Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1905)
- Date
- 1905-03-17
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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«ettr 10. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 11. „tzaschofar" in spaniolischer Sprache. Seit kurzem erschettrt hier noch ein zionistisches Blatt, t»ie „Concencia", welche Auflläruug iin Sinne des Zionismus auf ihre Fahne schrieb. Philippopel der Gegenwart ist für die Juden Bulgariens von weit größerer Wichtigkeit als Philippopel der Vergangenheit. Hier ist der Sitz des Zentral-Komitees der bulgarischen Zionisten, nur hier erscheinen Misch-spaniolische Zeittmgcn, und so ist Philippopels in der Tat der Mittelpunkt, zu dem jich alle Juden Bulgariens hingezogen fühlen. I. Kanel. Personalien. Arankfnrt a. M. Zn Frankfurts Weichbild lebt ein Mann, der gemäß dem alten Erfahrungssatze, daß der Prophet in seinem Wohnorte meistens verkannt wird, unter der Frankfurter Judenheit lange nicht die Beachtung findet, deren er würdig ist. Herr Liepman Philip Prins, der am nächsten Dienstag, Purim, seinen .70. Geburtstag feiert, erfreut sich in der gesamten jüdischen Gclehrtenwelt dank seiner großen Gelehrsamkeit und hervorragenden Bewandhett in-der gewaltigen talmudischen Literatur eines großen Ansehens. Zu Arnheim' in Holland geboren, nahm'er bereits in seiner frühesten Jugend Unterricht bei den berühmten Rabbonim RabbiLoel Frankfurt, ein Enkel deS Gaons Rabbi Jehuda Aschkenasi Tictin, und dessen Sohn Rabbi Nastali. Bis zu seinem 40. Jahre war unser Jubilar Geschäftsmann, dabei sein Thorastudium stets eifrig betreibend. Jedoch der Kaufmannsberuf befriedigte ihn nicht, und berctts in seinem 40. Lebensjahre gab er ihn vollständig auf. Er zog nach Amsterdam und stelüc nunmehr all' sein Arbeiten in den Dienst des Judentums. Gemeinsam mtt Rabbi Jaakauw de Löw und Rabbi Mordechai Solberg setzte er seine Studien fort. Nach lOjährigem Aufenthalt in Amsterdam verzog er nach Frankfurt, wo er nunmehr seit 20 Jahren lebt. Räbbi Liepman Philip Prins entfaltete eine große und schöpferische Tätigkeit auf dem Gebiete der talmudischen Literatur. Er ist von jeher eiftiger Mitarbeiter an talmudischen Zeitschriften (wir nennen hier einige: 1) die in Odessa erscheinende Kauwez Kencseth, Chachmei Jisroel, redigiert von Rabbiner Abelsohn: 2) Sefer Jagdil Tauroh, erschien vor 14 Jahren in Berlin; 3) Tel talpiauth, redigiert von Räbbi David Katzburg in Wachen (Ungarn). Rach dem Ableben des Herrn Rabbiner Dr. Lehmann-Mainz übernahm.er die lvettere Fortsetzung seiner-Erklärungen zu den Pirke-Owauth und zu Perek Schiroh. In der großen talmudischen Ausgabe, die Wer hundert Kommentare enthält und die auf seine Anregung im Jahre 1886 von Gebrüder Rom in Wilna herausgegeben wurde, befinden. sich von ihm Bemerkungen (Hagohauth auf Tractat Chulin). Auch zahlreiche Bemerkungen auf verschiedene Schalauth-Schuwauth und Posttm hat er verfaßt. Der Verein Mekizei Nirdomim in Berlin hat das von ihm übersetzte und mtt Einleitung und Anmerkungen versehene uralte Manuskript Tajchlum Awudrohm herausgegeben. Auch an den von Professor David Kaufmann . herausgegebenen „Memoiren der Glückt von Hamel" hat er mitgearbeitet. Wir sehen also, daß Rabbi Liepman Philip Prins, der auch unserer Zeitung ein treuer Mitarbeiter ist, eine überaus mannigfalttge und große Tättgkeit entwickelt hat. Die Annalen der jüdischen Geschichte werden seine Lebensarbeit zu würdigen wissen. Möge dem Jubilar vergönnt sein, in ungeschwächter Kraft noch lange Jahre seine segensreiche Tätigkeit fortzusetzen! - Hamburg. Unter den Klängen der Kapelle des Jnf.-Regts. Nr. 76 trug mau am 8. ds. Mts. den Veteranen Herrn David Blogg, Inhaber des ältesten israelitischen Kochinstituts am hiesigen Platze, zu Grabe. Herr Blogg machte die Feldzüge von 1860 und 1870/71, ersteren im 3. haunov. Jnf.-Regt., letzteren im Jvf.-Regt. Nr. 84 iGraf Manstein), mit. Aus seinem militärischen Berhältniis gegenWer seinen ehemaligen Vorgesetzten wollen wtt besonders die Harmonie mtt seinem ehemaligen Divisionskommandeur, .dem General der Infanterie Frhrn. v. Wrangel, hervorheben, der dem Eittschlafenen noch vor wenigen Jahren anläßlich seiner Silberne» Hochzeit sein Porträt mtt einer eigenhändige» Widmung sandte. Ryitra (Ungarn). Der Großgrundbesitzer Josef Engel de- PeskodLr, Ritter des Franz-Joscf-Ordens, ist nach kurzem Leiden im Alter von 70 Jahren gestorben. Der Verblichene spielte im öffentlichen Leben des Komitats und der Stadt Nyttra eine hervorragende Rolle. Er war Mitglied des Kvmitats- Munizipal-Ausschusses und der städtischen Repräsentanz, Präsident der Nyitraer orthodoxen jüdischen Gemeinde usw. In Auerkcnming seiner bedeutenden wohltäügen Stiftungen war ihm von Sr.-Majestät der ungarische Adel verliehen worden. Aus der zionistischen Bewegung. Basel. In der Generalversammlung des Verein „M israchi" wurde an Stelle des nach Zürich übcrsiedelndcn Herrn S. Tcplitz Herr B. W. Roscnztveig als Präsident gewählt. Es wurde sodann beschlossen, alle 14 Tage eine Versammlung abzuhalten, um für die Ideen des Vereins eifrig tätig zu sein. Herrn Teplitz zollte man den Dank für seine Tätigkeit; er wurde zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. Basel (Schweiz). Das Kasino, in dem bereits 5 ,zion. Kongresse abgchalteu wurden, soll unigebaut werden und zwar in Kürze. Aus Ersuchen des Äktionskomitccs, das den Wunsch ausdrückte, den 7. Kongreß in demselben Saale, in dem Hcrzl die 5 Kongresse präsidiert hatte, abzuhalten, hat jedoch der Magistrat den Umbau Vis nach dem Kongreß verschoben. K. Oesterreich-Ungarn. Der Verein Haschahar in Bielitz-Biala geht daran, sich ein eigenes Heim zu errichten. Das Landeskoinitce erinnert in einem Erlaß daran, daß der letzte Kongreß den Beschluß gefaßt habe,- daß jeder zionistische Verein obligatorisch einen jährlichen Beitrag von 8 Kr. (— 7 Jt.) für die j ü - dis che Nationalbibliothek in Iernsa - l e m zu entrichtet habe. Wien zählt 2000. Schckelzahler. Gemäß dem Beschluß des Prager Dclegicrtcntages vom 13. März 1904 setzte das Distriktskomitec eine dreigliedrige Kommission ein, welche den Entwurf' für die Neuorganisation aus der Basis der Rayonierung ausarbcitete. Die letztere erfolgte nach Gerichtsbezirken mit Berücksichtigung der Verkehrslinien. Es wurden 13 Rayons.-für Böhmen errichtet, Prag in 2 Rayons eingeteilt. In jedem Rayon wird ein Arbettsausschuß errichtet. Als Musterstatut für Arbettsausschüsse wurde das des Jüdischen Volks- Vereins „Zion" in Teplitz anfgestellt. Bialyktok (Rußland). Ein sehr beredter Beweis für das Forts ch reiten d c s Z i o n i s m u s ist die Tatsache, daß trotz des Krieges, der geschäftlichen Krisis und der fortwährenden Auswanderung hier bereits 1500 Schekel für den diesjährigen Kongreß in Basel gezahlt wurden (beim vorigen Kongreß zählte Bialystok 1700 Schekelzahler) und daß der Verkauf der Nativnalfondsmarken und die Spenden für den Nationalfonds um das Doppelte gesttegen sind. London, 14. März. Major Gibbons der den Auftrag hatte, das von der e n g l i s ch e n Regierung zum Zweck einer zionistischen Ansiedelung zur Verfügung gestellte Gebiet zu besichtigen, fuhr, wie dem „Bureau Reuter" aus M o m b a s a gemeldet wird, am 13. März von dort an Bord des österreichischen Postdampfers in Begleitung seiner Kollegen Professor Kaiser und Dr. Willbusch nach Triest ab. Die Kommission hat in der geringen Zeit, die ihr zur Verfügung stand, ein verhältnismäßig großes Gebiet bereist. Man fand, daß das Land sehr gesund seiaber hie Kommijsionsmitglicdcr sollen dennoch nicht allzu optimistisch von den Aussichten denken, die eine landwirtschaftliche Kolonie haben würde. Außerdem zeigte der Wananbistamm eine feindselige Haltung. Er griff die Karawane der Forscher an, lvurde aber zurückgeschlagen. —Ii— Amerika. Mr. I. de Haas heiratete am 1. BLärz und gab in der Folge den Posten des Sekretärs der „Federation of Anierican Zionists" auf. Er war zuerst in England überaus eifrig für den Zionismus tätig und verlegte nur im Interesse desselben zu Agitationszweckcn seinen Wohnsitz nach Amerika. Er übernimmt jetzt die Leitung des New- Porker „Globe", kehrt somit zu seinem ursprünglichen Berufe, dem Journalismus, zurück. Aus der Lehrerwett. Breslau. Ferienkurse für jüdische Lehrer. Der Vorstand des Vereins israelittscher Lehrer in Schlesien und Posen hat in Ausführung des Beschlusses der letzten Generalversammlung eine Konimission niedergesetzt zur Beratung von F-crien-Kurscn in Religious-Wissenschafteu für jüdische Lehrer. Die Kommission, welche aus den 3 Vorstandsmitgliedern, den Herren Pros. Badt, Hauptlehrer Herbst-Lissa, Lehrer Moops und den Breslauer Rabbinern besteht, hat am 13. Februar eine Sitzung abgehalten und in derselben beschlossen, die genannten Kurse abzuhalten, falls sich eine genügende Zahl von Teilnehmern findet. Als Lehrkräfte sind für die wissenschaftlichen Fächer die Herren Rabbiner Dr. Braun, Deutsch, Fabian und Horowitz in Aussicht genommen, die kantorale Fortbildung soll in die Hände der Herren Obcrkantorcn Cerini und Rosenthal gelegt werden. Der Kursus soll 16 Stunden wöchentlich umfassen und sich auf folgende Lehrgegcnständc erstrecken: Sitte und neue Exegese, hebr. Grammatik und Stilistik, Geschichte der Liturgie, systematische Religionslehrr, biblische und jüdische Geschichte, Homiletik, Mischna, Orachchajim, Midrasch, kautorale Fortbildung. Eine Spezialisierung der einzelnen Disziplinen soll -später erfolgen. Karlsruhe i. B. Herr Dr. Kramer, der feine Ausbildung an dem Rabbiner-Seminar in Berlin erhalten hat, wurde als Stiftsrabbiuer nach hier berufen. Stratzburg im Elsaß. S In. der Sitzung des La ndes au ssch n sses vom 9. März fragte der Vertreter von Weißcnburg Abgeordneter Götz die Regierung um Auskunft, wie sie sich zu der Aurcgung stelle, man möchte diejenigen R a b b i n a t e in Elsaß-Lothringen, die seit taugen Jahren erledigt sind und sich als nicht lebensfähig erwiesen haben, ans dem Etat streichen und die freiwerdenden Gehälter zur Aufbesserung des Gehaltes der übrigen Rabbiner verwenden, da diese bei den allgemeinen Gehaltserhöhungen der letzten Jahre übergangen worden seien. Namens der Regierung erklärte lintcrstaatssckretär D r. Petri, die Regierung habe diese Vorschläge seinerzeit den Konsistorien mitgeteilt, aber, obwohl dies ,schon ziemlich lange her sei, noch keine Auskunft erhalten. Er habe jedoch nichtamtlich erfahren, daß die Konsistorienbetreffs -dieser Frage in den Monaten Mai oder Juni eine gemeiusaine Sitzung abhaltcn werden, und entsprechend dem Ergebnis derselbe», werde dann die Regierung die Frage im Landcsausschuß zu einer Erledigung bringen. Lobositz i. B. Als Rabbiner wurde Herr Salomon Löwy aus Graz hicrherbcrufen. Wien. Am Sabbath Schekolim fand im Bethauslokale des Tcmpelvcrcins „S P i c g c l s ch u l e" in der Haininer-Purgstallgassc die feierliche Am t s e i u - sührung des Rabbiners Herrn I. L. Äbeles als Nachfolger des verstorbenen Rabbiners Liebmauu statt. Wien. Am Mittwoch, den 8. c. starb hier der älteste aktive Rabbiner von Wien M. Frcunb im Alter von 78 Jahren. Aus den Vereinen. ' Berlin. Der Verein „Jüdische Arbeiterk o l o n i c und A s y l" versendet soeben seinen dritten Rechenschafts-Bericht, dem .eine eingehende Würdigung des am 10. Sept. verstorbenen ersten Vorsitze,idcu, Herrn Maurermeister Marcus Adler vorängcht. Im abgckaufeneu Jahre haben sich 490 Mann in der Anstatt in Weißensee ■ ausgehalteu. Nahezu Dreiviertel der im letzten Jahr Ncuaufgeuommenen wurden von der Ärmenkommission der Berliner jüdischen Gemeinde der Anstalt zugewiesen; der beste Beweis dafür,'daß die Anstalt ihrer Bestimmung entspricht, zur Verminderung der Wanderbettelei einen wesentlichen Beitrag zu stellen. Doch auch nicht weniger, als 117 Mann haben sich freiwillig gemeldet, und man wird auch aus dieser Tatsache nur günstige Schlüsse auf die wirtschaftliche und humanitäre Leistung der Kolonie ziehen können. Die Verteilung der Kolonisten auf die verschiedenen Betriebe ist naturgemäß von dem jeweiligen Bedürfnis nach Arbeitskräften bedingt, immerhin geben die nachfolgenden Ziffern, denen der Bestand von 86 Mann, die am 21. Dezember vorhanden waren, zu Grunde liegt, einen ziemlich sicheren Anhaltspunkt. Danach waren tätig: in der Rohrflechterei 25 Mann in der Stockfabrik 20 „ in der Hoseuträgerfabrik 7 „ in der Bürstenfabrik 32 . „ als Kolonieschneider 1 „ für Hausarbeit 1 „ Summa 86 Mann. Ausfällig ist dabei die große Zahl der in der Vürstenfabrik —ein erst im letzten Jahre an Stelle der aufgegebeneu Pclzfabrikation neu hinzugckommenen Betrieb — beschäftigten Leute. Diese Tätigkeit ist bei den Kolonisten mit Recht sehr bevorzugt, weil sie von ihr eine leicht zu erreichende Selbständigkeit erwarten. Aber auch die Leute ans der Gürtlerbranche können es zu einer guten Existenz bringen, so erzielen in einzelnen Fällen frühere Kolonisten bei Berliner Firmen ein wöchentliches Einkommen von 45 Mk.! lieber die ferneren Schicksale der Kolonisten gibt die - von Herrn Inspektor Behrendt unter der Ilebcrschrift „Gründe des Abgangs der Kolonisten" ausgestellte Tabelle einen ivertbollen Anhalt. Auch, daraus geht' hervor, daß cs sich nicht nur um eine zeitweilige Unterbringung der Leute In der Kolonie handelt — wiewohlbiese schon allein vor allen a u d e r n U n t e r st ü tz u n g s f o r m e n d e n Vorzug-verdient, weil sie gleichzeitig Nahrun g, Kleidung und Obd ach ge w äh et, dazu Gelegenheit zu Ersparnissen — daß vie,lmehr gerade in der guten Nachwirkung die Kolonie ihren höchsten Erfolg erreicht. Schönlanke (Posen). Die heute abgehaltene Generalversammlung des i s r a e l i t i s ch. F r a u e nvercins wurde von der Vorsitzenden, 'Frau M i ch e l s o h n, mtt einem Nachruf für den verstorbenen. Ehrenvorsitzenden, Rabbiner Waeldler, eröffnet. Der Verein zählt 102 Mitglieder,.von denen im letzten Zähre 450 Portionen Mittagessen au kranke