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Neue jüdische Presse · 1905-06-08 · Heft 22 (8.6.1905) · p. Seite 13

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 22 (8.6.1905)
Date
1905-06-08
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 22. G>; 0 (T Frankfurter Israelitische« Familienblatt. Seite 13. entrollte in fesselnder, anschaulicher Weise ein getreues Bild von Raschi's kommentatorischer Arbeit zu Tenach und Talmud und zeigte insbesondere, wie der Geburtsort Raschi's, Trohes, der damals als einer der bedeutendsten Welt- und Handelsplätze nicht allein den Handel und Wandel, sondern auch den geistigen Verkehr zahlreicher Völker vereinigte, außerordentlich anregend und bestimmend auf seine immensen geistigen Fähigkeiten gewirkt hat. Nachdem der Redner unter großem Beifall geschlossen, verlas der Vorsitzende den Bericht über die Tätigkeit im abgelaufenen Jahre. Tie Mitgliederzahl ist in den großen Zentren gleich geblieben, sonst aber auf das Tappelte gestiegen und so ist in 'Summa ein erfreulicher Zuwachs zu verzeichnen. Infolge der günstigen .Entwicklung der Gesellschaft konnte in diesem Jahre ein Tritte! mehr wie im vergangenen für Subventionen aufgewendet werden; auch war die Gesellschaft imstande, Arbeiten für ihr Jahrbuch zu honorieren. Budapest. Dem Jahresbericht des ungarischen isr. Handwerks- und Ackerbau Vereins entnehmen wir, daß der Verein, welcher 1711 Mitglieder und ein Vermögen von 490147 Kronen besitzt, im Jahre 1904 für die Erziehung von Handwerks- und Ackerbauzöglingen (Bekleidung. Verköstigung, Schulen und Lehrlingsheim) 53 735 Kronen verausgabte, jedoch infolge der stetigen Zunahme der Ausgaben ein Defizit von 9380 Kronen im Vorjahre aufwies. Tie vom Verein seit seinem 62jährigen Bestände zum ersten Male angesuchte staatliche Subvention wurde nicht bewilligt. . Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Geehrter Herr Redakteur! Tie „Rabbiner-Kommission" der. „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" hat in ihrem soeben erschienenen diesjährigen „Mitteilungen" folgende „Resolution" veröffentlicht: „Die Prinzipien des Misrachi, als eine Fraktion innerhalb des Zionismus, sind mit den Grundsätzen des überlieferten Judentums nicht zu vereinbare n." An diese Resolution schließen sich „Erläuternde Bemerkungen" an, in denen dieselbe Rabbiner-Kommission sich mit einer Broschüre von Max Nordau und einem Aufsatz aus einem „Jahrbuch", genannt „Tie Stimme der Wahrheit", das in seinem umfangreichen leitenden Artikel den offiziellen Zionismus bekämpft und u. a. den berüchtigten Maßiro-Artikel von Prof. Geiger enthält, eingehend auseinandersetzt. Gestatten Sie, geehrter Herr Redakteur, einem Misrachisten, dem die „Grundsätze des überlieferten Judentums" heilig sind, gegenüber der obigen „Resolution" und der sie begleitenden „Erläuterung" folgende Tatsache festzustellen: Von der „Resolution" (also sagen wir: Psak) einer „Rabbiner-Kommission" (eines „Bes-din") wird ein jeder gesetzestreuer und gesetzeskundiger Jehudi notwendig voraussetzen, daß dieselbe auf der Grundlage von Thauro, Newiim und Keßuwim, von Schaß und Poßkim, Schulchon-Oruch usw. aufgebaut ist. Keine Rabbiner-Kommission der Welt ist im Kreise des gesetzestreuen Judentums berechtigt, s e l b st - herrlich und autorativ, mit Außerachtlassung der einzig autorativen Religionsgesetzesquellen, Entscheidungen zu treffen. Nur die Heranziehung der bezüglichen Gesetzesquellen und die Zurückführung auf diese, kann einer rabbinischen Entscheidung die Berechtigung und Beachtung sichern. So wurde es von unseren Großen gehalten zu allen Zeiten bis auf den heutigen Tag. Nur die Braunschweiger und Frankfurter Rabbinerversammlungen der Reformrichtung (übrigens in einer sehr ähnlichen Angelegenheit wie die vorliegende), sind von dieser gesetzlichen Regel abgewichen. Und was tut die „Rabbiner-Kommission" der „Freien Vereinigung"? Sie hat nicht nur unterlassen, ihre „Resolution" mitden etwaigen, auf den Gegenstand beziehenden Bestimmungen der gültigen Gesetzesquellen zu stützen, sie hat überhaupt in ihrer 28 Druckseiten fassenden „Erläuterung" mit keiner einzigen Stelle aus unserem jüdischen Schrifttum ihre „Resolution" belegen können. Nach dieser Feststellung ist das Eingehen auf die Einzelheiten der im Interesse einer engherzigen Kehillopolitik mit journalistischer Raffiniertheit ausgearbeiteten „Erläuternden Bemerkungen" ganz überflüssig. Tie Positiven Beweise dafür, daß die Prinzipien des Misrachi mit den Grundsätzen des überlieferten Judentums übereinstimmen, finde» sich in zahlreichen Schriften von berufenen Männern, die dem . traditionstreuen jüdischen Publikum auch bei dieser Gelegenheit empfohlen seien. Tie Anhänger des Misrachi sind dessen bewußt und jeder gesetzestreuer und gesetzeskundiger Jehudi wird dem — sofern er gewissenhaft urteilt — beistimmen müssen, daß der Misrachi das traditionelle Judentum in seiner ungeschmälerten Ganzheit und ungetrübten Reinheit repräsentiert, was aus den 3 Paragraphen seines Programms jedem Kundigen klar wird. Eines. Frankfurt a. M., den 5. Juni 1905. „Kondolenzbesuche dankend verbeten." Diese Bemerkung finden wir in letzter Zeit des Oefteren bei Todesanzeigen aus jüdischen Kreisen, von denen wir erwarten dürften, daß sic ihren Bekannten die Möglichkeit geben möchten, die Mizwoh des Menachem owel zu erfüllen. Wenn wir diesen neuen Modus einerseits bedauern, so können wir andererseits nicht umhin, zu konstatieren, daß das Publikum selbst mehr oder weniger für diese Neuerung verantwortlich zu machen ist. Hat eine Familie das Unglück, einen lieben Angehörigen zu verlieren, so sind in der Regel anstrengende und aufregende Tage und Nächte vorausgegangcn. Wir sollten deshalb bei traurigen Anlässen in gleicher Weise rücksichtsvoll sein, uns an bestimmte Besuchsstunde n zu halten, wie diese bei freudigen Angelegenheiten eine längst eingeführte Sitte ist: umsomehr, da wir in einer Großstadt leben, in welcher der Bekanntenkreis unserer religiösen Familien ein so ausgedehnter ist, erscheint es ganz besonders geboten, diesem Umstande Rechnung zu tragen. Wir dürfen eben die vom Unglück Betroffenen nicht zu jeder Tageszeit, wie es uns paßt, besuchen, damit unsere Mizwoh ihnen nicht lästig wird. Es dürfte wohl in solchen Fällen die Zeit von 10—12Ve Uhr Vormittags und von 4—7 Uhr Nachmittags die geeignetste sein. Wie bereits oben erwähnt, bedürfen die Trauernden auch der Ruhe, denn es ist selbst für die kräftigsten Naturen eine Strapaze, ununterbrochen vom frühen Morgen bis zum späten Abend dem Publikum zur Verfügung sein zu müssen. Passen wir uns nicht den eben erwähnten Uniständen etwas an, so werden wir zu befürchten haben, Laß die Bemerkung: „Kondolenzbesuche dankend verbeten" sich in unliebsamer Weise mehren wird. 1. * * * Geehrter Herr Redakteur! Bon der Reise zurückgekehrt, finde ich beim nachträglichen Durchlesen Ihrer geschätzten Zeitung zu meiner Freude zum ersten Male das Budget unserer Gemeinde veröffentlicht. Was mich aber nicht freute, ist die schier unglaubliche Tatsache, daß von den JL 261000 Steuereingängen sage und schreibe JL 95 000 als Zuschuß für das Philantropin verwendet werden. Ta miiß diese Schule doch schon außerordentlich fördernd für die Hebung des Judentums wirken, wenn eine solch' immense Ausgabe berechtigt sein soll. Nun schaue man sich einmal den Stundenplan an! — Er sieht wirklich nicht anders aus, wie der Stundenplan einer jeden gewöhnlichen Realschule. Zwei Stunden jüdische Religion werden heute in jeder höheren Schule gegeben, und auch das Philantropin hat für das ganze Judentum nicht mehr wie diese zwei Stunden Religion. Freiwillig kann der Schülerin den unteren Klassen eine und in den oberen zwei Stunden hebräischen Unterricht bekommen: während die Schule für das Französische und Englische mindestens 4 Stunden die Woche verwendet, hat sie für das 'Hebräische obligatorisch nicht eine Stunde übrig. Und das nennt sich die Schule einer jüdischen Gemeinde, für welche Schule die Steuerzahler noch dazu Jt. 95000 jedes Jahr opfern müssen! Ich wundere mich durchaus nicht mehr daurüber, daß der Abfall von unserer Religion ein jo großer ist. Tun doch unsere leitenden Männer — ob in bezahlten oder iu Ehren-Aemtern — Alles dazu, diesem Abfall vorzuarberten. Es herrscht eine geradezu sträfliche Nachlässigkeit bei uns Juden. Ein Christ könnte wirklich solche Zustände, wie sie hier z. B. in Bezug auf das Philantropin vorhanden sind, nicht verstehen: denn daß für die Schule einer jüdischen Genieinde die Sprache und die Literatur der eigenen Väter nicht existiert, ist einzigartig. 'Allem Schönen und Guten solle» unsere Kinder zugesührt werden, doch die Bibel, das Buch der Bücher und das klassischste Werk der Welt, muß ihnen fremd bleiben, und so haben sie, wenn sie in den Kampf des Lebens treten, wohl einen Fonds von allgemeinem, aber nicht die Spur jüdischen Wissens, das sie begleite. Tas Philantropin kann zum Segen sür die Gemeinde werden, wenn Ihr, Steuerzahler, es wollt! Trum ermannet Euch, wählet in den nächsten Jahren nur Leute in den Ausschuß, die Erich die Oeffentlichkeit der Ausschußsitzungen bringen, und die Euch die Garantie geben, daß endlich einmal an Stelle einer exklusiven, sich unverantwortlich dünkenden Herrschaft ein frischer, demokratischer Zug zum Besten der Gesamtinteressen in unserer Genreindeverwaltung einziehe. _ B. Einige Fragen an die Rabbiner- Kommission? lFortsetzung aus dem Hauptblatt.) Auf das allerschärfste wollen wir an dieser Stelle auch noch hcrvorheben, daß die Rabbiner-Komrnission der Freien Bereinigung nicht einmal sämtliche Rabbiner umfaßt, die der Freien Vereinigung angehören, daß somit nur ein Bruchteil des Bruchteils der orthodoxen Rabbiner Teutschlands die Resolution gegen den Atisrachi gefaßt hat. Und wie man in den Kreisen der Rabbiner der freien Bereinigung denkt, die mit der Resolution nichts zu tun haben, mögen folgende Worte, die au uns gelangt sind, bezeugen: „Jedenfalls war ich und noch viele Kollegen nicht in dieser Versammlung, habe also an dem Beschluß keinen Anteil, möchte ihn auch nicht haben." Wir wären nicht mit solcher Aussührlichteit aus die formale Seite der Resolution eingegangen» hätten wir dabei nicht gleichzeitig Noch jene Protesterklärung ungarischer Ober-Rabbiner vom Herbst vorigen Jahres im Auge gehabt. Es lag uns daran, zur Entstehungsgeschichte von Protesterklärungen gegen den Zionismus im allgemeinen einen Beitrag zu liefern und damit auch noch jene Vorwürfe zu entkrästen, die seinerzeit gegen das Franks, isr. Familienblatt erhoben wurden, als es, das nicht einwandssreie Zustandekommen der ungarischen Erklärung aufdeckend, ungarische Rabbiner angreifen mußte. Wer mit derartigen Resolutionen in die Oeffcntlichkeit tritt, darf nicht unter den« Schutz seiner Würde Indemnität beanspruchen. Mit dem sachlichen Inhalt der „Erläuternden 'Anmerkungen" wird sich ein nächster Artikel beschäftigen. Wenn das Ansehen nnd die Autorität unserer Rabbiner schwindet — und das bedauert keiner mehr wie der Misrachi — so tragen diejenigen die Schuld daran, die derartige unerquickliche Diskussionen in der Oeffentlichkeit herbeigeführt haben. Wir sind bereit, in dem Augenblick die Polemik abzubrechen, in dem uns von der anderen Seite versichert wird, von der Ausbeutung der nun einmal nicht mehr aus der Welt zu schaffenden Veröffentlichung abznstehen. Briefkasten. N. N., Frankfurt. Es ist Jedermann gern gestattet, die 200 Gutachten russischer Rabbiner für den Misrachi aus unseren! Redaktionsbureau einzusehen, Verein „Mekor Chajim". Samstag, den 10. Juni er.» nachm. 4 Uhr, Bortrag über: „Schewuaus-Gedanken". --- Forderungen;— G zieht an allen Plätzen schnell ein G conzessionirtes G Privat-Secretariat Heb. Stieglitz, G Frankfurt am Main, Schopenhauerstrasse 10. G Erkpnl’ Holzschniffe, Galvano, Stereotyp ien,Äizungen liefert g-ut und billigst Felix Ehrenberg Eckenheimer Landstrasse 60b Tel.8607. Helligkrauzgasse IS (nächst neae Zeil) Georg Fech, * Maler, Lackirer and Weissbinder. D Billigste Preise. Reelle Bedienung, Q Nene Zeil 1 Frankfurt a. M. Tel. 9142. 0 Complette Tachricliim and einzelne Stücke za allen Preisen vorrätig. •oooooooooeoooooooooooo*

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