der jüdischen Flüchtlinge erklärte, er habe zwar kein Bargeld, könne jedoch ein Acquivalent vorlegen. Dieses bestand in einem Bcsitztitcl über ein Eigentum im Werte von 800 Pfd. Sterling. Das Appellkomitec wollte sich auf die Anerkennung des Menstückes nicht einlassen, telegraphierte jedoch an einen Freund des Juden in Liverpool und dieser sandte telegraphisch die nötige Summe. Ein anderer Russe wurde trotz seiner Mittellosigkeit eingelassen, weil er erklärte, er sei zweimal aus der russischen Armee desertiert und werde sicherlich erschossen werden, wenn man ihn zurnckschicke. Er bat, ihn lieber in England zu erschießen, als ihn zurückzusenden. 15 der 22 zurückgewiescnen Einwanderer waren wegen politischer Verfolgung aus Rußland geflohen und wurden nachträglich aus diesem Grunde eingelassen, sodaß die Zahl der wirklich Abgewiescnen schließlich auf 7 zusammenschinolz. Rußland. Petersburg. „Der Fraind" die große im Jüdisch-Deutsche» erscheinende Tageszeitung ist von der Regierung verboten, der Herausgeber und Redakteur G i n z b u r g ist verhaftet worden. An Stelle des „Fraind" erscheint im gleichen Verlage eine neue Tageszeitung: „Das Leben." Die Herausgeber der in Wilna erscheinenden bekannten hebräischen Tageszeitung „Hasman" geben seit dem ersten Januar auch eine Jargon- Tageszeitung unter dem Namen „D i e Z e i t" heraus. Gist zu erwarten, daß diese neue Zeitung, die den Schriftsteller Ben Arigdor, den geschickten Leiter der „Tuschiah" und des „Hasman" an der Spitze und Redakteure des ,„Hasman" zu ihrigen hat, gleich gut wie der „Hasman" redigiert wird. Petersburg. Wie die offiziöse »Petersburger Telegraphen-Agcntur" meldet, kam cs in Gorodischtsche am 31. Dezember zu einer Inden- Hetze, die am Tage darauf unterdrückt wurde. Personalien. Berlin. Der Maler M. Berg hat die Sachsen-Alten burgische V e r d i e n st m e - daille für Kunst und Wissenschaft in Gold erhalten. Berliu. Zu Justizräten wurden ernannt die Rechtsanwälte: Tr. Reiche, W i l m e r s d ö r f f e r, Julius G u t t m a n n, Tr. Benno M ü h s a m, Rippncr, Karl Hamburger, Paul Samuel Meyer, Eugen Cohn, Tr. Joseph Martin Perl, Alexander G o l d s ch m i d t, S t e t t i n e r, Eniil S alomon in Berlin, Nürnberg in Lissa, Pulvermann in Halberstadt, Zuckerln ann in Forst, Sachs in Zabrze und Kolz in K ö n i g s b e r g. Charlotteuburg. Der Architekt und Kunsthistoriker Tr. D. I o s e p h, Professor an der dienen Universität in Brüssel, ist als Lehrer der Stilkunde an die hiesige Knnstgcwerbeschule berufen worden. Köln a. Rh. Den Rechtsanwälten Dr. Max Callmann und Carl Eltzbachcr wurde der Charakter als I u st i z r a t verliehen. Eschwege. Rechtsanwalt S e y s c r wurde zum I u st i z r a t und zum Notar ereilst» ... Würzburg, 30 Dez. Gestern fand im kleinen Theatcrsaale die Wahl des israelitischen K u l - t u s a u s s ch u s s e s statt. Bon 389 Wahlberechtigten machten jedoch nur zirka 50 Prozent Gebrauch. Gewählt wurden: M.-R. Weingroßhändler B. H e l l - m a n n mit 188, Großkaufmann Gem. Stahl mit 182, Fabrikant Herm. Hi e i ß ’iiit 146, Privatier S. 0) r ü »bau in 'mit 142 und prakt. Arzt Tr. Guttenbcrg mit 138 Stimmen. Außerdem erhielte» Stimmen die Herren Wilh. Löhmann 54, Adolf Schloß 50 und Michael Strauß 37. Cincinnati. Julius F r e i b e r g. Chef der bekannten Brantweinbrennerei Freiberg n. Worknm, einer der ältesten und angesehensten jüdischen Bürger Cincinnatis, verschied i» seinem 82. Lebensjahre. Freiberg zeichnete sich durch eine ungewöhnlich große Wohltätigkeit aus: auch spielte er im Leben der Stadt und der jüdischen Gemeinde eine hervorragende Rolle. Aus der Lehrerwelt. Darmstadt. In dem angekünd'gten Entwurf eines Gesetzes betreffend die Verfassung und Verwaltung der israelitischen Religionsgemeinden sollen folgende drei Sätze festgelcgt sein: 1. Die Stellung des Religionslchrcrs ivird nach einem angemessenen Provisorium definitiv. 2. Die Funktion eines Schächters soll womöglich von de» Religionslehrcrii nicht bekleidet werden. 3. Das- Amt des Vorbetcrs soll mit dem Lchrcramte nicht mehr fest verbunden werden, kann aber dem Lehrer besonders übertragen werden. Äcincindcn, die das Gehalt des Lehrers nicht aufbringcn können, sollen aus einer Zentralkassc Unterstützung erhalten. Das Kündigungsrecht, das der Vorstand der Gemeinde bis vor kurzer Zeit noch hatte, fällt vollständig weg. Es wird denn ein israelitischer Obcrrat, jedenfalls mit dem Sitze in Darmstadt, geblldct, der die Entscheidungen zwischen Gemeinde und Lehrer zu treffen hat. Nicht staatlich geprüfte Lehrer werden somit in Hessen nicht mehr fungieren könne». Burgpreppach. Der 30 Rechenschaftsbericht der riihmlichst bekannten „I s r. Präparanden- Schule „T a l m n d - T h o r a" veröffentlicht eine Entschließung der Regierung, erlassen nach einer Visitation des Kreisschulrefcrenten Freih. v. Gumppenberg, die wie folgt lautet: „Die am 31. v. Mts. durch einen Regierungskommissär vorgenommcnc Besichtigung der israelitischen Präparandenanstalt in Burgpreppach hat den erfreulichen Beweis geliefert, daß die Anstaltsleitung bestrebt ist, nach allen Richtungen für das geistige und leibliche Wohl ihrer Zöglinge zu sorgen und daß insbesondere Zucht und Ordnung, Reinlichkeit, Pslichteifer und Wohlanständigkeit dort eine Stätte gefunden haben. Namentlich befriedigte die gute .Haltung der Zöglinge und deren vortrefflicher Gesundheitszustand, die Fürsorge der Leitung für Beschaffung der erforderlichen Lehrmittel und für Freilegung des Anwesens, für Anlage eines Turnplatzes usw. . . Des weiteren ersehen wir aus dem Bericht, daß die Schule von 50 Schülern besucht wurde und daß das- Anstalt-Vermögen AL 93 500 (einschließlich Mark 11000 Pensionsfonds) beträgt. Wien. Am 6. Januar'1906 begeht der Obcrkantor der türkischen Jsraeliten-Gemeinde in Wien, Herr Jakob Bauer, das Jubiläuni seiner 25jährigcn 'Amtstätigkeit in dieser Gemeinde. Obcrkantor Bauer, der mit seiner, heute noch glanzvollen Tcnorstimnie schon viele Tausende zu weihevoller Andacht geführt hat, gilt als einer der hervorragendsten Interpreten des Synagogengesangcs. Auch auf dem Gebiete der kantoralcn Organisation hat er Bedeutsames und Gemeinnütziges geschaffen. Im Jahre 1881 gründete er die „östr.-ung. Kantoren-Zeitnng" und gab die erste Anregung zur Gründung des „Oestr.-Ung. Kantoren-Vereins", einer zum Wähle berufsunfähiger Kollegen sowie der Witwen und Waisen derselben überaus segensreich wirkenden Organisation. Auch gründete er die erste „Kantoren- Bildungsanstalt" in Wien, aus welcher eine große Anzahl Schüler zu Kantoren herangebildet wurden. — Obcrkantor Bauer ist in allen Kreisen sehr beliebt und geachtet. Tie Anerkennung seiner vielseitigen, verdienstlichen Tätigkeit wird an 'dem Jubeltage gewiß mannigfachen Ausdruck erhalte». Wien. Professor Dr. Adolf Büchler von der hiesigen Jsrael.-theolog. Lehranstalt wurde zum stellvertretenden Tircktor des I e w i s h College in London gewählt. Lemes Mngarn». Der durch seine große Tauroh- Gelehrsamkeit, durch seine charaktervolle und menschenfreundliche Gesinnung weit und breit verehrte Rabbiner der hiesigen Gemeinde, Rabbi Nastali Hakauhen Bein, verschied am ersten Tage Chanucka , und wurde unter einer ungewöhnlich-großen Beteiligung zu Grabe getragen. Nyiregyküza (Ungarn). Oberrabbiner Koppe, F r i e d m a n n, der Rabbiner der hiesigen Status-j'!-. quo-Gemeinde, ist im 75. Lebensjahre-umst Alters-/ schwäche gestorben. Ter Verstorbene war ein streng frommer Mann. An seinem Leichenbegängnis, das 7 Stunden wahrte und auf dem viele Hespedim gehalten, wurden,. nahmen mehrere tausend Menschen.- teil> ' * :!'• Budapest. Der Unterrichtsministcr hat für die im leitenden Ausschüsse erledigten Stellen des Lande s - R a b b i n e r s c m i n a r e s solgcnde Mitglieder ernannt: die neuen Rabbiner der Pestcr isr. Rcligionsgeincindc Dr. Julius Fischer und Tr. Simon Hevesi, die Rabbiner Dr. Leopold KecSkcmüti (Nagyvärad), Dr. Jakob Steinherz (Szükesfehervär) und Dr. Eduard Neumann (Nagykanizsa), ferner als weltliche Mitglieder: den Präsidenten der israelitischen Landeskanzkei Dr. Moriz Mczei, den Sekretär der israelitischen Landeskanzkei Dr. Franz Mczey, den Direktor der israelitischen Lehrcrpräparandie Tr. Jvsef Bänözy und den Präsidenten des israelitischen XXII. Distrikts Tr. Jzsü v. Rösa (Szcgedin). Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Expedition des „Frankfurter Israel. Familienblattes" gingen für den Nationalfonds ein: F. Lachmann, Berlin, ats Tühneschuld von Frl. Rose, M. Borchardt, F. Lachmann, S. Wolf ,IL 1,50 S. N„ Frankfurt AL 1,20 Ein Chamickaspielabend bei B. B., L. B. AL 0,25 T. G. Jt. 4— Tr. I. Bamberger, Kissiiigcu und Ben- Zion Bamberger, Frankfurt Tclegrammablösung zur Hochzeit Tr. Unna, Hamburg, mit Löwenthal, Berlin AL 1.— AI. 7,95 Für die russischen Brüder gingen ein: N. R. AL 1, Sammlung bei der Verlobung von Bertha Cahn, Frankfurt a. M. mit Hermann Beifiiß, Düsseldorf, AL 22. Berlin. Die „Zionistische Bereinigung für Deutschland" hat anläßlich der silbernen Hochzeit des Präsidenten David Wolffsohn eine S o n d e r st i f t u n g des Nationalfonds ins Leben gerufen und ihr als Grundlage 3000 JL überwiesen. Wien. Wie die .Welt" berichtet, ist die Sammlung eines N a t i v n a l g e s ch e n k c s s ii r d i e K i nd e r Theodor H e r z l s, die die Summe von 200 000 Mark ergab, nunmehr geschlossen worden. Die Welt teilt ferner mit, daß das Mtionskomitce- Mitglied .I a c o b u s K a » n - H a a g den hundertjährigen Be st and des von ihm und Herrn S. F. Hogerzeil geleiteten, Samstags geschlossenen, Bankhaus e s Lissa n. K a n n feiert. Mlgemein bekannt ist der hervorragende Anteil, den .Herr Kann an der Gründungsarbeit und dem weiteren Ausbau der Jüdischen Kolonialbank genommen hat: weniger bekannt dürste sein, daß sein christlicher Kompagnon, der Sohn eines Pastors ist, der Jüdischen Kolonialbank bei ihrer .Einrichtung seine Kenntnis und seine Tätigkeit monatelang hingebungsvoll und selbstlos gewidmet hatte und auch heute noch zn ihren eifrigsten Förderern gehört. New-Nork. Professor Salomo» S ch e ch t e r, Präsident des Jüdisch-theologischen Seminars, hat sich der zionistischen Bewegung augeschlossen. Briefkasten. X. in 1'. In dem Artikel „Zwei Chanuckalieder" hatten sich einige Druckfehler cingeschlichen; cs muß richtig heißen: Das Oel zum Erwählen — lasse fürder nicht fehlen. Erschauend erneutes Entzücken Gieb leuchtende Kraft — dem blühenden Schaft, Dem freudig die Lampen sie zünden Znm Leuchter gewendet, — vom Glanze geblendet Werden frohe Erkenntnis sic finden." Nunmehr geht Gabirol voll" der Schilderung usw. Vereins-Kalender. Verein Mekor-Ctzajim. Sonntag,-den 7. Januar 1906, mittags 3 Uhr, Vorlesung des .Herrn Oberlehrer A. Weyl aus „Josua". Verein Monlefiore. Mittwoch, den 10. Januar 1906, abends 9 Uhr, im Vereinslokale, Seilerstraße 22 part., Vortrag des .Herrn Tr. Pick, Berlin: „Der Jude als Romanfigur". Verein Tifercs Bachnrim. Sonntag, den 7. Januar, abends präzise 8-k'i Uhr, Hcrinesweg 25/27, Vortrag des Herrn Willy Hofmann: „Die Geschichte des Barkochba'schcn Aufstands". Verein Nachlatz Zwi. .Mittwoch, den 10. Januar, Quellenstudien- Abend, Mbelstellc» über Kriegs- und Friedensgesetze.

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