Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 22 (8.6.1905)
- Date
- 1905-06-08
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12. von Jugend auf die herkömmliche Bilbungslaufbahn eingeschlagen, noch hat er ein Gelehrter werden wollen. Wer er Ist einer geworden, und zwar einer der fruchtbarsten und angesehensten, den die jüdische Gemeinschaft immer mit Stolz einen der ihrigen wird nennen können, dessen Schriften in wiederholten Auflagen weite Verbreitung gefunden haben, in denen auch namhafte christliche Theologen Belehrung suchen und finden." Lemberg (Galizien). Unter Anteilnahme aller Gesellschaftskreise beging der Reichsratsabgeordnete upd Präsident der Lemberger Kultusgemeinde, Herr Dr. Emil Ayk, am 25. Mai mit seiner Gattin Jeanette die Feier der silbernen Hochzeit. Nach einem Festgottesdienste, in welchem Oberrabbiner Dr. Caro die Ansprache hielt, erschienen als Gratulanten die Mitglieder hes israelittschen Kultnsvorstandes, dann unter Führung des Bürgermeisters Reichsratsabgeordneten Dr. Malachowski und des Vizebürgermeisters, Landtagsabgeordneter Doktor Michalski, die Mitglieder des Lemberger Gcmeinderates, unter denen sich auch der römisch-katholische Prälat Lenkiewicz befand, ferner der Obmann-Stellvertreter des Polenklubs Dr.. Dulemba, sowie die Abgeordneten Dr. Roszkowski und Dr. Ziutowski, der Ausschuß der Lemberger Advokatenkammer, deren Vizepräsident Dr. Byk ist, der Präsident der Bukowinaer Advokatenkammer Dr. Kiesler, sowie die Vertreter zahlreicher Wohltätigkeitsinstitute und Vereine. Dem Jubllar sind auch viele Beglückwünschungstclegramme von hervorragenden Persönlichkeften zugegangen. Prerau (Oesterreich). Bei Konstituierung der israelittschen Gemeindevertrettmg wurde Herr Em. Klein zum Bürgermeister, die Herren Leopold Mayer und A. Grün zu Gemcinderätcn gewählt. Aus -er zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Die Frankfurter Zionist. Bereinigung ersucht uns um Aufnahme folgender Zellen: Tie Delegierten-Wahlen zum 7. Kongreß müssen spätestens am 28. Juni erfolgt sein. Durch Zahlung des Schekels (JL 1) wird das aktive und passive Wahlrecht erlangt. Wir fordern somit alle Diejenigen, welche wirkliches Interesse an den zionisttschen Bestrebungen nehmen, auf, den Schekel bei einem der nachgenannten Vorstandsmitglieder*) längstens bis zum 20. d s. entrichten zu wollen. Auf Wunsch lassen wir die Schekel bei den pp. Damen und Herren erheben. Zu den Kongreßwahlcn ergehen an sämtliche Schekelzahler besondere Einladungen. Der Vorstand: I. L. Goitcin, Waldschmidtstr. 66, Hermann Friesländer, Ostendstt. 9, Dr. med. W. Hanauer, Mainzcrlandstt. 17, Julius Gans, Röderbergweg 39, Joseph Hackenbroch, Röderbergweg 30, I. Feingold, Bettinastr. 15, Fritz Sondhcimer, Eschcrsheimer Anl. 6, Dr. jur. Schwarzschild, Fichtestr. 12. Antwerpen. Misrachi - Verein »Bnei Z i o n". In unserer Gemeinde nimmt das Interesse der Jugend an den JUstittittone», die das Judentum verlangt, immer größeren Umfang; das zeigt auch die starke Betelligung unserer jüdischen Jugend bei der konstttuierenden Versammlung obigen Vereines, die am 18. Mai im Saale des Cafö „Milles Colonnes" stattfand. Die Versammlung wurde von dem prov. Vorsitzenden eröffnet und dann nahm der Herr Direktor I. Nobel das Wort zu einem äußerst gediegenen Vorträge über „Misrachi und Organisation". Er betonte, daß heute auch der frömmste Jude nicht mehr dem Zionismus fern bleiben darf, denn es ist ihm durch die Misrachi-Organisation Gelegenheit geboten, weiter in seinen Kreisen verkehren zu können. Ter Misrachi bezwecke also nicht eine Spaltung im Zionismus, sondern gerade ßm Mgenteil eine Fesügung und Stärkung unserer Volksbewegung, indem er derselben immer neue Anhänger verschafft, und dies besonders aus denjenigen Kreisen, die bisher dem Zionismus fremd, oder selbst feindlich, gegenüberstandcn. Der Misrachi sei also nicht eine Gegenströmung gegen die Kongrcßbeschlüsse, sondern, wenigstens den orthodoxen Juden, gerade das einzige Mittel, sie zur Geltung zu bringen und daher müsse, des Referenten Meinung nach, jeder orthodoxe Jude auch Misrachist fein. So können wir dem Judentume den Weg bahnen aus der Ewigkeit in die Ewigkeit. Ter zweite Punkt der Tagesordnung war die Vorstandswahl. Es wurden gewähft die Herren I. Groß/Präsident, S. L. de Vries, Vize-Präsident, S. Ehren selb, H. Pr ins, H. Freudmann. Philippopel, 29. Mai. Die Feier des Jom h a sch ekel. Gestern wurde in Philippopel wie in ganz Bulgarien von allen zionisttschen Vereinen Jom haschekel gefeiert. Wegen des großen Verlustes, , den die Zionisten und mft ihnen das gesamte Judentum in dem Hinscheiden des unvergeßlichen Führers in diesem.Jahre erlitten habe», besttmmte das Zentralkomitee der Zionisten Bulgariens, von jedem Prunk, -wie von den üblichen Prozessionen, Bällen usw. diesmal Wstand zu nehmen. Als Vorfeier veranstaltete der Turnverein „Makkabi" einen gymnasttsch-mupkatisch-lfterarischen Abend in dein Hofe der Gemeindeschule. Turnübungen, die in europäischen Turnver¬ *) Auch die Geschäftsstelle des Jsr. Familienblattes nimmt Schekclzahlungen entgegen. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. einen zu den Sellenheiten gehören, wechselten mit Teklamaüonen hebräischer, bulgarischer und spaniolischer Gedichte ab. Sonntag Vormittag vereinigte sich ein großes Publikum in dem mit zionistischen Fahnen und den Bildern zionistischer Größen dekorierten Hose der genannten Schule. Tie Feier begann mit der jüdischen Nationalhymne „Od lo awta tikwatenu", worauf das Fürstengebet „Hnoten tschuah" folgte. Tann sprach Herr Pratzvjado Romano über die nationale Bedeutung des Jom haschekel. Nach ihm hielt Herr Jakob Calew eine von Enthusiasmus durchglühte Rede, in der er besonders die Judenhetze in Schftomir erwähnte. Am Schlüsse seines Vortrages teilte Herr Calew dem Publikum die letzten Ereignisse im zionisttschen Lager mit, wie den Beschluß des Akttonskomitees, die Herren Tr. Max Nordau, T>. Wolfsohn und Prof. Marburg dem Kongreß als Führer zu empfehlen. Sein Vorschlag, dem Triumvirat von den Zionisten Philippopels Glückwunschtelegramme zu senden, wurde mit großem Beifall angenommen. Nach einigen hebräischen und spaniolischeu Teklamationen und einem mehrstimmigen Chorgesange nahm die herrliche, von der Wiedergeburt des Judentums in Bulgarien Zeugnis ablegende Feier ein Ende. __ I. Kanel. Aus der'Lehrerwelt. Frankfurt a. M. Der Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands wird durch seine Verbindung mit vielen geeigneten und hervorragenden jüdischen Gelehrten, in der. nächsten Zeit an verschiedenen Orten Nord- und Süddeutschlands Fortbildungskurse für seine Mitglieder und gesinnnngsverwandte Kvllegen errichten, in denen das alte gemeinsame Lernen neu erblühen soll. Zu gleichem Zwecke suchte die Leitung des „Bundes" den Mitgliedern den Bezug der bekanntesten exegetischen und homiletischen Schriften, sowie bewährter synagogalerGesangswerke, auf deren Anschaffung viele Kvllegen infolge des hohen Preises verzichten mußten, durch Erlangung eines außerordentlichen Vorzugspreise s zu erleichtern. Die geeigneten Schritte sind, bereits erfolgt, und die. Kvllegen belieben, behufs Anschaffung erwähnter Werke, wie z.V. Hirsch, Lewandowski, Naumboürg usw. sich bis zum 15. Juni mit dem Vorsitzenden, Herrn Direktor Dr. Lange, in Verbindung zu setzen. In der Erwägung, daß eine wirksame Förderung der Interessen derjüdischen Lehrer nicht nur in der geistiger Hebung, sondern auch in der Fürsorge für seine materielle Lage besteht, hat der Vorstand des „Bundes" eine Pensions-und Reliktenlasse gegründet. Dank der unermüdlichen Tätigkeit einiger Frankfurter Mitglieder berechtigen die bisherigen Erfolge zu den schönsten Hoffnungen. Bereits ist ein Grundstock von 10 000 JL vorhanden, und die konstanten Jahresbeiträge belaufen sich schon jetzt auf 2500 JL Köln a. Rh. Am 1. April d I. ist Herr Seminarlehrer Schwarzschild, wie schon mitgeteilt, in den Ruhestand getreten. Fünfunddreißig Jahre lang hat Herr Schwarzschlld seine Kraft dem Kölner Lehrerseminar gewidmet. Welch einen vorttefflichen Lehrer das Seminar an ihm verliert, das wissen alle die,. welche das Glück hatten, sich seine Schüler nennen zu dürfen. Groß ist die Zahl der Lehrer, die ihre Ausbildung zum großen Teile diesem Manne verdanken. Und mit welcher Liebe sie ihm alle zugetan sind, welche Verehrung sie ihm entgegen bringen, das beweist der Umstand, daß sich aus allen Gauen Deutschlands frühere Schüler desselben zusammen getan, um ihm anläßlich .seines Rücktritts ihre Dankbarkeit und Verehrung zu bekunden, indem sie ihm eine würdige Feier veranstalteten. Am 16. April fanden sich zu diesem Zwecke eine stattliche Anzahl früherer Schüler des Herrn Schwarzschlld in dessen Wohnung ein. Herr Hauptlehrer Goldschmidt -Köln überreichte hier namens der Kvllegen dem Gefeierten unter einer inhaltlich wie auch forniell gleich wohlgclungenen Ansprache eine kostbare,, silberne Menorah. Und Ivahrlich 'man hätte kein besseres Zeichen der Anerkennung wählen können, als eine Menorah, welche, wie Herr Goldschmidt in sehr schöner Weise ausführtc, darauf hinweist, daß ähnlich dem Leuchter, der das Licht verbreitet, Herr Schwarzschild während seiner ganzen Wirksamkeit Träger und Verbreiter des Lichtes gewesen ist, des Lichts der Tauroh und des Lichts der Chochmoh. Herr Seminarlehrer Gut-Köln überreichte - sodann namens der früheren Schüler eine sttlvollc, künstlerisch ausgeführte Adresse.- Gerührt dankte Herr Schwarzschild für die freundschaftliche Kundgebung, sowie für das äußere Zeichen der Anerkennung, vor allem aber für das persönliche Erscheinen seiner ihm zu Freunden gewordenen Schüler. In hochinteressanter Weise legte er, der Lehrer der Mathematik, den Wert derselben dar und zeigte wie veredelnd sie auf Geist, Gemüt und Sittlichkeit wirft. Nicht nur die modernen Gelehrten, wie Professor Stern, Diesterweg u. A> sondern schon. unsere Weisen haben vor . mehr als einem Jahrtausend ihren hohen Wert erkannt und haben sie nächst der Taüroh als Mittel zur Veredlung der Menschheft gestellt. Zum Schlüsseseiner Aus¬ Nr. 22. führungen, drückte er seinen Schmerz darüber aus, daß er nun seinem langjährigen Berufe, dem er sich mit ganzer Seele gewidmet hatte, entsagen müßte; er findet jedoch Trost darin, daß seine Schüler das von ihm begonnene Werk fortsehen, indem sie alle in gleicher Begeisterung als Jugendbildner 'wirken, und so bleibt er durch sie für das Wohl der Menschheit immer noch tätig. Den Schluß der Feier bildete , ein gemeinsamer Ausflug in den nahe gelegenen Stadtwald, wo man bis gegen Abend in fröhlicher Stimmung zusammenblieb. Wir schließen' mit dem Wunsche, daß Herr Schwarzschild noch eine lange, lange Reihe von Jahren froh und glücklich inmitten seiner Familie verleben möge, sich erfreuend an körperlicher wie geistiger Frische. Möge es ihm auch vergönnt sein, alle seine Schüler die Wege wandeln zu sehen, auf die er sie geführt hat und auf denen er ihnen vorangeschritten ist. 8t. (n) Cannstatt, 4. Juni.? Vorige Woche wurde Herr W. Horwitz, Schachet und Synagogendiener hier, zu Grabe getragen. Einer alten Rabbinersamilie in Rußland entsprossen, wurde er frühzeitig in die Thora eingeführt und eignete sich schöne Kenntnisse im Talmud und anderem jüdischen Wissen an. Er bekleidete mehrere Religions-Lehrerstellen in Süddeutschland, bevor er auf seinen hiesigen Posten kam. Auch da hielt er das Banner der Gesetzestreue trotz zahlreicher Schwierigkeiten und mannigfacher Anfechtungen aufrecht, erzog seine Kinder religiös und hielt sie in frommer Treue zur Sabbatheiligung an. Er lernte auch des Sabbats mit einigen Gemeindemitgliedern. Seinem T-ienste in der Gemeinde widmete er sich, mit Gewissenhaftigkeit und Fleiß Eine Witwe mit 4 unversorgten Kindern beweinen den Verlust des treusorgenden Vaters und Ernährers. Am Grabe sprachen Herr Bezirksrabbiner Dr. Stößel, Herr Lehrer Metzger und Herr E m a « nuel Kaufmann-Stuttgart, laterer im Namen dex zionisttschen Ortsgruppe Stuttgart, welcher der Verstorbene angehört hatte. In dem Geleite bemerkte man auch Herrn Kirchenrat Rabb. Dr. Kroner-Stuttgart, Herrn Rabb. Dr. Kahn- Eßlingen und Herrn Hermann Gutmann- Stuttgart. Breslau, den31. Mai. Der Verein israelitischerLehrer in Schlesien und Postu hielt gestern seine Generalversammlung ab. Ter Vorsitzende, Professor Dr. B a d t, erstattete Bericht über das verflossene Vereinsjahr und erwähnte außerdem die Erfolge und die segensreiche Wirksamkeit der Unterstützungs-Kasse in den abgelaufenen 25 Jahren ihres Bestehens. In einer Vorbesprechung hat der Vorstand beschlossen, zur Erinnerung an das 25jährige Jubiläum der Kasse durch eine -Sammlung einen besonderen Fonds zu begründen, aus welchem solche notleidende Mitglieder unterstützt werden sollen, welche statutengemäß einen Anspruch auf Unterstützung nicht haben, ein Fall, der leider recht häufig eintrete und immer von neuem das Mitteid des Vorstandes errege. Tie Generalversammlung genehmigte den Vorschlag des Vorstandes. Als ersten Beitrag zu diesem Fonds überreichte Professor T>r. Badl dem Schatzmeister eine ansehnliche «immc, welche int Namen der Hinterbliebenen des verstorbenen Parttkulier Eduard Bender in Breslau ihm für diesen Zweck überwiesen worden ist. Er sprach die Hoffnung aus, daß hochherzige Menschenfreunde diesen Zweck recht bald auf eine leistungsfähige Höhe bringen werden. Wien. In der Generalversammlung des Allgemeinen Oesterreichisch-Jsraelitifchen Bundes, dem von den 540 jüdischen Kultusgemeinden Oesterreichs etwas mehr als 200 angehören, erstattete Herr Landesschulrat Dr. Gustav Kohn den Bericht. Er betonte die Dringlichkeit der Schaffung einer Lehrer-Bildungsanstalt für jüdische Religionslehrer, auch müsse der Pe nsi o n ie rnn gs- und Alt er sversorgungsfrage für die Beamten der kleineren Gemeinden endlich einmal nähergetreten werden, denn für diese sei häufig in dieser Hinsicht garnicht gesorgt. i Budapest. Am vergangenen Sabbat hat der neugewählte Rabbiner und Lektor des Talmudvereins, Herr Michael Herskowits, im Bethause desselben seine erste Rede über den Wochenabschnitt gehalten. Tem Vortragenden, welcher mehrere Jahre hindurch als Rabbinats-Assessor in Mikolcz tätig war, ging ein guter Ruf als glänzender Redner voraus und er hat den Erwartungen der zahlreichen Versammlung vollkommen Rechnung getragen, indem er eine sehr schöne, abgerundete und inhaltreiche Traschah bot. Aus den Vereine«. Frankfurt a. M. Die n. ordentl. Generalversammlung der Jüdisch,-Literarischen Gesellschaft vereinigte ein Publikum von fast 400 Personen im Saale des Mekor-Chajim-Bereines. Ter Vorsitzende, Herr Realschuldirektor Tr. .Lang e, eröffnet« die Versammlung, indem-er das Wort dem verdienstvollen Gelehrten, Herrn Professor Tr. B e rli n er aus Berlingab. Tu, in diesem Jahre 800 Jahre seit dem Tode Raschi's verflossen sind, so nahm der Redner Gelegenheit, seinLubitorium in .die -Werkstatt der lGeist-esschütze Raschi'szu-führen-?'Er