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Neue jüdische Presse · 1905-09-29 · Heft 38 (29.9.1905) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 38 (29.9.1905)
Date
1905-09-29
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Frankfurter Israelitischer FamÜienbkatt. Rr. 38. G FeMeioil. G likum, die Korrespondenten, die Angeklagten, sogar I Wenn die Sonne aufgeht, kommen die Enten den der Proknror Rischow enthielt sich seiner üblichen! Berg herunter, tauchen im Wasser unter und begleitenden" Fragen."! geben sich dann in's Nest. Tiefer Berg ist ihnen Wir traten in ein Pförtchen, gingen durch einen I die ganze Welt. Tann kam ich nach Homel und öden, mit trockenem Steppengras bewachsenen Hof I sah, daß es da ein wenig frischer ist. Man ist ge- [ und kamen, nachdem wir einige Mal über unsicht- I schästig, man bemerkt eine gewisse Ungeduld bei den bare, heimtückische Stufen, welche sich nicht nur auf! Leuten. Früher z. B., was für ein schweres Geber Treppe, sondern sogar innen, in der Mitte des I schick mich auch treffen mochte, ich ertrug es, fuhr Flurs und vor der Schwelle des Zimmers befanden, I zum heiligen Rabbi. Ter sagte: Dulde! Aber, jetzt gestolpert waren, endlich in die Wohnung Zwaiger's.! will die Seele nicht mehr dulden." Hier befanden sich mehr als zehn Jünglinge I „In der vorigen Woche fuhr kch nach Schab- - (Nachdruck verboten.) Howeler Silhouette». Skizzen von Tan, aus dem Russischen übersetzt | von T. Bach. (Fortsetzung). Die prozentmätzige Aufnahme in die Lehranstalten I demselben gleichartigen „demokratischen" Typus. I rinka, plötzlich hörte ich Geschrei, Rekruten stoßen hat unter der Mischen Jugend einen ganzen Stand!Me waren klein von Wuchs, bartlos, sehr ärmlich leinen alten Mann. Ich ging hinzu, sing an, sie zu von Externen geschaffen. Das sind Halbwüchslinge I gekleidet, aber mit einem besonders freien Blick; das! bitten, da fielen sie auch über mich her, stießen mich oder junge Leute, die sich zUm Examen vorbereiten, I waren die kleinen Helden Hömels, wie Zwaiger sich I in die Brust. Dennoch ging ich hin. Weshalb sich um ein gewisses Zeugnis zu bekommen, zuerst für l ausgedrückt hatte.! verstecken — bckoinmt man eins, auch gut." vier Klassen, dann für sechs, manchmal sogar für! In der Tiefe des Zimmers stand ein ungc-1 Tiefe Formel hatte ich schon einmal von Stotzka, Len vollen Gymnasialkursus. Um die Möglichkeit zur! heuer großes, hölzernes Bett, fast bis zur Tecke mit I dem Schuhmacher, gehört. Sie erschien mir nicht Existenz zu haben, siedeln sie in die abgelegensten I Federbetten und Kissen beladen. Der Pogrom hatte! besonders aktiv, aber für die jüdische Masse, die Flecken über, wo sie Stunden für 2 oder 3 Rubel I augenscheinlich dieses Haus verschont, da alle diese l gewöhnt ist, überall vor der Gefahr davonzulanfen, monatlich erteilen. Der größte Teil von ihnen bringt I Federn sich noch in ihren Behältern befanden. deutet diese Bereitschaft, die Brust dem Schlage entes überhaupt zu keinem Examen und kehrt nach I Box dem Tisch auf einer hölzernen Bank saß I gegenzustellen, einen großen Fortschritt, zwei- bis dreijährigem Studium in die Reihen der I ein alter Jude von sehr patriarchalischem Aussehen! „Freilich, es gibt auch solche," fuhr der Alte Handwerker oder Kommis zurück. Die Beharrlicheren I in dem üblichen Lüstrinrock, mit einem langen» I fort, „welche sagen: Wer bittet Euch, für andere ändern von Jahr zu Jahr das Ziel ihrer Träume, I grauen Barte, der ihm bis auf die Hälfte der Brust I einzutreten? Es gibt Menschen, welche, wenn man erreichen zuweilen im Gedanken das Zeugnis der! herabreichte. Ihm fehlten nur die Locken zu beiden! sie würgt, sagen: „Rühr' mich nicht an. Ich werde Reife, ohne jemals die Schnelle eines Gymnasiums I Seiten der Schläfen und das traditionelle Käppchen. I liegen, ncan wird mich treten, dann werde ich schon betreten zu haben. Andere gehen zur Prüfung und | Tos Haupt der Familie Zwaiger, ein geweseselbst weiterkriechen.' fallen nach einander für vier Klassen, für sechs und I ncr Homeler Kaufmann, früher ein wohlhabender für acht durch. Den Glücklichsten gelingt es doch! und gottessürchtiger Mann, jetzt ein bescheidener Am hier und da, irgend ein Zeugnis zu bekommen,! gestellter in einem fremden Comptoir, hatte sich, und sie verteilen sich auf die Feldscher- und zahn-1 dank verschiedenen Ereignissen seines Lebens, eine sehr ärztlichen Kurse, werden Apothekerlchrlinge, zuweilen I freie und unehrerbietige Denkungsart angeeignct. freiwMge Schreiber. Andere fahren schließlich nach! Tas. war ein ganz neuer Typus für mich. Er sprach Bern, Heidelberg und Genf, um zu studieren und zu! schlecht russisch, mit den charakteristischen Fehlern hungern. — l und Geberden. Aber in seiner gebrochenen Sprache Doch die Hauptbedeutung der Externen liegt > sagte er Tinge, die ich niemals aus solchem Munde nicht in ihren Diplomen, sondern in ihrem Streben | und in solcher Umgebung gehört habe, nach Bildung, welche sie, wie ein spezielles Ferment, (Fortsetzung folgt.) Nachdruck verboten. Das Judengrab in der Steppe. Roman von SamuelGordon. Frei übersetzt von M. Pulvermann. (Fortsetzung). So gestaltete sich die Bcrlobungsfeier Rachels mit Gregor. Wer es nur irgend wissen wollte, konnte cs , — „Um mich her habe ich die Jugend," erklärte I erfahren, und mochte es für sich behalten oder auch in die abgelegensten Winkel des westlichen Gebietes ^r Greis in Form eines Vorwortes. „Unser Blut dem Nachbar erzählen: die ^rlobten machten sich sehr hintragen. Dieses Streben lebt in ihnen, wie eigen-! abaeküblt aber die ^unaen wollen ibren »Uea! Wen,!£, ^raus. Marfa Mach kem Wort darüber, , r. ” I'st aogeruycr, aver me Zungen wouen ryren I verschlossen trug sie den Hüßin sich; nur wenn es artige Mikroben, mit welchen sie nicht nur einander I ge[jCn llub ziehen uns Me nach sich."! sie wieder einmal überwmtigte und sie zu ersticken anstecken, sondern auch ihre Schüler, von denen I _ ^ie Zeiten haben sich geändert," erzählte! drohte, da mußte sie sich dem alten Bastian gegenfie -ein paar elende Rubel zum Unterhalt zusammen-1 Greis, „die Synagogen stehen leer, die Locken über Luft machen; da er schon für ihren Mann wc lesen u^sogar^die öftere Generation bis zu den L* abgeschafft, die Jeschiwans ebenfalls. Wissen ÄftcfÄ eigenen zSatein. >Sie, die Jungen aus der Schule lernen das Gesetz, I Tochter, legte sich Marfa keinen Zwang auf; wußte Wir erreichten das Ende der Stadt und kamen! um, wenn Gott will, geistlicher Rabbiner zu wer-I sie doch, daß auch diese alle Ursache hatte, aus persöuauf den Witrow-Platz. Auf der einen Seite ziehen I den." I gsKeu n rembel1 Eindringling zu hassen sich endlose Hecken hin, auf der andern schwarze, I „Früher gab es bei uns fn Homel drei Jeschi-1Unb Toch die Liebenden kümmerten sich sehr wenig um freie Felder. Rings umher herrscht solch' eine Stille,! waus, in jeder waren 30 Schüler. Tie Schüler! Ntarfa's Schweigen, und noch viel weniger um daß es mir scheint, als ob wir viele tausend Werst! aßen der Reihe nach bei den Leuten Mittag, bei! Bastian's Fluchen und am allerwenigsten um Savon diesem unruhigen Am°iseuhausen weit wären, jedem einen Tag. Mist nur -ine Jeschiwoh übrig «ucht die Gregor Ar vermrcke^ vorder mit seinen Trottoiren, seinem Volkerhaß und ahngeblieben, und auch da sind nur innge Leute, ^ie wußten auch nicht, daß Marfa beständig vor lichen, schwer zu entscheidenden Fragen. I welche aus Dörfern und kleinen Städtchen gekom-! Rachels Zimmer lauerte, um etwas von ihren Plänen Hier an dieser Stelle ist Kohanski gefallen," I men sind." I und Absichten zu erlauschen, bemerkt Zwaiger plötzlich. „Er siel wie ein Stein! „Und auch diese Schüler sind nicht echt," fuhr! . Heute^horchte Marfa wieder, und da hörte sie hin und hat nicht mal mit der Hand gezuckt. Ach!der Alte fort, „bei Gott! Sie sind dort nur wegen IaföQfic ohne^dies^ bereits^warem^Auße"i>en Ae- Gott," fügte er zusammenschauernd hinzu, „was ging! „der Tage", aber in Wirklichkeit suchen sie unent-! sprächen in der Landessprache, die sie natürlich ganz hier vor, als eine Salve gegeben wurde. Niemand! geltliche Lehrer, schlagen sie sich irgend wie mit billi-! gut verstand, hörte sie auch noch Worte einer fremden hätte es ernstlich erwartet. Ohne Signal, plötzlich! gen Stunden durch. Hier ist ein solcher Jeschiwoh-! Zonge, deren Bedeutung sie durchaus nicht begreifen 7. , ~ JU* cm f < r mr 11t r! konnte; die Rachel oft und oft wiederholte, und welche krach, krach! .... «echs Mann sielen. Hier Blut, schulcr, fragen etc ihn!" - Er wies mit der Haud I fijregor; mie ei„ Schulbube, nachsprach. Es schien dort schreft ein Verwundeter. Behüte mich Gott da-lauf einen klcingewachsencn Burschen in einer war-1eine regelrechte Lektion zu sein; denn häufig befahl vor, das noch einmal sehen zu müssen. Es wäre! tierten Jacke und seltsamen Beinkleidern aus Segel-! Rachssl, dieses oder jenes Wort zu wiederholen, was mir lieber, selbst zu sterben." — | tuch, welche für den Winter ganz untauglich waren, Iftdesmal^folgsam tat, Es dauerte eine ganze Kohanski war der einzige Sohn seines hin. „Wissen Sie, bei ihnen in der Schule ist es so: AtschuMgte sich'Ä « ^-r Vaters," erzählt Zwaiger, „sie sind Packer, beschäf-loben liegt der „Traktat" aufgeschlagen, unter dem-1Lehrerin mehr Aufmerksamkeit schenke, als.der Auftigten sich mit dem Transport von Fracht. Solch ein! selben „die Abrisse der Kultur" von Milukow."! gäbe. Endlich aber ging es ganz glatt und gestiller, zarter Knabe. Wie konnte man wissen, iven I Ter Bursche in der wattierten Jacke sing zu l äufig/ und als er fertig war, hörte Marsa Rachel die Kugel wählen wird? I lachen an.! ® „Jetzt bin ich bereit, mit Dir zu Deinem Priester Er allein wußte es, wie es schiem Sonntag Mend l „Bei uns findet der Schames (der Synagogen- > jU gehen." trafen wir uns auf dem Kreuzwege, in zwei verschie-!diener) „Literatur" im Oren-Kaudesch," bestätigte er»! Marfa wurde dadurch auch nicht klügersie denen Patrouillen. „Schimon," sagt er, „mir ahnt | „Und die Synagoge?" setzte der alte Zwaiger! wEe nicht, was sie darai^ machen sollte; jedenes, daß morgen an mich die Reihe kommt." I fort. „Nicht umsonst habe ich im Gericht gehört, wie ^st^Nachmittag^die^un^Leme nachher R-rf- ,T«r Alte sagt," fuhr Zwaiger fort, „ich werde! der Rechtsanwalt Schmakow immer fragte: „Sagen I Mche gehen sah, von wo sie, das wurde Marfaejetzt nicht weinen. Mein Sohn Salman ist für das ganze! Sie, Zeuge, finden in der Synagoge politische Zn-! klar, nur als Mann und Weib zurückkehren werden. Volk gestorben." sammcnkünfte statt?" '%*$*'-** .M gibt auch bei uns in Homel kleine Hel- Von Zusammenkünften weiß ich nichts, aber die ^wr zu bemüßn,"'sprachtKgor'eA. „Du 'hast den," fügt Zwaiger nach minutenlangem Nachdenken! russischen Bäckergesellen haben sich wirklich einmal! ja auch aus Deinem Mißbehagen kein Geheimnis hinzu.!in der Synagoge versammelt."! gemacht; Tein Herz heck meine Wahl.nicht gebilligt. Ich habe den alten Kohanski im Gericht ge-! „Alles aus der Welt ändert sich," erklärte der |unb darum haben wir auf Deine Begleitung zur sehen, als er als Zeuge Aussagen machte. Er erzählte! Alte. „In meinem Leben gab es auch viele Pcrio-1 ^anlunß^^ber" gar ’ in kurzem, sachlichem Ton, wie sein Sohn Salman I den. Zuerst kamen die Verbote, von Kultur wußte I alles wollten wir Dir ersparen, .und ich glaube. Tu zum letzten Male nach Hause gekommen war. Aber! man nicht viel, man sagte: Wer den Bart rasiert. I wirst mir chasstr noch dankbar sein, Du kannst! es jedes Mal, wenn er den Namen aÄrsprechen mutzte,!ist ein Apekauros (Epikuräer) Abtrünniger.,Solch'!^ d^urch indem'Du zu meiner Fsan hielt er inne und machte eine Anstrengung, als ein Separatismus herrschte damals!" Mtä^veMd'darin.^dätz'sie .ihnen ob er etwas verschlucken woMe, das ihm in der! „Wir lebten iu einem kleinen Flecken, gleich,Enten Imortlos den Rücken.zuwendete^Mch langsam zum Kehle stecken geblieben war. Alle weinten, das Pub-I auf einem Berge. Am Fuße des.Berges ist ein Kee.^! Fenster. schritt.,

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