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Neue jüdische Presse · 1905-07-28 · Heft 29 (28.7.1905) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 29 (28.7.1905)
Date
1905-07-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 29. Seite 3. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Lesterreich-Ungarn. Wien. Wie das »Jüd. Bolksbl." mitteilt, hat Herr Oberrabbiner D r. G ü d e m a n n auf dem jüngsten Gemeindetage in Wien unter allgemeiner Zustimmung den Ausspruch getan, daß die j ü d i s ch e N B o r n a m e n unserer galizischen Brüder geeignet sind, den Träger eines solchen Namens später zur Taufezu treiben und daß deshalb gegen diesen „Unsinn" eine Agitation geführt werden müsse. — Wahrlich ein wichtiger Grund für den Zusammensturz der Wiener Judenheit!! Jetzt wird es guch klar, warum alle Arbeit der 16 Rabbiner der Wiener Israel. Gemeinde so wirkungsvoll ist, daß man 16 Schammosim an ihre Stelle setzen könnte und es würden keine geringeren Resultate erzielt. Wien. Listeder in Wien dom 19. Mai bis 13. Juli er. stattgehabten Austritte ausdemJudentume: Kvhn,. Olga, Kaiser Josefstraße 32; Feldmann, Otto, Handelsagent, Schulgasse 65; Dawidels, Egon, Student, Zeinlhofergasse 10; Frankl, Wilma, Private, Marxergasse 16; Jalkowitz, Ernestine, Jngen.-Gattin, Pilgremgasse 9; Jalkowitz, Hermann, Ingenieur, Pilgremgasse 9; Dujchenek, Anton, Student, Planergasse 15; Neumann, Siegfried, Monteur, Fröbelgassc 50; Joseph, Karl, Prokurist, Kollcrgafse 18; Klauber, Laura, Private, Nordbahnstraße 21; Lederer, Heinr., Privatier, Fischerstiege; Weitzmann, Herm., recte Franz Brody, Favoritenstr. 33; Kohu, Ignatz, Wehrgasse 31; Kohner, Jda, Schlösselgasse 13; Schindel, Emil, techn. Beamter, Praterstr. 36; Tilles, Olga, Severingasse 3; Graf, Ludw. Sam., Grüneckergasse 28; Tettmany, Anna Therese, Treustr. 6; Tauber, Hans, Volontär, Praterstraße 78; Neuberger, Heinrich, Aushilfsbeamter, Essingergasse 1; Goldstern, Katharina, Private, Gürtel 12v; Singer, Johann, techn. Beamter, Favoritenstraße 16; Klattauer, Emma, geb. Kirsch, Leopoldsgasse 51; Papigay, Moritz Viktor, Rennweg, Artilleriekaserne; Scherer, Schafe Mordche, Uhrmachergehilfe, Liechtensteinstratze 92; Lury, Emanuel, Prater^ straße 61; Deutsch, Alfred, Lichtenauergasse 11; Ehrlich, Josef, Kaufmann, Auhosstraße 22; Ehrlich, Virginia, geb. Kah, Anhofstr. 22; Frekete, Alfred, Bankbeanlter, Wünzgasse 8; Jahoda, Karl, Ferd., D'Orsaygasse 11; Marburg, Elise, Porzellangasse 53; Klein, Hugo, Förstergasse 10; Schiller, Pauline, Leebgasse 11; Weiß, Hermann, Student, Schönbrunnerstr. 38; Breitner, Erhardt, Alleegasse 21; Rosenberg, Olga, geb. Pick, Schüttelstr. 73; Kardos, Adrienne, Graben 12; Horn, Theresia, geb. Strisower, Kaufmannsgattin, Reichsratsstr. 29; Wrahamovicz, Elsa, Korrespondentin, Alserstr. 27; Birnbaum, Elkan recte Oskar, Hahngasse 20; Hertzka, Jos. Moritz, Dr. prakt. Arzt, Seidengasse 13; Ornstein, Doroth., geb. Halban, Kolschitzkygasse 5; Baranek Ludwig, Jurist, Pragerstr. 5; Karpel, Oskar, Kvminis, Rembrandtstr. 26; Kronberger, .Rosa, Kleidernäherin, Arnsteingasse 11; Bodenstein, Gabriele, Privatlehrerin; Kelsen, Hans, Stud. jur.; Deutsch, Julius, Privatbeamter, .Herklotzgasse 3; Elias, Leopold, Tischlerlehrling, Martinsstraße 39; Sachs, Sophie, geb. Weiß, Private, Schmalzhofgasse 19; Hahn, Adolf, Buchhalter, Thaliastraße 80; Wiener, Alfred, Kaufmann, Gonzagagasse 15; Wiener, Regina, geb. Schlesinger, Gonzagagasse 15; Spielmann, Viktor, Reisingergasse 1; Klein, Julia, Näherin, Goldschlagstr. 53; Humpoletz, Paul, Leopoldsgasse 16; Feldhauer, Barbara, geb. Holzknecht, Kollonitschgasse 11; Feldbauer, Ludwig, Kollonitschgasse 11; Ester, Reisel Achter, geb. Lerner, Wamsgasse 22; Koppel, Therese, Schneiderin, Kohlenhofgasse 7; Schiff, Paul, Liechtensteinstr. '53; Pachner, Friedr., Karolinengasse 31; Bocher, Heinrich, Schikanedergasse 1; Silberberg, Anna, geb. Machat, Dorotheergasse 12; Baderl, Netti, Erdbergstr. 35; Spitz, Oskar, Kontorist, Bäckerstr. 7; Singer, Amalia, Schauspielerin, Favoritenstr. 16; Klebinder, Anna, Hahngasse 21; Baronin MargaretheRadowitz, geb. Leon, Hotel Bristol; Fürth, Emil Ritter von, Dr., Advokat, Reichsratsstr. 7; Valmai, Camilla, geb. Pollak, Linzerstr. 381; Valmai, Alf., Beamter, Linzerstraße 381; Löwenstein, Herinkne, Trebitsch, Hasnerstr. 31; Fürth, Ernestine, geb. Kisch, Reichsratsstr. 7; Bohm, Erich, Techniker, Schlösselgasse 28; Konecny, Rosalia, Rötzergasse 106: König, Auguste, Hofzeile 27; Wegenstein, Marie, Thaliastr. 126; Jakobi, An- . dreas, Ingenieur, Lerchenfelderstr. 80; Friedländer, Arnold, Privatbeamter, Wohllebengasse 10; Phu, Ella, Große Neugasse 36; Weisz, Lina, Leitermayergasse 3; Baron, Arthur, Privatbeamter, Palffygasse 20; Neumann, Friedr., Student, Hechtengasse 22; Gassinger, Sigmund, Beamter, Kutschkergasse 10; Wollmann, Sigmund, Musikdirktor, Währingerstraße 96; Sternberg, Karl, Dr., k. k. Krankenanstalt Rudolf-Stiftung; Bondy, Karl, Dr., prakt. Arzt, Sternwartestr. 13. Außer dein llhrmachergehilfen Schaje Mordche Scherer haben wir in dieser langen, traurigen Liste nicht einen Träger eines „jüdischen" Vornamens entdecken können. Aus welchem Grunde haben die anderen die Fahnenflucht ergriffen, Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann? Karlsbad, 29.Juli. Ein antisemitischer Gemeinderat. Wie wir seinerzeit berichteten, wurde der deutsch-radikale Stadtrat von Karlsbad Josef Drumm, wegen grober antisemitischer Beschimpfung des Karlsbader Kaufmannes Ludwig Zentner junior am 20. Mai l. I. vom Bezirksgerichte in Karlsbad zu 300 Kronen Geldstrafe verurteilt. Gelegentlich der Plaidoyers bemerkte der Klageanwalt, Herr Dr. Sigmund Zentner, Wbokat in Karlsbad: Er glaube, es sei beschämend für jeden Karlsbader, nicht nur für die, die ihn gewählt haben, sondern auch für Jene, die ihn nicht gewählt haben, daß ein solcher Mann im Stadtrate sitzt; ferner bemerkte Dr. Zentner, Herr «tadtrat Drumm habe den Eid der deutschradikal-antisemitischen Partei gegenüber aus Einhaltung des Linzer Programms, das sich gegen die Juden richtet, wohl gehalten, den Eid jedoch, .welchen er in die Hände des Gemeindevorstehers als Stadtvertreter geleistet habe, alle Mitbürger ohne Unterschied der Konfession zu schützen, habe er verletzt. Durch diese Ausführungen, welche der Verteidiger Drumms, Dr. Scheiter, gleich bei der Verhandlung protokollieren ließ, fühlte sich Herr Drumm beleidigt und klagte gegen Herrn Dr. Sig. Zentner beim Karlsbader Bezirksgerichte. Bei der am 9. Juni l. I. durchgeführten Verhandlung wurde Herr Dr. Sigmund Zent n erderEh reu beleidig ung schuldig befunden und zu 100 Kronen Geldstrafe verurteilt. Der Verteidiger, Herr Stadtverordneter Dr. Ferdinand F l e i s ch n e r»'meldete sofort die Berufung an. Heute fand beim Kreisgerichte in Egcr die Bcrusungsverhandlung statt, in der das erstrichterliche Urteil bestätigt wurde. Frankreich. Paris. Spanien und die Juden. Bekanntlich bemüht sich der spanische Senator Angela Pulido feit zwei Jahren in Wort und Schrift für eine Aussöhnung der Juden mit Spanien, das sie kurz nach der Entdeckung Amerikas Vertrieben hat. Die Bemühungen des Senators wurden am skeptischsten von den Juden selbst aufgenommen. Ms neulich der König von Spanien auf ein Schreiben des Kardinal-Erzbischofs Salvador Casanas, der um die Verhinderung der Einweihung einer protestantischen Kirche in Barcelona bat, antwortete, daß er sehr betrübt sei über den neuen Angriff aus den Glauben der Väter und auf die Staatsreligion, und daß er alles, was in seiner Macht liege, tun werde, um diesen zum Scheitern zu bringen, bemerkte der in Paris erscheinende „Univers Jsraelitc", daß, wenn das schon Protestanten gegenüber geschehe, man sich leicht denken könne, wie wenig Aussicht auf Erfüllung die Pläne des Senators Pulido bezüglich der Juden haben können. Darauf hat nun der Senator Pulido ein langes Schreiben an die Redaktion des genannten Blattes gerichtet, in ivelchem er zunächst betont, daß der Brief des Königs keinen anderen Wert habe und haben könne, als den eines privaten Katholiken, und daher in einem konstitutionellen Lande, das Glaubensfreiheit garantiere, nicht den geringsten Einfluß haben könne. Außerdem kenne man nicht die Entstehung des Schreibens, dessen Inhalt in Erstaunen setze, da es in Widerspruch stehe mit allem, was man von der Denkweise des jungen Königs wisse, der beständig sein Verlangen kundgebe, daß Spanien frei und fortschrittlich sei. Der Brief, fährt der Senator fort, hat die Liberalen Spaniens zu der energischen Erklärung veranlaßt, daß sie einen Rückfall in religiöse Intoleranz nicht dulden werden, sondern im Gegenteil den Artikel der Verfassung, der von der Glaubensfreiheit handelt, weitherziger angewendet wissen wollen. Wenn die Cortes ihre Sitzungen wieder ausnehmen werden, dann werde die Regierung wegen des königlichen Briefes interpelliert werden und man könne im Voraus versichert sein, diese werden unzweideutig erklären, daß Spanien nicht plötzlich wieder umkehren werde auf seinem Wege zur Zivilisation und Freiheit, die durch Revolutionen und Opfer erworben seien. Großbritannien. London. Im Unter Hause fragte Mr. Sloan den ersten Sekretär für Irland, wie viel Juden infolge des Boykotts in Limerick genötigt waren, dieses Antisemitennest zu verlassen und in welcher Lage die in Limerick zurückgebliebenen Juden sich befinden. Mr. Lang sagte: 37 Angehörige der jüdischen Religion haben seit dem Beginn der jndenfeindlichen Agitation Limerick verlassen. Von den 121 Verbliebenen sind gegen 30 sehr arm. Dem Rest jedoch geht, es nach wie vor gut. Die Anfrage des Air. Sloan, ob die Notlage der 30 armen Juden eine Folge der Hetzereien des Pastors Creagh ist, ließ der Sekretär von Irland unbeantwortet. Rußland. Taebris, 23. Juli. Aus Urania wird vom 29. ds. eine Judenhetze gemeldet; über 20 Läden wurden zerstört und über 50 Personen verwundet. Ein Mann wurde getötet. Die Christen haben unter den Tumulten nicht gelitten. Personalien. Berlin. Zum Direktor des städtischen Pfandbriefamtes ist der langjährige Syndikus des Instituts, Dr. jur. Georg Minden gewählt worden. Herr Dr. Minden trat als Nachfolger Eduard Lasker's vor Jahren in seine jetzige Stellung ein und hat diese mit großer Sachkenntnis verwaltet. Kremfier lOesterreich). Unter großer Beteiligung der hiesigen Bevölkerung wurde am 18. d. Mts. der verstorbene Polizeirat Leopold Presser, ein Sohn des hiesigen Talmudlehrers Reb Jokef Presser s. A., zu Grabe getragen. Rabbiner Dr. Frankl-Grün betonte in seinem Nachruse den bescheidenen Lebenswandel und die Charakterreinheit des Dahingeschiedenen. Paris. Der berühmte Assyriologe des College de /France, Professor Julius Oppert, beging seinen 80. Geburtstag. Aas -er zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Für den Nationalfond eingegangen und noch nicht ausgewiesen sind: Für 3 Monate Selbstbesteuerung von den Herren Feingold, H. Kolliner, Jos. Oppenheimer, Leop. Oppenheimer, K. E., §. R., Marcus, Saly Geis und Selmar Geis ü 90 Pfg. Jk 8,10, für 2 Monate von Herrn Liebes 60 Pf., für 1 Monat von Herren Lehrer Stern, Bi. Salomon und I. Hirsch 90 Pf., für Theaterbillets R. durch W. Jf. 1, Telegrammablösung zur Hochzeit Mendel Wertheim, Fulda, mit Thekla Bamberger, Frankfurt a. M. von Herrn Lehrer GanS 50 Pf., Willy David, Mannheim, gratuliert Frl. Sophie Carlebach und Herrn Dr. Jof. Mayer zur Verlobung 50 Pf., aus gleicher Veranlassung- Selmar Geis 30 Pf., aus gleicher Veranlassung Frl. Grünblatt 30 Pf., Gebrüder Geis gratulieren zur Hochzeit James Levy mit Frieda Rotschild 30 Pf., Aus gleicher Veranlassung M. Guttmann 30 Pf., zur Hochzeit Dr. Jos. Mayer, mit Sophie Carlebach Eduard Lion, S. H. Goldmann, Saly Geis 75 Pf., von S. auf den Namen Zerline Feuchtwanger Frankfurt a. M. 1 Oelbaum gestiftet Jk 6, für Theaterbillets Willy David, Mannheim Jk 3, N. N. Jk 1,10, Wilhelm van Cleef, Emden 50 Pf., Leopold Oppenheimer aus besonderer Veranlassung Jk 1, zusammen Jk 25,15. Marken, Staniol, Zigarrenspitzen spendeten Frl. Grünblatt, Frau Wertheim und die Herren Oppenheimer und Rosenheimer. Hethnrs (Ungarn). Bon den ungarischen Delegierten für den Kongreß gehören die Herrn Austerlitz- Papa, Dr. Abrahamsohn -Nyitra und Friedmann - Kaschau der Mrsrachi « Fraktion an. Aus de» Vereine». Kölns. Rh. Verein selbständiger jüd. Handwerker. Am 13. ds. Mts. war ein Teil der jüd. selbständigen Handwerker in der Rheinlandloge zusammengekommen, um die Gründung eines Vereins von hiesigen selbständigen jüd. Handwerksmeistern zn beschließen. In der Debatte wurden als Ziele deS Vereins festgestellt: Das Solidaritätsgefühl und die Geselligkeit unter den jüd. Handwerkermeistern zn zn pflegen, genau so, wie es in den christlichen Fachvereinen geschieht, Wahrung der gewerblichen Interessen, Förderung des Gesellen- und Lehrlingswesens und endlich auch das Interesse für das Handwerk und die Förderung der jiid. Handwerkermeister seitens aller Kreise unserer Großgenieinde zu stärken. Es folgte dann die Statutenberatung und die Borstandswahl. Aus letzterer gingen als gewählt hervor die Herren: L. Goldberg', 1. Vorsitzender, Berghausen, 2. Vorsitzender, S. Lucas, 1. Schriftführer, L. Leeser- Lindenthal, 2. Schriftführer, L. Wolfs und M. Platz, Beisitzende. Dem jungen Verein sind schon eine stattliche Anzahl hochangesehener Herren aus der Gemeinde als inaktive Mitglieder beigetreten. Ans der Lehrerwett. Berlin. Rabbiner Professor Dr. May bäum ist dem B. B. C. zufolge in Kissiuge» an einer Nieren^ entzündung schwer erkrankt. Professor Maybaum gedenkt übrigens, wie verlautet, am 1. September von seinem Amte zurückzutreten, das er bann gerade 25 Jahre verwaltet haben wird. G Feuilleton. G Krise«. Erzählung von Jacob Levy. (Fortsetzung). 7. Kapitel. Es war wieder Roschhaschonoh und die ganze Familie Weinberg erschien zur Gratulation bei Onkel Mordchen in Hainthal. Ms Mühmele Blümchen das Getrippel der Kinderfüßchen hörte, erhob sie sich langsam. Hermann und seine Frau schienen verlegen, denn sie waren in den letzten Jahren der Familie Selig entfremdet. Rannt, der Belehrungen ihrer Tante müde, hatte ihre Besuche eingestellt und nur bisweilen die Kinder hingeschickt. Simon, der Bruder Nannis, war anwesend und saß neben dem Onkel. Er war ein schöner, schlan-

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