Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 45 (24.11.1905)
- Date
- 1905-11-24
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 11. Rechtsweges in diesem Streitfälle auszusprechen und die Sache zur Erledigung an die b e - hördlichen Instanzen zu verweisen sei. Nordhausen. 18. November. Der hier seit 15 Jahren amtierende Rabbiner Dr. Schönberger — vorher Rabbiner in Dessau, Bellovar (Kroatien) und Pasewalk — feiert am. 20. d. M. sein 25jähriges Am tsj ub i l ä n m. Aus dem Elsaß. In Müttersholz verschied am 18. Cheschwan einen Mann, der es verdient, das; seiner in den weitesten jüdischen Kreisen gedacht wird. Im Alter von 86 Jahren hat Herr Rabb. Jos. Bloch seine irdische Laufbahn beschlossen.- Rabb. Bloch wurde im Jahre 1819 in Sennheim (O.-Els.) geboren. Ten Grundstein seines reichen jüd. Wissens legte er bei seinem Lehrer Oberrabb. Sal. Wolf Klein s. A. in Türmenach. — Seine Studien beendete er an der scole rabbiniqne in Metz, wurde Rabbiner.in Surburg, Sulz a. W. und später in Bischheim, als würdiger Nachfolger des allbekannten und berühmten Rabbi Jtzig Baer s. A. Rabb. Bloch war noch einer von den echten Alten, die den Rabbinerberuf aus einem inneren Drange heraus ergriffen, beseelt von denr Wunsche, Tauroh zu lehren und zu verbreiten. Er faßte sein Amt nicht, wie dies heute leider so oft geschieht, von der pekuniären Seite auf, sein Leitmotiv war einzig und allein seine große Liebe zur Tauroh, die bei allen seinen Handlungen zum Turchbrnch kam. Rabb. Bloch war bei all seiner Gelehrsamkeit ein bescheidener Mann. Persönliches war ihm "fremd, er kannte nur die Sache, und von eifersüchtigen Motiven ivußte sein rechtlicher und frommer Sinn nichts. Unbeugsam und hartnäckig war-er einzig und allein in der Verfechtung unserer heiligen Gesetze und Minhagim. — Ta gab es für ihn nichts Kleines, Unbedeutendes, Veraltetes, und er bestritt jedem, auch dem bedeutendsten Rabbiner, das Recht, altehrwürdige Sitten und Gebräuche, die "durch Jahrhunderte, geheiligt erscheinen, durch Neues, Zeitgeniäßes zu ersetzen. Er wollte den Beruf eines Rabbiners nicht vom "Standpunkte eines Gesetzgebers, sondern nur von dem eines "Lehrers aufgefaßt wissen, und von diesem Gesichtspunkte lvar sein Handeln bestimmt. — Wer mit ihm in nähere Berührung kam, bewunderte seine wahre, aufrichtige Friedensliebe und seinen edlen Charakter, und mancher Thoragelehrte war erstaunt über das große Wissen dieses so bescheidenen Mannes. 19 Jahre waltete Rabb. Bloch in Bischheim sci- -nes Amtes, und erst im Alter von 80 Jahren, als ihm seine würdige Lebensgefährtin entrissen wurde, zog er sich vom Amte zurück und verbrachte den Rest seiner Tage bei seiner Tochter. Rabb. Bloch hat sich jede Trauerrede verbeten. Doch mehr wie Worte verkündete die große Beteiligung bei der Tranerfeier in Müttersholz, sowie bei der Beerdigung/ die in Bischheim erfolgte, daß ein Großer zu Grabe getragen wurde. Möge sein Andenken anfeuernd wirken auf alle Berufenen, wie er, zum Heile unserer heiligen Religion, zum Wohle und zum Frieden der Gemeinde» zu wirken. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. In Erkenntnis der Tatsache, daß es in unserer Zeit eine unumgängliche Notwendigkeit für den strebsamen, jungen Kaufmann ist, sich auf dem Gebiete weiterzubilden, das für ihn seinen Lebensberuf ausmacht, hat der Montefiore- Berei n in diesem Jahre in die Reihe seiner Borträge auch solche h a n d e l s w i s s e n s ch a f t l i ch e n Inhaltes ausgenommen." So findet jeden Donnerstag Abend 9 Uhr in den Vercinsräumen, Seilerstraßc, ein 10 Vorträge umfassender Zyklus über: A u s g ewählte Kapitel aus dem Handelsrecht statt. Die Teilnahme an diesem Zyklus ist für d i e Mitglieder unentgeltlich. Die Vorträge werden gemeinverständlich gehalten, so daß jeder denselben mit Leichtigkeit und stets gleich bleibendem Interesse zu folgen vermag. Nach einer Reihe von Vorträgen gedenkt unser Dozent, Herr wissenschaftlicher 'Handelslehrer I. Gans, eine Besprechung über die bereits behandelten Themata abzuhalten, an der sich natürlich jedes Mitglied, das regelmäßig und aufmerksam den Vorträgen gefolgt ist, beteiligen kann. Es wäre i m h ö ch st e n Grade wünschenswert, daß die Teilnahme an diesem Zyklus eine recht rege werde, denn die Anforderungen, die auch in wissenschaftlicher Beziehung an den jungen Kaufmann gestellt werden, werden mit Recht immer größer. Nicht jeder junge Kaufmann war oder ist in der Lage, eine der in der letzten Zeit von Staat und Gemeinde so zahlreich errichteten Handelsschulen oder Fortbildungsinstitutionen zu besuchen und sich dort das für ihn so nötige Wissen aus seinem Spezialgebiete anzucignen. Tie bereits an drei Abenden behandelten Themata beschäftigten sich mit a) einem wirtschaftsgeschichtlichen Rückblick auf die Entwicklung des Handclsstandes und b) mit der Erläuterung des Begriffes der Rechte und Pflichten des Voll- und Minderkaufmannes an Hand des Handels-Gesetzbuches. Das nächste» Donnerstag Abend zu behandelnde Thema lautet: Die offene Handelsgesellschaft, Koin - mm anditgesell schüft, Aktie n-Gesclls ch a f t u n d st i l l c G e s e l l s ch a f t. Frankfurt a. M. Die Veranstaltung des „Montefiore"-Vereins zu Gunsten der notleidenden russischen Juden, welche am Sonntag Abend in der „Frankfurt"-Loge stattfand, hatte ein äußerst zahlreiches Publikum angezogen. Das dem Zwecke des Abends sehr verständig angepaßte Programm, uin dessen Ausführung sich die Herren dllfred Auerbach vom hiesigen Schauspielhaus, Oberkantor F. O g u t s ch und S. Würzburger in ganz hervorragender Weise verdient machten, beschloß eine warm empfundene Ansprache des Herrn T> r. Jakob Horovitz, welche die Zuhörer sichtlich tief ergriff. Tie Gesamt-Einnahme wurde dem hiesigen Hilfs-Komitee überwiesen und bestand aus einer namhaften Summe. Fraukfurt a. M. Montefiore-Verein. Am Mittwoch, den 22. er., fand wiederum ein m n s ikalisch-deklamatorischer Abend statt, welcher einen glänzenden Verlauf nahm. Tie Mitwirkung des Frl. Clara Levisohn, sowie der Herren Max Bing, Fritz Lehr, Moritz L e ßler, Fritz Löwen st ein, Moritz Mayer und Julius Pohle sicherte der Veranstaltung des „Montefiore"-Vereins jenen künstlerischen Wert, welcher stets die Darbietungen desselben auszeichnet. Ter stetig steigende Besuch dieser Mittwoch-Abende des „Montefiore"-Vereins zeugt für die'Anerkennung, welche die Mitglieder dem Vorstände für sein Bestreben zu teil werden lassen, stets ein würdiges. Abwechslungsreiches Programm aufzustellen. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Expedition des „Frankfurter Jsr. Familienblattes" gingen für den Nationalfonds ein: A. S'., 1 Oelbaum, gestiftet für Frl. Gertrud Kaufmann zum Geburtstag JL Durch L. Warschawski, gesammelt bei der Verlobung von Frida Simon Vendersheim mit Tav. Mayer, Weisenheim a. S. JL S. Gt., Frankfurt JL S. N., Frankfurt JL Bon Frau Amalie Neugaß und Fräulein Rosa Rosenheim auf ihren Namen 1 Oelbaum JL 6.- 8 — 1— Selbstbesteuerung Jsaksohn 6.- JL -.30 23.30 Warschau. Am 19. ds. Mts. starb hier im Alter von 32 Jahren der berühmte Bolksredner und Territorialist Chajim Jehuda Chasan. Durch das Ableben Chasan's erleidet der Territorialismus und der Gesamtzionismus einen schweren Verlust. Sein ganzes Tun und Streben, all sein Denken und seine glänzenden Fähigkeiten galten nur seinem Volke. Wer ihn auf der Tribüne in Basel hatte sprechen hören, der weiß, mit welcher Hingebung er für sein Volk gearbeitet hat und wie groß seine Liebe und Anhänglichkeit an dasselbe war. Auch in dieser schweren Zeit, wo wir leider schon so reich an Verlusten sind, muß doch die Schwere dieses Verlustes hervorgchoben werden. — Tie hebräische Presse widmet dem Verstorbenen ergreifende Nachrufe. New-Aork. Die Dr. Herzl Publication Society, eine kürzlich unter der Präsidentschaft des Herrn Bernard Gillmann errichtete Gesellschaft, die jüdische Zeitschriften und literarische und wissenschaftliche Werke publizieren und verbreiten will, wird in Kürze die erste Nummer einer „Das JuddishcBolk" benannten Monatsschrift herausgeben. Letzte Berichte. Petersburg. Wie die .Ruß" meldet, hat F i n nl a n d, das, wie bekannt, auf kaiserlichen Befehl seine selbständige Verfassung wieder erhalten hat, den Juden die Gleichberechtigung gewährt. Vakanzen. Königs h ü t t e (Ober-Schles.). Erster Kantor per 1. Januar. Anfangsgehalt JL 3000. Iserlohn i. 33. Schauchet und Synagogendiener per 1. Januar. Anfangsgehalt JL 1200. Vereins-Kalender. Misrachi-Verem. Sonntag, den 26. November, abends 8Vs Uhr, im Hotel Diehl, Hanaucrlandstr. 38, Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Unna-Mannheim: „Nationaljudentum und Religion". - Berei« Montefiore. Mittwoch, den 29. November, abends 9 Uhr, im großen Saale der Loge „Zum Frankfurter Adler", Seilerstr. 22 I. Bortrag des Herrn Privatdozcnten Dr. Hülsen: „Der alte israel. Friedhof am Börneplatz als Alt-Frankfurtcr Kunstdenkmal" mit Lichtbildern. Donnerstag, den 30. November, abends 9 Uhr: Fortsetzung der Vorlesung des Handelslehrer Herrn Julius Gans: „Ansgewähltc Kapitel ans dem Handelsrecht". NR. P. Bes-Hamidrasch. Sonntag, den 26. November, nachmittags 4J/2 Uhr, Rechneigrabenstr. 12 II: Hesped für unsere in Rußland erschlagenen Brüder, gehalten von Herrn Rabbiner Ch. Rubinstein. Barmizwohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit Wir bitten um gefl. Mitteilung der Barmizwohs; die Ausnahme geschieht kostenlos.) Salti, Sohn der Frau R. Lieberman» Wwe., Tchäsergasse 8 III, in der Synagoge Börneplatz. Willy, Sohn des Herrn Herrn. Süßer, Krönprinzenstr. 8, in der Hauptsynagoge, Börnestraße. Für die Opfer der russischen Judenmassakres sind ferner bei der E. d. Jsr. F. eingegangen: Siegfr. Moses sür Ermietung 5, David Kroll JL 5, N. N. JL 0.50, W. K. JL 30, Friedrich Völligheimer JL 0.50, N. R. M. 1, Herm. Rotschild, Lohr a. M. JL 5, Raphael Sieg, Berlin JL 5. Zionist. M. W. JL 5, Benno Gorski, Feuchtwangen, ,H. 3, M. Stern, Heinrichs, JL 3, H. K. JL 10, Walter Wolfarth JL 3, Siegfried Wolfarth JL 2, Henni Reumann „Ten Inhalt meiner Sparbüchse für die arme» russische» jüd. Kinder" JL 16.50, N. W. JL 1. Für die Selbstwehr gesammelt auf der Protestversammlung der Frankfurter Zionistischen Vereinigung gegen die russichen Greuel JL 200, Henny und Eva Friedländer anstatt Zirkusbillete JL 3, Robert (Safjen, Ettelbrück in Luxemburg JL 20. Kunst und Literatur. Zum Raschi-Jubiläum. Etwas über Raschis Einfluß auf die spätere hebräische Literatur. Bon Dr. Max Grunwald, Berlin. 1905. Calvary u. Co. Für den 800jährigen Todestag Raschis habe» ich viele Federn in Bewegung gesetzt, viele Huldigungen werden seinem Andenken von allen Seiten gebracht, ein gewaltiges Zeichen von Lebenskraft! 800 Jahre sind dahin, und Raschi lebt noch, vor einem Genius beugen sich spätere Generationen. Auch rorliegende Schrift will dem großen Geiste seine Huldigungen darbringen, indem sie von dem Einfluß feiner Denk- und Erklärungsweise auf die spätere hebräische Literatur uns erzählen will. „Ettvas", wie der Verfasser sagt, allerdings „etwas", denn alles sagen zu wollen, toas in dieses Thema einschlägt, würde ja Bände erfordern. Wir stehen ja alle unter dem Einfluß des großen Exegeten. Alle, alle fragen wir: wer kann sagen, daß er auch nur eine Seite im Talmud verstünde, wenn nicht Raschi dem Verständnis die Bahn geöffnet hätte. Und lvie Raschi seiner Nachwelt erst die Möglichkeit des Studiums geboten, wie er erst das Lamdonns möglich gemacht hat, so hat sein Bibelkommentar, in erster Linie der des Pentateuch das Amhoerazns verhütet. Gerade das Hineinweben des Midrasch in seine Erklärungen hat das Studium seiner Schriften populär und den Lernenden mit den verschiedensten Seiten der talmndischen Literatur bekannt gemacht. Wer auch tiefe Forscher hat er angeregt, er bringt allen etwas. Wir sehr Raschi die späteren Denker beherrscht und beschäftigt hat, das weist der Verfasser in seiner schön und mit Wärme geschriebenen Handlung trefflich nach. Aber nicht nur die, welche vollständig den Spuren Raschis folgen, die sein Wort als unumstößliche Wahrheit annehmen, bezeugen die Größe des Meisters, auch die, welche seiner Erklärungsweise Opposition machen, bezeugen sie bewußt und unbewußt. Maimonides, von dem der Verfasser sagt, er habe Raschis Erklärung seiner zugrunde gelegt, ein Ausdruck, der Mißverständnis erzeugen kann, legt in der häufigen Bekämpfung der Erllärungen Raschis ein Zeugnis für diesen ab, daß er ihn als Meister und eine Autorität, mit der zu rechnen ist, anerkannte. Daß der Verfasser insofern auch mehr gibt, als er auf dem Titel verspricht, indem er auch ans die schönen menschlichen und edlen Züge Raschis cingeht, dafür sind wir ihn» besonders dankbar. Wenn der Verfasser Seite 1l in der Anmerkung sagt, daß Raschi gegen die Entscheidung R. Gerschoms einen getauften, dann wieder zum Judentum bekehrten Kohen in seine Würden wieder eingesetzt hat, so ist dies nach Joseph. Memchoth 109», Stchw. lo richtig — allerdings stand es am Schluß nicht so — aber es ist nicht richtig, daß er gegen R. Gerschom entschieden hat: in, Gegenteil, R. Gerschom plädiert in einem ausführlichen Gutachten für die Reaktivierung des Kohen. S. Machsor I. S. 96 und das auch vom Verfasser angefertigte Schibboleh Halekis § 33, wie auch Tur Orach Chajim 128. Diese Ausstellung, die wir zu machen hatten, mindert aber nicht den 33ert der Schrift, sie sei bestens empfohlen. 8. Lausanne (Franzos. Schweiz), Institut Bloch. Israelit. Knaten-fensionat Schon seit Jahren bestehend. Direktor: B. Bloch.