Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1905-03-17 · Heft 11 (17.3.1905) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 11 (17.3.1905)
Date
1905-03-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2692297-2692409-2692420--01498-2696018
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Nr. 11, Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 3. Auswanderer befördert. Die Unruhen in Etat (Marocco) erforderten einen Aufwand von 15 OVO .Fr., ferner wurden 8000 Fr. nach Fez, Rabat und Casablanca gezahlt. 7000 Fr. erhielten die Abgebrannten von K n t t i »nd Z l o c-z o w. Der Vortragende sprach sodann über die allgemeinen. Prinzipien der Alliance. Er zeigte an dem Lehrplan der Schule von Tetn. an (der ältesten, gegründet 1862) und der Schule in Jerusalem, ivelchen großen Raum das Hebräische ini Unterricht einnimmt; durchschnittlich in jeder Klasse wöchentlich mehr als 10 Stunden (in der untersten Klasse in Jerusalem mit Hebräischschreiben zusammen 20 Stunden wöchentlich). Zlbgesehen von Hebräisch werden in den Alliance-Schulen Arabisch, Türkisch, Spanisch, Italienisch, Deutsch und Englisch unterrichtet; das Deutsche in Jerusalem) den 4 größten Schulen von K o n st a n t i n o p e l und R u st - schul. Zum Schluß betonte Redner den Wert, den gerade das universelle Prinzip der Alliance habe; Baron Hirsch habe nach dem Muster der Alliance die Jca international errichtet. Auf allen Gebieten, welche über die lokale Wohltätigkeit hinausgehcn, sei die Alliance bahnbrechend gewesen; in der Errichtung von Schulen, von Handwerksschulen, in Errichtung der jüdischen Ackcrbaiischule bei Jaffa, der ersten jüdischen Ackerbaukolonie und der ersten jüdischen Kolonie in Palästina. Endlich nicht zum wenigsten in der Auswandererfrage. Die Hunderte, welche die Alliance nach der Hungersnot von 1869 aus Rußland nach Amerika beförderte, habe», da sie wirtschaftlich gut fortkamen, das Beispiel zur Massenauswanderung nach Amerika gegeben. Obgleich die Jahresbeiträge bei dem großen Budget der Alliance eine verhältnismäßig geringe Rolle spielen, könne sic natürlich immerhin mehr leisten, je mehr Einkünfte sie habe, und die Propaganda für sie in Deutschland sei, abgesehen von ihrer ruhmvolle» Vergangenheit und ihren bedeutende» Leistungen in der Gegenwart, auch' deshalb erforderlich, um den universellen Charakter der Alliance aufrecht zu erhalten. An den Vortrag schloß sich eine Diskussion an welcher namentlich die Herren Tr. Berufe l d, Nathan und R c ch t s a n w a l t Mendel teilnahmen. Die ausgelosten Mitglieder des Komitees, nämlich die Herren Heinrich P. Goldschmidt, R. - A. D r. Hantle, T r. m c d. Lehfeldt und Louis Rosenbau m wurden w icbet» gewählt. ftöln 0. Rh. .1904 wurden hier. 71 r e.in jüdi s ch c und 25 jüdisch-christliche Ehen geschlossen; von den jüdisch-christlichen Ehen waren in 12 Fällen die Männer und iu 13 Fällen die Frauen Jude». München. Der „Münchener Allg. Ztg." wird aus Rom geschrieben: „Der Professor für christliche Archäologie an der Berliner Universität, D r. Nikolaus Mülle r, ist mit der genauen Untersuchung und der Publikation der jüdischen K a t a k o mben betraut worden, die man vor einigen Wochen an den Hügeln von Monteverde, nahe bei der Eisenbahnstation Trastevere tvicdergefunden hat, nachdem sie Antonio Bosio Ende 1602 zuerst entdeckt hatte und im 18. und 197 Jahrhundert mehrfach Untersuchungen daselbst angestellt waren. Diese Katakomben liegen unter einem Solle Rosaro genannten Weinberg, und hier wurde jetzt ein Eingang entdeckt. Der siebenarmige Leuchter, der vielfach angebracht ist, und die Formel „Schlafe in Frieden" sprechen dafür, daß Mitglieder der jüdischen Trasteveregemeinde hier ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten." Vamberg. Die Regierung von Oberfranken hat die Bereinigung der israelitischen K u l t u s g e M e i n d c V i e r e t h (2 Stunden von hier mainabwärts) mit der i s r a e l. K u l t u s g e - m e i n d c Bamberg genehmigt. Die durch einen Beteiligten in Viereth eingelegte Beschwerde gegen diese Vereinigung ist vom Ministerium des Innern abgewiesen Wörden. Wegen der künftige» Verwaltung des Vermögens der israel. Kultusgemeinde Vicreth durch jene in Bamberg steht die Entscheidung des ‘ hierfür zuständigen Verwaltungsgerichtshoscs noch aus. Breslau. Leichenschändung. Auf dem jüdischen Friedhof in Moschin ist vermutlich in der Nacht zum 3, d. Mts. das Grab des Rentners Rosenberg geöffnet und der Leiche der Kopf abgeschnitten worden, den der Täter mitgenommen hat. Ein Beweggrund für die Tat ist nicht ersichtlich, es scheint, daß es lediglich auf den Verkauf des Schädels abgesehen war. Oesterreich-Ungarn. Wie». Bei der Heirat seines Sohnes Eduard hat der Vorsitzende des Berwaltungsrates der belgischen Nordbahn, Freiherr Alphons v. Rothschild, 50000 Fr. zur Verteilung an Töchter von Ilnterbeamten und an Arbeiter dieser Eisenbahn, die heiraten wollen, geschenkt. / - Frankreich. Paris. Eine große Hochzeit. Es kommt nicht sehr häufig vor, daß man beinahe den ganzen alten und neuen Adel eines Landes, dazu ein ganzes diplomatisches Korps in einer Synagoge versammelt sieht. Um das zustande zu bringen, muß schoirdas Haus Rothschild die Einladungen ergehen lassen, wie heute Nachmittags zur Trauung von Baron Eduard de Rothschild und Mademoiselle Germainc H a l p h e n. Ter israelitische Tempel in der Rne de la Victoire war stundenlang vor der Zeremonie überfüllt, die Polizei sperrte die Zufahrtstraßen ab und ließ selbst die Besitzer von Einladungskarten nicht mehr passieren. Man müßte den „Tout-Paris" abschreiben, wollte man die Namen der Erschienenen nenne», wo neben den elegantesten Repräsentanten der beiden Faubourgs der Vertreter des Ministerpräsidenten Rouvier, die meisten fremden Botschafter, die Hochlvürdenträger der Pariser Haute-Finance figurierten. Aus London war Lord Rosebery herübergekommen, um der Trauung beizuwohnen. Der Bräutigam, ein Sohn des Barons Alphonse de Rothschild, gehört der Hauptlinie der Familie an, die an der Spitze des Pariser Bankhauses steht. Die Chefs dieses Hauses ließen übrigens den sämtlichen Angestellten des Geschäftes ein glänzendes Hochzeitsgeschenk anweisen, eine Gratifikation in der Höhe des halben Zahrgehalts jedes Beamten. Daß bei der Gelegenheit auch eine große Summe für die Pariser Armen abficl, ist selbstverständlich. l-r.> Paris, 12. März. Baron Alphons von Rothschild hat anläßlich der Hochzeit seines Sohnes. 1000 Fr. der Direktion des Rothschild-Spitals in Paris übermitteln lassen, damit die Patienten und Angestellten der Anstalt den Tag festlich begehen könnten. Die Städtgemeinde Bordeaux tritt nach vielfachen Schwierigkeiten dieser Tage einen Besitz in der Höhe von 3 Millionen Fr. an, die ihr für die Armen (natürlich ohne Unterschied der Konfession, da es eine jüdische Stiftung ist) von Mine. Eduard Lion geb. Raba, die im Jahre 1896 starb, vermacht worden war. Zum Offizier der Ehrenlegion wurde auf Vorschlag des Ministers für das Innere Mr. Osiris Isla (Daniel), der Begründer vieler philantropischer Anstalten, ernannt. De» durch die Demission des Großrabbiners von Oran M. Moisc Netter freigewordenen Posten erhielt durch Entscheidung des Zentralkonsistoriums Mr. Jonas Weil, Rabbiner von Tlemcen. Ter wicdererrichtete Rabbinerposten von Miliana wurde dem Rabbiner M. Rapoport verliehen. (-r.) Paris, 13. März Der Steel» veranstaltete eilte Rundfrage über 'die Mcimtngsverschiedenheiteit geistlicher Würdenträger über die Trennung von Kirche und Staat. Unter anderen erschien Ende Februar auch das Gutachten des Großrabbiners von Paris Joseph Lehmann, der zugleich auch Direktor des jüdischen Seminars ist. Lehmann sprach darin zuerst seine Verwunderung darüber aus, daß diejenigen, die berufen wären, die Interessen der verschiedenen Konfessionen zu vertreten, nicht auf ihre Ansicht hin gehört worden seien. Lehmann fährt dann fort: „Wenn wir gefragt worden wären, so hätten wir alles aufgcbote», die Tempel denen im Besitz zu erhalten, für die sie erbaut wurden und die in ihnen ihr Gebet verrichten: jede Konfession erhält sich die Organisation, die ihren Traditionen und Wünschen am meiste» entspricht: der Katholizismus seine imposante Hierarchie; der Protestantismus seine Presbyterien, seine Synoden, und das Judentum seine zentrale Gruppierung, die irichts anderes bezweckt, als die materielle und geistige Förderung des französischen Judentums." „Unsere Konstitution in Frankreich entsprang der Revolution. Unsere Organisation datiert von 1806 her. Sie ist das Werk einer allgeineinen Versammlung zu Paris am 10. Dezember 1806 und sie wurde sanktioniert durch das Gesetz vom 17. März 1808. Wir haben keinen Konkordat, keine organischen Gesetze. Alkes auf unfern Kult Bezügliche wurde durch die Verordnungen der staatlichen Gewalt (20. August 1829, 29. Mai 1844, 9. Juli 1853, 12. September 1872, 27. März 1898) geregelt, aber immer nach Anhörung der Wünsche der berufenen autorisierten Vertreter des Judentums. Wir verlangen von den heutigen Gesetzgebern denselben Liberalismus, den alle anderen Regierungen seit Napoleon I. befaßen und uns die Organisation zu belassen, die unbedingt unseren Bedürfnissen entspricht." Zum Schluß spricht Lehmann sich gegen die Scharfmacher ans welchein Lager immer aus. Rußland. Petersburg. Bierunddreißig jüdische Einwohner Hömels veröffentlichen folgenden Brief in der St. Petersburger „Nowosti": „Wir, die unglücklichen Opfer der Homelschen Zerstörung, wir, die wir ruiniert und verarmt sind, können doch nicht umhin, uns mit dem schrecklichen Weh unserer Genosse» im Leiden, der Bakuschen Armenier. zu beschäftigen. Wie wir, haben sie an sich die grausamen Schläge einer unwissenden Menge erfahren, die von der tückischen Hand menschenhasserischer und dunkler Macher fanatisiert und geleitet wurde. Wie wir. beweinen sie ihre Väter, Mütter, Brüder, Schwestern und Kinder, die durch Kugeln und Dolche in einer friedlichen Stadt, inmitten ihrer friedlichen Beschäftigung umgekommen sind. Friede der Asche der unschuldig Umgekommenen! Ihr Blut falle auf die Häupter der Anstifter dieses blutigen Gemetzels! Wir glauben, daß die Bakuer Sache allseitig erforscht und durch gerichtliche Untersuchung beleuchtet werden wird, daß sich eine so freche Verletzung der Wahrheit, wie sie sich vor den Augen der ganzen Welt in dem Homelschen Gericht vollzog, niemals mehr in Rußland wiederholen wird. Die Bürgschaft für unseren Glauben ist die Bildung der Untersnchungskommission (in Baku), zu welcher Vertreter der Gesellschaft und der Presse zugezogen sind." Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Homelsche Gerichtshof sowohl gegen die Nowosti wie gegen die vierunddreißig Briefschreiber Klage wegen Amtsbeleidigung erhebt bezw. daß der Justizininister dieselbe anstrengt. Im übrigen ist. dieser Brief sehr charakteristisch für die Sprache, welche jetzt die russischen Blätter führen. Petersburg. Unter den von der Regierung eingesetzten Kommissionen für die Reform der Gesetzgebung ist auch eine Presse- K o m m i s s i o n, deren Vorsitzender der als loyale und liberale Persönlichkeit bekannte Senator K o b e k a ist. Bor dieser .Kommission erschienen als Vertreter der jüdischen Presse Redakteur Sokolow von „Hazefirah" und Redakteur G i n s b e r g vom „Fraind", um wegen der Nachricht der Blätter, daß sich die beabsichtigte Aufhebung des Zensurvcrbotes nur auf die russische Presse beziehe, vorstellig zn werden. K o b e k a erklärte diese Nachricht für unbegründet: würde die Zensur aufgehoben, dann würde sich die Aushebung auf die gesamte Presse beziehen; sobald die Komission in ihren Beratungen an die jüdische Presse gelangt sei, würden auch Vertreter derselben angehört werden. Petersburg. Zuverlässigen Nachrichten zufolge lvird das M i n i st e r k o m i t e e sich dieser Tage auch mit der Erweiterung der Rechte der Juden beschäftigen. Seitens vieler jüdischer Gemeinden aus allen Gegenden Rußlands sind in den letzten Wochen Petitionen au das Ministerkomitce abgesandt worden, die allesamt die Gleichberechtigung verlangen. Dieser Mut der Inden wäre noch vor einigen Monaten undenkbar gewesen. Unseres Erachtens nach würde es im Interesse der russischen Jndenheit liegen, nicht einzeln, sondern in Vertretungihrer Gesamtheit vorzngehen. Ans diese Weise ließen sich jedenfalls bei der Regierung eher Resultate erzielen. Odessa (Rußland). Die Odessaer Abteilung der Gesellschaft G ö u l a, die den Ankauf von Boden in Palästina und Syrien zur 'Ansiedelung bezweckt, hat gerade in der letzten Zeit einen großen Aufschwung genommen. Allein aus der sibirischen Hauptstadt Irkutsk sind 2500 Rubel als Betrag für 25 Aktien eingegangen. Tie Gesellschaft steht wegen Ankaufs eines größeren Areals in Palästina in Unterhandlung: das anzukausende Land soll parzelliert und an jüdische Bauern verkauft werden. Wie wir hören, hat eine große Kolonisationsgesellschaft der (Keula die Gewährung eines Kredits zugesagt. Minsk. Am 27. Februar stellten die jüdischen .Setzer an die Truckereibesitzer folgende drei Forderungen: I) neunstündige Arbeitszeit, 2) vollständiger Ausfall der 'Arbeit am Tisch oh-be- A w und 3) die gleiche Lohnzahlung wie für die Arbeitstage auch für die Samstage und alle übrigen Ruhetage. Die Forderungen wurden noch an demselben Tage bewilligt. Bulgarien. Philippopel, den 16. März. D r. Ehrenpreis und seine 0s e g n e r. Nach dem letzteir Kongreß der jüdischen Gemeinden Bulgariens ist der schon vorher herrschende Gegensatz zwischen den Gemeinden, hauptsächlich den zionistischen, und dem Lberrabbiner Herrn Dr. Ehrenpreis bedeutend verschärft worden. Herr Dr. Ehrenpreis will keineswegs dem genannten Kongresse seine Anerkennung schenken. Er bemüht sich vielmehr, ihn durch Artikel in den bulgarischen Zeitungen für ungültig zu erklären. In demselben Maße und noch mehr arbeiten seine Gegner dafür, daß der Kongreß als solcher betrachtet werde und die aus demselben gefaßten Beschlüsse bctr. Organisation der jüdischen Gemeinden, Regelung der Schiilverhältnisse usw. allgemeine Anerkennung finden, Nicht nur durch zündende Artikel in den spaniolischen Zeitungen Philippopels wird gegen Herrn Dr. Ehrenpreis gekämpft, sondern auch, wie aus folgendem ersichtlich, ditrch öffentliche Reden. Samstag, den 4. März, vereinigte sich ein großes Publikum in der hiesigen Synagoge „Jeschurun", um von den Delegierten Philippopels den wahrheitsgetreuen Bericht über den .Kongreß zu hören. Zuerst erzählte der Delegierte S e n n o r A s ch e r Romano den etwas seltsamen Verlauf des Kongresses und betonte besonders — nachdem er beim Heiligtum geschworen, daß alles pure Wahrheit ist — das nicht genug Zu verurteilende Betragen des Rabbiners während des ersten Kongrcßtages. Auf dem Kongresse sei festgestellt worden, daß Herr Tr. Ehrenpreis in den vier Jahren seiner Tätigkeit für das Juden-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.