Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 37 (22.9.1905)
- Date
- 1905-09-22
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37. tzeite 16. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Sehnsucht der großen Mehrheit des jüdischen Volkes nach dem Lande der Väter gehe uns nichts an . . . Dies nennen sie — Logik und Konsequenz . . Diesen zwei einander sich ausschließenden Ansichten, die aber dies gemeinsam haben, das; sie beide aus übergroßer Logik der Logik der Tatsachen nicht gerecht werden können» und eine jede für sich durch die Absurdität ihrer Konsequenzen als vollendeter — Unsinn sich legitimieren, steht die Anschauung des politischen Zionismus - gegenüber, die eine Synthese beider aber mit Abwerfung ihrer negativen Teile ist. Denn unter politische Zionisten versteht man diejenigen, die dadurch, daß sie Zionisten ivurdcn, nicht aufgehört haben — Jaden zu sein; die darum es für ihre Pflicht halten, alles zu tun, was den Bestand des jüdischen Stammes jichcrc und fördern kann, daher erstreben sie, wenn nötig und möglich, auch außerhalb Palästinas jüd. Siedelungen. Und eben weil sie Juden sind, denen nichts Jüdisches fremd ist, wollen und werden sie in dem Streben nach dem Besitze des Landes unserer Geschichte und unserer zweitausendjährigen Sehnsucht nicht erlahmen. Beides aber erstreben sie auf rechtlich-politischer Grundlage. Mle, die sich, zu diesem Zionismus bekennen, zu dem Zionismus, wie er sein muß, — wenn er sein will, haben daher die Pflicht, sich zu vereinigen, um zu verhindern, was auf beiden Seiten Unverstand und böser Wille so geschäftig ist, zu bewirken: Tie Sprengung des Zionismus, d. h. seine Vernichtung! Radikale Elemente sind für eine Partei nur insoscrne von Vorteil, als sie zum Anspornen dienen, ihnen selbst aber die Leitung zu übertragen, ist allemal von Ucbel. Auch erweist man ihnen selbst damit oft den schlechtesten Dienst, denn rarsonnieren ist noch immer leichter gewesen, als zu schaffen und Geschaffenes zu erhalten. — Wir müssen daher mit dem guten Beispiel vorangehen, und den verdrehten Köpfen in unserer Atitte die Stelle anwcisen, die sie mit Nutzen ausfüllen können, vielleicht gelingt es dann auch den Besonnenen unter den Zionc-Zion, ebenfalls die F-ührung an sich wieder zu bringen; dann wäre der Riß nicht unheilbar, die Kluft nicht unüberbrückbar. Tenn eines dürste wohl allen klar sein, daß, wenn Herz! am Leben wäre, so wären diese traurige» und trostlosen Zustände, wie sie jetzt bestehen, nicht eingetretcn. Tarum müssen alle, denen das Andenken Herzls teuer ist, nichts unversucht lassen, um in seinem Sinne die Wirrnisse zur Lösung zu bringen. Ist es aber wahr, was die Herren so oft versichert haben, daß die tcrritorialissische Partei als solche niemals gegen Palästina war, und wenn ihnen die Wahl eines Territoriums frei stände, so würden sie Palästina wählen, auch wenn ein besseres Land zu haben wäre — wir glauben daran umsomehr, als wir einen Nationaljuden, der anders spräche, als Golus-Wundertier anstaunen würden — dann sind die Herren, die sich diesen musikalischen Namen „Territvrialisten" geben, das mit „Terroristen" Klangverwandtschast hat und in Rußland unter dem Volke sicherlich damit verwechselt wird werden, dasselbe ivas wir sind — politische Zionisten! Man braucht ja auch nur die Namen vieler der extremen Territorialisten zu nennen, um zu wissen, daß in ihre» Herzen niehr hingebende Liebe für Zion lebt, als in den Herzen so mancher Uebcrzionisteu von gestern. - . . Bon diesen verlangen wir nun, daß sie uns bei dem schweren Kampfe, den wir um die Wiedereroberung des Zionismus und seine Institutionen, für das jüdische Volk führen müssen, nicht im Stiche lassen, und. durch ihren übereilten Austritt uns schwächen. Wir würden uns einen solchen Austritt als Feigheit und Verrat zugleich anrechnen müssen .... Ferner die neue Organisation ist mit ihrem jetzigen Programm keine zionistische, also — eine Äegenorganisation, alle ehrlich gemeinten Erklärungen und beruhigende Versicherungen helfen. nichts gegen die Logik der Tatsache! Unser Zionismus aber ist nicht von der Art, daß wir uns sagen könnten: sei ein Zionist im „Kasino", im „Safran" aber sei es nicht! Solche Beschwichtigungsredensarten sind nichts — als Redensarten. Wenn wir als Zionisten nicht aufhörcn können, Juden zu sein, so können wir auch als Juden nicht aufhörcn, Zionisten zu sein: Beide Begriffe sind für uns nur zwei Namen für eine und dieselbe Sache. Wir können einer jüdisch-nationalen Organisation nicht beitrcten, trotzdem wir Zionisten sind, sondern, weil wir es sind. . . . Tarum muß diese Organisation danach, beschaffen sein. Nicht etwa, daß wir den Kampf mit der zionistischen Organisation nicht wünschen; umgekehrt, er soll mit allen gesetzliche» Mitteln geführt werden, aber — um die Wiedereroberung und nicht um die Vernichtung derselben. . . . Tenn zum letzteren müßte es führen, wenn es nach, dem Wunsche mancher, die nach dem Rachekriege lechzen, ginge, und bei der bisherigen Anlage der Dinge bliebe. Casür sind wir nicht zu haben, denn nie werden wir die Sache mit den Personen verwechseln und der erstercn entgelten lassen, was die letzteren verschuldet haben. Sollte auch die zionistische Organisation eine inhaltslose Form werden, so werden wir gegen sie keine Hand erheben, denn auch die Form ist uns heilig, weil sie das Lebenswerk Herzl's ist, das Werk,'das ihm das Leben gekostet hat! — Alles, was im Safransale zu Basel in Momenten der höchsten Erbitterung, nach einer erlittenen schmerzlichen Niederlage beschlossen wurde, kann nur als Provisorium betrachtet werden, bis eine ordentliche Konferenz aller politischen Zionisten und Territorialisten (d.. h. diejenigen, die Palästina für unnötig oder nicht wünschenswert erklärt haben), über die schwebenden Fragen nach voraufgegangcner Tiskussion in den Vereinen und in der Presse, nach dem Austrage ihrer Wähler entscheiden wird. Dazu sind vor allem nötig, daß diese Kreise sich überall in Gruppen und Vereinen organisieren. Tie Konferenz muß spätestens z» Anfang des nächsten 'Sommers stattsindcn. Eine festgefügte Organisation wird die Ausgabe haben und erfüllen können, zu verhindern, daß einerseits der Zionismus zum Tebattierklub und zu in politischen Niveau unserer Häringshändler und Kleinkrämer herabsinkc, andererseits, daß die neue Organisation, wenn es sich. Herausstellen sollte, daß eine gesonderte Organisation notwendig sei, um den Lcbensinteressen unseres Volkes gerecht zu werden, — keine antizionistische wird. Es müssen Mittel und Wege gesucht und gefunden werden, um die Legalität der Kvngrcßwahlen zu sichern. Tazu dürfen wir der Unterstützung vieler aus der Zionc-Zion-Partei sicher sein, die begreifen, daß in solchen schicksalsschweren Fragen nur die unverfälschte Bolkcsstimme, die der Stimme Gottes glcichzuachten ist, entscheiden darf; die begreifen, daß das Unterfangen Einzelner, hier ihren Willen widerrechtlich, durchzusetzen, und die Vorsehung spielen zu wollen, ein Verbrechen ist, dessen sich tatsächlich nur der Wahnsinn schuldig machen kann! Tie Herren Machthaber haben noch in der Nachkonferenz beschlossen, den politischen Zionisten das Föderationsrecht zu gewähren, aber — das Geldzentrum soll gemeinsam sein.Eine schöne Umschreibung der Tatsache, daß die Herren noch ferner Willens sind, unsere Gelder zu unserer Bekämpfung und Unterdrückung zu verwenden! Gegen diese Rechtlichkeit muß mit allen Mitteln gekämpft werden. Temnach sind es viele Aufgaben, die der Konferenz der politischen Zionisten harren, die wichtigste aber ist, einen Weg zu finden, auf dein es nicht nötig sein soll, eine neue Fahne zu hissen. Wir müssen alles daran setzen, um das alte teuere Panier, das Hcrzl hoch und frei in die Lüste hat wehen lassen, zu retten, denn diese Fahne ist unser; es ist die Fahne des politischen Zionismus! Aus -er zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Mit der Bitte um Veröffentlichung erhielten wir den nachfolgenden Aufruf zugesandt: Aufruf an die jüdischen Abiturienten! Seit einigen Semestern treten wir an die jungen zionistischen Kommilitonen mit einem herzlichen Willkommen ' und Begrüßungsruf heran. Es freut uns jedesinal, wenn unsere Zahl wächst, wenn eine wesiere Altersstufe zum freien akademischen Bürger herangereist ist. Denn erst als solcher kann der junge Zionist seine Kraft in den Dienst unserer Sache stellen. Man erwartet viel von uns, Kommilitonen! Denkt daran, daß Herzl uns Studenten seine Garde nannte! Dies Wort des toten Führers muh uns ein teures Vermächtnis sein. Es mahnt uns,' stets i in den ersten Reihen der zionistischen Kämpfer unseren Mann zu stellen. Drum auf au die Front! Es gilt, mit frischem Akut gegen die traurige Ignoranz und den Jndifserenttsmus in der heutigen Judenheit, zumal im akademischen Lager, zu Felde zu ziehen. Es gilt aber auch, in unseren eigenen Reihen einen stischen, doch friedfertigen Kampf auszufechten: den Kamps der Meinungen, den wir — mit unserem hochverehrten Präsidenten als ein erfreuliches Zeichen unerschütterlicher Lebenskraft aufrichtig begrüßen. An beiden Arbeiten müssen wir Studenten nach unseren Kräften innigsten Anteil nehmen. Haben doch gerade wir das Glück, mehr denn alle anderen unserem höhen Zionsideale uns hingeben zu können. Und halten wir uns vor Airgen, daß . auch von uns einst die Geschichte Rechenschaft darüber verlangen wird, ob wir in dieser historischen Werdezeit unseres Volkes in seinem Mensch unsere Psticht getan haben! Schließt Euch uns an, Kommilitonen! Nur die Bausteine, die sich fest und in vorgezeichneter Ordnung aneinanderlegen, werden zur sturmsicheren Festung. Wir müssen uns bestreben, auch an praktischer Organisation und straffer -Disziplin allen anderen ein vorbildliches Beispiel zst liefern. Laßt nicht lange auf Euch warten! Wir müssen schon jetzt wissen, welchen Zuzug wir zu. erwarten haben, damit loir schon zu Beginn des Semesters die Arbeit ausnehmen können. Wir dürfen unsere Zeit nicht auf langes „Keilen" verwenden. Wer auch Ihr,' die Ihr nicht als Aktive in unsere Reihen treten könnt,, beteiligt Euch als Verkehrsgäste an unseren öffentlichen und internen Institutionen. — Paragr. 1 unserer Statuten lautet: „Die freie Verbindung Hasmonaea bezweckt, die Idee des Zionismus zu fördern, ihre Mitglieder' mit der jüdischen Geschichte und Literatur bekannt zu -machen, und neben der Pflege der Geselligkeit, für die körperliche Ausbildung der. Bundesbrüder Sorge zu tragen." Nicht die Wsvnderung von anderen ist das Ziel unserer Korporation, sondern eine Arbeitszentrale für alle zionistischen Studenten möchte sie sein. An Euch alle, die Ihr das kommende Wintersemester zur Universität geht, richten wir die Bitte, um Angabe Eurer Adressen, damit wir mit Euch in Fühlung treten können. Die Ferienkommission d. fr. Verbindung Hasmonaea I. A.: sind. jur. Conrad Kaiser, Berlin, Brunnenstr. 182; rand. med. Felix Theilhaber, München, Pcttenkoferstraße 23; cand. med. Willi Unna, Altona, Große Bergstr. 147. Frankfurt a. M. Bei der Expedition des „Frankfurter Israel. Familienblattes" gingen für den Nationalfonds ein: Sclbstbesteuerung von N. Liebes, M. Marcus u 60 Jk 1,20 Selbstbesteuerung von Leop. Oppenheimer 40 Hotel Ullmann Jk 1,55 Benno Lamm, Gl. G. E. F. Jk 1,— Telegrammablösung Hochzeit Leopold Gradwohl mit Therese Sllexander von Selmar Geis Jk 0,30 Dr. Jakob Feuchtwanger statt Telegramm Hochzeit Baum-Schragenheim, Berlin Jk 1,— Gebrüder Geis statt Telegramm Hochzeit N. M. Benjamin-Bertha Fauerbach, London Jk 1,— Jk 6,45 Außerdem von Frau Schott, Baumweg, Staniol. Straßburg 1. Elf. Samstag Abend sprach vor einem zahlreichen Publikum Herr Dr. Caleb über „Die jüdische Frau und der Zionismus". Die jüdische Frau habe im Zionismus, der eine gesellschaftliche und kulturelle Frage sei, volle Emanzipation; so genieße sie das aktive und bas pasive Wahlrecht. _ Personalien. Berlin. Louis Liepmann und Gemahlin haben anläßlich der Feier ihrer goldenen Hochzeit der Korporation der Berliner Kaufmannschaft 10000 Akark zu wohltätigen Zwecken überwiesen. Seitens des Bankhauses Meyer Cohn ist bei der Feier seines 50jährigen Bestehens den Aeltesten der Kaufmannschaft ein Betrag von 10 000 Jk als Meyer- Cohn-Stiftung für verarmte Mitglieder der Fondsbörse zur Verfügung gestellt worden, Ter Buchhalter Herr Bernhard A s ch k enasy hatte am 30. Juni d. I. einen unbekannt gebliebenen, etwa 12 Jahre alten Knaben, der beim Spiele» in der Nähe der Gotzkowsky-Brücke in die Spree gefallen war, vom Tode des Ertrinkens gerettet. Ter Polizeipräsident bringt jetzt diese von Mut und Entschlossenheit zeugende Tat zur öffentlichen Kenntnis. Berlin. Dem Direktor der Deutschen Bank, Arthur Gwinner wurde der Kronenorden 2. Klasse verliehen. Karlsruhe. Der Vizepräsident der Karlsruher Handelskammer, Herr Rudolf Herrma.nn, wurde zum Kommerzienrat ernannt. Ter Synagogenrat, Herr Samuel Sch nurmann, erhielt das Ritterkreuz 2. Klasse. Mannheim. Das Ritterkreuz 1. Klasse erhielten die Herren Kaufmann Louis Hirsch und Fabrikant Tr. Karl Wey l. ■. Krefeld. Herr Albert Leven, Vorstandsmitglied der Syuagogengemeinde und Brandmeister der freiwilligen städtischen Feuerwehr, wurde mit dem Kro- . iienorden 4? Klasse ausgezeichnet. Essen. Dem'beliebten I. Vorsteher der hiesigen Synagogengemeinde und-langjährigen Stadtrat, Bankier Isaak H i r s ch l a u d.^ wurde, der Titel - eines Kommerzienrat verliehen. Dt.-Ehlan. Bei der Vorstandswahl der Synagogen gemeinde sind wiederbezw. neugewählt die Herren Kaufmann Fischer, Kommerzienrat Blum, zu Stellvertretern die Herren Kauf- ~ mann Jacob Jsaacsohn, Rentier Kasper Jacobs o h n, Fischereiinspektor Leopold R o s e n st e i n. Wien. Der Vorstand der hiesigen Kultusgemeinde hat zwei seiner Mitglieder in den letzten Tagen church den Tod verloren und zwar die Herren Dr. med. Isidor Schnabl und Salomo» Rosner.