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Neue jüdische Presse · 1905-02-24 · Heft 8 (24.2.1905) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 8 (24.2.1905)
Date
1905-02-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 3. drei Monate gewährt habenden Prozeß, der eine große politische und gesellschaftliche Bedeutung in sich trug, mit Spannung verfolgt und muß Ihnen, Herr Präsident, die Gefühle aufrichtiger Dankbarkeit für Ihre bewundernswerte Unparteilichkeit zum Ausdruck bringen. Sie spricht offen aus ihre Gefühle höchster Achtung und Bewunderung für die unermüdliche Treue, mit der Sie Ihre Pflichten erfüllt haben. Sollten die.Feinde der. Wahrheit falsche Gerüchte über Sie ausstrenen, so sind wir die Zeugen für Ihre Gerechtigkeit und unverdrossene Arbeitsfreudigkeit." Die Adresse trug 30 Unterschriften. Amerika; New-Nork. Gründung einer jüdischen Ackerbau-Kolonie. Zu einem äußerst löblichen Zwecke hat die Jewish Industrial n. Agricultural Society eine Farm von 30l) Acres (— 120 Hektar) in Kings Park, L. I., erlvorben. Man will nämlich das Land jüdischen Familien, welche im New-Iorker oder Brooklyner Ghetto wohnen, zum Ackerbau überlassen. Es handelt sich bei dem Unternehmen nicht um pure Wohltätigkeit, denn die Bereinigung überläßt den Familien den Acker nur pachtweise und streckte ihnen Summen in der Höhe von 500 Dollars bis 2000 Dollars für den augenblicklichen Unterhalt und zur Bestreitung der Kosten der Feldbestellung vor, die sie nach der Erntezeit wieder zurückzuzahlen habe». Die Gesellschaft stellt einen Aufseher an, .welcher den neugebackenen Farmern Einweisungen in Bezug auf den landwirtschaftlichen Betrieb gibt und erbaut mehrere Häuser, in denen die Ackerbauer ein Unterkommen finden. Nach Ablauf eines Jahres sondert man die Spreu vom Weizen. Leute, welche im Ackerbau reüssiert haben und tAfallen daran finden, bleiben entweder in der Kolonie oder erwerben sich anderswo eine kleine Farm, während die Mißvergnügten nach der Stadt zurückkehren. Die „Jewish Industrial u. Agricultural Society" hat schon anderswo Versuche mit Ackerbaukolonien gemacht und einen ziemlichen Erfolg damit erzielt. Die Lang Isländer Farm soll in diesem Frühjahr eröffnet werden. Personalien. Frankfurt. Der dürre Bericht, den diese Blätter über den in Berlin verstorbenen Rabbiner Abraham B i b e r f e l d brachten, hat nur ein schwaches Bild des interessanten und verdienstvollen Mannes gegeben, und sollen diese Zeilen dasselbe ein wenig vervollständigen. Rabbiner Biberfeld war ein fester energischer Charakter, der seinem Beruf mit einer Hingebung und Uneigennützigkeit oblag, wie sie nur von einem, der ganz von der Heiligkeit seiner Aufgabe erfüllt ist, ausgeübt werden kann. Ohne diese hohe Auffassung wäre cs dem Verstorbenen bei der großen Anzahl seiner Schüler leicht gewesen, auch materielle Erfolge zu erzielen. Außer den mit seiner Anstellung verbundenen sogenannten Pflicht-Schiurim richtete Rabbiner Biberfeld mehrere freiwillige ein, die sich alle großen Zuspruchs erfreuten, da viele Besucher des Rabbiner- Seminars auch seine Hörer waren. Für die tagsüber in Anspruch genommenen dem Kaufmannsstande Angehörendcn legte er einen Schiur auf die Morgenstunde direkt nach Beendigung des Gottesdienstes. Es gab keine Tageszeit, in welcher er für seine Schüler nicht zu sprechen gewesen wäre. — Aber nicht nur das jüdische Wisseik dieses Mannes war ein imponierendes, auch über andere Wissenszweige ihn sprechen zu höre», war belehrend und besonders, wenn er sich über politische Fragen aus seiner reichen Erfahrung heraus äußerte, sah man, daß sein Bildungsgang kern einseitiger gewesen war. Bei der mit seinem konsequenten Wesen naturgemäß verbundenen Strenge besaß der Verstorbene im persönlichen Verkehr eilte Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit, die nur einem guten Herzen entspringen konnten. Im Verein mit seiner geschätzten Gattin übte er eine ausgedehnte Gastfreundschaft. Die während der Festtage in Berlin weilenden Freunde seines Hauses waren sicher, seine Tischgäste zu sein. So ist init dem Scheiden dieses ausgezeichneten Mannes nicht nur das Oberhaupt einer zahlreichen Fainilie dahingcgangeir, auch viele Schüler verlieren ihren Lehrer und Freund. Den Lohn, den sich der Verstorbene verdient hat, fand er zum Teil bei Lebzeiten, .indem er seine Töchter an fromme, teilweise in angesehener Stellung sich befindende Männer verheiraten konnte. Berlin. Die Repräsentantenversammlung der Berliner j ü d i s ch e n G e m e i n d e hat in ihrer letzten Sitzung den als Historiker bekannten Dr. phil.'M or i tz S t e r n in Charlottenburg zum Gemeindebibliothekar gewählt. Nürnberg. Der schwedische Konsul und dänische Vizekonsul Herr Bernhard Lang erhielt in Anerkennung langjähriger Verdienste im Amte vom König von Dänemark das Ritterkreuz des Daneb r o g - O r d e n s, nachdem derselbe schon vorher mit dem schwedischen Wasa-Orden und deni norwegischen St. Olass-Orden von dem König von Schweden ausgezeichnet wurde. Konsul Lang ist seit Jahren Mitglied der israelitischen Knltusverwaltung und verschiedener anderer wohltätigen Anstalten in Nürnberg. Budapest. In der letzten Sitzung d-r auton. orthodoxen isr. Gemeinderepräsentanz wurde die B o rst a n d s n e u w a h l vorgenommen und mit Akklamation wiedergewählt zum Gemeindepräses: Nioscs Freudiger, zu Vizepräsidenten: Dr. Jakob Schächter und Mols Frankl, zum Vorsteher der Schulsektion: Dr. Wilhelm T o t i s, zum Vorsteher der Kultussektion: Isidor Abeles, zum Gemeindekassier: Edmund Müller, zum Kontrolor: Joseph Feith. Budapest. Der über die Grenzen Ungarns hinaus bekannte Professor der Musik AdolfGrünzweig ist im 76. Lebensjahre gestorben. Vor einigen Jahren hatte der Verstorbene sein SOjähriges Jubiläum als Chordirigent der Arader Knltusgemeinde gefeiert. Aus den Vereinen. fr) Frankfurt a. M. In der am Sonntag, den 19. in der Aula der Religionsschule stattgefundenen Generalversammlung des Zentralvereins jüdischer Ge m ei ir de Mitglieder erstattete der Vorsitzende Herr Alfred Geiger zunächst den Jahresbericht, aus welchem zu entnehmen ist, daß der Verein in erfreulicher Vorwärtsentwicklung begriffen ist und fortwährend bemüht ist, das Interesse weiterer Kreise für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu erwecken. Daß sein, Bestreben Anklang findet, ergibt die erfreuliche Zunahme der Verernsmitglieder; mehr wie 100 Mitglieder sind im letzten Jahre dem Vereine neu beigetreten, so daß die Atitgliederzahl bald das vierte Hundert überschritte» haben wird. Ter Verein nahm Stellung zu verschiedenen gottesdienstlichen, sowie Schuljragen, unter welchen die Subventionierung der Religionsschule durch die Gemeinde in erster Linie erwähnt sei. Bei den Ausschußwahlen kam die Einigung auf eine gemeinsame Kandidatenliste. mit dein Freisinnigen Verein für das jüdische Gemeindelebeu zustande. Leider wurde Herr Dr. Heinemann, ein Kandidat des Vereins, vom Polizeipräsidenten nicht bestätigt, weil er das 30. Lebensjahr noch nicht erreicht hat. An seine Stelle trat Justizrat Dr. Hecht. Der Kassenbericht, erstattet von Herrn Schwab, wies ein Vermögen des Vereins von 150 Jk auf. Bei der nunmehr folgenden Borstandswahl wurden die Herren Alfr. Geiger, Eli Michael, Schwab, Dr. I. H e i n e m a n n, K a r l e b a ch wieder und die Herren Justizrat Hecht und Dr. med.' W. Hanauer neu gewählt. Nach Erledigung dieser Punkte referierte Herr Justizrat Dr. Hecht über das zur Zeit in Geltung befindliche G e m e i n d e st a t u t und seine Refo rm b e d ü rft i g ke i t. Das Statut stammt aus dem Jahre 1839, ist vollständig veraltet, unzeitgemäß und nimmt auf die moderne Weiterentwicklung des Gemeindelebens nicht die geringste Rücksicht, was der Referent an verschiedenen Paragraphen des Statuts jm Einzelnen nachweist. Das Statut ist durchaus reformbedürftig, doch meinte Herr Dr. Hecht, daß es wohl aussichtslos wäre, jetzt ein neues Statut zu entwerfen, da dies wohl nicht die Genehmigung der .Regierung finden würde. Dagegen seien Bestrebungen im Gange, für alle preußischen Gemeinden eine gemeinsame Verfassung zu schaffen, die wohl Aussicht auf die Verwirklichung hätten. Dagegen vertrat man in der Debatte, an ivelcher sich die Herren Geiger, Levigärd, Oppenheimer und Worms beteiligten, de» Standpunkt daß man nicht so lange warten könne, bis für alle jüdischen Gemeinden ein gemeinsames Statut geschasfen würde, sondern man solle sich jetzb gleich au die'Resorm der Frankfurter Verfassung heranmachen. Ja, von einigen Rednern wurde verlangt, daß inan sofort an die Gemeindeverwaltung mit Anträgen Herangehen solle, wie u. a. betreffend die Oeffentlichkeit der Verhandlungen, die Erstattung eines Jahresberichtes, die Rechnungslegung über die Gelder der Gemeinde, was jetzt schon alles ohne Aenderung der Verfassung möglich wäre. Tie Versammlung nahm schließlich einstimmig eine Resolution an, welche den Vorstand des Zentralvereins ersucht, baldigst ein zeitgeinäßes Statut für die Gemeindeverwaltung auszuarbeiten und es einer späteren Generalversanimliing vorzulegen. Ter letzte Gegenstand der Tagesordnung betras die Stellungnahme zum Neubau eines jüdischen Krankenhauses. Hierzu erstattete Herr Tr. med. W. Hanauer im Aufträge des Vorstandes ein eingehendes Referat. Wenn man den Rechtsstandpunkt ins Auge saßt, so führte der Redner aus, ist die jüdische Gemeinde heute nicht mehr verpflichtet^. ein eigenes Krankenhaus zu erbauen, ebensowenig wie eigene Schulen usw. Tie politische Gleichberechtigung ermöglicht vielmehr, daß unsere Kranken jetzt auch in die allgemeinen Spitäler aufgenominen werden müssen. Mer für die Errichtung eines eigenen Krankenhauses kommt auch das religiös-rituelle Moinent in Betracht. Diese schon „seit Jahrhunderten und Jahrtausenden geübte Pflicht, daß wir für unsere Armen und Kranken selbst sorgen und die Sorge nicht auf andere abwälzen, gestattet uns nicht von der Tradition der eigenen Verpflegung unserer Kranken abzugehen. Redner geht dann auf 'die Geschichte des alten Fremden-Hospitals ein, dem Vorgänger des jetzigen Gemeindekankenhauses, welches am alten jüdischen Friedhof stand, da wo jetzt die neue Gemeindesynagoge sich erhebt. Dieses hatte 28 Betten und verpflegte 1860—70 jährlich etwa 100 Kranke. Das Projekt des Neubaues des Königwarterhospitals tauchte bereits 1859 aus, vollendet wurde es 1875. Es enthält 80 Betten. Die Krankenzahl hat von Jahr zu Jahr zugenommen und betrug 1877 190 Kranke, 1903 730. Das Spital ist demnach bald an die Grenze seiner Ausnahmesähigkeit gelangt und würde sicher schon längst nicht mehr ausgereicht habe», wenn nicht das Rothschild'sche Hospital, das Kinderhospital, sowie das Siechenhaus aushelfend zur Seite stünden, außerdem suchen viele jüdische Kranke Hilfe inr städtischen Krankenhanse. Die jüdische Einwohnerzahl ist von 1l 000 im Jahre 1875 auf 22000 im Jahre 1902 gewachsen, sie wird bei der diesjährigen Volkszählung etwa 25 000 sein. Mer nicht mir in quantitativer, auch in qualitativer Hinsicht genügt das Hospital nicht mehr den modernen Ansprüchen, weil es bei seinen beschränkten Raumverhältnissen nicht mehr im Stande ist, den ungeheuren Fortschritten der Hygiene und Medizin Rechnung zu tragen. Da ist vor allem Trennung der ansteckenden Kranken von den anbereu notwendig, sowie Errichtung eigener Pavillons, Errichtung eines besonderen Leichengebäudes, besondere Desinfektionseinrichtungen, Trennung der Wirtschafts- und Berwaltungsräume von den Krankenräumen. In medizinischer Hinsicht muß der Spezialisierung der medizinischen Wissenschaft Rechnung getragen werden durch Errichtung einer eigenen Kinderabteilung, Hautabteilung» Einrichtungen für Hydrotherapie, Orthopädie, Röntgen- und Lichtbehandlung usw. Redner läßt darauf die neueren Krankenhausbauten der auswärtigen jüdischen Gemeinden Revue passieren, unter welchen sich besonders das neue Hospital der Breslauer Gemeinde durch prächtige Ausstattung als vorbildlich erweist. Das neue Frankfurter Gemeindehospital müßte nach Ansicht des Redners mindestens einen Belegraum von 200 Betten umfassen, entsprechend dem Wachstum der jüdischen Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten und der noch zu erwartenden Zunahme. Dr. Hanauer schätzt die Zunahme der Bevölkerung in den nächsten 30 Jahren ans mindestens 15 000 Seelen. Was die Ausstattung anlangt, so solle man die Separatabteilungen mit besonderem Komfort ausstatten und das Spital auf diese Weise den beste n Kreisen der jüdischen Bevölkerung zugänglich machen, womit auch in finanzieller Hinsicht ein Vorteil erzielt würde. Der Vortragende schloß mit der Hoffnung, daß die hochwichtige Ausgabe in einer Weise geregelt werde, wie es ihrer Wichtigkeit und den altbewährte» Traditionen der Gemeinde entspreche und daß man denselben weitschauenden Blick beweise, wie dies bei der Erbauung des jetzigen Hospitals der Fall gewesen sei. ~~ Nach dem beifällig aufgenommenen Bortrag wurde eine Resolution angenommen, in welcher der Vorstand der Gemeinde ersucht wird, den Neubau des jüdischen Gemeindehospitals möglichst zu beschleunige» mit Hintansetzung der anderen gegenwärtig schwebenden Projekte. Berlin. Die Jakob Israel-Stiftung, Pensionskasse für die Angestellten der Firma N. Israel zu Berlin, sowie für deren Witwen und Waisen hielt am Dienstag, 14. Februar, ihre diesjährige ordentliche Generalversamnilung ab. Der Vorsitzende erstattete über die Finanzlage der Kasse Bericht und schloß mit Berknndiquirq des erfreuliche» Ergebnisses, daß das Stistungskapital von 250000 .Mt in den neun Jahren de- Bestehens der Stiftung sich um 515 201 Jk. erhöht hat, so daß die Kasse augenblicklich über ein Vermögen von 765201 Jk verfügt. Nachdem dem Borstande wegen der Kassenverwaltung Entlastung erteilt und die Borstandswahlen vollzogen waren, fand eine lebhafte Diskussion über, den weiteren Ausbau der Jakob Jsrael-Stistung statt, welche dem Borstande willkommene Gelegenheit bot, de» Mitglieder» für den Fall der andauernden günstigen Bermögensentwicklnng der Stiftung für die Zukunst noch größere Vorteile aus der Kasse in Aussicht zu stellen. Breslau. Schon vor einigen Jabren bestanden .hier hebräisch.e Sprachkurse, die sich jedoch 'ans verschiedenen Gründen auflösten. Jetzt nimmt der „Verein jüdischer Religionslehrer und Lehrerinnen zu Breslau" unter Vorsitz des Herrn Rabbiner Fabian die Angelegenheit wieder auf und erössnet demnächst einen Kursus für die Anfangsgründe im Hebräischen. Berechtigt zur Teilnahme sind junge, nicht mehr schulpflichtige Damen. Bor kurzem fand hier eine öjfentliche Besprechung statt, die über die Gründung eines „Hilfsv e r e i n s f ü r d i e j ü d i s ch e » T a u b st n m nt e «" als Zweigvcrein des Berliner Hilssvereins beschließen sollte. Die Rabbiner unserer Gemeinde, Herr Dr. Roscnthal und Herr Dr. Guttmann, sowie Herr Dr. Klüger, Religionslehrer an der hiesigen Täubstummcnanstalt, traten vor alle» Dingen für die Gründung eines Altersheims für die jüdischen T a u b st u m m e n ein. Tie Aus'ührungen genannter Herren fanden lebhaften Beifall, und es wurde einstimmig beschlossen» ein« energische Agitation für

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