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Neue jüdische Presse · 1905-10-06 · Heft 39 (6.10.1905) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 39 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 39. g res ses, hi e Po fit io ne n a ns z n bau e n, d i e d e r Z i o n i s m ü s bereits in Palästina geschliffen hat. V Auf die weiteren Ergebnisse des VII. Kongresses kann ich leider aus Rücksicht auf den mir zur Verfügung stehenden Raum nicht eingehen. . Alles in Allem genommen, brachte uns dieser' Kongreß K je Neukonsolidierung der zionistischen Partei auf der Grundlage des Basler Programms, ent-' fernte die Verwirrung (d. h. die besten Elemente. Red.) aus den eigenen Reihen und bezeichnete klipp! und klar die Marschroute, die der Zionismus weiter zu gehen hat zu seinem unverrückbaren Ziele: der. öffentlich rechtlich gesicherten Heim-: stsätte für das jüdische Volk in Palä-, stina.*) Wenn wir noch 'mit einigen Worten der Bewegung der russischen Juden zur Erlangung bürgersicher und politischer Rechte gedenken, die in diesem! Jahre parallel mit der asigemeinen russischen Bewegung einsetzte und im „Verband für die Erreichung der Gleichberechtigung der 'Juden in Rußland" ihre Organisation fand, haben wir die wesentlichen Erscheinungen unseres nationalpolitischen Lebens in dem zu Ende gegangenen Jahre wenn auch nicht erschöpft, so doch wenigstens berührt. . IV. Ungefähr auf gleicher - Höhe. mit dem politischen, bewegte sich auch unser kulturelles und geistiges Leben im abgelaufenen Jahre. Die hebräische Literatur, in welcher der zählende, wogende Prozeß, unserer nationalen Wiedergeburt seinen adst-. quaten Ausdruck findet, nahm zwar, in diesem Jahre! keinen i neuen Aufschwung, stand aber..auf der üb-l Ischen Höhe der letzten Jahre. Das Gleiche Mt von. d.ex.periobischen Presse, die im,vergangenem Jahre vornehmlich unter dem Zeichen der Streitfrage: ..Zionismus oder. Territorialismus und der: russischen „FrühlinHsbewegung" stand. Der Verlust,' .den die hebräische. ^Presse durch die. provisorische Einstellung des „Hazofe" erlitt, wurde durch die Gründung der Tages- und Monatsschrift „Hasm «n" wieder wett gemacht. Die jargonische Presse hat in - dem trefflich redigierten zionistischen „W e g" eine wesentliche Bereicherung erfahren. — Die hebräischen Verlage „Moriah", „Haor" und „I a b n e h" datieren ihr Entstehen seit einigen Monaten, ebenso der Odessaer Verlag „K a d i m a h", der. zionistische Schriften in russischer Sprache herausgibt. ... Das wichtigste Ereignis des letzten Jahres auf jüdisch-kulturellem Gebiete war die in Basel anläßlich des Zionistenkongresses erfolgte Gründung des „S i n a i", einer Kulturorganisation, die die Förderung der hebräischen Literatur und der jüdischen Wissenschaft bezweckt. Die Namen der an der Gründung beteiligten Männer bürgen für den. Ernst und. die guten Aussichten, des Unternehmens. Der junge Verband der hebräisch sprechenden: Vereine „I briah" hat durch die gleichfalls in Basel anläßlich des Kongresses abgehaltenen Konferenzen organisatorische Ausgestaltung erhalten. Leider waren die Gemüter sowohl, wie die Zeit der Delegierten zu sehr von den Kongreßdebatten und -ereignissen absorbiert, als daß sie sich den Fragen der Jbriah mit der der Wichtigkeit des Gegenstandes, geziemenden Ruhe. Md,.Wisse.hätten widmen können. Erfreulich war. jedenfalls die Tatsache, daß das Hebräische, als Umgangssprache im Kongreßsaal und in den Couloirs., sich-.sehr bemerkbar machte. .. Als weitere Basler Veranstaltung seien noch erwähnt die vom 3.—10. August abgehaltenen Vorlesung en über P a l ä st i n a k u n d e, die. eine ergiebige wissenschaftliche Behandlung palästinensischzionistischer Fragen boten und sich eines, sehr lebhaften Zuspruchs seitens des zionistischen Publikums .erfreuten.— . . . . , . . . .Im W e st e n. war., leider auch, in diesem Jahre nicht, übermäßig viel von einem inneren geistigen *) Änm! d. Redakt. Obwohl wir diesen Fanatismus der Ussischkinschen Schule angesichts der brennen- - denJudensrage als psychischen Mangel an Sinn für. : die Wirklichkeit (sens äs rösiitch sehr bedauern. jedoch erachten! wir. es für unsere Pflicht) nachdem bereits in diesem Blatte der Entgegengesetzte "Standpunkt <vibe' ',>Aer VH: Kongreße in den letzten: Nummern dargelegt-.wurde. iauch einem Zione-Zion hier das .Wsttz zu - geben...; ., - . Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Leben des Judentums zu merken. In dieser Beziehung herrscht hier seit Jahren eine geradezu einschläfernde Monotonie. Die vielen Schriften über b as W ese ndesJudentums.dieindiesem Jahre in Deutschland erschi enen sind, können keineswegs als Zeichen eines lebhaften Interesses für jüdische Probleme angesehen werben, da die Verfasser merkwürdigerweise durch ihre Untersuchungen zum Ergebnis gelangen, das Judentum sei etwas, was überwunden werden muß, sofern es nicht bereits Gemeingut asier Kulturmenschen gewor-' den ist. Ein erschütterndes „Mene Tekel Uphersin" für die Verheerungen der Reform- und Assimilations- Wirtschaft lieferte die T a ü f s e u ch e i n Wien und Budapest, die im abgelaufenen Jahre erschreckende Dimensionen annahm. Wie sehr die Entjudung im Westen vorgeschritten ist, zeigt die Tatsache, daß ein jüdischer Rabbiner in diesem Jahre am Genfer Kongreß für liberales Christentum als aktives, referierendes Mitglied teilgenommen hat. Die Orthodoxie, die eigentlich berufen sein foltte, die Interessen des' überlieferten Judentums zu wahren, ist leider gegenwärtig weder fähig noch tatkräftig genug, um dieser Aufgabe gewachsen zu sein. Wie wenig die heutige Orthodoxie auf der Höhe der Zeit steht, zeigt der Umstand, daß eine hervorragende orthodoxe Instanz noch in diesem Jahre das Bedürfnis verspürte, durch einen Protest gegen Zionismus und Misrachi den Fluch der Lächerlichkeit auf, W. zu laden ... .. H./.Jedqch läßt sich eine gewisse Wendung zum Besseren allmählich auch im Westen bemerken. Am. deutlichsten zeigt sichf dies, wenn man die Verhältnisse .in. den ig.Punfto.Judentum bereits totgeglaubten Ländern,, wie Jtqlien und Skandinavien in Betracht zieht, ,wo sich in letzter Zeit unter dem Einfluß, des Zionismus etwas jüdisches Leben zu regen beginnt. Und so dürfen wir denn angesichts der bald rascheren, bald langsameren, aber doch stetigen Fortschritte getrost und hoffnungsvoll dem neuen Jahre entgegensehen. And lo owdo tikwotenu! ... ' Die Woche. Wie lange wird es noch bauern, bis die Bereinigten Staaten von Nord-Amerika, „das Land der Eingewanderten", auf dem bereits begonnenen Weg, die Einwanderung einzuschränken, fortschreitet? Und dies — obwohl noch viele Millionen Acre Landes des bearbeitenden Pfluges warten, und obwohl die noch immer mächtiger werdenden Industrien einen fortgesetzt steigenden Bedarf an Arbeitskräften erfordern! Die Auswüchse eines seit einigen Jahren entstandenen chauvinistischen Nationalismus rauben den davon infizierten Kreisen der zusammengewürfelten Nation ihren sonst so überlegenen, kühl berechnenden geschäftlichen Sinn und bringen das Land des Universalismus in die Gefahr, auf eine ungesunde nationalistische Politik hinzuarbeiten. Doch auch die Blüte am Baum des Chauvinismus, der Antisemitismus, ist drüben zur herrlichen Entfaltung gelangt, und grade diese „Schmach der Menschheit" ist es, welche den Anti-Einwanderungs- Bestrebungen zahlreiche Scharen zusührt, die ihnen sonst fernbleiben würden. Genau genommen stellen freilich die Juden nur einen Bruchteil unter den einwandernden Elementen dar. So befanden sich unter den 1027 427 Einwanderern, die vom 1. Juli 1904 bis 30. Juni 1908 den amerikanischen Bodenbetreten haben, nur 184997 aus Rußland kommende, und aus Rußland ergießt sich ja der jüdische Auswandererstrom. Aber wie in anderen Ländern, so scheint auch hier der Judenhaß zu genügen, um reaktionäre Gesetze zu veranlassen. — Möge es dem starken Arm des großen Roosevelt gelingen, diese den Grundsätzen der Bereinigten Staaten widersprechenden Strömungen einzudämmen und niederzudrücken!. In. den nächsten Tagen tritt , auf spanischem f odexz ein^. internationale Klsuferenz zusammen, deren ufgabe^ D. ist,, die Maro.kko-Angelegenheit zu! regeln. Wegen der Uneinigkeit der Mächte kann das Seite 3. maurische Sultanat, in dem auch' Tausende unserer Brüder ein elendes Dasein fristen, nicht aufgeteilt werden und schreiten nun die interessierten Mächte dazu, das „friedliche" Eindringen der dabei interessierten Staaten so zu ordnen, daß aus demselben keine Gefahr entstehe. Man will in Marokko „friedlich" eindringen, viel europäische Kultur ablagern, den marokkanischen Staat modernisieren. Mit einer Umgestaltung der Zustände in Marokko, glauben viele, wirb auch die drückende Lage der marokkanischen Juden eine Aenderung erfahren. Wir hätten also allen Grund, die bald zusammentretende Marokkokonferenz freudig zu begrüßen. Aber du irrst, Brutus. — In die verborgenen Schlupfwinkel jüdischen Exillebens und GoluselendS dringen die erquickenden Sonnenstrahlen nicht so leicht. — Die Lage der Juden in Madagascar, bas bereits seit einem Säkulum unter französischer Herrschaft steht, die Lage der Juden in Tunis, das ebenfalls unter französischer Herrschaft steht, lassen uns die Zukunft der marokkanischen Juden in keinem hellen Lichte erscheinen. Die Juden in den französischen Kolonien Afrikas befinden sich, in einer Lage, die jeder Beschreibung spottet. Sie sind noch heute keine französischen Bürger, und neben den Maltrationen seitens der fanatischen Mohamedaner müssen sie noch von den französischen Kolonialbeamten allerlei Leiden erdulden. Ihre Erbftterung ist um so größer, als sie doch in einer modernen Kulturmachtssphäre leben. Einst, bevor Frankreich in Tunis und Madagascar „friedlich" eingedrungen, lebten dort die Juden im mohamedanischen Exil, heute leben sie dort in einem doppelten Exil. Und da nach menschlicher Voraussicht Frankreich den herrschenden Einfluß schon vermöge der algerischen Nachbarschaftin Marokko gewinnt, so haben die marokkanischen Juden wenig Aussicht auf eine Aenderung ihrer Lage. 'dt Aus aller Welt. Deutsches Reich. Frankfurt a. M. Bon dem Bureau deS Deutsch« Jsrae litischen GemeindebündeS erhielten wir mit dem Ersuchen um Abdruck den nachfolgenden Aufruf: Se. Majestät der Kaiser hat kund gegeben, daß er zu Ällerhöchstseiner und seiner erhabenen Gemahlin Silbernen Hochzeit keine kostbaren Gaben, sondern die Begründung wohltätiger Stiftungen wünscht. Der Deutsch-Jsraesitisthe Gemeindebund in Berlin wird diesen Allerhöchsten Wünschen Nachkommen, indem er eine Anstalt für jüdische Schwachsinnige plant, für die ein stasistisch und erfahrungsgemäß nachgewiesenes dringendes Bedürfnis vorhanden ist. Er befolgt somit nur das Beispiel, das er schon zur Silbernen Hochzeit weiland Kaiser Friedrichs durch die Begründung der Friedrich-Wikhelm-Bictoria-Stiftung gegeben hatte, die: Hunderten von israelitischen Kultusbeamten die Mers- und Reliktenversorgung ermöglicht hat. Obwohl streng rituell geführt und von jüdischen Beamten geleitet, wird, nach dem Vorgänge vieler anderer jüdischer Institutionen der Wohltätigkeit und der Erziehung, diese Anstalt, soweit der Raum es gestattet, auch christliche Pfleglinge aufnehmen. - Wir fordern, edle Wohltäter, die zumal Schw achsinn igenKin dein den Weg ebnen wollen, möglichst nützliche- und glückliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft zu werden, aus, ihre Spenden für die Anstalt für jüdische «Schwachsinnige an Unser Bureau: Berlin W. 35, Steglitzerstraße 85, senden zu wollen. lieber die Beiträge wird in den öffentlichen Blättern quittiert werden. Berlin, im -Oktober 1905. Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen GemeindebMdes. Hamburg. Anläßlich der kürzlich stattgehabten Feier des 250jährigen Bostehens der hiesigen Portugiesisch-Jüdischen Gemeinde fti folgender geschichtlicher Rückblick gegeben: Im Jahre 1652 erfolgte die Zusammenfassung der bisherigen drei Bereinigungen zu einer portugiesischen Hauptgemeinde. Me Zentralstelle der Gemeinde wird nach dem Dreckwall verlegt und erhält den Namen „Bet Israel" (der! noch bis heute der Portugiesengemeinde geblieben ist). Die Hauptsynagoge wurde am Alten Wall unter'bem Namen „esnoga de Bet Israel" errichtet, während, eine Filialsynagoge ssnlkragario) auf der Herrlichkeit erbaut wurde,! .Me Portugiesen waren damals die einzig anerkannte jü8. Gemeinde in Hamburg: die Anerkennung der dbutst^ jüdischen Gemeinde geschah erst' viele Jahrzehnte .später. Die Synagoge-- am Altenwall wurde - sin .Jahre. 1842 ein Raub der. Flammen, im September

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