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Neue jüdische Presse · 1905-03-31 · Heft 13 (31.3.1905) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. deutschen Studenten in Prag 1000 Kr.; dem Vereine für die deutsche Ferienkolonien in-Prag 3000 Kr., dem Mchstenliebevereine zur Unterstützung verschämter isr. Hausarmen in Prag 3000 Kr., dem Kreuzerverein zur Unterstützung isr. Waisenmädchen im Königr. Böhmen.3000 Kr., dem Verein für gereg. Gottesdienst der Israel. Prag 4000 Kr., dem Vereine zur Errichtung eines allgem. isr. Knabenwaisenhauses für Böhmen 2000 Kr., dem isr. Freitischvereine in Prag 1000 Kr., dem Zentralvereine zur Pflege jüdischer Angelegenheiten, für die Sektion zur Heranbildung von Krankenpflegerinnen 3000 Kr., dem Großschen Arbeiterunterstützungsfonde der Peceker Zuckcrraffinerie 1000 Kr., der Aktienzuckerfabrik Aurinowes für Wohlfahrtszwecke 1000 Kr., der Josefstädter Kleinkinderbewahranstalt in Prag 1000 Kr., dem Israel. Kurhospitalc in Marienbad 1000 Kr., dem Vereine für israel. Ferienkolonien in Prag 1000 Kr., der Gemeinde Bubcntsch für Armcnzweckc 500 Kr., dem isr. Frauenvereinc in Beraun 300 Kr., dem Berauner Veteranenvereine 500 Kr., dem k. k. priv. bürgerl. Jnfanterickorps in Prag 500 Kr., dem Vereine zur Unterstützung der hilfsbedürftigen Jugend „Chanuka" in Prag 500 ' Kr., dem Zinsbeitragsvereine in Prag 500 Kr., dem Vereine zur - Ausspeisung mittelloser isr. Mädchen in Prag 500 Kr., dem isr. Frauenvereinc in Kgl. Weinberge 500 Kr., dem Vereine zur Unterstützung hilfsbedürftiger Taubstummen in Prag 500 Kr., dem Deutschen Mädchenheim 500 Kr., in Summa: 127 000 Kr. Prag. In der letzten Sitzung des Stadtrates wies Herr Stadtrat Dr. Joh. Podlipiny auf den Umstand hin, daß in der letzten Zeit in mehreren Zuschriften das Ansuchen gestellt tvurde, daß die Alt-Neu-Synagogc und das alte Fudenrathaus erhalten bleiben. Namentlich hat der „Klub für Alt-Prag'' in der Ocffeiitlichkcit mittels eines von mehreren Vereinen unterschriebenen „Eingesendet" die Ansicht verbreitet, als ob die Demolierung dieser historischen Denkmale beabsichtigt wäre. Demgegenüber ist zu erwähne», daß an die Demolierung der Alt-Ncii-Synagoge überhaupt nie gedacht wurde, und daß laut Stadtratsbeschlusses schon früher hinsichtlich der Erhaltung des alten Judenratshauses mit der israelitischen Knltnsgcmcindcver handelt und am 13. Januar vom Stadtrate beschlossen wurde, die Gemeinde auszufordern, daß sie cincu Plan der Regulierung dieses Gebäudes vor legen möge, welcher einer Kommission von Fachmännern vorzulegen wäre. Dieser Beschluß war dcni Klub für Alt-Prag bekannt, da er sich aus denselben in der Zuschrift des Hausrates vom 25. Januar d. I. beruft. Auch bei der Offertverhandlung für den Verkauf von Bauplätzen in dieser Umgebung wurde auf die Herrichtung der anliegenden Realitäten auf Grund der Anträge der Stadträte Dr. Scharf und Baurat Pasovsly Rücksicht genommen. Budapest. Auf das Huldigungstelegramm der orthodox. Landesversaminluiig an den König ist nunmehr die folgende Antwort eingelausen: - Hochwürden Herrn Koppel Reich, Oberrabbincr, Budapest. Seine kaiserl. und apostolisch-königl. Majestät hat laut der an mich unter Zahl 44-1 l. I. gerichteten Zuschrift des Herrn Ministers um seine Person die telegraphisch ausgedrückte Huldigung der in Budapest versammelten orth. isr. Oberrabbincr und Gemeinde- -elegierten nebst Kundgebung seines Dankes zur Kenntnis zu nehmen geruht. Hiervon verständige ich Ew. Hochwürdcn als den Unterzeichner des Telcgrammcs. B u d a p e st, 7. März 1905. Bcrzcviczy in. p. Schweiz. Basel. Das »Israelitische Beihaus" Klein- Basel hatte jüngst eine außerordentliche Generalversammlung, in welcher der bisherige Präsident Herr L. Frommer sein Amt n i e d e r l e g t c. Zn der Neuwahl, die sofort vorgcnommen wurde, wurden folgende Herren in die Kommission gewählt: Herr S. P e n t m a n n als Präsident, Herr M. Wiener, Kassier, Herren Al Melker und I. K lu g - mann als Revisoren und Beisitzendc. Bei dieser Gelegenheit sei noch erwähnt, daß Herr Dreisuß-Brodsky und seine Gemahlin unserm Verein 370 Fr. überwiesen haben, auch haben sich die edlen Spender verpflichtet, für das nächste Jahr dem Verein eine Subvention von 200 Fr. beizusteuern. Großbritannien. London. Ein jüdisches Kriegerdenkmal! In voriger Woche besuchte der Fcldmarschall Lord Roberts zum zweiten Male die „Central Synagoge" in London, um daselbst die Gedenktafel für die im Burenkricge gcfallcuenen 11(5 jüdischen Offiziere re. zu enthüllen. In seiner denkwürdigen Rede sagte er u. a.: „Ich kann ruhig behaupten, daß niemand in dem südafrikanischen Kriege besser socht, als Ihre Glaubeiisbrüdcr." Diese Worte, von einem Haupt-Kommandeur ausgesprochen, enthalten eine schlichte Wahrheit, für die die Gedenktafel ein ewiges Zeugnis oblegen toird. Diese Gedenktafel wurde nicht in der ersten Begeisterung errichtet, -noch weniger enthält sie ein Frankfurter Israelitischer Familienblatt. bloßes Wortgeklingel, welches den Interessen der Freiheit und des Fortschritts verhängnisvoll werden kann und eine Gefahr für unser Volk in sich birgt. Sie ist vielmehr der wahre Ausdruck eines Dankgefühls für jene hochherzigen Menschen, die auf dem Schlachtfelde die Untertanstreue der Juden für ihr Vaterland bewiesen. So wird diese Gedenktafel, errichtet für 2000 Juden aus allen Zweigen des Britischen Reiches, gleichzeitig ein Monument für die Weisheit der englischen Toleranz, eine' Predigt in Stein, deren Beredtsamkcit wieder und wieder ein Echo erwecken sollte iii allen zeitgenössischen, zurückgebliebenen Reichen! Frankreich. —r. Paris,!9. März. Ein Brief des Baron Rothschild an das Koii sisto riuui von Paris. Zur Hochzeit Rothschild-Halpern hatte das Pariser Konsistorium dem Baron Alphous v. Rothschild seine Glückwünsche übermittelt. Darauf traf ein Autwortschreibcii ein, dessen Uebersetzung hier folgt: „Ich habe die Ehre und das Vergnügen gehabt, die so herzlichen und rührenden Glückwünsche, die Sie freundlicherweise sowohl in Ihrem eigenen als auch im Namen der Gemeinde an mich gerichtet haben, zu empfangen. Mine. Rothschild und ich, sowie jeder einzelne von uns, waren tief gerührt über die Gefühle, die Sic uns übermittelten, und wir versichern Sie unserer Dankbarkeit ob ihrer Teilnahme. - Es ist ein altüberkommenes Band, das uns an die große jüdische Fainilie fesselt, der wir ganz und gar e r g e b e n f t n b. Es reicht ans der Vergangenheit, von unseren Vätern ist cs uns überkoininen, kurz es ist die Tradition unserer Familie, die auch mein Sohn — davon bin ich überzeugt — Hochhalten wird. Es ist ein süßes Gesühl für uns zu sehen, in welcher Weise Sie sowohl als die jüdische Gemciiidcvcrtretniig von Paris an fröhliche» und traurigen Vorfällen, die uns betreffen, Anteil iiehnicn. Das verschönt noch den einen und niniint den anderen ein Teil ihrer Traurigkeit und vermehrt nur noch die Dankbarkeit gegen Sie alle." Belgien. Brüssel, 24. März. Eine mutige Tat vollbrachten Herr Jules Levy und sein Vetter Herr :eon Levy. Als sie gestern Abend in die Rue Oupont kaincii, standen Hunderte von Menschen vor inem Hause» aus dem die Flammen hoch ausloderten. 2a es keiner aus der Menge wagte, die schlafenden Personen zn wecken, drangen oben genannte Herrn chnell entschlossen durch die Fenster in die rauch- «efüllten Zimmer und retteten so eine Frau und ichrere Kinder vor der drohenden Gefahr. Beide Herren wurden von einem herbeigceilten Polizeifflizier bereits für die Äcttungsniedaille vor- ,«schlagen. Bon Interesse ist es, daß der Vater des Herrn eon Levy, Godefroy Levy, dieselbe bereits hat, da c vor einigen Jahren in Ostende ein Mädchen vor ein sicheren Tod des Ertrinkens rettete. v. Rußland. Petersburg.- Der Minister des Innern hat den jüdischen Gemeinden gestattet, eine allgemeine Konferenz zur Beratung der Erlangung von Rechten einzuberufen. Odessa. Die »Odeska Nowosti" veröffentlicht den folgenden Brief eines jüdischen Soldaten der M a n d s ch u r c i - A r m c c an seine Frau, die sich bei ihren Eltern in Kiew aufhält: „Geliebte Frau! Deinen Brief habe ich gelesen und — habe geweint. Du schreibst mir, daß Tn und die Kinder hungern und deshalb im Begriffe bist, zu Deinem Vater nach Kiew zu reisen. Mir scheint dieser Entschluß noch schliinnicr zu sein, als der Hunger. Neulich las ich einen Brief der Frau meines Kampfgenossen und Freundes Simcha. In diesem Brief teilte dieselbe mit, daß sic zu ihrem Bruder nach Kiew gereist war und nach kurzem Aufenthalte von der Polizei gezwungen wurde, die Stadt wieder zu verlassen. Dies geschah auf folgende Weise: Tic Polizei überfiel das Haus des Nachts nm 2 Uhr und ergriffen sie und ihre Tochter, die sich vor Furcht in einem Klriderjchranke versteckt hatten. Einer der Polizisten befahl ihnen, ihm nach dem Polizei-Kommissariat zn folgen. Und als die Frau flehentlich bat, sie doch in Ruhe zu lassen, da ihr Mann auf dem Kriegsschauplätze weile und sie mit ihrer Tochter sonst verhungern müsse, da stieß sie der Polizist roh zur Seite, schimpfte wild „Judenwcib, halt' Dein Maul" und schleppte die beiden auf das Polizcikomnnssariat. Am nächsten Tage wurden sic aus der Stadt entfernt. Darum weinte ich, als ich Deinen Brief las. Ich seh' Dich und unsere Kinder in finsterer Nacht aus den Betten yerausgerissen und unter Flüchen und Mißhandlungen nach dem Polizeirevier geschleppt.. — Ach, wie groß ist die Schmach! Ich bin schon zum zweiten Male verwundet — vielleicht falle ich noch in einer Schlacht —; und meiner Frau und nieinen Kindern nimmt man den einzigen Nr. 13. Aufenthaltsort, wo sie vor Hunger geschützt find. Sind etwa auch, nicht sie Bürger des Landes, für das ich kämpfe!?" Warschau. Hier zirkuliert gegenwärtig ein Brief des bereits mit den ersten Truppen-Beförderungen nach dem ostasiatischen Kriegsschauplätze abgercisten Vialystocker Arztes D r. E P st e i n. Herr Dr. Epstein schreibt in diesem Briefe, daß er in japanische Gefangenschaft geraten sei. In das feindliche Lager gebracht, sei an ihn ein japanischer Offizier herangetreten und habe ihn auf russisch mit den Worten begrüßt: „Wie geht cs Ihnen, Herr Doktor?" Er habe den Offizier erstaunt ai»gesehen; tooranf dieser mit Lächeln zu ihm sagte: „Kennen Sie mich nicht mehr, Herr Doktor? Sie haben mich ja in Behandlung gehabt, als ich vor 1V® Jahren mich itc Bialystock als Seidenwaren- Händler und — wegen anderer Dinge aushielt!" Minsk. Der Schamosim - Streik. In unserem Lande? in dem gegenwärtig Alles streikt, ist zu der Zahl außergewöhnlicher Streikfälle, der folgende hinzugekommeii: In einer hiesigen Synagoge wurden 10 Talesim gestohlen, und der Schames, dem die Aufsicht darüber oblag, wurde wegen seiner Nachlässigkeit seines Amtes enthoben. Daraufhin erklärten sämtliche Schamosim der zahlreichen Minsker Synagogeii den.Streik, um den betreffenden Synagogcnvorstand zu zwingen, die Absetzung ihres Beamten wieder zurückzuziehen. Sie erreichten ihren Zweck, — und der Streik war beendet. Italien. —v— Rom. Ein intereffantes Bild, wie in der Hauptstadt der katholischen Christenheit die Konfessionen sich auf die Bevölkerung verteilen, gibt eine Vergleichung der statistischen Resultate der Volkszählung von 1871 und 1904. Im Zeitraum dieser 33 Jahre hat die Bevölkerung fast um 100 Prozent zugcnommen. Mit dieser Verdoppelung der Gesamtbcvölkerung hat die Zuiiahme der einzelnen Konfessionen nicht gleichen Schritt gehalten mit Ansnahme der Katholiken. Von den nichtkatholischen Koiifessioncir ist während dieser 3 Jahre die Zahl der Inden nur wenig gestiegen und im Verhältnis zur Gesamtzahl der Bevölkerung hat sie sogar abgenoninicn. 1832 bildeten die Juden 3,3 Prozent der Bevölkerung, 1862 nur noch 2,2 Prozent, 1904 gar mir 1,5 Prozent. Dabei muß aber bemerkt werden, daß viele in Rom ansässige Juden cs vorgezogen haben, ihre Religion überhaupt nicht anzugeden. Aus Veit Vereinen. Altona. Der »Israelitisch-Wissenschaftliche Verein" veranstaltete am 23. ds. Mts. zum B e st e n der osteuropäischen Juden eine O r i e n t r e i s c (K o st ii in f e st). Der große Saal des „Kaiserhofes" war vollständig stilvoll in ein Schiffsdeck umgewandelt worden; am Eingang lag I. M. S. „Hadassa" bis über die Toppen mit bunten Wimpeln und Flagge» aller Nationen geschmückt zur Abfahrt bereit. Nachdem von der vorsichtigen „Schiffahrtspolizei" die Papiere geprüft und als „rein" befunden worden waren, erwarb man im Vestibüle gegen den üblichen „Obolus" von einer reizenden „Stewardeß" die „Schiffahrtsnachrichten", Sonderausgabe für die Passagiere I. M. S. „Hadassa", um alsdann nach nochmaliger Prüfung der Schisfahrtskarten und Lösung eines „Gepäckscheins" für die Tombola die Schiffsräume zu betreten. Welch ein bunt bewegtes Bild entwickelte sich da im großen «aal bis zur Abfahrt des Schiffes. Neben den „Schiffsosfizicren", die ihre „Matrosen" antricben, das Schiss klar zur Abfahrt zu machen, sahen wir da Zigaretten verkaufende und Ansichtskarte» seilbietende Schöne, die alle noch mit den Orientalen ihre Geschäfte machen wollten. Neben den glutäugigen Orientalinnen sahen wir „verschleierte" und „nnverschleierte" Türkinnen am Arm eines bnrnnstragenden Araber dahin gleiten, während ans der anderen Seite reizende „Geishas" zum Besuch ihres TeehäuschenS einlnden. Dort taucht eine echte „Teerjacke" auf. Mitten aus den Betrachtungen erwecken die Töne der Schiffsglockc, und die Matrosen winken mit ihren Mützen und Tüchern, unterstützt von den ans Deck versammelten Passagieren, den letzten -Scheidegruß zu. Mit Präzisität setzte sich dann unter den Klängen des schönen Liedes „Von Hamburg geht's nach Ritzcbüttel" die „Hadassa" nach dem Aufzug und Tanz der Matrosen in Bewegung. Um nun den Passagieren die Zeit während der langen „Orientreise" zn vertreiben, hatte die „Schiffsleitung" für allerhand Kurzweil gesorgt. Zunächst begrüßte Frau L i s a 'T a r l a u die Passagiere mit einem selbstversatzten und schwungvoll vorgetragenen Prolog, dann erfreute Herr Willy K a l t s ch m i d t die „Schiffsgejcllschaft" mit einigen sehr beifällig aufgenommenen Gesangsvorträgen, während die Zwischenpausen durch ein Proniciiadenkonzert ans Deck des Schiffes ausgefüllt wurden. Als erste Landungsstation war Italien, das Land des ewig blauen Himmels und der blühenden Zitronen, vorgesehen, und so erfolgte denn auch nach etwa. einstündiger „Seereise" gegen 11 Uhr das An-

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