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Neue jüdische Presse · 1905-07-21 · Heft 28 (21.7.1905) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 28 (21.7.1905)
Date
1905-07-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 28. von Ostpreuben, Herr Direktor Tr. Lange- Franksurt für den '„Bund", sowie viele Lehrer, Rabbiner und sonstige Einzelpersonen. Nicht unerwähnt soll bleiben ein Glückwunschschreiben des 91jährigen Veterans des Vereins, Herrn W a h l e r - .Hörstein, bas manchen rührte. Nach Vorlesung der Depeschen brachte die Versammlung ein donnerndes Hoch aus auf Bayerns allgeliebten Landesfürsten, den Prinzregcntcn Luitpold. Ein Huldigungstelegramm ging ab. Ein ehrenvoller Akt folgte: Dem anwesenden Gründer des Vereins, Herrn Hauptlehrer E s ch w e g e - Höchberg wurde eine kunstvoll ausgestattete Adresse überreicht unter brausendem Jubel und Dank für den Verherrlichte», der später gerührt erwiderte. Die großangelegte Rebe des Vorsitzenden bildete den Kernpunkt des Festaktes. Sie ging auf die Geschichte der Religionsschulen in Deutschland überhaupt zurück und auf die speziell in Bayern über. Die Geschichte des Vereins wurde vorgeführt in den einzelnen Entwicklungssiadien, durch Zahlen belegt. Es war höchst interessant zu höre», wie in der Mitgliederzahl, den Beiträgen, den Unterstützungsquoten u. s. f. eine ständige Steigerung zu konstatieren gewesen. Während 1885 verteilt wurden fIL 312, sind es 1905 schon 0508 gewesen. Von 74 Mitgliedern stieg die Zahl auf fast zweihundert! Die ideelle Tätigkeit wurde ebenfalls vor Augen geführt, um das Bild des Vereins zu malen. Vieles ist erreicht und gebessert worden im Gebiete der jüdischen Schule und des Religionsunterrichtes. Tic Generälversammlungen innerhalb 25 Jahren sind beredtes Zeugnis dafür. Doch ermahnte der Festredner zur Fortarbeit und Ausdauer in jeder nur möglichen Weise. Ein stilles Gedenken weihte die Versammlung den lieben Heimgegangenen Kollegen, 40 an der Zahl. Mit von Tränen erstickter Stimme gedachte der Festredner all der Geschiedene». Von den llnterzcichnern dc-s ersten Aufrufes zur Gründung des Vereins leben nur noch 2, die beiden ersten Vorstände des Vereins — Direktor Stern und -Seminarlehrer Schleuker-Bürzburg — sind ebenfalls nicht inehr da. Der Redner stellte sie als Vorbild dem lebenden Gcschtechte hin. Mit dem Tank gegen Gott, dessen Beistand den Verein groß gemacht, schloß der Festredner seine Rede unter nicht enden lvollendem Beifall aller Versammelten, auf die das Gehörte sichtlich einen tiefen Eindruck machte. —> Der Psalm (150 von I. M. Japhet endete ossiziell den schönen Festakt. Um 1 Uhr fand gemeinschaftliches Mittagsmahl im Datei Goldschmidt statt. Es braucht wohl keiner Beweise, daß auch da der Reden manche vom Stapel gelassen tvurde, manche auch aus Mangel an Zeit im heißen Busen verbleiben mußte. — Um 4 Uhr nachmittags, irachdem man Mincho gebetet hatte, verfügte mau sich in den herrlich gelegenen Smolenskgarten, wo das Musikkorps des Großherzoglich Hess. Trainbatailtons Nr. 18 aus Tarmstadt unter persönlicher Leitung ihres Kapellmeisters das Gartenfest verschönte. Vollbefriedigt trennten sich in später Stunde die Freunde und Kollegen, im Bewußtsein einer schönen erhabenen und erhebenden Feier beigewohnt zu haben. Tie Festschrift. Schnell verrauscht die Freude, die Erinnerung bleibt! Eine bleibende Erinnerung nahm jeder mit nach Hause in Gestalt der groß angelegten Festschrift, die sich als ein prachtvoll ausgestattetess Buch Pon 135 Seiteik präsentiert. Mrßer der Geschichte des Vereins, zusammengestellt von Hauptlehrer Eschwege-Höchberg, dem Vorsitzenden Goldstein-Heidingsfeld und dem Schriftführer Mandelbaum-Würzburg, bietet die Festschrift noch eine wohlgelungene, anziehend geschriebene Biographie des unvergeßlichen Ludwig Stern, von Tingfclder-München verfaßt. Die 20 Druckseiten umfassende Arbeit verdient alle Anerkennung. Ebenso die Biographie vom seligen I. Schlenker, Seminarlehrcr Weißbart als Verfasser, „lieber die jüdische Religionsschule in ihre» Anfängen" lieferte Herr Dr. M. Braunschweiger eine lehrreiche Arbeit, mit zahlreiche» Fußnoten versehen, 17 Druckseiten umfassend. Herr Seminarlehrer Tr. M. L. Bamberger gibt einen Beitrag zur Geschichte des jüdischen Lehrervereinswesens iw Bayern. Einen Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Festgruß bot Anfänger-Memmelsdorf, humoristische Bilder Blatt-Obbach und Marx-Gunzenhausen. Zum Schluß! — M ö g e d e r V e r e i n b l ü h e n und gedeihen, ein herzinniges Zelach U r ch a v ihm und all seinen M i t g l i e d e r n, Freunde» und Gönnern! Das w a t t e Gott! Aus öfter Wett. Deutsches Reich. Frankfurt a. M. Berichtigung. Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir, zur Angelegenheit des .Herrn Kantor I d e l s o h n - Rcgensburg das Folgende zu bemerken. Herr Jdelsohn ist mir seit Jahren als Ehrenmann bekannt. Ein Gespräch mit Herrn Jdelsohn hat mich vollständig davon überzeugt, daß cs sich bei ihm um einen llnglücksfall handelte, dessen Folgen m. G. H. so gut wie überwunden sind. Tie in den Zeitungen ausgestreute Beschuldigung eines Selbstmordversuchs ist als verläuniderisch zu betrachten und sei als solche hierdurch gebrandmarkt. Ich hoffe, daß die jüdischen Zeitungen, die eine diesbezügliche Nachricht über Herrn Jdelsohn ausgenommen haben, von dieser meiner Erklärung Notiz nehmen iverden. Genehmigen Sie, Herr Redakteur, den Ausdruck meiner Hochachtung. Leipzig, 18. Juli 05. Rabbiner Dr. N. A. Nobel. Berlin. Ueber die Beschuldigung, er habe antisemitische A l l ü r e n, äußert sich der „V o r w ä r t s", wie folgt: „Dem „Vorwärts" Antisemitismus vorzuwerfen, gehört zu den neueren Errungenschaften der freisinnigen Presse. Bekannt ist, daß die „Boss. Ztg." vor einiger Zeit Schwindelanfälle hatte, als wir das harmlose Wort „Mansche oben" gebrauchten, dieselbe „Boss. Ztg.", die 1892 den Juden Marx in ihrer Redaktion nicht besehen konnte. Jetzt hat es der „Freisinnigen Zeitung" eine kurze Bemerkung angetan, die.wir vorgestern zu der Verhaftung des Grafen Colonna brachten. Wir meinten, daß, nachdem die Ausstoßung des Mörders v. Busse aus der Adclsgesellschaft wohl mit Rücksicht auf den an dem Anblick von Blut nicht gewöhnten Adligen aus Abrahams Samen, den Herrn v. Mendelssohn ic. erfolgt sei, jetzt am Ende der christliche Schwertabel, die Nachkommenschaft der ursprünglichen Raubritter, ein Anrecht habe, sich von einem Mann befreit zu sehen, der mit eigener Hand an den von ihni erschwindelten Pianinos Veränderungen vornimmt, also vielleicht zu ehrlicher Handarbeit Talent habe. Dieser Scherz gibt der „Freis. Ztg." Anlaß, händeringend zu fragen, ob den» im Organ der Herren Singer, Arons re. Graf Pückler Mitarbeiter geworden sei. Das führende Freisinnsblatt möge sich beruhigen. Tie zahlreichen Juden, die in der Sozialdemokratie sich bewährt haben, sind nicht so schwachnervig, daß sie wegen unserer Bemerkungen in Ohnmacht fallen. Im Gegenteil hoffen wir, aus jüdischen Kreisen nach wie vor recht vielen Zuzug zu erhalten. Dort hat man immer noch nicht vergessen, daß die freisinnige Presse sich allerdings ängstlich hütet, auch einmal auf Kosten der Inden einen harmlosen Scherz zu machen, daß man jedoch ini Ernstfall heillosen Respekt davor hat, Juden mit dem höchsten Ehrenamt zu betrauen, das in Deutschland zu vergeben ist. Immer noch ist die sozialdemokratische die einzige Reichstagsfraktion, die mit Stolz auch Juden zu ihren Mitgliedern zählt, während einschließlich der freisinnigen Parteien das Bürgertum nicht einen jüdische» Reichstags-Abgeordneten aufweist. Solange diese Tatsache besteht, solange die Freisinnigen auf die blödesten Vorurteile im Bürgertum ängstlich Bedacht nehmen, solange lachen wir herzhaft, wenn uns von dieser Gesellschaft Antisemitismus vorgeworfen wird!" Berlin. Die schon seit längerer Zeit für den S ü d w e st e n geplante Synagoge mit streng traditionellem Ritus wird nunmehr im September dieses Jahres im Hause Wilhelm straße 131/132 eröffnet. Die Synagoge enthält über 300 Plätze, und ist eine Vergrößerung auf 500 Plätze vorgesehen. Bad Cms. Der seit 18 Jahren hier bestehende Verein „Emser Heilquelle" hat in der Braubacherstraße ein geräumiges Haus mit großem Garten als K u r a s y l für u n b e m i t t e l t e jüdische Kurgäste erwerben können, nachdem Herr Pollack aus Newyork 5000 ,i(. und ein Berliner Herr 1000 '«/£ eben zur Verfügung gestellt haben. Oesterreich-Ungarn. Budapest. In der Generalversammlung der israelitischen G e m e i n d e d i st r i k t s - Präsidenten (die Orthodoxie nimmt natürlich nicht teil) hielt Herr Tr. Franz Mezey, der Sekretär der Landeskanzlei, eine Rede über d i e Lage der ungarländischen Juden heit. Wir führen aus seinen Worten den folgenden charakteristischen Passus an: Seite 3. „Die Arbeit, welche die sich überlassene, auf sich selbst angewiesene ungarische I u bensch a f t im Interesse der Vertiefung ihrer moral i s ch e n M i s s i o u auf dem Gebiete der M a g y a r i s i e r u n g, der Ku l t n r und ihrer eigenen I n st i t u't i o n e n seit den letzten vier Dezennien vollbracht hat, liefert ein glänzendes Zeugnis der edlen Kraft unserer Konfession. Die materiellen Opfer, die wir während dieser Zeit brachten, werden von den Opfern irgend einer anderen Konfession auch nicht annähernd erreicht: sie stehen zu der kurzen Dauer des staatsrechilichen Seins der Judenschaft, zu deren Zahl und Vermögen, zu dem ein trauriges Bild der Zerklüftung ausweisenden inneren Leben der Jndenschaft in krassem Mißverhältnisse. Und diesen schweren Kümpfen der Konfession steht der Staat gleichgültig gegenüber. Umsonst nehmen wir als Individuen reichlichen Alkteil an dem Tragen der staatlicheir Lasten, umsonst ist unsere Konfession in die Reihe der rezipierten Koiifessionen inartiknliert: d i e M acht d e s G e s etzes f ü h l e n w i r nur im Trage» der 'Lasten. Das auch für unsere Koiifessioil dekretierte Prinzip der Rechtsgleichheit wird nicht zur Wahrheit: vergeblich bestreben wir uns, innerhalb eines festgcstellten Rahmens unsere Aufgaben zu erfüllen, vergeblich bitte» wir, von den auch ans unseren Opfern sich ansammclnden staatlichen Einkünften einer entsprechende», angemessenen Unterstützung teilhaftig geinacht z» werden. Ter Staat, der bei Verteilung der Rechte und Vorteile selbst den vom nationalen Gesichtspunkte nicht ganz eiirwaiidfreiel. Konfessionell gegenüber weitgehende Muiiisizeiiz bekundet, geht der patr i o t i schen ungar i s ch e n I u d c n h e i t gegenüber kaum über leere B e r s p r e ch u n g e n hinaus."-Die einzige vernünitige Konsequenz, sich ihres Judentums zu besinnen, ziehen aber trotzdem die Herren nicht. Die soeben hier vorgenommene Rabbinerwahl legt beredtes Zeugnis davon ab, wie wenig die Abweisung von christlicher Seite auf der einen und die Massentause» aus der aiidcr» Seite es vermögen, die großen und kleinen Führer der ungarischen Juden zur Besinnung und zur Tetbstprüsung zu bringen. Budapest. Am 7. ds Mts. hielt der Revräsentantenkürper der Pester israelitischen Religionsgemeinde unter dem Vorsitze des Vizepräsidenten, Hosrat Tr. Philips Wein in an», eine außerordentliche Generalversammlung ab. Ter einzige Punkt der Tagesordnung betraf die W a h t z w e i e r R a b - b i n e r. Ter Vorsitzende führte a»S, daß diese Stellen mit je Kr. 11000 per anno dotiert sind, daß die Gewählten ungarische Staatsbürger sein müsse» Und ihr Amt am t. September cr. anzutreten haben. Nachdem die zur Probe berufene» vier Rabbiner, und zwar: Dr. Juliils Fischer aus Prag, Dr. Max Pollak aus Oedenbiirg, Tr. Simon Händler ans Lugos und Tr. Leopold Kecskemiti aus! Großwardein vollkommen entsprochen habe» und würdig sind, Pester Rabbiner zu werden, hat der Vorstand von einem bestiminteu Vorschlag Mstand genonliuen und überläßt es der Generalversammlung, frei zu wählen. Die absolute Majorität werde entscheiden. Nach einer kurzen, aber sehr erregten Debatte erfolate die Wahl. Es wurden unter Stimmenthaltung des Vorsitzenden 103 Stimmen abgegeben, und entfielen auf Dr. Händler 83, auf D r. Fischer 74, aus D r. K e c s k e nr e t i 45 und auf D r. P o l - lak 4 Stimmen. Demnach enunzierte Hosrat Weinman» die Herren Rabbiner Dr. Simon Händler und Tr. Julius Fischer als gewählt. Das Wahlresultat wurde mit großer Begeisterung ausgenommen. Dienstag, de» 18. d>. :8k., treten die inkorporierten Gemeiildemitglieder, welche keinen Rückstand haben, zur Urne: diese haben bloß mit „Ja", oder init „Nein" zu stimmen, d. h. die bereits erfolgte Wahl gutzuheißen oder zu verwerfen. Budapest. Die Zahl der Ehen zwischen Juden und Christen, welche in Ungarn geschlossen werden, betrug bisher in einem Monat höchstens 48, im verflossenen Mai erreichte sie jedoch die Ziffer 54. — Ein trauriger Fortschritt. Czernomip. Der Verein .Zion"' hat, wie jedes Jahr, so auch dieses, arme 2chulkiuder in die Sommerfrische geschickt. Auf Ersuchen hat der L a n d e s h a u p t m a n n Bar. G e o r g W a s i l k o auf seinem Gute ein Haus mit kompletter Einrichtung kostenlos als Ferienaufenthalt für die Kinder zur Verfügung g e st e l l t. Großbritannien. London. 17. Juli lUnterhaus). Bei der Beratung der F r c m d e n b i l l bringt die Regierung den Antrag ein, daß Mittellosigkeit bei Einwanderern, die sich religiöser oder politischer Verfolgung entziehen wollen, kein Ausschließungsgrund sein solle. Der Antrag wird angenommen, nachdem alle Redner für die Erhaltung des Asylrcchts gesprochen haben. Niederlande. Amsterdam. Die Herren I. Tal, L. H. Sarlouis, D. E. Lissauer» Mej. H. Tuizend, Em. Tuizcnd haben einen Ausruf zur Bildung einer RabbinerHirsch- Gesellschaft erlasse». Die Gesellschaft will die Werke Samson Raphael Hirsch's ins Holländische über-

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